Laut Wetterprognose droht Regen-Chaos beim Juni-Second-

Series-Turnier

Man muss wohl kein Prophet sein um vorauszusagen, dass uns in den kommenden Tagen mit dem Juni-Second-Series-Turnier eine echte “never ending story” ins Haus stehen wird. Die Wetterprognosen für das bevorstehende Wochenende sind schlichtweg eine Katastrophe, und so dürfte das 21. Saisonturnier für Spieler und Veranstalter zu einer echten Geduldsprobe werden. Einen ersten Vorgeschmack auf das möglicherweise anstehende Regen-Chaos bekamen die Akteure des Juni-Second-Series-Turniers am gestrigen ersten Spieltag geboten. Herrlicher Sonnenschein war binnen Minuten vom einem heftigen Schauer abgelöst. Knapp 10 Minuten dauernder Starkregen setzte die Courts des TC Top Serve unter Wasser und sorgte für einen Abbruch des Eröffnungstages. Ein Bericht von C.L

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4 von 9 Partien des ersten Spieltages mussten wegen Regen abgebrochen werden

Tour-Neuling Michael Gröbe hatte bei seinem Debüt gegen Alexander Szele gerade einmal den ersten Satz mit 6:3 gewonnen, als sich die dunkle herannahende Riesenwolke genau über der altehrwürdigen Tennisanlage in der Leberstraße ordentlich ausregnete. Mai-Grand-Slam-Achtelfinalist Roman Riegler wurde nach verlorenem ersten Satz gegen Andreas Hradtezky mitten in seiner sehenswerten Aufholjagd unterbrochen, und die einzige weibliche Juni-Second-Series-Starterin Rebecca Riemer machte sich mit einer 3:2 Führung im entscheidenden dritten Satz berechtigte Hoffnungen auf ihr zweites Karriere-Achtelfinale, ehe der Himmel über Simmering seine Schleusen öffnete. Frustriert saß schließlich auch noch Werner Kovarik im “Grand-Slam-Zelt” hoch über dem Centercourt und philosophierte über seinen Kurz-Auftritt beim Comeback nach 34 Monaten Pause gegen Bernd Saurugger. “Außer Spesen nichts gewesen”, fluchte Kovarik.

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Günter Zack dreht gegen Markus Posteiner einen 1:6, 1:5 Rückstand um

Nur einer der Juni-Second-Series-Stars gewann am späten Freitag Nachmittag den Wettlauf mit dem Regen. Günter Zack lag gerade glückseelig im roten Sand des TC Top Serve-Centercourts, als erste Spritzer von oben das herannahende Unwetter ankündigten. Vermutlich hätte es zu dieser Zeit schon hageln können, der 41jähirge hätte sich seine Glücksmomente im Simmeringer Sand auf keinen Fall nehmen lassen. “Zacki” genoß am Bauch liegend einen der schönsten Momente seiner Tenniskarriere, vielleicht sogar den allerschönsten überhaupt. Im Freudentaumel über einen grandiosen Sensationssieg fiel er nach verwandeltem Matchball auf die Knie und jubelte über den Achtelfinaleinzug beim Juni-Second-Series-Turnier wie andere nicht einmal nach einem Major-Triumph. Es war aber auch kein gewöhnlicher Sieg, den der Routinier im Eröffnungsspiel am Centercourt gegen Vorjahresfinalist Markus Posteiner eingefahren hatte. Einerseits weil Zack im dritten direkten Duell gegen den Posteiner-Junior erstmals die Oberhand behielt, und weil der 41jährige beinahe aussichtslos zurück liegend zur sensationellsten Aufholdjagd der letzten Jahre ansetzte. Mit 1:6, 1:5 stand Zack schon mit mehr als einem Bein im Aus, während sein Gegenüber mit einer im Vergleich zum Mai-Grand-Slam stark verbesserten Vorstellung souverän dem Achtelfinale entgegensteuerte. Verrückte Dinge haben wir in den letzten Jahren einige erlebt, dieses Juni-Second-Series-Auftakt-Duell am Centercourt vom 6. Juni 2008 wird definitiv auch seinen Platz im Kuriositäten-Ranking der Tour-Geschichte bekommen. Ob es Posteiner selbst war, der mit einer locker lässigen Art das Duell mit Zack auf die leichte Schulter nahm und am Ende nicht mehr zurück ins Match fand, oder ob Zack mit einer Gewaltleistung über sich hinauswuchs, bleibt ob des unglaublichen Resultats nebensächlich. Mit 1:6, 7:5, 7:5 hatte Zack in exakt 102 Minuten schon am Eröffnungstag für die Top-Story des Turniers gesorgt. “Den ersten Satz habe ich definitiv verhaut. Da sind meine Schläge nach der längeren Pause nicht gekommen, hat auch mein Service nicht funktioniert. Dann bei 1:6, 1:5 hat sich der Markus mit mir gespielt. Allerdings hat er im dritten Satz nicht mehr so richtig zurück ins Spiel gefunden. Ich hingegen habe meine Chance gesucht und auch gefunden. Ich bin so froh, dieses Match noch umgedreht und gewonnen zu haben. Ich habe mich noch nie so über einen Sieg gefreut. Man muss aber fairerweise dazusagen, dass ich heute nicht der bessere Spieler, sondern der glücklichere Spieler war”, strahlte Zack.

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Gery Kurry steht nach 7:5, 6:3 Erfolg über Christian Schindler im Achtelfinale

Ähnlich wie Markus Posteiner ist es am ersten Spieltag beim Juni-Second-Series-Turnier auch Christian Schindler ergangen. Der 25jähirge ließ im Erstrunden-Duell mit Gerry Kury eine 5:2 Führung im ersten Satz ungenützt und verabschiedete sich bei seinem Coemback zum zweiten Mal innerhalb von einer Woche in Runde 1. Dabei war der “Lange” im Vergleich zu seinem vorwöchigen Grand-Slam-Auftritt diesmal nicht wieder zu erkennen. Dynamisch, druckvoll und relativ sicher “powerte” sich Schindler zunächst durch die Anfangsphase dieses Auftaktspieles. Da bekam man eindrucksvoll vor Augen geführt, welch unglaubliches Potential im Handegelenk des 25jährigen schlummert. 20 Monate ohne Tennis, niemals den Ausführungen eines Coaches gelauscht und dann diese Performance. Es gibt wohl nur ganz wenige Spieler auf der Tour, die ähnlich befähigt sind wie Schindler. Dieses Potential in entsprechende Bahnen gelenkt und kontinuierlich im Training bearbeitet, Schindler würde wohl den Branchen-Leadern einen heißen Tanz liefern. Doch stattdessen tingelt “Mister Wankelmut” je nach Lust und Laune einmal mehr und einmal weniger durch die Tour, macht statt Grand-Slam-Turnieren nur die Second-Series unsicher, und läßt Beobachter und Mitspieler weiter nur erahnen, was bei zielorientierter Arbeit möglich wäre. “Das ist der ganz normale Wahnsinn”, schüttelte Kury immer wieder dann den Kopf, wenn zweite Aufschlag-Granaten mit Mördertempo in seinem Aufschlagfeld detonierten. Was aber so gar nicht Schindlers Sache ist, sind konstant und lange gespielte Ballwechsel. Die bricht der 25jährige schon gerne einmal mit einem Risikoschlag ab. Und noch mehr hasst der Aufschlag-Gigant, wenn hohe Bälle auf ihn zufliegen. “Kaum war ich einmal in Führung, hat mir der Gerry die Bälle schon aufgestellt”, klagte der Unterlegene. “Aber heute kann ich mich nicht aufregen. Der Aufschlag hat ganz gut geklappt, und gegenüber meiner Vorstellung von letzter Woche beim Grand-Slam war eine deutliche Steigerung erkennbar. Bei Kury, der nach seiner fast zweijährigen Verletzungspause erst sein drittes Comeback-Turnier bestritt, war ebenfalls ein weiterer klarer Formanstieg zu erkennen.

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Claus Lippert, 6. Juni 2008