Rekord ohne Happy End

Markus Seitner gewinnt April-Without-Top-Ten-Turnier und den Sand-Auftakt 2008

Der neue Without-Top-Ten-König der Hobby-Tennis-Tour heißt Markus Seitner. Der 28jährige Salzburger feierte beim ersten Sandplatzturnier der Saison seinen insgesamt 4. Without-Top-Ten-Titel und ist damit seit Dienstag Abend gemeinsam mit Michael Berger (ebenfalls 4 Erfolge) Rekordsieger der beliebten Turnierserie. Majestätisch fiel der finale Auftritt Seitners am gestrigen Nachmittag beim 4:6, 6:4, 6:2 Erfolg über Markus Jilka freilich nicht aus. Weder am Centercourt, wo der 28jährige nicht zu überzeugen wusste, und schon gar nicht beim Abgang von der Tennisanlage des TC Vösendorf, die erstmals überhaupt am vergangenen Wochenende Austragungsort eines Hobby-Tennis-Tour-Events war. Der Finalbericht von C.L

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Siegerehrung beim April-Without-Top-Ten-Turnier wird zur Mega-Farce

Es herrschte eine eigenartige Atmosphäre unmittelbar nach Ende des 5. April-Without-Top-Ten-Finales. Die Siegerehrung knapp vor 19 Uhr hatte das Flair einer Beerdigung, mit einem “Rekord”sieger, der mit versteinertem Blick in die Kamera des Veranstalters starrte. So avancierte die als krönender Abschluss des Sandplatz-Auftakts gedachte Zeremonie rund um die Sieger zur echten Farce und zum traurigen Höhepunkt eines wahrlich unrühmlichen Finalauftritts des Markus Seitner. Der 28jährige ließ seinen Frust über die störenden Wind-Verhältnisse und über seine magere Finalleistung am Veranstalter aus, und bedankte sich auf recht eigenartige Weise für die im Vorfeld erhaltene Wild-Card für den Sandplatz-Saisonauftakt in Vösendorf. Der Salzburger verzichtete auf das übliche Siegerinterview, attackierte stattdessen viel lieber den Tour-Organisator, schnappte den Pokal und verließ fluchtartig die Anlage.

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Seitner bedankt sich für Wild-Card mit einer Verbal-Attacke am Veranstalter

Zurück blieben ein verwunderter Markus Jilka und ein Veranstalter, dem ob so viel Frechheit eines Tourspielers, Enttäuschung und Ärger ins Gesicht geschrieben standen. Heftiger Wind während der 97 finalen Minuten am Centercourt des TC Vösendorf hatten anscheinend zur Folge, dass Seitner mit seinem Tennis und sich selbst nicht im Reinen war. Während der ersten beiden Sätze des 13. Saison-Endspiels motzte er noch sich selbst an, im Finish rastete der Salzburger dann mit einer Verbal-Attacke in Richtung des Tour-Verantwortlichen aus. 4:2 führte der 28jährige in der Entscheidung, als er sich im Folge-Game bei 30:15 für Jilka nicht mit diesem Spielstand zufrieden geben wollte. “Es steht 15:15, hast du überhaupt eine Ahnung was du da mitschreibst”, giftete er in Richtung Veranstalter. Es wäre alles nicht korrekt und er bestehe darauf, dass man ihm die drei Punkte bis zum vermeintlichen 30:15 aufzähle. Erst als der an der Seitenlinie im Publikum stehende Jänner-Grand-Slam-Sieger Mario Kiss ihm die drei ausgespielten Punkte des siebenten Games im dritten Satz näher vor Augen führte, setzte der Salzburger die Partie fort. “Mir war gleich klar, dass ich 30:15 führe und der Markus beim Rückschlag falsch steht. Darum habe ich zur Sicherheit wegen dem Spielstand nachgefragt”, zeigte sich auch Jilka überrascht. “Du stehst zwei Stunden bei 8 Grad und bei Dauersturm in der Kälte um den beiden Finalisten auch eine schöne Statistik präsentieren zu können, und dann wirst du am Ende sogar noch wie ein Rotzbua behandelt. Frechheit siegt eben”, äußerte sich der Veranstalter.

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Starker Wind als Dauer-Ärgernis beim Endspiel des Sandplatz-Saison-Auftakts

Natürlich war der Wind ein störender Dauer-Begleiter des 5. April-Without-Top-Ten-Finales. Doch der aus Nord-West über die Anlage fegende Spielverderber stellte ja nicht nur für den späteren Sieger ein echtes Ärgernis dar. Auch Markus Jilka hatte mit den unwirtlichen Bedingungen zu kämpfen, letztlich aber die gleichen Verhältnisse wie sein Bezwinger. Das dürfte Seitner in der Hitze des Gefechts wohl entgangen sein. Von Minute zu Minute dieses ersten Sandplatzfinales 2008 wurde der Salzburger daher unentspannter, auch weil auf der anderen Seite des Netzes ein 20jähriger Final-Debütant wohl mehr Widerstand leistete als im Vorfeld angenommen. Jilka spielte ganz cleveres Sandplatztennis, nahm die störenden äußeren Einflüsse als gegeben und damit die große Finalherausforderung samt Wind-Lotterie an. Und viel hätte nicht gefehlt. und der junge Niederösterreicher wäre zum Sensationssieger des 4. Without-Top-Ten-Turnier des Jahres geworden. Mangelnde Routine bei den “big points” wurden dem Loidesthaler am Ende zum Verhängnis.

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Markus Jilka zittert sich nach rascher 5:0 Führung zu einem 6:4 im ersten Satz

Dabei legte der seit 6 Spielen ungeschlagene Markus Jilka gleich einmal echt furios los. Nach nur 20 Minuten hatte er sich eine 5:0 Führung in einem für die extrem schwierigen Wind-Verhältnisse wirklich guten Match erspielt. Trotz der stürmischen Bedingungen entwickelte sich zu Beginn des Finales eine äußerst ansehnliche Partie mit relativ wenig Eigenfehlern auf beiden Seiten. Die Anfangsphase machte womöglich auch deshalb optisch so viel her, weil beide Akteure ihre Taktik ziemlich offensiv anlegten. Ungewohnt oft und untypisch für Sandplatztennis auf einem langsamen tiefen Court, erschienen “Markus & Markus” am Netz. Jilka dabei um die Spur öfter, vorallem aber deutlich effektiver als Seitner, womit das rasche 5:0 mit zu erklären ist. Die souveräne Führung freilich lähmte den Underdog, der beim Versuch den ersten Satz zu beenden nervös und verkrampft zu Werke ging. Seitners Aufholjagd hingegen war sehenswert und beeindruckend zugleich. Vier Games in Serie, herausgespielt mit 16:3 Punkten (davon 10 hintereinander) waren die Folge, ehe der Salzburger seine Aufholjagd selbst stoppte. Mit zwei Doppelfehlern brachte sich der 28jährige um die Früchte seines tollen Spieles während der vergangenen 10 Minuten nach dem schnellen 0:5, und nach exakt 31 Minuten mit 0:1 Sätzen in Rückstand.

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Jilka serviert im 2. Satz bei 4:4, 40:15 einen ärgerlichen & vorentscheidenden Doppelfehler

“In den nächsten beiden Sätzen nur mehr zu Null”, murmelte Seitner in der kurzen Satzpause. Und diesem Vorsatz schien die mit einer Wild-Card ins Turnier gehievte Nummer 1 gleich einmal ordentlich Nachdruck verleihen zu wollen. Aggressiv, präzise und mit acht Punkten in Folge eröffnete Seitner den zweiten Durchgang und ließ beim Gegner böse Vorahnungen aufkommen. “Den Satz verliere ich sicher. Das wird ein dritter Durchgang”, meinte ein in Selbstzweifel agierender Jilka. Wie wir natürlich wissen, wurde es am Ende ein solcher dritter Satz, dabei sollte der Final-Debütant aus Niederösterreich davor sogar noch die Chance vorfinden, das April-Without-Top-Ten-Endspiel für sich zu entscheiden. Jilka hatte das umstrittene und heftige umkämpfte Aufschlagspiel zum 1:2 gewonnen und sich im folgenden Game mit dem Re-Break zurück in den zweiten Satz gebracht. Bis 4:4 ging es danach mit dem Aufschlag, ehe dem großen Finale die spielentscheidene Situation blühte. Jilka führte bei eigenem Aufschlag und dem Versuch auf 5:4 zu servieren mit 40:15, als er mit einem ärgerlichen Doppelfehler die endgültige Wende zugunsten Seitners einleitete. Der Ärger darüber zu groß, die Nachdenkphase zu lang, so machte der 20jährige in diesem Satz keinen Punkt mehr, während sein Gegenüber mit 8 Punkten in Folge nach einer Stunde und 12 Minuten zum Satzausgleich kam.

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Seitner gewinnt schwachen Entscheidungssatz und sein 4. Without-Top-Ten-Turnier

Die Vorentscheidung war damit gefallen, auch wenn Jilka den abschließenden dritten Satz bis 2:2 offen halten konnte. Doch der Loidesthaler trauerte noch immer der großen vergebenen Chance gegen Ende des zweiten Heats nach, und weiterhin beschäftigte den sympathischen Newcomer dieser verdammte Doppelfehler beim Spielball zum 5:4. Der Wind hatte nun in der Entscheidung längst ein wenig nachgelassen, die Spielkultur aber keineswegs zugelegt. Finalbesucher Mario Kiss mit Sohnemann Luca am Arm bestätigte Jilka zwar eine ganz clevere Spielweise, doch wirklich zusetzen konnte der in der Defensive stark spielende Niederösterreicher nicht mehr. Den gleichermaßen unnötig wie ärgerlichen Doppelfehler brachte der Jungstar nicht mehr aus seinem Kopf, worunter sein Tennis merklich zu leiden hatte. Und Seitner wiederum war in der heißen Schlussphase ohnehin nur mehr damit beschäftigt, auf Gott und die Welt böse zu sein und mit erwähnter Verbal-Attacke zu glänzen. Spielerisch hatte der Salzburger wenig zu bieten. Und so war am Ende auch symptomatisch, dass Jilka mit einem Volley ins Out das Finale beendete.

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Markus Seitner auf Without-Top-Ten-Ebene seit 17 Spielen ungeschlagen

Was folgte war wie schon erwähnt eine unwürdige Siegerehrung eines eigentlich ganz gelungenen und von vielen Sensationen geprägten Sandplatz-Saison-Eröffnungs-Turniers, und die eigenwillige Art Seitners sich für seine nicht unumstrittene Wild-Card zu bedanken. Sieger-Interview gab es keines, stattdessen nur böse Blicke und massives Unverständnis für die von Mutter Natur am Dienstag Nachmittag provozierten Wetter-Verhältnisse. Seitners Verhalten ist einfach total unverständlich, noch mehr sogar wenn man sich seine phantastischen Tour-Bilanzen näher ansieht. Der 28jährige ist mit seinem ersten Saisontitel und dem vierten Without-Top-Ten-Karriere-Erfolg nun gemeinsam mit Michael Berger Rekordchampion dieser Turnierserie. Auf Sand verlängerte Seitner seine Siegesserie auf 8 Matches ohne Niederlage, und auf Without-Top-Ten-Ebene feierte der Salzburger bereits seinen 17. Einzelsieg in Folge. Erstmals seit 2004 kommt der April-Without-Top-Ten-Sieger außerdem wieder aus Österreich.

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“Der Turniersieg wäre möglich gewesen, aber ich war zu deppert dafür”

“Ein Sch….-Spiel, in dem ich leider im zweiten Satz meine große Chance vertan habe”, so eröffnete Markus Jilka die Analyse nach seinem Final-Debüt. Gut gespielt und doch knapp verloren, die Enttäuschung saß auch beim immer fröhlichen Loidesthaler tief. “Der Turniersieg wäre heute möglich gewesen. Aber ich war einfach zu deppert. Nach dem blöden Doppelfehler bei 4:4, 40:15 wusste ich, dass ich dieses Match verlieren werde. Es ist wirklich schade und ärgerlich, weil bei 5:4 hätte sicher auch der Seitner begonnen nachzudenken. Mir ist es ja leider auch so gegangen. Nach dem Doppelfehler habe ich schon ein- zwei Mal im Hinterkopf gehabt, dass es das jetzt leider war. Solche Gedanken kann man nicht verhindern. Es war eben ein Finale wo man knapp vor einem Turniersieg steht, und kein Viertelfinale wo man bei einer Niederlage halt nur aus dem Turnier fliegt. Ich ärgere mich jetzt schon. Der Seitner war heute zu packen, und der Pokal war auch sehr schön”, resümierte der 20jährige.

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Claus Lippert, 16. April 2008