Neue Hobby-Tennis-Tour-Jugend im Vormarsch

Der Super-Samstag beim Februar-Without-Top-Ten-Turnier 2008 war auch ein Tag der Jugend. Die Junior-Asse der Hobby-Tennis-Tour haben am zweiten Spieltag ein kräftiges Lebenszeichen von sich gegeben und die Abwesenheit der “arrivierten Jungstars” Nihad Berzengi und Patrick Meinhart total vergessen lassen. Die neue junge Welle über die man spricht wird von Victor Stabrawa angeführt, von den Glatzl-Geschwistern komplettiert und erhält womöglich schon bald von einem hoch talentierten Markus Winter neue Impulse. Die Botschaft für Berzengi und & Co ist freilich klar. Eure Nachfolger stehen längst Gewehr bei Fuß. Ein Bericht von C.L

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Victor Stabrawa mit nur einem abgegebenen Game im Viertelfinale und neuer Junior-Shooting-Star der Hobby-Tennis-Tour

Die heißeste Jugend-Aktie an der Hobby-Tennis-Tour-Börse ist derzeit ohne Zweifel Victor Stabrawa. Der 16jährige von WAT Ottakring hat nur zwei Wochen nach seinem sensationellen Viertelfinaleinzug bei den “Australian Open der Hobby-Tennis-Tour” neuerlich die Runde der letzten Acht erreicht, und mit bislang nur einem abgegebenen Game im Turnierverlauf abermals sein großartiges Können unter Beweis gestellt. Der Champions-Race-Neunte war nach seinem Kantersieg vom Vortag in Runde 1 gegen Thomas Peyerl auch im Achtelfinale mit einer weiteren souveränen Vorstellung konkurrenzlos, und gewann dabei den “Jugend-Hit des Tages” gegen den zwei Jahre jüngeren Renee Glatzl mit 6:1, und 6:0. Zwei Jahre Altersunterschied, vorallem aber einige Zentimeter Überschuss an Körpergröße sorgten am Ende für klare Kräfteverhältnisse. Dazu wurde der Glatzl-Junior wieder einmal Opfer seines schwachen Nervenkostüms. Viele tolle, mit mächtig Power ausgeführte Ballwechsel blieben am Ende als Trostpflaster für den 14jährigen, der heuer von TC Top Serve zum neugegründeten Tennisverein Terra Rossa wechselte. Ein herber Verlust für den Simmeringer Tennisclub wenn man die Vorstellung des 14jährigen in Runde 1 gegen Werner Novak beobachten konnte. Dort drosch ein kleingewachsener Future-Tour-Star mit ungeheurer Wucht und Präzision auf die Kugeln, dass selbst ein erfahrener Tour-Spieler wie Werner Novak in riesige Schwierigkeiten geriet. Die waren am Ende so groß, dass er mit 0:6, 0:6 die Höchststrafe und die dritte Erstrunden-Niederlage in Folge ausgefasst hatte. Auf den ersten Saisonsieg heißt es für Novak weiter warten, und ein Ende der Negativ-Serie könnte noch länger nicht in Sicht sein. “Vielleicht werde ich mich jetzt erst einmal auskurieren und dann mit Lauftraining beginnen”, meinte ein kränklich und müde wirkender Novak. “Eigentlich hatte ich mit einer 60:40 Siegchance gerechnet, doch schon nach dem ersten Game war mir bewusst, dass das heute gegen den Renee eine ganz schwere Nummer werden würde. Der Renee hat super gespielt, weil ein 0:6 0:6 hat mir nicht einmal der Harbarth anhängen können. Und der schenkt nun wirklich keinem seiner Gegner auch nur ein Game”, zeigte sich der unterlegene Linkshänder von der Darbietung seines jugendlichen Bezwingers beeindruckt. Zufrieden war auch der spätere Glatzl-Bezwinger Victor Stabrawa, womit wir nochmals beim neuen Junior-Shooting-Star der bishrigen Saison wären: “Ich konnte bei Turnieren auf Jugendebene noch nie so richtig mein bestes Tennis abrufen. Vorallem beim Aufschlag hat mir das Vertrauen gefehlt. Jetzt traue ich mich auch schon beim zweiten Aufschlag Druck zu machen”, erzählte der 16jährige.

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Markus Winter feiert mit Sieg im jugendlichen Geschlechter-Duell über Jessica Glatzl seinen ersten Einzelsieg auf der Hobby-Tennis-Tour

Und dieses fehlende Selbstvertrauen sowie die Fähigkeit Trainingsleistungen in einem Wettbewerb entsprechend umzusetzen, scheint ein Phänomen zu sein, welches auch Markus Winter beschäftigt und derweil in seiner Entwicklung noch behindert. Der 17jährige vom UTC Wien gilt als wahrer Trainings-Weltmeister, die Wettkampf-Atmosphäre wurde dem Tour-Neuling bislang auf WTV-Jugend-Ebene aber stets zum Verhängnis. Und so versucht der Winter-Tennis-Clan nun über den Umweg Hobby-Tennis-Tour das “Mental-Problem” des Juniors zu beheben. Mama Winter stellte vor mehr als einer Woche den Kontakt zum Veranstalter her, drei Tage später war das Tour-Debüt des Sohnemanns auch schon perfekt. Zwar ging das Premieren-Match beim Jänner-Second-Series-Turnier gegen Michael Januska noch knapp in drei Sätzen verloren, doch eine Woche später hat der 17jährige den ersten Tour-Einzelsieg unter Dach und Fach gebracht. Mit einem 6:2, 2:6, und 6:0 Erfolg über Future-Tour-Star Jessica Glatzl blieb Winter im jugendlichen Geschlechter-Duell erfolgreich, und wirkte beim ersten Sieger-Interview seiner noch kurzen Hobby-Tennis-Tour-Karriere sichtlich erleichtert. “Ich bin echt froh darüber mein erstes Match hier gewonnen zu haben. Jetzt wäre es sehr sehr schön, noch eine Runde zu überstehen”, strahlte der Junior. Beinahe noch erleichterter wirkte Mama Winter, die sich mit dem Sohnemann freute, und vom überstandenen “Mädchenproblem” erzählte. “Der Markus war nach der Auslosung ziemlich unsicher wie er denn gegen ein Mädchen spielen soll. Aber sein Trainer hat ihn perfekt auf diese Situation eingestellt”. Und dieses erwähnte Mädchen war Jesscia Glatzl, die nach ihrem Februar-Without-Top-Ten-Auftritt zufriedenen und erhobenen Hauptes die Halle in Wien-Erdberg verlassen konnte. Der 12jährige Super-Teenie lieferte dem physisch weitaus stärkeren Gegner einen beachtlichen, sehenswerten und phasenweise hochklassigen Schlagabtausch, und wurde im Finish auch Opfer mangelnder Konzentration.

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Markus Schiller kann doch noch gewinnen – der 33jährige siegt gegen den Schweizer Horst Gfeller erstmals wieder seit 15. September des Vorjahres

Fiel dem UTC-Wien-Jungstar Markus Winter nach seinem ersten Tour-Einzelsieg ein kleiner Stein von Herzen, löste sich Stunden davor bei Markus Schiller wohl ein riesiger Felsbrocken in seiner Gefühlswelt. Der 33jähirge feierte endlich wieder einmal einen vollen Erfolg, genau genommen sogar den ersten im Jahr 2008 und den ersten seit 15. September des Vorjahres. Mit einem 6:3, 6:3 Sieg fügte Schiller zudem seinem Gegner dem Schweizer Future-Tour-Star Horst Gfeller die siebente Erstrunden-Niederlage in Folge zu. “Der Junior-Eidgenosse” nahm das neuerliche Aus freilich wenig tragisch. “Meine heutige Leistung war viel besser als jene beim letzten Turnier gegen den Bernd Saurugger. Aber ich bin natürlich trotzdem nicht zufrieden”. Anders dagegen der Gemütszustand von Markus Schiller, dem die Erleichterung ob des ersten Saisonsieges deutlich anzumerken war. “Ich bin wirkich sehr froh über diesen Sieg. Es war eh schon höchste Zeit. Ich habe mit einem neuen Schläger gespielt, der mir beim Aufschlag nicht so gut vorgekommen ist. Irgendwie hat mir da die Power gefehlt. Schade das ich in der nächsten Runde gegen den Christian Weiss antreten muss. Da habe ich keine Chance, aber ich werde mich so gut und teuer verkaufen wie nur nöglich. Bei den großen Turnieren versuche ich halt ein paar Punkte abzustauben, aber mein Hauptaugenmerk liegt natürlich auf der Second-Series. Mein Traum bleibt ein solches Turnier auch zu gewinnen”.

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Claus Lippert, 9. Februar 2008