Grand-Slam-Punkte zu Okkasions-Preisen – vor der 21. US-Open-Auflage der HTT

Mit dem vierten und letzten Grand-Slam-Turnier des Jahres geht dieser Tage die Major-Saison 2012 auch schon wieder zu Ende. Es scheint noch gar nicht so lange her, als der Zistersdorfer Johannes Loibl ein phantastisch besetztes Jänner-Grand-Slam-Turnier im UTC La Ville triumphal zu seinen Gunsten entschied. Wie überhaupt die heurige Grand-Slam-Saison wieder unzählige Highlights und am Ende auch kuriose wie gleichermaßen unerwartete Resultate zu bieten hatte. So kam kein einziger Spieler aus den zuletzt so hochgejazzten Top Ten der Hobby-Tennis-Tour zu Grand-Slam-Titel-Ehren, und auch sonst hielten sich Mayrhuber & Co bei den “big events” im HTT-Zirkus mit starken Auftritten und entsprechenden Spitzen-Resultaten dezent zurück. Von den bisher zwölf zur Disposition stehenden Grand-Slam-Semifinal-Plätzen bei drei ausgespielten Major-Turnieren, konnten die Top-Ten-Stars gerade einmal mickrige vier Halbfinal-Teilnahmen verbuchen. Die doch recht traurige Leistungs-Bilanz der besten HTT-Spieler der Stadt auf Grand-Slam-Ebene im Jahr 2012 wird sich mit dem abschließenden Major-Auftritt der Tour-Stars im Tennispoint Südstadt aber wohl noch deutlich “schönen” lassen. “Weil das US-Open der HTT auf Hartplatz ganz einfach das am leichtesten zu gewinnende Grand-Slam-Turnier ist”, meinte der Ranglisten-Zweite Mario Kiss, und traf damit den Nagel auf den Kopf. Die 21. Auflage des Hartplatz-Klassikers am südlichen Stadtrand von Wien ist mit nur 4 Akteuren aus den aktuellen Top Ten der HTT-Entry-List mehr als “schwächlich” besetzt, und bei insgesamt nur 9 aus den Top 20 am Start befindlichen Spielern , gibts wertvolle und hohe Ranglistenpunkte beim letzten Grand-Slam-Turnier des Jahres quasi als Okkasion. Ein Bericht von C.L

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Masters-Absagen von Fabian Mayrhuber und Ari Davis versprechen einen richtig heißen Herbst im “Race to La-Ville”

Der Umstand, beim eher “mau” besetzten 57. Saisonturnier in Maria Enzersdorf ziemlich leicht an “big points” fürs HTT-Ranking heranzukommen, macht die Angelegenheit auf den beiden “Hartcourts” allerdings wirklich interessant. Denn die “US Open der HTT” sind traditionell auch so was wie der Startschuss zur finalen Punktejagd in Richtung Masters, das schon in knapp 13 Wochen als finaler abschließender Höhepunkt der heurigen Saison auf dem Programm steht. Und wie spannend es im “Race to La-Ville” derzeit zugeht, zeigt ein Blick auf den aktuellen Punktestand, der zusätzliche Brisanz erhält, weil der nicht am Start befindliche US-Open-Sieger von 2010 Fabian Mayrhuber und der amtierende HTT-Wimbledon-Champion Ari Davis beim Masters nicht aufschlagen werden, und somit heuer auch die Ränge 9 und 10 zu einer Masters-Teilnahme berechtigen werden. Und genau dieser zehnte Platz wird in den kommenden Wochen und Monaten das “Objekt der Begierde” unter all den aussichtsreichen Tour-Stars sein. Aktuell hält die türkische Nummer 1 Hüseyin Tüfekci diese begehrte Position, doch tummeln sich dahinter nicht weniger als 25 Spieler mit nicht einmal 600 Punkten Rückstand auf den Power-Server vom Bosporus. Lächerliche 10 Pünktchen hinter Tüfekci lauert beispielsweise Terra-Rossa-Star Rares Maftei, der 14 Jahre nach Arian Tismanariu in der Saison 1998 als zweiter Rumäne der Open Ära wieder ein Masters-Ticket ergattern könnte. Nur 105 Punkte trennen auch Doppel-Olympiasiegerin Ines Kreilinger vom “finalen Showdown der Top 8 im UTC La Ville”, und eine Masters-Quali der bald 23jährigen Oberösterreicherin hätte ohnehin tourhistorische Bedeutung, immerhin wäre sie die erste Frau, die sich in 23 Saisonen Hobby-Tennis-Tour für das Masters qualifizieren könnte. Tja und man mag es kaum glauben, aber die von der Konkurrenz immer als utopisch abgehandelten Masters-Träume eines gewissen Markus Hobiger, sie leben, und noch dazu wie! Den 35jährigen Guntramsdorfer trennen gerade einmal 300 Punkte von jenem Turnier, das er nur zu gerne mit seiner Anwesenheit beehren würde. Hinter dem Niederösterreicher lauert allerdings ein Großteil der heuer eher mit Tour-Starts geizenden Elite! Egal ob Stefan Loibl, Udo Philipp, Markus Kurzemann, Sandplatzkönig Victor Stabrawa, Tour-Evergreen Martin Kova oder die allesamt heuer mit einem Grand-Slam-Semifinale dekorierten Clemens Beywinkler, Nikolaus Kremser oder Vladimir Vukicevic, das Rennen zum Masters verspricht in jedem Fall einen richtig heißen Herbst.

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Die statistischen Eckdaten der 21. US-Open-Auflage d. Hobby-Tennis-Tour

Der Auftakt in die finale und hochspannende Punktejagd in Richtung 23. Masters-Auflage beim UTC La-Ville erfolgt aber dieser Tage bei den “US-Open der Hobby-Tennis-Tour”, die nach 13 Jahren Bundessportschule Spitzerberg (1992-2004), einer “sandigen” Zwischen-Station in der Leberstraße (2005), nun seit 2006 im Tennispoint Südstadt beheimatet sind. Vor dem ersten Aufschlag zum Hartplatz-Höhepunkt des Jahres gibts hier noch die zahlentechnischen Eckdaten für die Statistik-Fans unter unseren Lesern. Das September-Grand-Slam-Turnier findet zum 21. Mal statt, ist das insgesamt 625. Single-Event der Open Ära, und zum zweiten Mal seit der Ranglisten-Reform im April 2011 mit 2000 Punkten für den Champion dotiert. Zum 84. Mal in der Hobby-Tennis-Tour-Geschichte wird dieser Tage ein Grand-Slam-Sieger gekürt, und “erst” zum 68. Mal greifen die Hobby-Tennis-Asse zwecks Titelgewinn auf “Hartplatz” zu ihren Rackets. Noch ein paar Fakten zur heurigen 21. September-Grand-Slam-Auflage: Weil Vorjahressieger Franz Korger heuer durch Abwesenheit glänzt, bleibt Christoph Wagner als US-Open-Champion der Jahre 2005 und 2006 der letzte erfolgreiche Titelverteidiger. Mit Martin Kova (Sieger 2003) steht nur ein bisheriger und ehemaliger Hartplatz-Grand-Slam-Gewinner im aktuellen 28-Mann-Raster, und wenn der mittlerweile 29jährige bei seinem bereits 15. US-Open-Karriere-Start nicht gigantisch über sich hinauswächst und die Sensation des Jahres abliefert, dann werden wir wohl den 13. September-Grand-Slam-Sieger der Geschichte erleben. US-Open-Rekordsieger ist übrigens Claus Lippert, der mit insgesamt 7 Einzeltiteln, davon 6 Mal in Serie (1996 bis 2001) einen weiteren Rekord hält. Ein und das selbe Turnier hat in der Open Ära kein Spieler öfters gewonnen.

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Franz Mayrhuber im “Ranking-Hoch” und bemüht, den Status “one-slam-wonder” loszuwerden

Die aktuellen Favoriten für die heurige 21. US-Open-Ausgabe sind vermutlich auch an einer Hand abzählbar. Es müsste wohl schon mit dem Teufel zugehen, wenn nicht einer aus dem Trio “Franz Mayrhuber-Mario Kiss-Lukas Planteu” am Ende mit dem riesigen Pokal und 2000 Ranglistenpunkten dastehen sollte. Angeführt wird die Setzliste von Tour-Super-Oldie Franz Mayrhuber, der als frischgebackener August-Masters-Series-1000-Champion beim TC Donaufeld in seine dritten “US Open” startet. Jetzt ist Hartplatz vielleicht nicht unbedingt so die ganz große Liebe des Franz M., doch der 47jährige ist ein wahrer Experte und Spezialist, wenn es darum geht, sich Gegnern und Verhältnissen entsprechend erfolgreich anzupassen. Nicht umsonst stand Mayrhuber 2009 schon einmal im Endspiel des September-Grand-Slam-Turniers, und auch seine Vorjahres-Performance mit dem Halbfinal-Aus gegen den späteren Sieger und persönlichen Angstgegner Franz Korger war keine “zum genieren”. Aktuell ist der Routinier in jedem Fall der Mann der Stunde auf der Hobby-Tennis-Tour. Der 47jährige führt das aktuelle “inoffizielle” Champions-Race mit heuer bereits exakt 6000 eroberten Ranglistenpunkten überlegenst an, die Entry-List (also die Wertung der letzten 52 Wochen) weist Mayrhuber als klare Nummer 1 mit 8.480 Punkten und einem sensationellen Vorsprung von 2.765 Zählern auf seinen ersten Verfolger Mario Kiss aus. Die 8.480 Punkte bedeuten übrigens Rekord seit der Ranglisten-System-Umstellung auf ATP-Niveau zu Beginn der heurigen Saison. Und so nebenbei absolvierte Mayrhuber auch noch die insgesamt 40igste Woche seiner Karriere als Nummer 1 der Hobby-Tennis-Tour, womit er in der Ewigen-Bestenliste nun Christoph Wagner (39 Wochen) abgehängt hat, und auf Platz 7 liegt. Nächster anzupeilender Meilenstein sind die 54 Wochen des auf Rang 6 liegenden Roman Ainberger. Indes: Ein US-Open-Titel würde Mayrhuber trotz des momentanen Ranking-Hochs nur zu gut tun. Unbestritten – Mayrhuber hat als einziger unter mittlerweile schon 1000 im Einsatz befindlichen Tourspielern eine einzigartige Erfolgsbilanz aufzuweisen. Kein Akteur in 23 Saisonen HTT hat es bislang fertig gebracht, sich zumindest je einmal einen Grand-Slam-Titel, einen Masters-Erfolg, einen Olympiasieg und die Spitzenposition als Nummer 1 der Entry-List zu sichern. Allerdings würde einem Klassemann wie Mayrhuber einer ist, eben doch mehr als “nur” 1 Major-Titel blendend zu Gesicht stehen. Denn wer geht schon gerne als “One-Slam-Wonder” in die Geschichte ein!

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Donaufeld-Star Mario Kiss greift bei den “US Open” nach dem “Mario-Slam”

Als “One-Slam-Wonder” kann der beim September-Grand-Slam-Turnier auf Nummer 2 gesetzte Mario Kiss schon einmal mit Sicherheit nicht in die Geschichte eingehen. Zumal der 33jährige in seiner Karriere schon drei dieser so heiß begehrten Titel erringen konnte. Und nachdem “Super-Mario” vor wenigen Wochen beim August-HTT-Turnier-500 nach 42 erfolglosen Versuchen endlich seinen 10. Karriere-Turniersieg einfahren und bejubeln konnte, scheint sich der Power-Server auch wieder stark genug für einen “ganz großen Coup” zu fühlen. Und der Sieg bei den US-Open 2012 wäre genau dieser “Mega-Coup”, den Kiss landen könnte, zumal er sich damit in einen ganz elitären Kreis an Tourspielern einreihen würde. Das Reizwort aus Sicht von Kiss für seinen anstehenden Major-Auftritt lautet “Mario-Slam”. Der 33jährige vom TC Donaufeld wäre nach Claus Lippert, Klaus Hofer, Christian Kainz und Andreas Harbarth erst der fünfte Spieler der Geschichte, der alle vier Grand-Slam-Turniere zumindest einmal gewinnen könnte. Keine einfache Mission, aus Sicht des Ranglisten-Zweiten aber eine durchaus machbare, zumal sich Kiss auf Hartplatz eigentlich pudelwohl fühlt, auf diesem Belag “groß” wurde, und am liebsten auf “hartem Untergrund” spielt. Um den “Mario-Slam” freilich perfekt zu machen, braucht Kiss bei den aktuellen US-Open aber eine gewaltige Leistungssteigerung auf Major-Ebene, kam der 33jährige doch seit Juni 2010 nicht mehr über das Viertelfinale bei seinen Grand-Slam-Einsätzen hinaus. Das letztes bessere Major-Ergebnis als der Einzug unter die besten Acht, konnte Kiss beim Wimbledon-Turnier 2010 verzeichnen, wo er Andreas Harbarth in drei Sätzen unterlag.

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Masterssieger Lukas Planteu unter Zugzwang, und Christoph Kramer führt “Riege der Außenseiter” an

Der dritte heiße Favorit auf den US-Open-Titel 2012 kommt ebenfalls vom TC Donaufeld, und heißt Lukas Planteu. Der 31jährige Masters-Champion steht vor seinem erst “dritten Saison-Auftritt im Circuit” schon ganz gewaltig unter Druck, zumindest falls er die Absicht hat, seinen Masters-Titel aus dem Vorjahr mit Erfolg zu verteidigen. Denn Wildcard für den Titelverteidiger gibt es keine, und mit gerade einmal 540 gewonnenen Ranglistenpunkten im Jahr 2012, wird sich der Kärntner nicht für den Showdown der acht Saisonbesten qualifizieren können. Umso wichtiger wäre für den Völkermarkter ein Top-Ergebnis bei den US-Open, denn mit 2000 Punkten für den Sieger, wäre der Jänner-Grand-Slam-Gewinner von 2011 mit einem Schlag wieder im Geschäft. Für den Rest des Feldes – so scheint es zumindest – geht es beim letzten Grand-Slam-Turnier des Jahres nicht um den Titel, sondern nur um ein tolles abschließendes Major-Resultat. Am ehesten darf man noch dem an Nummer 4 gesetzten Christoph Kramer bei seinem 36. Grand-Slam-Turnier-Start , Terra-Rossa-Jungstar Renee Glatzl und dem Mai-Grand-Slam-Semifinalisten vom BMTC Clemens Beywinkler eine Überraschung zutrauen.