Viertelfinalschlager Kiss-Loibl geht an die Nummer 2

Michael Karner 17 Jahre alt, Viktor Stabrava 16 Jahre jung, Johannes Loibl 18 Jahre, eine neue Welle an großartig spielenden Jugendlichen erfasste in den letzten Wochen und Monaten und speziell beim ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres die Hobby-Tennis-Tour. Für das größte Aufsehen und die fettesten Schlagzeilen sorgte dabei Seitner-Bezwinger Johannes Loibl, der mit phantastischen Ergebnissen und noch bemerkswerteren Leistungen bei seinem Tour-Debüt das Viertelfinale erreichte und dort am späten Sonntag Nachmittag zum Showdown mit einem der beiden Tour-Top-Stars verabredet war. Der Sensationsmann des Turniers Johannes Loibl fordert den Wimbledonsieger der Hobby-Tennis-Tour Mario Kiss. Die Tourfamilie fieberte dem ersten Kräftemessen der beiden in Niederösterreich Meisterschaft spielenden Herren entgegen. “Der Kiss darf keinen schlechten Tag haben, sonst hat er keine Chance”, war da u.a. im Umfeld des 18jährigen Shootingstars zu hören. Doch angesagte Revolutionen finden meistens nicht statt, und so blieb auch der angekündigte Loibl-Angriff auf die Nummer 2 des Turniers ein “Sturm im Wasserglas”. Für großartige Ballwechsel ab und an war aber schon alleine aufgrund der Fähigkeiten der beiden Hauptprotagonisten gesorgt, das ganz große erwartete Topspiel wurde der Viertelfinal-Schlager beim 17. Jänner-Grand-Slam-Turnier 2008 aber doch nicht. Und das lag vorallem an Mastersfinalist Mario Kiss, der mit einer eindrucksvollen Demonstration die Machtverhältnisse auf der Tour wahrte. Keine Stunde hatte es gedauert, bis ein entfesselt aufspielender Kiss mit einem 6:1, 6:4 den sechsten Grand-Slam-Einzelsieg in Folge unter Dach und Fach gebracht, und seinem jugendlichen Herausforderer zumindest an diesem Tag dessen Genzen aufgezeigt hatte. Mit seinem 15. Einzelerfolg im 16. Indoor-Single dokumentierte der 28jährige zudem einmal mehr seine Ausnahmestellung auf der Tour in der Halle. Der Rasen-Grand-Slam-Sieger “knallte” aus allen Rohren und aus allen Lagen, hämmerte die unglaublichsten Bälle in die Hälfte seines Gegners und machte zudem einen äußerst aggressiven und motivierten Eindruck. Beinahe hatte man das Gefühl, Kiss wolle “Grenzen abstecken”, und gefährlich aufkommende Gegnerschaft schon im Keim ersticken. Das ihm mit Loibl womöglich bald schon ein extrem ernster Gegner rascher als erwartet heranwachsen könnte, dürfte die atemberaubende Vorstellung von “Super-Mario” Kiss erklären.

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Johannes Loibl zeigt im zweiten Satz noch einmal sein großartiges Können

Und auch wenn das Topspiel des Tages – zumindest aus Sicht Loibls – nicht ganz den Erwartungen gerecht werden konnte, zeigte auch der unterlegene Jungstar zum Abschied noch einmal sein famoses Können. Im zweiten Durchgang gab der 18jährige noch einmal einen Einblick in sein umfangreiches Schlag-Repertoire, und rang seinem Bezwinger immerhin ein knappes 4:6 ab. “Was soll man machen. Ich bin viel zu spät in die Partie reingekommen. Der erste Satz war einfach viel zu schnell vorbei. Ich konnte einfach nichts machen. Auch im zweiten Durchgang habe ich die Bälle nicht optimal getroffen und außerdem war ich auch da viel zu schnell klar zurück. Kann man nichts machen, aber das Turnier hat mir sehr gut gefallen. Ich denke schon, dass ich auf die Tour wieder zurück kommen werde”, verabschiedete sich der 18jährige. Ein schelmisches Grinsen im Gesicht, so stellte sich Kiss den Fragen des Veranstalters nach seinem imposanten Viertelfinal-Auftritt gegen den aufstrebenden Jungstar. “Es ist ihm einfach zu schnell gegangen. Das Loibl Leute die nicht so schnell spielen deutlich schlägt, ist mir klar. Er war hilflos, speziell auf meine Slice-Bälle. Ich war wirklich sehr motiviert und habe äußerst aggressiv gespielt”, resümierte der Ranglisten-Zweite. Und mit einem Lächeln im Gesicht und bezugnehmend auf den Loibl-Sager “dann bin ich halt der Djokovic”, scherzte Kiss: “Ich wollte ihm halt zeigen, dass er noch weit weg ist von Federer & Nadal und selbst von Djokovic und eher ein Melzer ist. Nein Spass beiseite. Der Johannes hat ein riesiges Potential. Der Junge kann wirklich Tennis spielen. Er ist ja auch noch jung und daher ist noch sehr viel möglich. Ich hätte ihn sehr gerne gegen den Harbarth gesehen. Das wäre interessant gewesen und womöglich eine Dreisatz-Partie geworden.

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Harbarth startet Unternehmen Titelverteidigung mit drei souveränen Einzelsiegen

Apropos Andreas Harbarth. Am Sonntag Nachmittag war es endlich soweit, startete die Nummer 1 der Hobby-Tennis-Tour das “Unternehmen Titelverteidigung”. Und der 24jährige Vorjahressieger stellte an seinem ersten Turniertag im Jahr 2008 einmal mehr unter Beweis, warum er seit exakt 50 Wochen die Rangliste der Hobby-Tennis-Tour souverän anführt. Auch wenn der Sieger von drei Grand-Slam-Turnieren “noch” nicht in Mastersform scheint, blieb er auf seinem drei etappigen Weg ins fünfte Major-Semifinale in Folge ohne Satzverlust und äußerst souverän. Selbst die durch den “harten Spielplan” auferlegte Strapaze mit drei Matches am Stück steckte der 24jährige locker weg. Lohn für Harbarths Marathontag war der Ausbau seiner Super-Serien und jede Menge Lob von seinen Gegnern. Zunächst zu seinen Serien, die Harbarth mit den Siegen über Richard Zanki (6:4, 6:1), Andreas Mayer (6:0, 6:1) und Michael Kunz (6:2, 6:2) eindrucksvoll prolongierte. Beim Jänner-Grand-Slam-Turnier ist der Ranglisten-Leader seit 8 Spielen ungeschlagen, und in der Halle feierte Harbarth am Sonntag Nachmittag bereits die Einzelsiege Nr. 11, 12 und 13 in Folge. Dabei startete der Masterssieger denkbar schlecht in sein erstes Saison-Match und zugleich 80. Karriere-Single. Gegen Jänner-Grand-Prix-Finalist Richard Zanki lag der 24jährige rascher als ihm lieb war mit 0:3 zurück. “Da habe ich ehrlich gesagt schon schwarz gesehen”, resümierte Harbarth. Doch mit gewohnten Stärken wie “Laufarbeit und Schlag-Sicherheit” drehte er zunächst nicht nur die schlecht angelaufene Auftaktpartie gegen Newcomer Zanki um, sondern er deklassierte eine Runde später auch Andreas Mayer und im Viertelfinale bereits zum sechsten Mal im sechsten Duell einen außer Form befindlichen Michael Kunz. “Ich freue mich, dass so viele neue gute und vorallem auch sympathische Leute mit dabei sind. Allerdings wäre ich auch sehr gerne am Kiss-Ast im Raster gewesen. Spiele gegen Loibl oder Müller hätten mir sicher sehr viel Spaß gemacht. So musste ich schon zum sechsten Mal gegen den Kunz spielen. Der Michi ist halt leider total außer Form. Es sind in unserem Match kaum Ballwechsel zustande gekommen. Was soll man da machen. Er spielt jeden Ball auf Punkt oder Fehler, und derzeit sind wohl 80 Prozent davon Fehler”, meinte Harbarth. Wie erwähnt setzte es für den Tour-Dominator des letzten Jahres dann auch noch jede Menge Lob von der geschlagenen Konkurrenz. “Man hat gesehen, warum er die Nummer 1 ist. Er spielt verdammt sicher und nützt jede Schwäche von dir eiskalt aus. Dazu ist er mir sehr sympathisch”, meinte Mayer, und auch Zanki war voll des Lobes. “Der Harbarth wurde mit Fortdauer unserer Partie immer besser und hat den Sieg schließlich verdient heimgespielt. Dabei hatte ich ihn zunächst noch viel stärker eingeschätzt. Ich war daher voll konzentriert, womit sich auch die rasche 3:0 Führung erklärt. Danach war ich aber geistig voll daneben, nicht mehr konzentriert genug und er hat schließlich gezeigt das auch er Tennis spielen kann”.

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Michi Kunz trotz Viertelfinaleinzug weiter auf der Suche nach seiner Topform

Die große Enttäuschung mit drohender Erstrundenpleite dank “Horrorlos” Christian Weiss blieb aus, dazu reichte es nach dem Vorjahres-Achtelfinal-Aus gegen Bulgariens Svetlin Stoyanov sogar erstmals für ein Jänner-Grand-Slam-Viertelfinale. Doch knapp nach 19 Uhr und einer bösen 2:6, 2:6 Klatsche gegen Andreas Harbarth stand dem Masterssieger im Doppel von 2006 Michael Kunz doch wieder die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. Oder war es mehr die Ungewissheit, warum es seit geraumer Zeit so absolut gar nicht mehr mit seiner einstigen hoch angesehenen und erfolgreichen Tennis-Kunst klappen will. Der 36jährige Deutsch Wagramer läuft weiterhin seiner Topform hinterher, und die scheint um vieles schneller vor ihm her zu traben als ihm lieb ist. Steif und unbeweglich wirken die Kunz-Auftritte, hölzern und unsicher sein vorgetragenes und einst so gefährliches Offensiv-Tennis. Statt Einzelsiegen und Turniererfolgen bleiben schon seit längerer Zeit nur Frust und Ungewissheit. Selbst das achtelfinale 6:3, 6:4 über Christoph Kramer im 90. Karriere-Match konnte den Niederösterreicher nicht zufrieden stellen. “Ich habe keine Erklärung warum es derzeit nicht läuft. Dabei war ich diesmal ausgeschlafen und guter Dinge. Aber ich habe mich wieder schlecht bewegt, und dann geht eben einfach überhaupt nichts weiter in meinem Spiel. Selbst das Kramer-Match war nicht gut, und schade ist auch, dass ich die Müdigkeit des Andreas Harbarth im Viertelfinale nicht nützen konnte”, bilanzierte ein enttäuschter Michael Kunz.

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Thomas Müller gewinnt Neuauflage des Jänner-GP-Finales gegen Oliver Rauschil

Kiss und Loibl im viertelfinalen Highspeed-Duell, und kaum weniger rasant duellierten sich zeitgleich am Court nebenan die Herren Thomas Müller und Oliver Rauschil um eines der vier heiß begehrten Grand-Slam-Halbfinal-Tickets zum Saisonbeginn. Die Neuauflage des Jänner-Grand-Prix-Finales vor knapp 14 Tagen stand auf dem Programm, und Müller nützte äußerst souverän und beeindruckend die rascher als erwartet gekommene Möglichkeit zur Revanche. Mit einem 6:2 und 6:3 Erfolg gewann der 37jährige eine über weite Strecken wirklich sehenswerte Partie gegen den Jänner-Grand-Prix-Sieger. Mit umgekehrten Vorzeichen – diesmal musste Rauschil im Gegensatz zum Duell von vor zwei Wochen in eine Partie unmittelbar vor dem direkten Aufeinandertreffen – blieb ein stark und diszipliniert agierender Müller letztlich klar in zwei Sätzen und rund 80 Minuten siegreich. “Ich habe heute sehr konzentriert gespielt, und eine wirklich starke Leistung gebracht. Es war ein gutes Match von meiner Seite, vorallem die schnellen Bälle sind heute auch gekommen. Revanchegedanken hatte ich keine, außerdem waren ja die Vorzeichen diesmal ganz anders. Wir haben doch einige echte “Traumballwechsel” gehabt. Und es war wieder unheimlich, was der Oliver für Bälle erlaufen hat. Ich musste neuerlich extrem viel kämpfen”. zeigte sich der Jänner-Grand-Prix-Finalist zufrieden. Gemischte Gefühle brachte hingegen der unterlegene Noch-Champions-Race-Leader Oliver Rauschil beim ersten Interview nach seinem Grand-Slam-Aus im Viertelfinale zum Ausdruck. “Es ist wirklich sehr schade. Das Ergebnis hört sie jetzt viel deutlicher an, als es wirklich war. Der Unterschied war nicht so groß. Der Thomas hat halt die wichtigen Punkte gemacht. Wenn man so viele Chancen wie ich ausläßt, und bei unzähligen 40:15 und 15:40 Ständen nicht den Punkt machen kann, dann kann man auch nicht gewinnen. Aber Kompliment an den Thomas Müller. Er hat heute schon sehr gut gespielt, und daher auch verdient gewonnen. Man kann nicht jeden Tag siegreich sein, und heute war der Thomas eben den Tick besser. Das muss man anerkennen”, philosophierte Rauschil. Und angesprochen auf den Verlust der Champions-Race-Führungs-Position meinte der 25jährige abschließend: “Es hat sich gut angefühlt. Leider bin ich die “Eins im Champions-Race” jetzt los, aber ich möchte hiermit gleich eine kleine Kampfansage loswerden und hoffe, die “1” irgendwann einmal zurück zu erobern. Aber mir ist klar, dass das natürlich sehr schwer wird”, sagte Rauschil der im Achtelfinale seinen Freund Markus Hobiger mit 6:0 und 7:5 in die Knie zwang. Hobiger verschlief den ersten Satz gegen einen stark spielenden Gegner, und kam erst im zweiten Heat so richtig auf Touren. Dann allerdings zeigte der 31jährige, wozu er fähig ist, und worauf wir uns in Zukunft noch freuen dürfen. “Ich habe leider erst im zweiten Satz halbwegs gut gespielt, vorallem aber das was der Oliver gar nicht gerne mag”. erklärte Hobiger, der immerhin seine ersten 30 Champions-Race-Punkte einfahren konnte.

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Claus Lippert, 28. Jänner 2008