Startschuss zur Jagd auf Sandplatz-König Victor Stabrawa – die Stars und die Vorschau

Böse Zungen behaupten ja, dass bei der heurigen Auflage des Mai-Grand-Slam-Turniers der Hobby-Tennis-Tour mehr namhafte und aussichtsreiche Titel-Aspiranten ungesetzt im riesigen Tableau lauern, als in der 16 Damen und Herren starken Setztliste für die “French Open der HTT”. Wie dem auch sei, in jedem Fall erwarten wir ein hochklassiges und spannendes zweites “Saison-Major-Turnier”, mit den besten Hobby-Tennis-Spielern Wiens beim größten und bedeutendsten Hobby-Tennis-Turnier dieser Stadt. Bereits zum 21. Mal steht das Mai-Grand-Slam auf dem Programm, und dieser “Showdown auf roter Asche” beim TC Top Serve in Wien-Simmering ist längst nicht nur aus sportlicher Sicht der absolute Höhepunkt des Jahres. Auch gesellschaftlich hat sich das 2000-Punkte-Event zu einem echten “Hot Spot” im Kalender entwickelt. Am ersten Juni-Wochenende wird den Akteuren mit vielen Neben-Veranstaltungen mehr geboten als reines “Serve & Volley”. Dennoch steht dieser Tage  natürlich der sportliche Aspekt im Vordergrund. Wer sind die Favoriten auf den zweiten Grand-Slam-Titel des Jahres, und wer kann sich bei der großen Jubiläums-Ausgabe zum Sandplatzkönig der Hobby-Tennis-Tour empor kämpfen! Fragen, auf die Du vielleicht in der nachfolgenden Vorschau eine passende Antwort findest! Ein Bericht von C.L

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Sandplatzkönig Victor Stabrawa reist mit “Super-Serien” im Gepäck zum Unternehmen “Titelverteidigung” an.

Klaus Hofer, Martin Kova und Bernhard Nagl, nur diesen drei Größen der Mai-Grand-Slam-Historie ist es bislang gelungen, beim wichtigsten und bedeutendsten Sandplatz-Turnier der Hobby-Tennis-Tour ihren Titel mit Erfolg zu verteidigen. Heuer – zumindest wenn man Insidern & Experten glauben schenken darf – scheint die Zeit reif zu sein, dass erstmals seit der Saison 2006 durch Bernhard Nagl, die Mission “Titelverteidigung” wieder gelingen könnte. Der Grund für diesen ungebrochenen Optimismus ist 20 Jahre jung, und heißt Victor Stabrawa. Der Jungstar vom WAT Ottakring ist auf Sand “saustark”, vollgepumpt mit Selbstvertrauen und ausgestattet mit einer Siegesserie, die ihresgleichen sucht. Kein Wunder, wenn man als Spieler eigentlich kaum mehr weiß, wie sich Niederlagen auf roter Asche im Rahmen der Hobby-Tennis-Tour anfühlen. Am 30. August 2009 unterlag Stabrawa im Viertelfinale des August-HTT-500-Turniers dem Salzburger Markus Seitner, seitdem eilte der Jungstar auf Sand von Sieg zu Sieg. Mittlerweile ist der 20jährige vom Heuberg auf roter Asche seit 20 Matches unbesiegt, womit er die zweitbeste Sandplatz-Serie der Open Ära inne hat, und nur noch 6 Erfolge von der Bestmarke (26) entfernt liegt. Zudem feierte Stabrawa zuletzt fünf Sandplatz-Titel hintereinander, auch da fehlt letztlich nur mehr ein Triumph zur von Klaus Hofer gehaltenen Rekordmarke (6). Damit steht eigentlich fest, dass der Weg zum Titelgewinn bei den 21. “French Open der HTT” einmal mehr über Victor Stabrawa führt. Allerdings hat es der Jungstar beim Unternehmen “Titelverteidigung” nicht nur mit einer riesigen Schar an hungrigen und motivierten Herausforderern zu tun, sondern auch mit dem ganz speziellen Mai-Grand-Slam-Fluch, der seit jeher angereiste Tour-Stars mit tollen Sandplatz-Siegesserien verfolgt und einholt.

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Hofer, Seitner, Geisler und Wagner – Topstars mit Super-Serien auf roter Asche als Opfer des Mai-Grand-Slam-Fluchs

4 der Top 5 Siegesserien der Hobby-Tennis-Tour-Geschichte sind beim Mai-Grand-Slam-Turnier jäh zu Ende gegangen. Klaus Hofer, der die bis heute unerreichten 26 Sandplatz-Einzelsiege in Folge aufgestellt hat, wurde im Finale des Mai-Grand-Slam-Turniers 1995 von Christian Kainz entzaubert. Markus Seitner, der 2008 die Sandplatz-Szene in atemberaubender Manier beherrschte, war mit 19 Siegen auf roter Asche im Gepäck angereist, beim Mai-Grand-Slam aber gegen Christoph Wagner nicht in der Lage, den “2er” vor seine tolle Siegesserie zu bekommen. Ebenfalls nach 19 Siegen auf Sand scheiterte Alexander Geisler, der im Semifinale des Mai-Grand-Slam-Turniers 2010 an Freund und Doppelpartner Udo Philipp scheiterte. Und auch Christoph Wagner war im Jahr 2007 auf dem roten rutschigen Untergrund famos unterwegs, ehe er im Semifinal-Kracher des Mai-Grand-Slam-Turniers und nach 18 Asche-Siegen in Serie vom späteren Turniersieger Andreas Harbarth gestoppt wurde. Gesetze und Serien auf der HTT auszuschalten, das war in der Vergangenheit also bislang keine so leichte Aufgabe, und auch diesmal wird es für den seit 20 Sandplatzspielen ungeschlagenen Victor Stabrawa kein Spaziergang zu “Rekord und Titelverteidigung”.

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Fabian Mayrhuber will sich im vierten Anlauf endlich seinen “sportlichen Lebenstraum” erfüllen

Allgemein erwarten Experten, dass der Sieger des 21. Mai-Grand-Slam-Turniers aus einem Quartett kommen wird. Neben Topfavorit und Titelverteidiger Victor Stabrawa, tippen Szene-Kenner auch noch vermehrt auf die beiden beim Mai-Grand-Slam stets stark spielenden Mayrhubers und dazu kommt noch Masterssieger Lukas Planteu, der sich zwar beim Mai-Masters-Series-1000-Turnier im La Ville nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert hatte, der aber alleine schon aufgrund seiner beim Masters gezeigten Performance im Kreis der Favoriten zu suchen ist. Der ganz große Stabrawa-Gegner könnte an diesem Wochenende aber Fabian Mayrhuber sein. “Ich glaube das Mai-Grand-Slam-Turnier zu gewinnen, ist das Größte was ein Spieler auf der Hobby-Tennis-Tour erreichen kann”, umschrieb der 23jährige WAC-Star anläßlich der Pressekonferenz seines Mai-Masters-Series-Triumphs seine ganz große sportliche Sehnsucht. In jedem Fall ist der Gewinn des “French Open-Titels der HTT” der große sportliche Lebenstraum des Fabian Mayrhuber, der sich bislang bei drei Versuchen noch nie erfüllte. Im Gegenteil: Die Mission “Mai-Grand-Slam” wurde für den Ranglisten-Ersten stets zum Alptraum und zur “mission impossible”. 2009 im Semifinale gegen den slowakischen Jungstar Branislav Grznar 6:4, 2:0 geführt und doch noch ausgeschieden, 2010 das emotional geführte Hass-Duell mit Andreas Harbarth, in dem “Fabsch” eine 5:2 Führung samt 4 Matchbällen im dritten Satz ungenützt ließ, und last but not least das familieninterne Abbruch-Duell im letztjährigen Semifinale gegen Franz Mayrhuber, als bei 4:4 im entscheidenden dritten Heat wegen Dunkelheit vertagt werden musste, und Fabian 24 Stunden später mit zittriger Hand den ersten Mai-Grand-Slam-Finaleinzug seiner Karriere verspielte. Heuer könnte aber alles anders werden. Der 23jährige ist reifer geworden, hat zuletzt drei Turniere in Folge gewonnen und sich vor wenigen Wochen auch die Nummer 1 Position der HTT gesichert. Als Nummer 1 gesetzt und seit 12 Spielen unbesiegt, hofft Fabian Mayrhuber auf seinen insgesamt dritten Grand-Slam-Karriere-Erfolg.

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Franz Mayrhuber – Mister Beständigkeit könnte auch heuer wieder eine entscheidende Rolle beim Mai-Grand-Slam-Turnier spielen

Wie es sich anfühlt, beim wichtigsten Sandplatzturnier des Jahres alle Topstars aus dem Feld zu jagen und danach den Pokal in Empfang zu nehmen, das weiß hingegen Fabians Onkel Franz Mayrhuber. Der 47jährige triumphierte nach zwei eher mageren Mai-Grand-Slam-Erfahrungen in den Jahren 2008 (Viertelfinal-Aus gegen Andreas Harbarth) und 2009 (Achtelfinal-Pleite gegen Lukas Planteu) im Jahr darauf gegen Udo Philipp, und war in der Saison danach, drauf und dran den Titel zu verteidigen. Erst nach fünf epochalen Sätzen und einer tollen Aufholjagd nach 0:2 Satz-Rückstand musste er sich gegen Jungstar Victor Stabrawa geschlagen geben. Warum man mit dem Oldboy auch heuer wieder rechnen muss? Nun, der Routinier und hier an Nummer 2 gesetzte Titel-Mitfavorit gilt als die personifizierte Beständigkeit. Bei seinen letzten 17 Turnierstarts stand er unfassbare 16 Mal zumindest im Semifinale, und genau dort in dieser Vorschluss-Runde wird es bei einem Major-Turnier richtig heiß. Dorthin, unter die Top 4 eines Grand-Slam-Turniers zu kommen ist zwar verdammt schwierig, aber dort spielt dann die exklusive Musik in Sachen Prestige-Titel dieser HTT-Welt.

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Masterssieger Lukas Planteu, und zwei unbeglichene Mai-Grand-Slam-Rechnungen

Beim Masters im vergangenen Dezember degradierte er seine Gegner zu Statisten, auf dem schnellen Opti-Court Belag des UTC La Ville spielte er seine ganze Klasse aus, und avancierte ohne Match- und Satzverlust zum “man of the week”. Die Rede ist von Lukas Planteu, dem 31jährigen Völkermarkter vom TC Donaufeld. Seine persönliche Generalprobe beim Mai-Masters-Series-1000-Turnier setzte er mit einer knappen Dreisatz-Niederlage im Viertelfinale gegen Markus Kurzemann in den Sand. Dennoch haben ihn die Mitspieler ganz schwer auf der Rechnung. “Weil er aus allen Lagen und Ecken eines Tennisplatzes schießen kann”, weiß Clubkollege Mario Kiss. Planteu selber hat mit dem Mai-Grand-Slam-Turnier auch noch eine offene Rechnung zu begleichen. Naja, eigentlich sind es sogar zwei Rechnungen. 2009 musste er im Semifinale gegen den späteren Sieger Alexander Geisler im dritten Durchgang mit Kreislaufproblemen aufgeben, und im Vorjahr streckte ihn eine Virus-Erkrankung schon vor dem ersten Aufschlag des Mai-Grand-Slam-Highlights nieder.

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Kiss, Kurzemann, Philipp, Geisler, viele heiße Kandidaten um die favorisierten Top 4 zu fordern und zu schlagen

Neben den vier Topfavoriten auf den zweiten Grand-Slam-Titel des Jahres, gibt es aber noch eine Vielzahl an hochkarätigen und interesssanten Teilnehmern am 266. Sandplatzturnier der Geschichte. Mario Kiss, der Mai-Grand-Slam-Champion von 2008, ist bei seinem vierten Antreten an Nummer 4 gesetzt und bemüht, nach 38 titellosen Turnierteilnahmen endlich Erfolg Nr. 10 zu fixieren. Markus Kurzemann hat seinen gesamten Fokus in Richtung “Tennis auf Sand” verschoben, trainiert nur mehr ausschließlich auf dem roten rutschigen Untergrund und hat damit natürlich mit den “French Open der HTT” das Mega-Ziel vor Augen. Zwar siegte der Vorarlberger zuletzt beim Mai-HTT-500-Turnier, in Sachen Mai-Grand-Slam-Titel will sich der 31jährige aus Dornbirn aber nicht ins Spiel bringen. “Dafür wird wahrscheinlich meine Kraft am Ende nicht ausreichen”, schätzt der 5fache Turniersieger aus dem Ländle. Aus dem Hinterhalt greifen heuer etliche Mai-Grand-Slam-Stars der vergangenen Jahre an. Udo Philipp, aktuell die Nr. 34 im HTT-Computer-Ranking und 2010 Finalist beim sandigen Höhepunkt des Jahres strebt genauso nach einem Spitzen-Resultat wie sein Freund und ehemaliger Doppelpartner Alexander Geisler. Der Tiroler, 2009 als erster ungesetzter Spieler überhaupt Sieger beim Mai-Grand-Slam-Turnier, möchte die Vorjahres-Schmach vergessen machen, als er im Achtelfinale von einem entfesselt spielenden Fabian Mayrhuber so früh wie noch nie aus dem Bewerb geschossen wurde. Jederzeit für einen Paukenschlag und einen Sieg über einen der Topstars ist auch Christoph Mayer gut. Der Mann aus Treffen gilt als Sandplatzspezialist und ob seiner phantastischen Rückhand als der gefürchtete Ungesetzte bei den Topstars des Turniers.

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Mai-Grand-Slam-Stars der Vergangenheit, und der 4fache Champion Martin Kova greift schon wieder nach einem neuen Rekord

Und zum Abschluss unserer Vorschau dürfen wir auch noch ein bißchen sentimental werden, und auf die – zumindest schaut es so aus – nicht mehr ganz konkurrenzfähigen Mai-Grand-Slam-Stars der Vergangenheit blicken. Denn so mancher der Ex-Stars kann an diesem Wochenende trotz geringer Chancen auf ein Top-Resultat, für Aufsehen und Furore sorgen. Da wäre vorallem Martin Kova, der als Rekordsieger des Mai-Grand-Slam-Turniers heuer als Nummer 16 gerade noch  den Sprung in die Setzliste geschafft hat. Der 4fache “French Open-Sieger der HTT” ist zum unglaublichen 14. Mal am Start, und wird bei seinem 51. Grand-Slam-Karriere-Antreten wieder einmal einen Rekord aufstellen. Immerhin wird er am Donnerstag Nachmittag im Auftakt-Duell gegen Thomas Pratsch sein 133. Grand-Slam-Single-Match bestreiten, und damit den bisherigen Rekordhalter Claus Lippert (ebenfalls 133 Grand-Slam-Einzelmatches) einholen. Und dann ist da auch noch ein sympathischer Mödlinger, der 2005 und 2006 der viel umjubelte Mai-Grand-Slam-Sieger war. Bernhard Nagl wird sich heuer bei seinem achten “French-Open-Start” aber wohl schon mit dem ein oder anderen Matcherfolg zufrieden geben.

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