April-Without-Top-Ten-Turnier weiter in internationaler Hand

Bulgare Filip Vladkov sichert sich seinen 1. Karriere-Titel

Das sechste und letzte Spiel des Reinhard Hos im Rahmen des ersten Sandplatzturniers des Jahres war scheinbar eines zuviel für ihn. Und so musste er sich müde wirkend am Mittwoch Abend im Duell der Finaldebütanten beim April-Without-Top-Ten-Turnier Filip Vladkov geschlagen geben. Mit 6:3 und 6:1 sicherte sich der Bulgare den ersten Titel seiner Karriere und setzte damit nach dem Vorjahressieg des Finnen Chris Lankinen die internationale Erfolgsserie beim April-Without-Top-Ten-Turnier fort. Der Finalbericht von C.L.

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Vladkov gewinnt ersten Durchgang nach 29 Minuten mit 6:3

Es war ein strahlend sonniger Tag, dieser sechste und letzte Spieltag beim April-Without-Top-Ten-Turnier. Allerdings nur bis zum Beginn des Finales, dann zogen bedrohlich schwarze Wolken auf. Die Vorboten eines Gewitters, und bildlich gesprochen auch die Vorboten eines schwarzen Tages für Reinhard Hos und für ein insgesamt enttäuschendes Finalmatch. Wettertechnisch hatte man am Ende noch Glück im Unglück, streifte doch nur ein Ausläufer des Gewitters die Tennisanlage in der Leberstraße und sorgte damit für eine 5 minütige Regenunterbrechung im ersten Satz. Doch mit dem Geschehen am Centercourt konnten die bis zur Regenpause anwesenden Zuseher keineswegs zufrieden gestellt werden. Beide Akteure starteten höchst nervös in ihr Finaldebüt. Die Beweise dazu: Vladkov hatte gleich im ersten Aufschlagspiel zwei Breakchancen abzuwehren, und Hos begann seine Endspiel-Premiere wohl so schlecht wie noch nie ein Spieler in der Hobby-Tennis-Tour-Geschichte. Mit sage und schreibe 4 Doppelfehler en suite gab er sein erstes Aufschlagspiel zu Null ab. Und auch nachdem sich die Anfangsnervosität bei beiden Akteuren gelegt hatte, blieb das Niveau des 6. Saisonfinales weit unter den spielerischen Möglichkeiten die beide Finalteilnehmer eigentlich im Stande sind zu zeigen. Was haben wir im Verlauf des Bewerbes für tolle Leistungen sowohl von Vladkov als auch von Hos gesehen. Doch im finalen Showdown blieben sie hinter ihren Erwartungen zurück. Hos schaffte nach seinem Katastrophenstart dennoch das Re-Break, ehe bei 4:3 für Vladkov der erwähnte Regenschauer für eine 5minütige Unterbrechung sorgte. Die Chance zum Ausgleich noch dazu mit eigenem Service vergab Hos im ersten Spiel nach der Unterbechung kläglich. Ohne ersten Aufschlag musste er ein zu-Null-Break einstecken, ehe Vladkov zum Satzgewinn ausservierte. Nach 29 Minuten und einer kurzen Regenpause war Durchgang 1 also im “Trockenen”.

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Nach 58 Minuten war mattes April-Without-Top-Ten-Finale zu Ende

Und mit dem Ende des erstes Satzes schien auch die Partie entschieden. Weil Hos müde und ausgelaugt nicht mehr im Stande war, seinem bulgarischen Gegenüber in langen Ballwechseln Paroli zu bieten, und weil der Leiner-Bezwinger die “big points” ungenützt ließ. Gleich 4x konnte er ein 40:15 nicht zum Gamegewinn verwandeln, 1x blieb gar ein 40:0 ohne Spielgewinn in der Statistik stehen. So war es letztlich nur eine Frage der Zeit, bis Vladkov dem matten zweiten Without-Top-Ten-Finale der Saison ein Ende machte. Den ersten Matchball nach exakt 58 Minuten Spielzeit verwandelte er mit einem unnehmbaren Rückhand-Slice-Return, gefolgt von einem gemütlichen Gang zum Shakehands ans Netz. Vladkovs Sieg im übrigens 20. Einzelspiel seiner Tourlaufbahn bescherte ihm trotz schwacher Leistung den ersten Karriere-Titel. Die enttäuschende Vorstellung blieb ohne Folgen, weil Hos körperlich nicht dagegenhalten konnte.

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“Das Spiel war so schlecht wie das Wetter heute”

Das war dem Sieger auch bei der anschließenden Final-Analyse bewusst. “Das Spiel war so schlecht wie das Wetter heute”, scherzte der nunmehr 53. Turniersieger der Tourgeschichte. Mit dem Pokal in Händen war dem routinierten Südosteuropäer wieder zum Lachen, obwohl er die knappe und matte Tennisstunde mit der bescheidenen Vorstellung nicht unter den Tisch kehren wollte. “Ich habe keine Ahnung warum wir so schlecht gespielt haben. Es war ein echt komisches Match. Zu Beginn war ich vielleicht ein klein wenig nervös. Letztlich bin ich aber doch sehr zufrieden und stolz, ein Turnier mit einem so großen Teilnehmerfeld gewonnen zu haben. Jetzt werde ich eine Pause einlegen, und aller Voraussicht nach beim Mai-Super-4-Turnier wieder auf die Tour zurückkehren”.

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“Mit zwei, drei Tagen Pause vor dem Finale wäre vielleicht mehr möglich gewesen”

Dem unterlegenen Finalisten war beim anschließenden Finalgespräch zunächst nicht anzusehen, ob die Enttäuschung über die Niederlage oder die Müdigkeit nach einem wahren April-Without-Tennis-Marathon überwiegt. “Ich bin total leer und extrem müde. Die Strapazen in den letzten Tagen haben sich heute in meinem Spiel niedergeschlagen. Es war eine einzige Hetzerei seit Montag, im Finale war körperlich nicht mehr drinnen. Beim zweiten Aufschlag, den ich von der Bewegung her langsamer ausführe, konnte ich bei jedem Service einen heftigen Schmerz spüren. Dabei hatte ich mir noch vor dem Match vorgenommen, beim Einspielen die zweiten Aufschläge intensiv zu üben. Aufgrund der Schmerzen habe ich davon aber abgesehen”, meinte Hos, der nach dem Semifinalerfolg über Fröhlich sogar eine Zerrung im linken Oberschenkel verschwieg. Trotzdem kann der 42jährige ein positives Resümee über seinen zweiten April-Without-Top-Ten-Start ziehen. 8 Spiele in 6 Tagen absolviert, dazu erstmals in die Top Ten des Champions-Race eingezogen, die Bilanz kann sich durchaus sehen lassen. “Das Turnier war insgesamt natürlich in Ordnung, aber wenn man einmal im Finale steht, dann möchte man es auch gewinnen. Vielleicht wäre mit zwei, drei Tagen Pause vor dem Endspiel mehr möglich gewesen, aber jammern hilft jetzt nicht. Letztlich habe ich ja sogar in diesem Match viele gute und klare Chancen vergeben”.

Vladkov der 40. Sieger im 105. Sandplatzturnier

Am Ende noch was für die Statistik-Freaks unter den Hobby-Tennis-Tour-Spielern: Im 6. Saisonturnier gab es mit Filip Vladkov bereits den sechsten Sieger des Jahres. Vladkov krönte sich zudem im 105. Sandplatzturnier der Geschichte zum 40. Champion auf dem roten rutschigen Untergrund und zum 32. Spieler der ein Without-Top-Ten-Turnier für sich entscheiden konnte.

Claus Lippert, 27.April 2006