US-Heimkehrer Patrick Khandroo feiert sensationellen Comeback-Triumph

Fast zwei Jahre nach seinem vorläufigen Hobby-Tennis-Tour-Abschied hat US-Heimkehrer Patrick Khandroo am vergangenen Wochenende ein phantastisches und wahrlich zauberhaftes Comeback hingelegt. Der im US-Bundesstaat Kalifornien lebende Österreicher, der sich auf einem sechswöchigen Heimaturlaub befindet, feierte beim Juni-Challenger-Turnier der Kategorie 2 auf den Kunstrasenplätzen des WAT Landstraße den lange und heiß ersehnten Premieren-Triumph auf der von ihm so geliebten Hobby-Tennis-Tour. Der 22jährige krönte im Finale am Mittwoch Vormittag eine hervorragende Gesamtleistung beim 37. Saisonturnier, und bezwang dort Quer-Einsteiger Sascha Kobsik in exakt 1:37 Stunden mit 7:5 und 7:5. Gemeinsam mit seinem Freund und College-Partner Sean Pemberton holt sich Khandroo obendrein auch noch den Titel im Doppelbewerb, womit sich der “Comebacker des Jahres” das Juni-Challenger-Double sicherte. Mit dem Erfolg im Doppel von Sean Pemberton ging zudem erstmals in der Hobby-Tennis-Tour-Geschichte ein Titel an einen US-Amerikaner. Wie überhaupt das vorletzte Juni-Weekend ein höchst international angehauchtes Wochenende war. Spieler aus insgesamt 4 Kontinenten dieser Erde sorgten für einen Hauch großer weiter Tennis-Welt, und mit Tour-Debütant Ari Davis als Champion des Juni-Masters-Series-1000-Events gab es als attraktiven Höhepunkt noch den ersten Turniersieg für den pazifischen Inselsstaat Neuseeland. Der Mann des Wochenendes aber war ganz eindeutig Patrick Khandroo. Der US-Heimkehrer war jene Figur im Mittelpunkt, auf die der ganze Circuit mit großer Spannung blickte. Ein Bericht von C.L

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Comeback-Star Patrick Khandroo im Fokus der HTT-Öffentlichkeit und zunächst einmal ganz ordentlich in der Gernot Hansen-Kritik

Am 9. Juli 2010 hatte Patrick Khandroo sein vorerst letztes Single im Rahmen der Hobby-Tennis-Tour bestritten. Der damals 20jährige unterlag in der ersten Runde des Juli-WTB-Turniers beim TC Top Serve gegen Nihad Berzengi mit 2:6, 7:6, 4:6, ehe ihn die breite Öffentlichkeit der HTT-Familie aus den Augen verlor. Khandroo wanderte mit seiner Familie in die Staaten aus, und war mit der Hobby-Tennis-Tour nur mehr per “world wide web” verbunden. 71 Turniere hatte der allseits beliebte Wiener seit seinem Debüt im September 2008 absolviert, dabei in 93 Matches gerade einmal 22 Siege fixieren können, und als Höhepunkt das Semifinale beim November-Second-Series-Turnier erreicht, ehe er sich über den “großen Teich” verabschiedete. Was Patrick in 22 Monaten und wie erwähnt 71 Turnieren nicht zustand brachte, gelang ihm nun aber an nur einem Wochenende in vier Matches. Patrick Khandroo – Sieger des Juni-Challenger-Turniers 2012, für den 22jährigen Auswanderer hat sich am frühen Mittwoch Nachmittag der wohl größte sportliche Lebenstraum erfüllt. “Als ich im Flugzeug aus Amerika saß, hatte ich mir vorgenommen diesen Titel zu holen. Das war mein ganz großes Ziel”, erzählte der Sieger später im Interview. Davor war der mittlerweile 22jährige vier Tage lang im totalen Fokus der HTT-Kollegen gestanden. Es war nicht nur die Vorfreude vieler seiner ehemaliger Mitspieler auf ein Wiedersehen mit dem Sympathikus, sondern auch das riesige Interesse vorhanden, wie sich denn dieser Patrick K. in den USA tennismäßig so entwickelt hat. Und weil der Comeback-Man des Jahres in Runde 1 auch gleich einen viel zu hektisch und noch mehr erwartungsfrohen Gernot Hansen über den Rasen des WAT Landstraße scheuchte, stand sie erstmals im Raum, die leidige und eigentlich erwartete Diskussion, ob Khandroo denn nicht viel zu stark für ein Challenger-Turnier der Kategorie 2 sei. Als sich Gernot Hansen am frühen Sonntag Vormittag nach seinem 0:6, 1:6 Debakel dann aber so richtig verbal ausgelassen, und sich seinen Frust von der Seele geschimpft hatte, war die “heiße Luft” über der Hans Bock-Anlage auch schon wieder raus aus der Diskussion. Der rumänische Routinier Ioan Cocis hatte das von Hansen inszenierte “Khandroo-Theater” mit einem Satzgewinn beendet, und fortan ging es wieder um die sportlichen Belange dieses Challenger-Events.

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Patrick Khandroo mit Stotterstart beim Final-Debüt

Das die von Cocis im Keim erstickte und höchst unnötige Debatte im weiteren Turnierverlauf nicht wieder neu aufflammte, lag auch am Diskussions-Grund selbst. Ob zu stark oder nicht, Khandroo konnt in den restlichen Partien nach dem viertelfinalen “walk-over” in keiner Phase mehr sein bestes Tennis abrufen. Im Halbfinale gegen Libyens Ali Sharif glich Patricks Performance eher der eines biederen Handwerkers, und im Finale war ob der verständlichen Mega-Nervosität beim 22jährigen von Spielkultur ohnehin nichts zu sehen. Und so schlug Khandroo bei seinem Comeback quasi gleich zwei Fliegen mit einem Schlag. Den Titel abgeräumt und dabei den Gegnern das Gefühl gelassen, dass der Bezwinger doch nicht zu stark für die zweite Liga der Challenger-Tour ist. Besser hätte es nicht laufen können. Dabei kämpfte der Heimkehrer im Endspiel zunächst mit einem Stotterstart und einer allseits offensichtlichen Nervosiät, die ihn gleich zu Beginn in arge Bedrängnis brachte. Zwei “billige” Fehler am Return, dazu ein wie erwartet stark los servierender Sascha Kobsik, und schon war der 30jährige Ersatzmann für Franz Maier höchst souverän zu Null und mit 1:0 in Führung gegangen. Khandroo hingegen “zitterte” im ersten finalen Aufschlag-Game seiner Karriere wie ein Kurzarm-Bekleideter im tiefsten Winter. Drei Doppelfehler und zwei abzuwehrende Breakchancen waren das Resultat der scheinbar unkoordinierbaren Bleihand des 22jährigen. Das er mit Ach & Krach diese heikle Anfangsphase meisterte, war wohl ein Mitgrund, warum Khandroo am Ende den Pokal in den sonnenüberfluteten Nachmittagshimmel stemmen durfte. Dieses mühsam errungene erste Aufschlagspiel gab dem Ex-Wiener Ruhe und Sicherheit, während sich sein Gegner im Folge-Game erstmals mit “seinem” akuten Tagesproblem zu beschäftigen hatte. Er, der beste Aufschläger auf der Challenger-Tour stand im bislang wichtigsten Tennis-Match seines Lebens plötzlich ohne erstes Service da.

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Mit nur 20,3 Prozent an ersten Aufschlägen stand der beste Challenger-Server Sascha Kobsik recht rasch auf verlorenem Posten

Insgesamt spuckte die Final-Statistik von hobbytennistour.at die rekordverdächtige Negativ-Marke von nur 20,3 Prozent ersten Aufschlägen für Sascha Kobsik aus, damit ist beim allerbesten Willen nicht einmal auf Future-Tour-Ebene ein Blumentopf zu gewinnen. Und weil der 30jährige in dieser Phase neben fehlendem ersten Aufschlag auch sonst mit Eigenfehlern nicht geizte, sah er sich nach einer Viertelstunde einem bitteren 1:3 Rückstand gegenüber. Wie es hätte gehen können, demonstrierte der Viertelfinal-Bezwinger von US-Boy Sean Pemberton im sechsten Game des ersten Satzes, als er zwei “Erste” ins Spiel brachte und mit zwei Service-Winnern auf 2:3 verkürzte. Und das Khandroo an diesem sonnig heißen Mittwoch-Mittag alles andere als sattelfest und durchaus bezwingbar war, dokumentierte das Folge-Game, in dem der spätere Champion eine riesige Vorhand-Chance beim Spielball zum 4:2 leichtfertig ausließ, und samt Doppelfehler Nummer 4 sein erstes Break zum 3:3 Ausgleich hinnehmen musste. Allerdings war dieser Ausrutscher nicht weiter tragisch, weil Kobsik nach einem gewohnt stark gespielten Aufschlag-Game wieder beim Service patzte. Und das gleich ganz gewaltig. Wieder war der bei ihm so wichtige erste Aufschlag eine echte Fehlanzeige, und mit zweiten – stets perfekt berechenbaren – Einwürfen lud Kobsik seinen Gegner immer wieder zu punktbringenden Returns ein. Khandroo nützte natürlich diese Geschenke, blieb zudem bei eigenem Aufschlag souverän, und schien bei 5:3 Führung den ersten Satz des Juni-Challenger-Finales schon in der Tasche zu haben. Kobsik blieb vorerst nur die Möglichkeit, mit eigenem Aufschlag auf 4:5 zu verkürzen, und damit den Druck auf Khandroo nochmals zu erhöhen. Was zunächst auch gelang. Beim Versuch den ersten Durchgang nach Hause zu servieren, gingen mit dem Wahl-Kalifornier die Nerven durch. Mit drei unschönen Doppelfehlern offenbarte der 22jährige arge mentale Mängel, und offerierte überdies seinem Gegner die Chance, zurück in dieses Endspiel zu kommen. Doch das wäre aus Sicht Kobsiks nur dann möglich gewesen, wenn er einen konstant funktionierden ersten Aufschlag an diesem Tag gehabt hätte. Stattdessen kassierte Kobsik Break Nummer 3, und Khandroo bekam aus heiterem Himmel ein zweites Mal die Gelegenheit, den ersten Satz für sich zu entscheiden. Und diesmal klappte es auch. Trotz Doppelfehler Nummer 9, hatte Khandroo nach 46 abwechslungsreichen Minuten den ersten Heat mit 7:5 gewonnen.

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Khandroo kann erst nach 5 vergebenen Matchbällen über seinen Premieren-Titel auf der Hobby-Tennis-Tour jubeln

Durchgang 2 verlief recht ähnlich wie der Eröffnungssatz, wieder legte Kobsik vor, und abermals kam der Khandroo-Konter in Form von zwei Games Vorsprung. Bei 2:4 knallte Kobsik einen Frust-Doppler ins Netz, warf eine Parkemed-500-Filmtablette ein, und servierte so immerhin vier sehenswerte Asse ins Feld seines Gegners. Diese hammerharten und von Khandroo nicht returnierbaren Geschosse waren aber nichts anderes als uneffektive Lärm-Macher. Weitaus wichtiger als die ein oder andere unnehmbare Service-Rakete, wäre ein entsprechendes “Percentage am Ersten” gewesen, doch Kobsik kennt selbst beim Aufschlag nur Vollgas. Mit diesem taktischen Fehler war das Finale nicht zu gewinnen, wenngleich er im Finish womöglich noch seine Chancen bekommen hätte. Khandroo “schwächelte” nämlich wieder einmal in einer heiklen Phase, und zwar diesmal beim Fixieren des Premieren-Titels. 5:4 voran, mit zwei prächtig nach Außen servierten Aufschlägen und einer 40:0 Führung zu drei Matchbällen gekommen, und doch sollte es “vorerst” noch nicht zum großen Jubel reichen. Eine Vorhand ins Netz, eine Rückhand ins Out, und ein nicht gerade mutig geschlagener Vorhand-Slice hinter die Grundlinie, am Ende dieses zehnten Games des zweiten Satzes hatte Kobsik vier Matchbälle abgewehrt und das Re-Break zum 5:5 geschafft. Khandroo schien “angezählt”, hatte nach dem vergebenen vierten Matchball mit fünf verlorenen Punkten in Folge einige “unrunde” Minuten zu überstehen. Glücklicher Weise kam ihm dann aber wieder Sascha Kobsik zur Hilfe. Der beste Aufschläger der Challenger-Tour hatte bei 10 Service-Versuchen in diesem seinem letzten Aufschlag-Game nicht ein einziges Mal einen “Ersten” getroffen, zu allem Überdruss auch noch einen Spielball zum 6:5 ausgelassen, und damit Khandroo die “Rutsche zum Titelgewinn” gelegt. Wenig später hatte der 22jährige bei 40:0 erneut drei Matchbälle, und auch wenn er Nummer 5 mit Doppelfehler Nr. 11 noch ausließ, so war Augenblicke später doch der bislang schönste Moment seiner Tennis-Karriere perfekt. Es war exakt 13:53 Uhr, als sich für Patrick Khandroo der sportliche Lebenstraum Nummer 1 erfüllte. Einen Smash des US-Heimkehrers kann Kobsik gerade noch hoch übers Netz zurückspielen, den zweiten Versuch trifft Khandroo am Rahmen, und damit wird der Ball für Kobsik unspielbar. Der kleine gelbe Filz segelte und segelte am Ende seitlich ins Out, ehe Patrick mit einem lauten “Come on” und einem im Stile der Profis hoch in die Lüfte geschossenen Tennisball seinen Triumph bejubelt.

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Die beiden Final-Protagonisten im Interview

“Zwei Jahre musste ich weggehen, um meinen ersten Titel auf der Hobby-Tennis-Tour zu holen, ich bin überglücklich und total erleichtert”, war Khandroos erste Reaktion. “Ich war so brutal nervös am Anfang, ich habe fürchterlich gescheppert. Mein erstes Finale auf der Tour wollte ich natürlich unbedingt gewinnen. Dieser Titel bedeutet mir ganz viel. Schon bei der Anreise aus den USA war der Sieg hier bei diesem Turnier mein ganz großes Ziel. Das war aber an diesem Wochenende auch noch nicht mein bestes Tennis. Heute habe ich solide aufgeschlagen, vorallem mit dem ersten Aufschlag bin ich zufrieden. Ansonsten habe ich sehr viel mit meinem Return gepunktet, auch weil der Sascha so oft über den zweiten Aufschlag gehen musste. Mein Ziel für den Rest des Urlaubs hier in Österreich ist es, einen der großen und guten Namen auf der Hobby-Tennis-Tour zu ärgern. Apropos ärgern! Für Sascha Kobsik war das Juni-Challenger-Turnier beim WAT Landstraße am Ende nur ein großes Ärgernis. Mit einer seiner bislang schwächsten Leistungen in 29 Tour-Matches verpasste der 30jährige die ganz große Chance, seinen ersten Karriere-Titel einzufahren. “Wenn ich verliere, dann bin ich voll angefressen, vorallem nach so einer enttäuschenden Leistung wie der heutigen. Mit einer Vorstellung wie heute, wäre ich im Achtel- und auch im Viertelfinale schon weg gewesen. Dabei war ich gar nicht so nervös wie noch bei den Spielen vor meiner dreiwöchigen Tennispause. Ich war heute leider viel zu verkrampft und habe keinen einzigen Ball voll durchgezogen. Dabei bin ich ja eigentlich nur kurzfristig für Franz Maier eingesprungen. So gesehen ist der Finaleinzug ein tolles Ergebnis. Wenn da eben nicht meine Leistung wäre, und die war unter aller Sau”, so der 30jährige. Immerhin durfte sich Kobsik – der am vergangenen Sonntag direkt aus dem Wolkersdorfer Freibad ins Juni-Challenger-Tableau gehievt wurde –  aber über seine erste Trophäe in Form eines Tellers freuen. “Ich habe in den Wochen vor meiner Pause schon schlecht geschlafen. Ich wollte unbedingt einmal zumindest so einen Teller in der Hand haben”, so der 13fache Turnierteilnehmer.

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Das Juni-Challenger-Finale in der totalen Statistik

Juni-Challenger-Final-Statistik

Patrick KHANDROO

Sascha KOBSIK

Fehler an der Grundlinie 38 33
Fehler am Netz 1 2
Doppelfehler 11 4
Asse 0 4
Service-Winner 14 6
Return 7 0
Vorhand-Winner 4 1
Rückhand-Winner 4 0
Volley 2 2
Smash 5 1
Lob 1 1
Stopp 1 0
Passierball Vorhand 1 1
Passierball Rückhand 2 1
Punkte durch gegnerische Fehler 39 50
Punkte selbst erzielt 41 17
Punkte insgesamt 80 67
1. Aufschlag in Prozent 47,4 % 20,3 %
2. Aufschlag in Prozent 73,1 % 92,7 %
Punkte nach dem 1. Aufschlag in Prozent 70,3 % 78,6 %
Breakchancen 10 7
Breaks 6 4