Turnierbeginn mit Knall-Effekt

Das Juni-Grand-Prix-Turnier 2006 hat am Freitag Nachmittag gleich mit einem Knalleffekt begonnen. Der Sieger von 2003 Martin Kova musste sich bereits in seiner Auftaktpartie gegen Tour-Newcomer Michael Kunz geschlagen geben. Der 35jährige Neuling feierte mit einem 2:6, 6:2, 6:2 Sieg über einen keineswegs schlecht spielenden Ranglistendritten ein gelungenes Tour-Debüt. Der groß aufgeschossene Kunz fand nach einigen Anlaufschwierigkeiten zu Beginn der Partie mit Fortdauer der Centercourt-Begegnung immer besser ins Spiel, und sicherte sich am Ende recht souverän seinen Platz im Achtelfinale. Für Kova setzte es somit bereits das dritte frühe Turnier-Aus in Folge. “Ich brauche mir nichts vorwerfen. Ich habe heute speziell im ersten Satz mein bestes Tennis gespielt. Ich behaupte sogar, das beste Tennis meiner Karriere gespielt zu haben. Doch dann ist mir die Saite bei meinem Racket gerissen, Kunz hat zu seinem Spiel gefunden und mein Aufschlag war auch plötzlich nicht mehr da. Ich bin gespannt wie weit Kunz hier kommen wird”, analysierte der April-GP-Sieger. Während für Kova damit früher als erwartet und ihm lieb eine lange Sommerpause beginnt, wird Michael Kunz plötzlich als aussichtsreiche “Juni-GP-Aktie” gehandelt. Vor möglichen weiteren Heldentaten, freute sich der 35jährige aber über seine gelungene Hobby-Tennis-Tour-Premiere. “Es war nicht leicht heute gegen Kova. Ich habe einige Zeit gebraucht, um mich auf sein Spiel einzustellen, und meine Taktik zu ändern. Ich habe vor allem im ersten Satz zu lange über seine Vorhand gespielt. Da hat er aber immer wieder gepunktet. Über seine Rückhnd ist dann vieles leichter gegangen”, meinte Kunz, der nun im Achtelfinale auf den Sieger der Partie Ebner gegen G. Glatzl treffen wird.

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Überraschendes Göppner-Aus bei Comeback

Der erste Spieltag beim 5. Juni-GP-Turnier bei hochsommerlichen Verhältnissen hatte neben dem unerwarteten Kova-Aus aber noch eine Reihe weiterer Überraschungen zu bieten. Die extremen Temperaturen setzten so manchem Favoriten zu, erst Recht den “älteren Semestern” im Feld. So sorgte die Tourjugend in den Eröffnungseinzeln mit zwei Siegen für Aufsehen. Nihad Berzengi und Patrick Meinhart warfen mit überraschend glatten Zweisatzerfolgen die höher eingeschätzten Erstrundengegner aus dem Bewerb. Der zuletzt heftig in der Kritik stehende Nihad Berzengi scheint sich weiter eifrigst aus der Krise zu spielen. Mit einem 6:4, 6:2 über den “comebackenden” Kurt Göppner feierte der 16jährige zum dritten Mal in Folge einen Sieg in Runde 1. Mit einer kontrollierten, soliden Vorstellung entschied der Junior die Hitzeschlacht gegen sein routiniertes Gegenüber. “Ich habe heute wirklich gut gespielt. Ich bin zufrieden, habe mit Hirn agiert und meinen Gegner laufen gelassen. Das hat sich am Ende ausgezahlt. Jetzt freue ich mich auf das Duell mit Patrick Meinhart”, jubelte Berzengi. Sein Sieg fällt wirklich in die Kategorie “große Überraschungen”. Denn Göppner hat beispielsweise im Vorjahr eine Jeannine Hos klar in zwei Sätzen geschlagen, gilt als hervorragender Doppelspieler und als sicherer Wert im “Waldviertler Tennis-Clan”. Den 47jährigen mit Vorjahresleistungen zu vergleichen ist freilich nicht fair, ist Kurt doch nach einem doppelten Seitenbandriß erst seit kurzer Zeit wieder sportlich einsatzbereit. “Ich habe in dieser Zeit außer liegen nicht viel tun können. Daher habe ich auch das eine oder andere Kilo zuviel. Ich war körperlich heute nicht in der Lage, mein gewohntes Spiel aufzuziehen. Dabei ist es im Training zuletzt mit Michael Berger nicht so schlecht gelaufen. Berzengi hat mir im zweiten Satz keine Chance gelassen. Mehr war bei dieser Hitze heute für mich nicht drinnen. Am Ende war mir nur mehr “schwarz” vor Augen, erklärte Göppner.

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Meinhart gelingt gegen Zack die Revanche für Erstrundenniederlage beim April-GP

Aus dem erwarteten Oldies-Duell Göppner gegen Zack im Achtelfinale wird also nichts, weil auch der zweite Jungstar die hochsommerlichen Verhältnisse in Simmering für sich nützen konnte. Patrick Meinhart, frischgebackener Future-Tour-Sieger vom Vortag, stellte im Erstrundenmatch mit Günter Zack erneut seine momentane Hochform unter Beweis. Der 16jährige ließ nicht nur seine enttäuschende Vorwochen-Vorstellung beim Juni-Without-Top-Ten-Turnier gegen Thomas Nemetz vergessen, sondern er revanchierte sich mit dem 7:6, 6:4 Erfolg über Zack auch für die vor mehr als einem Monat beim April-GP-Turnier erlittene Erstrundenniederlage. “Es ist ärgerlich, weil ich mich auf ein Duell mit meinem Doppelpartner gefreut hätte und in diesem Turnier einiges möglich gewesen wäre. Entscheidend war der verlorene erste Satz mit dem knappen Tie-Break. Im zweiten Satz habe ich noch eine 4:2 Führung verjuxt, dann ist Patrick über mich drüber gefahren”, zeigte sich Vorjahresviertelfinalist Zack enttäuscht.

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Schindler mit neuerlichem Debakel – Posteiner souverän

Auch für Christian Schindler ist das Juni-GP-Turnier schon zu Ende. Der 23jährige Juni-Without-Top-Ten-Finalist musste sich nicht einmal 24 Stunden nach seiner desaströsen Finalvorstellung auch in Runde 1 gegen Walter Posteiner geschlagen geben. Der abermals weit unter Normalform agierende Aufschlagriese, lief gegen den engagiert und ruhig zu Werke gehenden Gegner in ein weiteres Debakel. Das 1:6, 0:6 gegen den November-Without-Top-Ten-Finalisten war freilich von neuerlich aufgetretenen Schmerzen im Schlagarm Schindlers begleitet. “Ich konnte die Hand kaum heben, und wollte schon im ersten Satz aufgeben. Jetzt brauche ich wohl eine Tennispause. Ob ich im Doppel noch an den Start gehen werde ist ungewiss”, meinte ein enttäuschter Schindler.

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Windisch im Aufwärtstrend, Popovski trotz Niederlage zufrieden

Ein deutlicher Aufwärtstrend ist auch bei Thomas Windisch weiter erkennbar. Nur 5 Tage nach seinem Viertelfinaleinzug beim Juni-Without-Top-Ten-Turnier überstand der Wiener auch beim Juni-GP die erste Runde. Der 6:3, 6:4 Erfolg über den Mazedonier Vladimir Popovski kam für viele Tourinsider überraschend. Weil der 16jährige Tour-Neuling bei seiner vorwöchigen Premierenvorstellung gegen Christian Schindler trotz Niederlage durchaus überzeugen konnte und mit gefälligem Tennis debütierte, und weil sich Windisch über viele Jahre den Ruf des “uneinschätzbaren und unkonstanten Tourspielers” erarbeitete. Doch ausgerechnet in seinem 65. Karriere-Match sorgte “Tom” mit einer abermals gediegenen Leistung für einen gelungenen Jubiläums-Auftritt. “Es geht langsam aber sicher aufwärts, doch die richtige Leistungsseigerung erwarte ich mir für den Herbst. Davor steht intensives Training im Sommer auf dem Programm”, plant Windisch für die Zukunft. Dorthin blickte nach seinem zweiten Antreten auf der Tour auch Vladimir Popovski. Der weitgereiste Sohn einer Botschaftsangestellten analysierte in perfektem Englisch: “Ich habe gut gespielt heute, obwohl nicht so gut wie ich es normal kann. Ich habe leider in manchen Momenten die Konzentration verloren. Ich habe aber auch noch nicht so viele Turniere gespielt. Jetzt gehe ich zwei Monate auf Ferien, und dann werde ich Ende August voll auf der Tour einsteigen. Ich mag die Hobby-Tennis-Tour sehr, und freue mich schon auf die Zeit nach den Ferien”, gestand der gebürtige Mazedonier.

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Sieg und Niederlage für die Kerschenbauer-Boys

Neben Michael Kunz schlugen am Eröffnungstag noch drei weitere Neueinsteiger erstmals im Rahmen der Tour auf. Kramer-Freund Michael Holzer hat es dabei bei brütender Hitze besonders eilig, und deklassiert Future-Tour-Bambini-Sieger Clemens Kerschenbauer mit 6:1 und 6:0. Der 9jährige überzeugte als jüngster Teilnehmer des Turniers freilich neuerlich mit einer weiteren Steigerung im mentalen Bereich. Der Junior wird von Spiel zu Spiel reifer, ruhiger und disziplinierter. Das gegen den Tour-Neuling nicht an einen Sieg zu denken war, kristallisierte sich rasch heraus, dennoch blieb Heißsporn Clemens “cool”. Für “Rache” sorgte dann Bruder Jakob, der im zweiten Kerschenbauer-Duell mit einem Newcomer für einen Sieg sorgte. 6:2, 6:2 lautete das überraschend deutliche Ergebnis gegen Schwing-Cousin Roman Linsbauer. “Das war eine meiner besseren Leistungen”, freute sich Jakob, während Linsbauer mit Schmerzen in den Beinen argumentierte. “Ich habe gestern mit Stefan trainiert. Mit tut noch alles weh. Im Doppel am Samstag bin ich aber wiedr fit. Wirklich gut habe ich heute zudem auch nicht gespielt”, sagte der Tour-Neuling. Die zweite Niederlage auf Debütanten-Ebene erlitt Kunz-Freund und Doppelpartner Josef Scharbl. Das 4:6, 4:6 gegen Juni-Without-Top-Ten-Semifinalist Christoph Kramer sorgte aber für keinerlei Sorgenfalten bei Scharbl. “Ich spiele jetzt gelegentlich mit Michael Kunz, aber ansonsten liegt meine Tenniszeit lange zurück”. Unter diesen Umständen kann die Darbietung Scharbls gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Kramer blickt nach dem mühevollen Auftakt nun dem Achtelfinal-Hit mit Markus Altsinger entgegen. “Das wird eine ganz interessante Aufgabe. Da gehe ich lieber heute Abend nach Hause”, entsagte der 23jährige schon im Vorfeld einer etwaigen Night-Session im Schindler-Stil.

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Claus Lippert, 17.Juni 2006