Markus Seitner steht als erster April-GP-Finalist fest

Finaltag beim 17. April-Grand-Prix-Turnier 2008 und noch immer sind drei Spieler im Rennen um den ersten großen Sandplatz-Titel der Saison. Weil im zweiten Semifinal-Duell der Riesentöter zwischen Scheller-Bezwinger Christoph Kramer und Kunz-Bezwinger Michal Chudy beim Stand von 1:1 in Sätzen wegen Dunkelheit abgebrochen werden musste und somit über den Finalgegner von Markus Seitner noch keine Entscheidung gefallen ist. Der 27jährige Salzburger hingegen feierte ohne zu überzeugen seinen 11. Einzelsieg auf Sand in Folge und darf weiter auf seinen ersten Grand-Prix-Karriere-Titel hoffen. Ein Bericht von C.L

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Thomas Valek vergibt die große Chance gegen einen müde wirkenden Markus Seitner sein zweites April-Grand-Prix-Finale zu erreichen

Die Ausgangslage vor dem ersten April-Grand-Prix-Halbfinale am Montag Nachmittag zwischen Markus Seitner und Thomas Valek war klar. Der April-Without-Top-Ten-Sieger aus Vösendorf mit seiner offensichtlichen Liebe auf Sand Tennis zu spielen und seiner famosen Viertelfinal-Darbietung am Sonntag gegen Thomas Müller, ging als klarer Favorit in das Vorschluss-Runden-Duell mit dem 7fachen Hallenturniersieger Thomas Valek. Am Ende stand dann letztlich auch der 11. Einzelsieg Seitners auf Sand in Serie und der dritte Erfolg des Salzburgers ohne Satzverlust im Rahmen dieses Turniers, richtig überzeugen konnte der 27jährige dabei aber nicht. Müde und ausgepowert wirkte der Ranglisten-Achte und trabte mit schweren Beinen über den 3er-Court des TC Top Serve. Seiner größten Stärke der exzellenten Beinarbeit beraubt, hatte der neue Sandplatz-König der Hobby-Tennis-Tour plötzlich seine liebe Not mit Thomas Valek und die Mithilfe des 34jährigen Gegners nötig, um in Durchgang 1 den ersten Satzverlust im Rahmen des April-Grand-Prix-Turniers verhindern zu können. Valek spielte in seinem zweiten April-GP-Semifinale zunächst erfrischend frech von der Grundlinie weg, bemühte sich das Tempo dabei extrem hoch zu halten und dem müde wirkenden Gegenüber sein Spiel aufzuzwingen. Das ging phasenweise auch ganz gut obgleich dem einstigen Hallenkönig natürlich die Konstanz für ein permant druckvolles und vorallem erfolgreiches Tennis fehlte. So wog der erste Satz hin und her, ehe eine dramatische Schulssphase die Vorentscheidung in diesem ersten Semifinale bringen sollte. Valek servierte bei 6:5 auf den Satzgewinn und lag doch Minuten später mit 0:1 in Sätzen zurück. Drei Doppelfehler in Serie, damit verhalf der 34jährige seinem Gegner in den Tie-Break, der zu einem gigantischen Thriller ausartete und mit 14:12 an Seitner ging. Danach ging es rasch und der zweite Durchgang mit 6:1 an den favorisierten Salzburger. “Mir fehlt leider noch die Konstanz. Aber der Markus wäre heute durchaus zu schlagen gewesen”, wusste Valek um die große vergebene Chance auf sein zweites April-GP-Finale nach 2006. Im Doppel setzte es für der 34jährigen übrigens im Anschluss auch noch eine “semifinale” Niederlage. An der Seite seines Partner Martin Vytisk musste sich “Tom” in zwei Tie-Breaks den Masterssiegern von 2006 Michael Kunz und Josef Scharbl mit 6:7, 6:7 geschlagen geben. Valeks Tie-Break-Bilanz zum Tag lautete damit 0:3.

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Semifinal-Duell der Riesentöter Kramer und Chudy wurde beim Stand von 1:1 in Sätzen wegen Dunkelheit abgebrochen

Markus Seitner steht hingegen im dritten Grand-Prix-Finale seiner Karriere und könnte dort weiter an seinem neuen Ruf “Sandplatzkönig der Hobby-Tennis-Tour” arbeiten. Wer dem 27jährigen im Finale gegenüberstehen wird, ist zur Stunde aber noch völlig offen. Jubilar Christoph Kramer wäre die logische und vorallem auch sentimentale erste Wahl auf den zweiten Finalplatz neben Markus Seitner. Und der 25jährige hatte am gestrigen Abend auch die große Chance auf sein erstes Tour-Finale seit Juni 2006. Doch Kramer ließ eine 6:4, 5:2 Führung und die riesige Möglichkeit auf sein 4. Karriere-Endspiel ungenützt. Wie überhaupt das zweite Halbfinal-Duell der beiden Favoritenschrecks Kramer und Chudy einiges schuldig blieb. Die Riesentöter vom Vortag (Kramer schlug Scheller und Chudy warf Kunz aus dem Bewerb), lockten zwar unerwartet viele Zuseher auf die Tennisanlage in der Leberstraße, begeistern konnten sie diese aber nicht. So plätscherte ein eher mattes Spiel vor sich hin, in dem Kramer aber letztlich – so schien es zumindest – doch das bessere Ende für sich haben sollte. 6:4, 5:2 führte der 25jährige, als draußen im Zuseherraum sein Doppelpartner Bernhard Nagl zum legendären “F i n a l e – F i n a l e” anstimmte. Was als Motivation für Kramer gedacht war, entwickelte sich in der Folge aber Bumerang und machte stattdessen Christophs slowakischen Gegner so richtig heiß. “Ja ich habe diese Rufe aus den Zuschauern gehört, und sie haben mich bei 2:5 so richtig motiviert”, erzählte Michal nach dem Spiel und bedankte sich artig bei “Bernie” Nagl für dessen akustischen Motivationsschub. Kramer wirkte stattdessen gehemmt, unsicher und hatte gegen den plötzlich groß aufspielenden Chudy kein Konzept parat um sich doch noch ins Finale zu retten. Chudy spielte ab 2:5 und den motivierenden Schlachtgesängen praktisch fehlerfrei, holte vier Games in Serie und den Tie-Break mit 7:2. “Ich war heute einfach nicht locker genug. Schade, aber ich kann ja morgen im dritten Satz noch alles klar machen”, meinte ein enttäuschter Kramer.

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Claus Lippert, 29. April 2008