Jänner-Grand-Slam verliert schon am 1. Tag zwei Gesetzte

12 Matches, eine gute Stimmung und jede Menge “sensationeller Resultate”. Das ist das Resümee des ersten Spieltages beim 17. Jänner-Grand-Slam-Turnier 2008, das am Freitag Abend gleich zum Auftakt mit einigen echten Paukenschlägen aufwarten konnte. Denn schon nach dem ersten Tag sind dem ersten Grand-Slam-Event des Jahres gleich zwei seiner gesetzten Spieler abhanden gekommen. Mit der Nummer 6 Patrick Meinhart und der Nummer 8 Markus Seitner erwischte es am Freitag Abend zwei Top-Ten-Spieler und das noch dazu mit recht deutlichen Niederlagen. Neben dem Gesetztensterben stand der erste Spieltag beim “Australian Open der Hobby-Tennis-Tour” aber neuerlich ganz im Zeichen von einigen spielstarken Neulingen. Ein Bericht von C.L

Italien-Juli-Turniere_05_12547.jpg

Tour-Neuling Johannes Loibl deklassiert mit Markus Seitner die Nr. 8 des Turniers

Knalleffekt zum Auftakt des ersten Grand-Slam-Turniers des Jahres. Die Nummer 8 der Setzliste Markus Seitner aus Salzburg musste sich am Freitag Abend in Runde 1 dem Zistersdorfer Tour-Debütanten Johannes Loibl mit 3:6 und 0:6 geschlagen geben. Und der erstmals als gesetzter Spieler in ein Grand-Slam-Turnier gestartete Seitner ging im 40. Match seiner Hobby-Tennis-Tour-Karriere schwer k.o. Es war keine gewöhnliche Niederlage, sondern wohl die schlimmste seiner bisherigen Tour-Laufbahn. Der 3fache Without-Top-Ten-Sieger wurde regelrecht vom Platz geprügelt. Ohne Rhythmus, ohne gewohnte Sicherheit und ohne Power stand der 27jährige Salzburger rasch auf verlorenem Posten. Und weil auf der anderen Seite des Netzes mit Loibl ein möglicher Hochkaräter wartete, endete Seitners Jubiläums-Auftritt im definitiven Debakel. Bleibt nach der zweiten Erstrunden-Niederlage in Folge und dem damit verpatzten Saisonstart nur die Frage nach den Gründen der momentanen Seitner`schen Formkrise. Womöglich hat sich der 27jährige viel zu viele Gedanken über seinen unbekannten Gegner im Vorfeld gemacht. “Erst ein SMS des Ranglisten-Ersten Andreas Harbarth dürfte Seitner vor dem Duell mit Loibl ein wenig beruhigt haben. “Dein Gegner hat gute Ergebnisse in der 4. Klasse in Niederösterreich. Er ist nicht zu unterschätzen, aber auf jeden Fall zu schlagen”. Eine fatale Fehleinschätzung wie sich später herausstellen sollte. Und weil im Spiel des Ranglisten-Zehnten an diesem Abend so rein gar nichts ging, verschwendete er seine Energie auf anderem Weg. Eine zerstrümmerte Trinkflasche, dazu der ein oder andere Härtetest für sein Racket, Seitner ließ den Frust ob der knapp eine Stunde dauernden Tennis-Demo seines Gegners freien Lauf, ehe er sich von den Kollegen abgesondert zu einem Bier und ein Paar Würstel zurückzog. “Ich bin schwer verärgert, aber nicht über meinen Gegner, sondern über mich selbst und mein Spiel. Wenn ich weder Vorhand noch Rückhand wie sonst auch 20 Mal über das Netz spielen kann, dann ist das ein Witz. Da war ich ja bei meinem Comeback im Juli nach über 7 Jahren Tennispause besser drauf als heute”, grollte der 27jährige. Für seinen Gegner hatte Seitner aber auch lobende Worte, die für die restliche Konkurrenz auch so etwas wie eine Warnung darstellen sollten. “Der Johannes ist mit Sicherheit stärker als der Rauschil, und er wird auch den Mario Kiss in diesem Turnier ordentlich fordern können”. Der Sieger selbst zog nach einem Abend voller Spaß und einer beeindruckenden Vorstellung ein höchst positives Resümee. “Die Halle hier gefällt mir sehr gut. Der Boden ist viel schneller als bei uns daheim in Zistersdorf. Der Ball nimmt sehr schön den Drall an”. Und angesprochen auf ein mögliches Viertelfinal-Duell mit Mario Kiss und auf den Hinweis, dass Harbarth und Kiss auf der Hobby-Tennis-Tour im Moment so dominierend sind wie Federer und Nadal auf der ATP-Tour meinte der 18jährige: “Passt, dann bin ich der Djokovic, und der steht bei den Australian Open ohnehin schon im Finale”.

Italien-Juli-Turniere_05_12557.jpg

Thomas Müller gibt sich im Eröffnungsspiel gegen “verkühlten” Patrick Meinhart keine Blöße

Schon bevor am späteren Abend mit Markus Seitner die Nummer 8 des Jänner-Grand-Slam-Turniers in Runde 1 schwer k.o. ging, hatte das erste Major-Event der Saison schon seine Nummer 6 verloren. Patrick Meinhart, im Vorjahr erst im Viertelfinale an Robin Douglas gescheitert, hatte im Eröffnungsspiel des Tages gegen Jänner-Grand-Prix-Finalist Thomas Müller nicht wirklich viel zu bestellen. Von einer noch nicht gänzlich ausgeheilten Verkühlung sichtlich geschwächt, erlitt der 17jährige gegen einen routiniert und clever spielenden Gegner eine schlimme 1:6, 2:6 Abfuhr. Müller dominierte vom ersten Ballwechsel an das Geschehen, und feierte am Ende ein höchst gelungenes Grand-Slam-Debüt auf der Hobby-Tennis-Tour, während es für Meinhart die erste Grand-Slam-Erstrunden-Niederlage seit Juni 2006 setzte. Ein Umstand, den der sonst als zurückhaltend und gentleman-like bekannte Jungstar aus der Sicht seines Bezwingers eher “rustikal” zur Kenntnis nahm. “Die einzigen Punkte die er heute gemacht hat waren jene mit dem Spuken auf den Platz. Das er aber Tennis spielen kann, hat man phasenweise gesehen”, meinte Müller der im Achtelfinale nun auf Stefan Rieger treffen wird. Für Patrick Meinhart heißt es hingegen vorzeitig Abschied vom Jänner-Grand-Slam-Turnier 2008 zu nehmen. “Ich konnte heute keinen Schritt machen. Ohne Bewegung geht halt jeder Ball irgend wo hin. Das ist eh logisch. Ich dachte halt, dass es nach meiner Verkühlung schon gehen wird, aber da habe ich mich wohl getäuscht”, zog der Junior enttäuscht Bilanz.

Italien-Juli-Turniere_05_12542.jpg

Bernhard Nagl rettet mit Zweisatzsieg über Alex Sterzl die Ehre der Gesetzten

Es war also kein guter Tag für die Gesetzten des Jänner-Grand-Slam-Turniers 2008. Die Ehre der topgereihten Tour-Stars rettete am Freitag Abend aber Bernhard Nagl. Der Jänner-Grand-Slam-Sieger von 2006 fertigte zum Auftakt in Runde 1 September-Second-Series-Champion Alexander Sterzl mit 6:1 und 6:2 ab. Die zweite Centercourt-Partie des Tages verlief recht einseitig und letztlich weit klarer als erwartet. Immerhin plagte sich der Vorjahresfinalist im November beim Masters noch mit einer hartnäckigen Formkrise herum. “Nach meinen Masters-Leistungen bin ich heute umso mehr von meinem Spiel positiv überrascht”, zeigte Nagl nach seinem Auftakt-Sieg beim 30. Karriere-Turnierstart zufrieden. Auf der anderen Seite muss September-Second-Series-Sieger Alexander Sterzl weiter auf seinen ersten Einzelsieg bei einem Grand-Slam-Turnier warten. Nach der dritten Major-Auftakt-Niederlage in Folge, zeigte sich der 37jährige in einer ersten Stellungnahme logischer Weise auch alles andere als glücklich. “Naja, ich bin irgendwie beim Einspielen hängen geblieben. Angefangen hat es schon damit, dass ich warten musste und dadurch ausgekühlt bin. Eigentlich hat das Unheil ja schon gestern am Abend begonnen, als das geplante Training mit dem David Hühne ins Wasser fiel. Diese Einheit hätte ich unbedingt gebraucht, auch weil ich derzeit mit meinem Aufschlag kämpfe. Im zweiten Satz beim Stand von 2:2 dachte ich jetzt geht es los, stattdessen hatte ich einen echten Totalaussetzer”, erklärte Sterzl. “Und täglich grüßt das Murmeltier, so kommt mir der Alex derzeit vor”, scherzte die Sterzl-Mama, während der Sohnemann die augenblickliche Entwicklung weniger lustig sieht. “Ich glaube ich habe den Anschluss verloren. Ich gehe derzeit in der Masse der vielen guten Spieler völlig unter. Ich bin auf der Tour im Moment total uninteressant”, klagte der 37jährige.

Italien-Juli-Turniere_05_11271.jpg

Claus Lippert, 25. Jänner 2008