Wagner gewinnt gegen Nagl das Duell um die Nummer 1

Super-Samstag beim Mai-Super-4-Turnier, und mit Glück ging dieser zweite Spieltag beim zweitgrößten Sandplatzturnier der Hobbytennistour ohne Regen über die Bühne und zu Ende. Es war ein äußerst ereignisreicher Tag, mit dem Achtelfinalschlager der beiden besten Spieler des letzten Jahres, mit dem frühzeitgen Aus des frischgebackenen April-GP-Champions und jeder Menge interessanter Doppelparungen. Die Tageszusammenfassung von C.L

Bernhard Nagl mit höchster und frühester Karriere-Niederlage

Der mit Spannung erwartete große Schlager des Mai-Super-4-Achtelfinales zwischen Christoph Wagner und Bernhard Nagl endete mit einem ungewöhnlichen Ergebnis. Im Duell der beiden besten Spieler der Hobby-Tennis-Tour setzte sich die neue Nummer 1 der Entry-List Christoph Wagner gegen die Nummer 2 im Entry-Ranking Bernhard Nagl überraschend deutlich mit 6:2, 6:0 durch. Am gutbesuchten Centercourt übernahm der 15jährige Ranglisten-Leader von Beginn an mit druckvollem Tennis von der Grundlinie das Kommando, und nützte zudem die eher schwache Form seines Gegners perfekt aus. Während Wagner eine solide Vorstellung zeigte, und gelegentlich sogar mit energischen Netzattacken erfolgreich blieb, ließ Nagl sein gewohnt sicheres und effektives Tennis vermissen. Am Ende setzte es für den Mödlinger Masterssieger mit 2:6 und 0:6 nicht nur die höchste Niederlage seiner Hobby-Tennis-Tour-Karriere, sondern mit dem Aus im Achtelfinale auch die früheste Pleite seiner Laufbahn. Dazu musste sich “Bernie” nach 11 Einzelsiegen in Folge erstmals wieder geschlagen geben. Dennoch nahm der 3fache Grand-Slam-Sieger die frühe Niederlage nicht so tragisch. “Es ist am Schluss eigentlich so gekommen wie ich es erwartet habe. Vielleicht hätte ich mir 4 oder 5 Games mehr ausgerechnet, doch die Niederlage insgesamt war absehbar. Drei Monate Pause waren halt doch sehr lang. Mein Hauptziel bleibt aber die erfolgreiche Titelverteidigung beim Mai-Grand-Slam-Turnier in zwei Wochen. Bis dahin bin ich wieder der Alte”, wollte Nagl die Niederlage gegen Wagner eher als rechtzeitigen Warnschuss sehen, anstatt lange über die enttäuschende Leistung beim Mai-Super-4-Turnier nachzudenken.

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Wagner mit 14. Sieg in Serie auf Super-4-Ebene scheinbar unschlagbar

Auch der überraschte Gewinner des Topspiels wollte das deutliche Ergebnis sofort in Relation gesetzt wissen. Natürlich habe ich ganz gut gspielt, bin heute sogar öfters nachgerückt. Aber Nagl ist doch sehr weit von seiner Normalform entfernt”. Und so wollte der Ranglisten-Erste dem Ausgang dieses Spieles auch nicht zu große Bedeutung beimessen. Trotzdem war es sowas wie das Duell um die Nummer 1 auf der Tour, das Wagner scheinbar mühelos und souverän für sich entschied. Der Kantersieg, übrigens der zweite Erfolg Wagners über Nagl im 7. direkten Duell bedeutet zudem auch den mittlerweile bereits 14. Einzelsieg auf Super-4-Ebene in Serie. “Ich glaube Christoph ist bei den Super-4-Bewerben nicht zu schlagen”, meinte der 12fache Super-4-Turniersieger Claus Lippert. Damit steht Wagner wie schon in den beiden letzten Jahren im Viertelfinale des Sandplatz-Klassikers, wo er am Sonntag Nachmittag zu seinem bislang besten Mai-Super-4-Ergebnis aufschlagen kann. Und der Gegner im Kampf um ein Halbfinalticket wird Hans Ebner heißen, womit es 24 Stunden nach dem Duell Nummer 1 gegen Nummer 2 im Entry-Ranking, zum Showdown der Nummern 1 und 2 im Champions-Race kommen wird.

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Ebner mit “asiatischen Wochen beim Herzig”

Der “heimliche” Favorit auf den zweiten Super-4-Titel der Saison Hans Ebner hat sich nämlich am Samstag Nachmittag für das Champions-Race-Gipfeltreffen mit Wagner warmgespielt. Der Korneuburger gönnt sich dieser Tage “asiatische Wochen beim Herzig”, vernaschte er doch nach der “chinesischen Vorspeise Tashi Liu” zum Auftakt am Freitag , auch den leicht verdaulichen “indischen Happen Jaswinder Saroy” am Samstag Nachmittag, ehe am Sonntag im Viertelfinale der “Hauptgang Christoph Wagner” serviert wird. Der soll erstmals “richtig gut schmecken” und beim dritten Treffen mit dem Jungstar zumindest den ersten Satzgewinn bringen. “Ich würde mich natürlich über einen Erfolg gegen Wagner freuen, aber so richtig heiß bin ich auf das Mai-Grand-Slam-Turnier in zwei Wochen”, dämpft der Jänner-Without-Top-Ten-Sieger die Erwartungshaltung vor dem Super-Hit im Viertelfinale.

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Tour-Debütant Clemens Zillner von der Stimmung beim Mai-Super-4 beeindruckt

Ein erfolgreiches Comeback feierte am Samstag Nachmittag auch Jänner-Grand-Slam-Halbfinalist Markus Altsinger. Der Ottakringer setzte sich nach fast drei Monaten Turnierpause gegen seinen Doppelpartner Patrick Meinhart mit 6:4 und 6:1 durch. “Es dauert noch ein bißchen, aber langsam kommt die Form wieder”, freute ich der Mixed-Olympiasieger nach seinem gelungenen Freiluft-Saisonstart. Im Achtelfinale wartet nun auf den 19jährigen am Sonntag Nachmittag Reinhard Hos, wo Markus im Falle eines Erfolges seinen 40. Karriere-Einzelsieg einfahren könnte. Für dieses Achelfinale qualifizierte sich auch Reinhard Hos ohne Satzverlust. Mit 6:3, 6:3 hatte der April-Without-Top-Ten-Finalist gegen Tour-Newcomer Clemens Zillner das bessere Ende für sich, zollte seinem jugendlichen Gegner aber lobende Worte. “Clemens war sicher sehr nervös. Er hat viele Fehler gemacht, aber man hat gesehen, dass er sehr gut Tennisspielen kann. Von ihm werden wir in der Zukunft noch einiges hören”. Und das wir vom 15jährigen großgewachsenen Nachwuchspieler von der Vienna tatsächlich wieder hören werden, bestätigte Clemens in einem ersten Gespräch mit dem Veranstalter nach seinem Tour-Debüt. “Ich möchte schon wieder spielen. Es hat mir bei euch auf der Anlage sehr gut gefallen. Die Stimmung war gut, und überhaupt hat mich die Atmosphäre mit den vielen Leute hier vor Ort beeindruckt. Wir hätten auch bei uns im Club an diesem Wochenende ein Turnier gehabt, aber das wurde wegen zu geringer Teilnehmerzahl abgesagt”, erzählte der Tour-Debütant. Und zu seinem ersten Match auf der Tour meinte Zillner: “Ich war zu Beginn sehr nervös. Da sind mir viele Fehler unterlaufen. Ich denke schon, dass ich mich steigern und noch viel besseres Tennis spielen kann”.

Oldies Krammer & Piatek trumpfen auf

Nachdem am Eröffnungstag beim Mai-Super-4-Turnier die Jugend voll zugeschlagen hatte, sorgten am zweiten Spieltag die Oldies für die positiven Schlagzeilen. Hans Krammer qualifizierte sich beispielsweise mit einem 6:3, 6:3 über Günther Glatzl wie im Vorjahr für das Achtelfinale. Der älteste Spieler im Feld, bewies in der Mittagshitze am Centercourt Standfestigkeit und Ausdauer, und wurde letztlich mit dem 20. Einzelsieg seiner Karriere belohnt. “Es war nicht leicht heute, weil Glatzl eigentlich hervorragende Schläge besitzt, sie allerdings nicht konstant genug umsetzen kann. Dazu ist es am Platz sehr warm geworden”, resümierte der Super-Oldie. Und auch Krammer-Kumpel Robert Piatek hat sich für die zweite Runde qualifiziert und für höhere Aufgaben empfohlen. Der polnische Routinier kämpfte am späten Nachmittag den TC Schmelz U18 Star Jelena Trifunovic mit 7:6 und 6:2 nieder. Der 25. Einzelsieg seiner Laufbahn war aber härter erkämpft als ihm lieb war. “Jelena spielt hervorragendes Tennis und unglaublich druckvoll wenn man ihr Zeit zum Ausholen gibt. Bis ich einmal gemerkt habe, was sie weniger gerne hat, war ich schon 1:5 zurück. Ich bin sehr zufrieden und hätte mir nicht gedacht, dass ich gegen sie nach diesem Rückstand noch gewinnen kann”, freute sich Robert, der damit wie im Vorjahr unter den letzten 16 steht. Für den weiblichen Tourstar setzte es hingegen beim 15. Turnierstart die dritte Erstrundenniederlage in Folge. Nach wie vor setzt die August-Without-Top-Ten-Finalistin ihr großes Können nicht in entsprechende Ergebnisse um. “Das ist aber nur eine Frage der Zeit”, ist sich ihr Coach Harald Selak sicher.

Jana Aubram “very british”

Das auch die Tour-Jugend an diesem Super-Samstag beim 11. Mai-Super-4-Turnier Grund zum Lachen hatte, dafür sorgte Tatjana Aubram. Der “Teenie” siegte im Geschlechter-Duell zur 1. Runde gegen Alexander Szele mit 6:2 und 6:4. Nach einer einwöchigen Sprachreise direkt aus England zurückgekehrt, präsentierte sich Jana “very british”. Einerseits nobel zurückhaltend, als sie nach dem deutlichen Gewinn des ersten Satzes, im zweiten Heat gegen Ende des Spieles den Gegner rankommen ließ, andererseits “voll kämpferisch” als sie im Finish gegen den immer stärker werdenden Gegner um jeden Punkt fightete, und somit einen möglichen dritten Durchgang verhinderte. Während Aubram über ihr gelungenes Mai-Super-4-Debüt jubelte, und im Doppel an der Seite von Nihad Berzengi gegen Alex Szele und dessen Freundin Sabrina Lachnit gleich einen “doppelten Sieg über Szele” feierte, suchte der Unterlegene derweil die Gründe für seinen doch recht überraschenden Ausrutscher. “Vielleicht habe ich in den letzten Wochen und Monaten zu viel trainiert. Ich habe keine Ahnung warum es heute nicht geklappt hat”, analysierte er.

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Kerschenbauer und Glatzl in Runde 2 ohne Chance

Für die anderen im Einsatz befindlichen Jugendlichen an diesem 2. Turniertag gab es durchwegs klare und bittere Niederlagen. Jakob Kerschenbauer musste nach seinem Vortagessieg über Bruder Clemens in Runde 2 gegen Ermin Dzafic die raue Hobby-Tennis-Tour-Realität zur Kenntnis nehmen, und mit 0:6, 0:6 weitere Turnierambitionen ad acta legen. “In diesem Spiel war er chancenlos, aber das war ja schon vor Spielbeginn klar”, konstatierte Papa Richard. Nach diesem Auftritt musste sich Jakob erstmals auch Kritik an seiner mangelnden Fitness gefallen lassen. “Er müsste mehr in diesem Bereich tun. Ihm fehlt in solchen Spielen die Spritzigkeit. Er läuft oft viel zu spät und zu langsam zu den Bällen”, forderte der Papa Bewegung in die Causa “Jakob & Fitness” zu bringen. Und auch sein Gegner Ermin Dzafic bestätigte dem Junior die Wichtigkeit der körperlichen Verfassung. “Jakob hat tolle Grundschläge, aber ohne entsprechender Fitness helfen die nicht viel”. So sieht das auch Veranstalter Claus Lippert. “Jakob hat sehr viel Potential. Er besitzt eine gefährliche scharfe Vorhand, er hat eine sehr gute Übersicht auf dem Platz, und er bringt sehr viel Spielverständnis mit. Aber er verschenkt aufgrund seiner mangelnden Fitness mindestens drei Games pro Satz”. Topfit und trotzdem ähnlich chanenlos wie Jakob Kerschenbauer war am Samstag Vormittag auch Renee Glatzl. Der hochtalentierte und technisch sauber schlagende Junior musste sich dem indischen Tourbeitrag Jaswinder Saroy mit 0:6, 1:6 geschlagen geben. Der Asiate feierte seinen 35. Turnierstart mit einem Kantersieg, der für ihn nicht überraschend kam. “Renee spielt ein tolles Tennis, ist sicher technisch viel besser als ich, aber er kann es mental noch nicht umsetzen”. Eine Aussage mit hohem Wahrheitsgehalt. Renee ist körperlich topfit, technisch auf einem hohen Level, womit nur die “Kopfgeschichte” bleibt. Andererseits braucht sich der Future-Spieler keine großen Vorwürfe machen, war der samstägige Ausrutscher nach zwei Achtelfinalteilnahmen der erste dieser Art.

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Claus Lippert, 13. Mai 2006