Duell der Sensationsmänner um die Hartplatz-Krone der Tour

Mit dem Duell der beiden Sensationsmänner Andreas Fegerl und Robert Libal geht am heutigen Nachmittag die Grand-Slam-Saison 2008 zu Ende. Im Finale des 17. “US Open-Turniers der Hobby-Tennis-Tour” in der Südstadt kämpfen die beiden bislang titellosen September-Grand-Slam-Helden um die Krone des neuen Hartplatzkönigs, ihren jeweils ersten Turniersieg, eine herrliche Trophäe und nicht weniger als 200 Punkte für das Champions-Race. Prognosen für den finalen Showdown der beiden Überraschungsmänner sind äußerst schwierig, dennoch wagen wir einen kleinen Ausblick auf das letzte Major-Finale des Jahres. Ein Bericht von C.L

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September-Grand-Slam-Turnier bekommt ersten ungesetzten Sieger der Geschichte

Es ist ein echtes Novum in der 17jährigen Geschichte des September-Grand-Slam-Turniers. Erstmals überhaupt stehen sich beim größten und wichtigsten Hartplatz-Turnier der Hobby-Tennis-Tour zwei ungesetzte Spieler im Finale gegenüber. Wer vor dem ersten Aufschlag am vergangenen Freitag auf ein Endspiel zwischen der Nummer 100 Andreas Fegerl und der Nummer 133 Robert Libal getippt hätte, der wäre vermutlich als echter Spinner bezeichnet worden. Sechs Tage später ist die Sensation nun aber Wirklichkeit, bekommt das September-Grand-Slam-Turnier seinen ersten ungesetzten Champion. Erst einmal in der Hobby-Tennis-Tour-Ära seit 1990 standen sich so wie heute zwei ungesetzte Spieler in einem Major-Endspiel gegenüber. Im Juni-Grand-Slam-Finale des Jahres 2004 war es, als sich Harald Selak und der Mödlinger Sören Forster am Wasserpark in Wien-Floridsdorf im Kampf um den Kunstrasen-Titel gegenüberstanden. Mehr als 4 Jahre später steht uns also das zweite Duell zweier Ungesetzter auf Grand-Slam-Ebene bevor, was wiederum zur Folge hat, dass der Sieger in einen ganz erlesenen Kreis an Champions aufsteigen wird. Fegerl oder Libal, der letzte Grand-Slam-Sieger des Jahres wird auf einer Stufe mit Klaus Hofer, Harald Selak und Mario Kiss rangieren. Nur diese drei Herren haben es in 19 Jahren Hobby-Tennis-Tour bislang zu Wege gebracht, als ungesetzte Spieler ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen.

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Fegerl gegen Libal – das wird auch zum mit Spannung erwarteten Duell der Systeme

Wer aber wird nun der Nachfolger von Hans Ebner und der insgesamt 22. Grand-Slam-Sieger der Geschichte? Wird es der 24jährige Andreas Fegerl aus Maria Elend, der die Szene mit seinem Super-Aufschlag verblüffte, und die Konkurrenz auch mit gefälligem Tennis von der Grundlinie zu überzeugen wusste, oder doch der 31jährige Wiener Robert Libal, der das längst für totgeglaubte Sicherheitstennis auf eine neue Stufe hievte und mit seinen Auftritten wieder salonfähig machte. Ja, das mit Spannung erwartete Finale zwischen Fegerl und Libal wird auch zum Duell der Systeme. Der 202cm Riese Andreas Fegerl mit seinem urgewaltigen Powertennis gegen den athletischen Dauerläufer Robert Libal, der mit Geduld und Beständigkeit versuchen wird das Glück zu erzwingen. Beides brachte bislang den gewünschten Erfolg, doch jetzt prallen die unterschiedlichen Tennis-Philosophien erstmals direkt aufeinander. Schafft es Andreas Fegerl als erster Akteur des heurigen Hartplatz-Klassikers, die menschliche Ballmaschine Robert Libal auszuspielen, oder bringt der 31jährige in Diensten des TC Wiener Neudorf stehende Wiener mit seinem Sicherheitstennis auch den dieser Tage zum Aufschlag-Monster mutierten Mann aus Maria Elend zur Verzweiflung. Das zu sehen wird hoch interessant und noch spannender aufgrund der anstehenden “best of five-Entscheidung”.

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Fegerl und Libal erreichten ohne Satzverlust das September-Grand-Slam-Finale

So unterschiedlich ihre Spielkultur auch sein mag, Fegerl und Libal haben auf ihrem Weg ins September-Grand-Slam-Finale durchaus auch einige Gemeinsamkeiten vorzuweisen. Beide Spieler haben ihr jeweils erstes Karriere-Finale ohne Satzverlust erreicht, und dabei jeweils drei Top-Ten-Stars aus dem Weg geräumt. Fegerl knackte in Runde 1 den zweifachen Masterssieger und Vorjahresfinalisten Bernhard Nagl, schickte im Viertelfinale sogar Titelverteidiger Hans Ebner nach Hause, ehe er sich im Semifinale gegen den höher eingeschätzten Gerald Stangl sein Finalticket sicherte. Libal wiederum matchte sich höchst erfolgreich mit drei Top-Ten-Stars aus dem aktuellen Champions-Race. Im Achtelfinale blieben Jänner-GP-Sieger Oliver Rauschil gerade einmal zwei Games, im Viertelfinale wurde der Sieger von 2003 Martin Kova mit seinen eigenen Waffen böse geschlagen, und im Semifinale mühte sich August-GP-Sieger Thomas Müller in zwei verlorenen Tie-Breaks vergeblich mit dem neuen “Mister Beständigkeit”.

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Gibt es das vierte Fünfsatz-Finale der laufenden Grand-Slam-Saison?

Ein ganz wichtiger Faktor wie in allen Grand-Slam-Endspielen ist natürlich die Aussicht auf eine mögliche best of five-Entscheidung. In der Geschichte des September-Grand-Slam-Turniers gab es zwar noch nie eine 5-Satz-Partie, zuletzt allerdings gingen alle drei bisherigen Major-Endspiele der Saison 2008 über die volle Distanz von 5 Sätzen. Das wäre wohl für Robert Libal ein Vorteil, glauben viele Tour-Experten. Weil der 31jährige konditionell in Topverfassung ist, und sich über mögliche 5 Sätze wahrscheinlich das beständigere Spiel durchsetzen wird. “Ich rechne fest damit, dass es mindestens 4 Sätze geben wird. In drei wird es keiner von uns beiden gewinnen. Für mich kein Problem, ich laufe wenn es sein muss auch fünf Stunden über den Platz”, kündigte Libal an. Und der 31jährige ist auch gespannt auf die Performance seines Gegners. “Ich hoffe der Andreas spielt so ähnlich wie sein Bruder Martin. Das würde mir sehr entgegen kommen”, meinte der Müller-Bezwinger. Wie man einen Fegerl schlägt, zeigte Libal ja in Runde 1 gegen den Bruder seines Finalgegners ganz eindrucksvoll vor. Mit Sicherheit wird hingegen Andreas Fegerl – ausgestattet mit Tipps und Infos seines Bruders – auf eine erfolgreiche Revanche für das Erstrunden-Aus seines Bruders brennen. Sieger werden die beiden Finalisten letztlich aber beide sein. Zumindest im Entry-Ranking der Hobby-Tennis-Tour, wo sich sowohl Fegerl als auch Libal von den zwischenzeitlich dreistelligen Ranglistenpositionen unter die Top 20 katapultieren werden.

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Claus Lippert, 11. September 2008