Nach Community-Eklat wird endlich wieder Tennis gespielt

Was für eine turbulente Woche auf der Hobby-Tennis-Tour liegt denn da hinter uns! Auch am Februar-WTB-Weekend gab es unter den Spielern nur ein beherrschendes Thema. Trotz neuem Rekordmann, einem abermals recht bunten, interessanten und international besetzten zweiten WTB-Saison-Event und der Frage, wer sich denn zum Nachfolger des abwesenden Titelverteidigers Stefan Schaaf küren wird, war an den beiden ersten Februar-WTB-Spieltagen noch immer der Community-Eklat der letzten Tage in aller Munde. Ein anonym schreibendes, mittlerweile enttarntes Tour-Mitglied entzweite die Kollegenschaft und legte für mehrere Tage das Geschehen im Circuit lahm. Ein Bericht von C.L

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Vom Gott der Hobby-Tennis-Tour bis hin zur beleidigten Leberwurst

Riesige Aufregung, massiver Ärger, beinahe kollektives Unverständnis und mancherorts recht große Sorge, ein extremer Gefühls-Mix wurde der Tour-Community da in den letzten Tagen beschert. Ins Visier des angriffslustigen Kritikers geriet dabei wieder einmal Veranstalter Claus Lippert. “Als Gott der Hobby-Tennis-Tour, der einem unflexiblen, festgefahrenen System vorsteht und dort die Zügel stramm in Händen hält”, wurde der 42jährige bezeichnet. Auch als beleidigte Leberwurst, die für Kritik total unempfänglich ist, wurde der seit 1990 im Amt befindliche Tour-Organisator dargestellt. Brisante Themen hatte der vermeintlich anonyme Reformierer in die Gästebuch-Runde geworfen, ein seriöses Angebot diese auszudisktuieren, aber bis dato nicht angenommen. Stattdessen brachte er viele seiner Mitspieler in Rage, und das Tagesgeschäft auf der Tour ins Stocken. Massigst Gerüchte und wilde Spekulationen machten indes die Runde, vom Ende der Hobby-Tennis-Tour war da genauso zu lesen, wie von angeblich verhängten Ausschlüssen gegen renomierte Mitglieder der Szene. Alles Quatsch was da aus der brodelnden Gerüchteküche nach Außen drang. Der Community-Skandal der noch so jungen Saison hatte aber auch noch einen anderen, ganz interessanten Nebeneffekt. Die Tour-Statistik des Homepage-Gästebuchs brachte sensationelle Daten und Zahlen zu Tage. So fanden in der vergangenen Woche nicht weniger als 1.074 Besucher den Weg ins Gästebuch, das in der selben Zeit unglaubliche 6.192 Mal aufgerufen wurde.

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Markus Hobiger darf sich gegen Clemens Lederbauer über den ersten Einzelsieg der Saison freuen

Nach dem fruchtlosen Streit, und einer ergebnislosen Diskussion in den vergangenen Tagen wird aber jetzt zumindest wieder Tennis gespielt. Seit Freitag Abend fliegt jener kleine gelbe Filzball wieder übers Netz, der zumindest dem Großteil der Tour-Akteure so viel bedeutet. Und dennoch war der erste Spieltag des 4. Februar-WTB-Turniers kein gewöhnlicher, keiner wie all die anderen Eröffnungstage der Vergangenheit. Der mediale Stillstand auf der Tour-Webseite sorgte für ungewohnt nervöse Spieler. Keiner wusste gegen wen er anzutreten hatte, eine mentale Vorbereitung auf den Gegner daher unmöglich. “Es war schon ein komisches Gefühl aber auch irgendwie interessant, da man nicht wusste auf wen und auf was man sich einstellen sollte”, meinte etwas Clemens Lederbauer, der knapp vor 20 Uhr den ersten Spieltag beim zweiten WTB-Saison-Event gegen Markus Hobiger eröffnete. 65 Minuten später hatte sich Lederbauer aber mit exakt dem selben Ergebnis wie bei seinem Vorjahres-Auftritt in Runde 1 verabschiedet. War vor einem Jahr gegen Second-Series-Kollege Werner Kovarik zum Auftakt mit 0:6, 1:6 Endstation, war ihm diesmal Markus Hobiger eine Nummer zu groß. Der 33jährige Guntramsdorfer hatte nach einer bislang enttäuschend und sieglos verlaufenen Saison mit dem Second-Series-Gegner ein absolutes Glückslos gezogen, und sich damit ein wenig aus dem Niederlagen-Sumpf befreit in dem er zu versinken drohte. Über das Match an sich und die Leistung mit der “Hobi” vor Ort mehr oder weniger glänzte kann man getrost den Mantel des Schweigens breiten, an diesem Freitag Abend zählte nur das nackte Resultat. Und das bescherte dem sympathischen Niederösterreicher im 110. Single seiner Karriere endlich den ersten Saison-Einzelsieg und den ersten vollen Erfolg nach insgesamt vier Erstrunden-Niederlagen in Serie. “Der Sieg ist das einzig Positive was ich aus dem heutigen Tag mitnehmen kann. Denn spielerisch war ich sicher nicht besser als in den letzten Wochen”, resümierte Hobiger nach seinem zweiten Achtelfinaleinzug beim Februar-WTB-Turnier nach 2008.

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Michael Pichler gelingt gegen Andreas Stockerer der erste Einzelsieg seiner Karriere

Im dritten Anlauf klappte es derweil für Tour-Neuling Michael Pichler mit dem ersten Einzelsieg im Circuit. Nachdem der 25jährige aus Rottenmann bei den beiden Second-Series-Events der letzten zwei Wochen jeweils in Runde 1 scheiterte und gegen Polens Robert Piatek und gegen den Deutschen Marko Bogdanov das Nachsehen hatte, reichte es am Freitag Abend gegen Andreas Stockerer zu einem 6:3, 7:5 Erfolg und zum erstmaligen Einzug ins Achtelfinale eines HTT-Bewerbs. Der 25jährige zeigte sich nach souverän gewonnenem ersten Satz und einer gelungenen Aufholjagd in Durchgang 2 zufrieden und erleichtert. “Ich bin froh über meinen ersten Sieg. Es ist Klasse, wenn man am zweiten Tag auch noch spielen kann”, strahlte Pichler. Der gebürtige Steirer, der in Wien beim TC Hrubesch auf Punktejagd in der WTV-Meisterschaft geht, wirkte gegenüber den beiden vergangenen Wochenenden viel gelöster und ruhiger, wodurch ihn selbst der bedrohlich wirkende 2:5 Rückstand im zweiten Head nicht aus der Bahn werfen konnte. “Es hat heute alles viel besser funktioniert als zuletzt”, freute sich Pichler, der nun im Achtelfinale auf Michael Laimighofer treffen wird.

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Laimighofer-Brüder feiern beim Tour-Comeback nach 27 Monaten Pause zwei souveräne Auftakterfolge im Doppelpack

Erwähnter Michael Laimighofer hatte zwei Tage zuvor sein Comeback auf der Hobby-Tennis-Tour per SMS angekündigt. Im Doppelpack mit Bruder Johannes entschied sich das oberösterreichische Gebrüder-Paar zu einem erneuten Versuch im Circuit. Im Spät-Herbst 2007 beim November-WTT-Turnier war es, als die Laimighofers im Duett ins Viertelfinale einzogen, und auf dem Weg dorthin den Herren Roman Ainberger, Thomas Peyerl, Alex Komarov und Ronald Raith keinen Satzgewinn überließen. Und auch beim Comeback 27 Monate später stürmten Johannes und Michael ohne Umwege und ohne Satzverlust in die zweite Februar-WTB-Runde. Nach mühsamer Anfangsphase samt 1:4 Rückstand setzte sich zunächst der ältere der beiden Brüder nämlich Michael Laimighofer erfolgreich in Szene. Der 28jährige aus Braunau gewann das Oberösterreich-Derby gegen den gebürtigen Linzer Roman Riegler mit 6:4, 6:0 und freute sich über den Aufstieg ins Achtelfinale genauso, wie kurz darauf sein Bruder Johannes, der im Duell mit Jänner-Second-Series-Champion Günther Leitner für sein Erfolgserlebnis beim Comeback sorgte. Der 23jährige hatte beim 6:4, 7:6 allerdings weitaus mehr Mühe als seiner älterer Bruder, und gestand sich nach erfolgreichem Auftritt ein, durchaus auch das nötige Glück auf seiner Seite gehabt zu haben. “Denn es hätte auch ganz anders ausgehen können”, zeigte sich der Braunauer bescheiden. Und in der Tat hatte Johannes Laimighofer mit seinem Second-Series-Erstrundenlos weit mehr Mühe als Experten wohl erwartet hätten. Denn auf der anderen Seite des Netzes verkaufe sich Leitner bei seinem ersten Auftritt als amtierender Jänner-Second-Series-Champ mehr als prächtig. Der 27jährige Überraschungssieger des ersten Second-Series-Saison-Events bot nicht nur kämpferisch eine mehr als sehenswerte Vorstellung, auch spielerisch wusste Leitner bei seinem ersten Abstecher abseits der Second-Series vollauf zu überzeugen. Bei weitem sicherer als vor zwei Wochen bei seinem großen Triumph und auch spielerisch über weite Phasen durchaus ebenbürtig mit seinem Bezwinger, musste sich der für das Second-Series-Final bereits vorzeitig qualifizierte Wiener erst im Tie-Break von Satz 2 geschlagen geben. “Das war ein Super-Match und hat mir voll getaugt. Ich habe zwar heute verloren, aber auf die Leistung läßt sich ganz sicher aufbauen. Besser als heute kann ich derzeit noch nicht spielen”, zog Leitner äußerst zufrieden Bilanz.

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David Hühne meldet mit Sieg im “doppelten Jubiläumsmatch” seine Anwartschaft auf den Februar-WTB-Titel an

Nicht eine der acht Partien zum Eröffnungstag ging übrigens über drei Sätze, und so setzten sich am Freitag Abend auch drei der Turnier-Mitfavoriten klar durch. So zum Beispiel David Hühne, der sich in den kommenden Wochen anschicken möchte, die Spitzenposition als Deutschlands Nummer 1 vom nach München abgewanderten Robin Douglas zu übernehmen. Einen ersten Schritt dorthin möchte der 29jährige vom Bodensee schon an diesem Wochenende machen. Und das Februar-WTB scheint dafür der geeignete Boden zu sein, erreichte der eigenwillige Singener hier doch schon zwei Mal das Semifinale. Und das Hühne gute Chancen auf den Halbfinal-Hattrick hier beim zweiten WTB-Saison-Event hat, demonstrierte er am Freitag Abend im Schlagerspiel gegen Harald Schauer, das der Deutsche mit 6:3, 6:1 überraschend deutlich gewann. Das Resultat im “doppelten Jubiläumsspiel” – immerhin bestritt der 29jährige sein 140. Karriere-Match beim 80. Turnier seiner Laufbahn – täuschte allerdings gewaltig, benötigten die beiden Akteure für den ergebnistechnisch recht glatt aussehenden Zweisatz-Fight doch mehr als 105 Minuten. “Es war sehr eng teilweise”, bekannte Hühne, und auch sein Gegner bestätigte im ersten Interview den knappen Spielverlauf. “Bis auf ein paar Games ging es immer über Einstand. Der David hat aber verdient gewonnen, vorallem weil er aktiver war. Ich bin aber nicht unzufrieden. Es war ein schönes Spiel, und das war wichtig”, resümierte der unterlegene Harald Schauer.

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Mastersstarter Gerald Kostolani trotz Sieg über Stefan Rieger in einer handfesten Krise

In einer echten Formkrise befindet sich derzeit ganz ohne Zweifel Gerald Kostolani. Der dreifache Turniersieger des vergangenen Jahres vom TC Vösendorf ist seit seinem Masters-Start im letzten November gewaltig aus der Spur geraten und im Moment nicht wirklich ein ernstzunehmender Titel-Kandidat auf WTB-Ebene. Was angesichts seiner teilweise phantastischen Vorjahres-Performance kurios klingen mag, leider aber der Realität entspricht. Denn der 25jährige scheint trotz seines 6:0, 6:4 Erfolgs über Stefan Rieger nicht in der Lage zu sein, ein gewichtiges Wörtchen im Kampf um den Februar-WTB-Titel 2010 mitreden zu können. Dafür fiel sein Erstrunden-Aufritt gegen Stefan Rieger einfach viel zu matt aus. Richtig verärgert war auch der Unterlegene, der einer wirklich großen vergebenen Chance nachtrauerte, einen Top-Ten-Spieler seiner persönlichen Abschussliste hinzuzufügen. “So schwach erwische ich den Kostolani nie wieder, und ich bin zu dumm das entsprechend auszunützen”, grollte Rieger. Zwei Spielbälle ließ der Masterssieger im Doppel beim Stand von 4:4 im zweiten Satz ungenützt, ehe Kostolani mit eigenem Aufschlag das Achtelfinale fixierte.

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Gerald Marhold und Michael Karner im Kampf gegen sich selbst

Beim ersten WTB-Turnier des Jahres im Finale, und ein ähnliches Ergebnis peilt Thomas Guem auch an diesem Wochenende an. Bereits zum Auftakt schockte der 28jährige Tiroler dabei die Konkurrenz mit einem 6:1, 6:2 Kantersieg über Gerald Marhold und dem damit verbundenen Einzug ins Achtelfinale. In einer flotten Begegnung am Centercourt profitierte Guem aber auch von einem fehlerhaft spielenden Gegner, der im Rückblick von einem Match “Gerald gegen Gerald” sprach und damit wohl meinte, dass er sich im Duell mit dem Tiroler Newcomer selbst im Wege stand. “Nichts gegen den Thomas, er hat sicher seine Stärken. Aber heute habe nur ich gespielt. Ich habe die Winner gemacht und leider auch viel zu viele Fehler. Normal sollte ich in dieser Partie als klarer Sieger vom Platz gehen. Ich bin jetzt ziemlich angefressen und doch möchte ich mich hier outen. Ich will heuer auf jeden Fall einen Titel holen. Entweder bei einem WTB-Turnier oder bei einem First-Series”, zeigte sich Marhold angriffslustig. Neben Gerald Marhold ist sich am Freitag Abend wohl auch Michael Karner ganz gewaltig selbst im Wege gestanden. Der 19jährige Niederösterreicher vergeigte wieder einmal eine Erstrunden-Partie, diesmal gegen den Slowaken Michal Chudy. “Was soll man da machen. Ich habe mich wieder selbst geschlagen. Ich bin die perfekte Anleitung für alle Spieler wie man sich selbst schlägt”, lachte Karner nach dem 5:7, 2:6 gegen einen leicht verkühlten Chudy.

Claus Lippert, 13. Februar 2010