Bleibt April-Without-Top-Ten weiter in internationaler Hand?

Eine Woche nach dem Start in die Freiluftsaison 2008 erfolgte am gestrigen Freitag Nachmittag auch der Startschuss in die von vielen Spielern schon heftig herbeigesehnte Sandplatzsaison. Zum fünften Mal seit 2004 starten die Sandplatzwühler der Tour-Szene mit dem April-Without-Top-Ten-Turnier in ihre Saison, und erstmals übrigens auf der Tennisanlage des TC Vösendorf. Gleich zum Auftakt setzte es dabei mit dem Sensations-Aus von Robin Douglas einen herben Dämpfer für die internationale Tour-Elite, die in den vergangenen Jahren das Sandplatz-Saisoneröffnungsturnier beherrschte. 2005 siegte Christian Lankinen aus Finnland, 2006 stemmte Filip Vladkov aus Bulgarien den Sieger-Pott in den Himmel und im Vorjahr gewann Stanislav Perepelkin aus Russland den begehrten ersten Sandplatztitel der Saison. Die größte Hoffnung auf eine Fortsetzung der internationalen Siegesserie ist mit Deutschlands Robin Douglas aber schon ausgeschieden. Abseits des sensationellen Scheiterns des 5fachen Turniersiegers gab es aber noch drei weitere höchst interessante Erstrundenspiele. Ein Bericht von C.L

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Karl Pater bei seinem Sand-Debüt nach Dreisatzsieg über Alex Sterzl im Achtelfinale

Er hat schon zuletzt beim März-Super-4-Turnier in der Südstadt seine Gefährlichkeit angedeutet, und gestern Nachmittag zum Auftakt des April-Without-Top-Ten-Turniers diese erneut unter Beweis gestellt. Die Rede ist von Karl Pater, der sich am gestrigen Freitag mit einem 6:2, 5:7, 6:3 Erfolg über Alexander Sterzl bei seinem dritten Antreten auf der Tour zum dritten Mal für ein Achtelfinale qualifizieren konnte. Der 48jährige war im Duell mit seinem 11 Jahre jüngeren Gegner bei äußerst schwierigen Verhältnissen flexibler, scheinbar routinierter und nach zweieinhalb Stunden vielleicht auch die Spur glücklicher. In jedem Fall aber stark genug, um den im Vorjahr auf Sand so glänzend disponierten Alexander Sterzl in dessen fünfte Erstrundenniederlage in Folge zu schicken. Der 37jährige konnte seine letzten Trainingsleistungen nicht wie gewünscht abrufen und musste sich etwas überraschend auf dem tiefen Untergrund geschlagen geben. Dabei hatte Sterzl so große Erwartungen in diesen Sandplatz-Saisonauftakt gesteckt. Kein Wunder, musste sich der September-Second-Series-Sieger doch bei 12 Hallenstarts gleich 9 Mal in Runde 1 verabschieden. Eine Horror-Bilanz wenn man dazu Sterzls Sandplatz-Bilanz aus dem Vorjahr zum Vergleich nimmt, wo der 37jährige auf dem roten rutschigen Untergrund bei ebenfalls 12 Turnierstarts gerade einmal drei Auftaktniederlagen kassierte. Die Sehnsucht nach dem Lieblingsbelag war also dementsprechend groß und nur zu gut verständlich. Die Enttäuschung, dass es auf dem Paradebodenbelag zum Auftakt aber eine Niederlage setzte, war dem Filzkugel-Tüfftler deutlich anzusehen. “Man hätte lieber noch eine Woche auf diesen Plätzen arbeiten sollen anstatt eine Saisoneröffnung zu machen”, richtete sich Sterzls erste Kritik in Richtung der Tennisplätze. “Das ist ein neuer Tiefpunkt. Im Training war ich zuletzt um Welten besser als heute. So ein deppertes Match wie heute habe ich noch nie auf der Tour gespielt. Ich hätte heute doch schon um einiges besser sein müssen als zuletzt in der Halle. Aber irgendwie ist es nicht gut gelaufen. Ich hatte Probleme mit dem unberechenbaren Wind. Mit so einer Leistung kann man einfach nicht zufrieden sein. Meiner Meinung nach kann man diesem Match aber nicht allzu große Aussagekraft beimessen”, so Sterzl. Beipflichtend nickte derweil Sterzls Bezwinger Karl Pater, der sich zu seinem Sandplatz-Debüt auf der Tour wie folgt äußerte: “Der Wind und der Platz waren ein Scherz. Ich spiele jetzt seit 20 Jahren Tennis, aber sowas habe ich noch nicht erlebt. Es war mein erstes Match auf Sand in diesem Jahr, und von daher war eigentlich nichts anderes zu erwarten. Es war auch viel Glück dabei. Mein Ziel für dieses Wochenende habe ich schon wieder erreicht. Ich möchte bei jedem Turnier zumindest zwei Spiele bestreiten können”, verriet der WAT-Ottakring-Star.

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Markus Sellmeister gewinnt gegen Josef Scharbl das Erstrunden-Duell der Systeme

Zu einem Duell der Systeme kam es im dritten Erstrundenspiel am Eröffnungstag des April-Without-Top-Ten-Turniers 2008. Sandplatzwühler gegen Serve & Volley-Spezialist, oder in Namen ausgedrückt Markus Sellmeister gegen Josef Scharbl. Das bei heftigen Windturbulenzen und einem tiefen langsamen Boden das präzisionsbedürftige Offensivspiel des Josef Scharbl so seine Nachteile hatte gegenüber dem Grundliniengebaggere des Markus Sellmeister war rasch klar. So ist auch der letztlich deutliche 6:3, 6:3 Erfolg des Oktober-Second-Series-Siegers zu erklären, der seinen siebenten Einzelsieg auf Sand in Folge ohne zu kommentieren sichtlich genießen konnte. Mit seinem 30. Karriere-Einzelerfolg löste der 27jährige Wiener Neudorfer zudem sein Achtelfinal-Ticket gegen Karl Pater, während Josef Scharbl die Konzentration bereits auf den anstehenden Doppelbewerb richten kann. “Gegen die teilweise irregulären Verhältnisse kann man nichts machen. Die waren aber für beide Spieler gleich. Meine Leistung war nicht überragend, vielleicht auch weil ich jetzt eine zweiwöchige Trainingspause hinter mir hatte. Aber scheinbar bin ich im Einzel derzeit auch nicht viel besser”, meinte Scharbl nach seinem Sandplatz-Comeback mit dem ersten Single auf Asche seit 7. Oktober 2006.

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Lokalmatador Norbert Heuberger schlägt zum Auftakt Andreas Mayer mit 6:4, 6:4

Mit einem 6:4, 6:4 Erfolg über Februar-Second-Series-Sieger Andreas Mayer startete letztlich auch noch der Lokalmatador des TC Vösendorf in die neue Sandplatzsaison. Norbert Heuberger, 37jähriger Wiener in Diensten des niederösterreichischen Tennisclubs, bewegte sich auf dem schwer zu spielenden Sandcourt irgendwie geschmeidiger als sein Konkurrent und revanchierte sich im Erstrunden-Duell mit Mayer für die Semifinalniederlage seiner Frau Manuela beim Februar-Second-Series-Turnier. Der in der Halle großartig aufspielende Mayer blieb bei seinem Sand- und Outdoor-Debüt auf der Tour hinter dem von ihm gewohnten Leistungsstandart von der Halle klar zurück, und zog anschließend ein erstes Resümee: “Ich hatte keine Chance bei diesen Bedingungen. Ich wollte nicht so wie der Norbert die Bälle einfach abstechen. Damit meine ich, dass sämtliche Bälle die im zu weichen Halfcourt landeten, nicht mehr aufsprangen. Der Norbert hat aber ganz geschickt gespielt, keine Frage”, meinte der 41jährige Tullner. “Der Platz war schlecht, langsam und viele Bälle haben sich versprungen. Sand ist einfach nicht mehr Terrrain. Ich fiebere schon wieder der Hallensaison in 6 Monaten entgegen”, erklärte der 2fache Without-Top-Ten-Sieger.

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Claus Lippert, 11. April 2008