Schmuddelwetter und walk over-Bilanzen prolongiert

Nichts Neues am Semifinaltag des 1. Mai-First-Series-Turniers 2008. Wie schon am Sonntag Nachmittag war das vierte Sandplatzturnier des Jahres auch am gestrigen Montag mit Schmuddelwetter und von einer “walk over Entscheidung” gekennzeichnet. Aus dem vollen Halbfinal-Programm wurde daher schließlich gerade einmal ein 15minütiger Kurz-Auftritt von Christoph Kramer, der im ersten Vorschluss-Runden-Match nach einer 5:0 Zwischenführung von der Aufgabe des Josef Scharbl profitierte. Das zweite Semifinale bestreiten übrigens am heutigen Abend Christian Leiner und Ronald Raith. Ein Bericht von C.L

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First-Series mit vier klassischen Without-Top-Ten-Spielern im Semifinale

Auch wenn die letzten beiden Tage des Mai-First-Series-Turniers wettertechnisch unter keinem guten Stern standen, so bleibt dennoch eines ganz klar festzuhalten. Die neu ins Leben gerufene Turnierreihe “First Series” hat eine punktgenaue Tour-Landung hingelegt. Als Bühne für einstige Without-Top-Ten-Helden im Circuit installiert, wurde der First-Series-Bewerb spätestens mit dem zweiten Versuch an diesem ersten Mai-Wochenende seinen Anforderungen und Erwartungen vollauf gerecht. Mit Christian Leiner, Ronald Raith, Christoph Kramer und Josef Scharbl erreichten vier absolut klassische Without-Top-Ten-Heros vergangener Jahre das Halbfinale. Die neue Turnierserie scheint bei den Spielern angekommen zu sein, und Lust auf mehr zu machen.

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Josef Scharbl gibt im ersten Mai-First-Series-Semifinale gegen Kramer bei 0:5 auf

Apropos Lust. Die schien am gestrigen Halbfinaltag dem Masterssieger im Doppel von 2006 Josef Scharbl gehörig vergangen zu sein. Denn nur 15 Minuten nach Beginn des ersten Vorschluss-Runden-Duells erschien der Serve-Volley-Spezialist am Netz und gratulierte seinem Gegner Christoph Kramer zum Einzug ins Endspiel. Der wiederum starrte ungläubig Richtung Publikum, packte seine Tasche und verließ mit seinem ersten Finaleinzug im Jahr 2008 den wolkenverhangenen Centercourt. Zu diesem Zeitpunkt führte der 25jährige nach einer dargebotenen Solo-Show mit 5:0, und steuerte scheinbar unaufhaltsam in Richtung Karriere-Finale Nummer 4. “Es hat mir heute wahnsinnig viel Spaß gemacht, und ich bin richtig gut drauf gewesen”, zeigte sich der Champions-Race-Achte euphorisch. Ganz anders hingegen erlebte wohl Josef Scharbl die schwache Viertelstunde seines zweiten Karriere-Halbfinales. Es war so ein Match wo absolut nichts geht, und obendrein ein Tag, an dem die Witterungsverhältnisse dem Offensiv-Spieler nicht entgegen kamen. Regen und Feuchtigkeit machten den Platz langsam, die Bälle schwer und das Spiel des Josef S. ungefährlich. Scharbls Aufschläge von Kramer leicht retourniert, seine gewohnten Netzattacken problemlos passiert, da konnte man auch leicht die Lust am eigenen Tennis verlieren. “Ich hoffe der Veranstalter ist mir nicht böse, aber ich habe heute absolut keine Chance auf einen Sieg oder ein entsprechendes Ergebnis gesehen. Und ich möchte mir ehrlich gesagt nicht das bißchen in den letzten Tagen aufgebaute Selbstvertrauen kaputt machen”, entschuldigte sich der Doppelspezialist.

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Kam Scharbls Aufgabe um den Tick zu früh?

Ob es die richtige Entscheidung Scharbls war, wer weiß das schon so genau. In jedem Fall aber war es ein Entschluss, der Minuten später in der Kantine des TC Top Serve kurz andiskutiert wurde. “So eine Entscheidung ist ganz einfach zu akzeptieren. Aber womöglich hätte der Josef einfach noch ein paar Minuten zuwarten müssen, denn dann hätte ohnehin wegen des einsetzenden Regens abgebrochen werden müssen”, war man sich da einig. Und in der Tat setzte unmittelbar nach dem Shakehands am Netz der Regen ein. Kramer hatte gerade seine Rackets ein- und die Spielkarten ausgepackt, da regnete es sich in der Leberstraße so richtig ordentlich ein. Abgesagt und auf Dienstag Abend verschoben musste daher auch die zweite Vorschluss-Runden-Partie zwischen Christian Leiner und Ronald Raith werden.

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Christoph Kramer steht erstmals seit Juni 2006 wieder in einem Tour-Finale

Das Duell zwischen Leiner und Raith um den zweiten Finalplatz beim Mai-First-Series-Turnier kann sich Christoph Kramer hingegen völlig entspannt ansehen. Der 25jährige schaffte im vierten Halbfinale der Saison endlich den ersten Finaleinzug, womit auch die Chance auf den so lange ersehnten ersten Karriere-Titel gewahrt blieb. Im Endspiel eines Hobby-Tennis-Tour-Bewerbs zu stehen, war für Kramer zuletzt ein ungewohntes Gefühl. Kein Wunder, stand der 25jährige doch letztmals im Juni 2006 in einem Tour-Finale. Damals beim Juni-Grand-Prix-Turnier entpuppte sich Finalgegner Christoph Wagner mit 3:6, 2:6 als unüberwindbare Hürde. Am Mittwoch hingegen soll alles anders werden, und am Ende des 2. First-Series-Turniers der erste Karriere-Titel für Kramer herausschauen. “Ich bin voll motiviert und sehr zuversichtlich. Ich möchte endlich diesen ersten Turniersieg schaffen, damit dieses leidige immer wieder kehrende Thema endlich vom Tisch ist”, meinte der 25jährige.

Claus Lippert, 6. Mai 2008