Die Gewinner & Verlierer der ersten 4 Jänner-Grand-Slam-Tage

Aus den verschiedenen Ansichten der Spieler zum Thema “ist das Jänner-Grand-Slam-Turnier 2010 stärker besetzt als die bisher als Maß der Dinge gehandelte Rekord-Veranstaltung Mai-Grand-Slam 2009”, ist mittlerweile eine einhellige Meinung geworden. “Ja, die “Australian Open der Hobby-Tennis-Tour” sind das stärkste Turnier der bisherigen Geschichte”, waren sich die Stars der Szene am vergangenen Wochenende einig. Und diese womöglich beste und hochklassigste Veranstaltung im Tennispoint Vienna begeisterte in den vergangenen beiden Tagen mit phantastischem Tennis. Die 19. Auflage des Jänner-Grand-Slam-Turniers brachte aber nicht nur sensationellen Sport und umjubelte Helden, sondern für so manchen Teilnehmer auch ganz bittere Enttäuschungen. Wir wollen uns neben den Ereignissen rund um das erste Grand-Slam-Turnier des Jahres auch ein wenig die Gewinner und Verlierer der ersten vier Turniertage ansehen. Ein Bericht von C.L

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Der Weg zum Grand-Slam-Sieg führt wieder über “Chamäleon Harbarth”

Beginnen wir bei den Helden des Major-Auftakts, bei den Giganten des ersten Saison-Höhepunkts auf der Hobby-Tennis-Tour und damit jenen Herren, die sich bis Dienstag um den heiß begehrten und höchst prestigeträchtigen Grand-Slam-Hallen-Titel duellieren werden. Da ist zunächst – man ist fast versucht zu sagen logischer Weise – der Ranglisten-Erste und Dominator der Szene Andreas Harbarth. Der 26jährige verblüffte die Konkurrenz wieder einmal mit Chamäleon-Tennis. Da wollte der 24fache Turniersieger den lauernden Konkurrenten doch am Samstag in Runde 1 tatsächlich weis machen, dass er sich ob seines knapp errungenen 7:6, 7:6 Erfolgs über den slowakischen Qualifikanten Michal Chudy, nicht unbedingt in jener Form befindet, um nach 2007 seinen zweiten Jänner-Grand-Slam-Sieg einfahren zu können. Wer sich kurzfristig blenden ließ, wurde spätestens am Sonntag Nachmittag wieder in die Realität der Hobby-Tennis-Tour zurückgeholt. Der Weg zu einem der vier Major-Titel führt immer über Tourkönig Harbarth, auch wenn der sich manchmal in den Runden vor der Entscheidung mit dem “Fußvolk” spielt. Das der Neo-Schwechater auch bei der 19. Auflage des Jänner-Grand-Slam-Turniers die Rolle des Top-Favoriten inne hat, bestätigte er am gestrigen Nachmittag, wo er mit einem souverän gewonnenen Doppelpack den angekündigten Newcomer-Aufstand verhinderte. Ohne Satzverlust sicherte sich Harbarth zum dritten Mal nach 2007 und 2008 einen Platz im Semifinale des Jänner-Grand-Slam-Turniers, und das gegen zwei ganz starke Neulinge.

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Christoph Brandner vom SC Weyer liefert beachtliches Tour-Debüt ab

Christoph Brandner und Benedikt Lentsch, zwei Namen die man sich merken sollte, und von denen man in der näheren Zukunft noch viel hören wird. Die Gegenwart am gestrigen Sonntag bescherte den beiden Tour-Debütanten gleich ein Treffen mit dem Branchen-Primus, für das sie aus unterschiedlichsten Gründen noch nicht ganz bereit waren. Am spielerischen lag es nicht, dass der Oberösterreicher Brandner und der Tiroler Lentsch der Wiener Nummer 1 keinen Satz streitig machen konnten. Im Gegenteil: Nicht viele Spieler im Circuit verstehen es ähnlich druckvoll den kleinen gelben Filz zu beschleunigen und zu platzieren wie die beiden Neo-Stars. Die körperlichen Voraussetzungen waren es, warum der mit Spannung angekündigte Bundesländer-Sturm auf den Tour-König ausblieb. Im Achtelfinale versuchte sich zunächst Christoph Brandner. Der 26jährige vom SC Weyer hatte in Runde 1 immerhin Michael Karner mit 6:2, 6:1 aus der Halle geschossen, und dabei einen prächtigen Eindruck hinterlassen. “Wenn der Christoph so weiterspielt, dann wird er den Harbarth schlagen”, war sich Karner sicher. Nur spielte Brandner einerseits nicht so locker weiter und zudem hatte der Newcomer im Finish mit den Auswirkungen eines Magen-Darm-Infekts vom Vortag zu kämpfen. Das wollte der sympathische Neuling gar nicht ins Treffen führen und auch nicht als Ausrede gelten lassen. Trotzdem beeinträchtigt sowas in Sachen Kraft schon ganz gewaltig den Körper. “Ich habe im zweiten Match schlecht angefangen. Dann ist der erste Satz viel zu schnell weg gewesen. Im zweiten Satz war es ziemlich eng. Am Schluss waren viele knappe Entscheidungen, und diese halt gegen mich. Dann hat mir halt auch ein wenig die Kraft gefehlt. Ich freue mich aber schon auf die nächsten Turniere”, so der Debütant vom SC Weyer.

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Tiroler Kondi-Wrack “Bene” Lentsch hat im Jahr 2010 noch sehr viel vor

Die Vorfreude auf die nächsten Turniere ist auch bei Benedikt Lentsch groß, doch davor warten noch trainingsintensive Tage und Wochen auf den gemütlichen Tiroler. Der 22jährige aus Zams ist körperlich bei weitem noch nicht in der Lage ein Turnier der Hobby-Tennis-Tour zu gewinnen. Dabei stünden Lentsch alle Möglichkeiten offen, auch auf den Tenniscourts im Osten Österreichs für Furore zu sorgen. Das er spielerisch den absoluten Topstars um nichts nachsteht, zeigte der Zamser in allen seinen drei Grand-Slam-Partien, speziell aber im Achtelfinale gegen Fabian Mayrhuber. Wie “Bene” dort fulminant in die Begegnung mit dem Rasen-Super-4-Sieger von 2008 startete und überfallsartig eine 5:0 Führung herausschoss, nötigte Gegner und Zusehern höchsten Respekt ab. Die Schattenseite ist allerdings sein konditioneller Zustand, der atemberaubend tief hinter seinem technischen Können zurücksteht. Einen dritten Satz gegen Fabian Mayrhuber hätte Lentsch nie und nimmer durchgestanden, umso ärgerlicher war für den jungen Mayrhuber, dass er im Tie-Break des zweiten Durchgangs bei 6:2 gleich vier Satzbälle leichtfertig ungenützt ließ. Und eine Runde bzw. 17 Stunden später, schnaufte Lentsch schon nach vier Games wie eine Diesel betriebene Tiroler Bergbahn. Wieder hatte er – in Vollbesitz seiner Kräfte – bombastisch losgelegt, ehe der beinahe dramatische Einbruch folgte. “Ja ich habe wieder stark begonnen, aber nach dem 3:1 hat der Harbarth sein Spiel umgestellt. Er hat meiner Meinung nach überragend gespielt. Ich werde in der nächsten Zeit an meiner Fitness arbeiten, denn spielerisch sehe ich mich sicher zumindest unter den Top 20. Für mein erstes Turnier bin ich aber auf jeden Fall zufrieden. Mein Ziel ist die Mastersteilnahme und ein Turniersieg in diesem Jahr. Das wird aber extrem schwierig, weil ich momentan nicht in der Lage bin, fünf Matches auf Top-Niveau zu spielen. Ich habe an diesem Wochenende gesehen, wie unglaublich und extrem schwer es ist, auf der Hobby-Tennis-Tour ein Turnier zu gewinnen”, erklärte Lentsch.

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Alexander Zetner düpiert im Viertelfinale French-Open-Sieger Alexander Geisler

Zu den großen Gewinnern des bisherigen verlängerten Jänner-Grand-Slam-Wochenendes gehört ganz gewiss auch Alexander Zetner. Der in Tenniskreisen keineswegs unbekannte Tour-Debütant feierte am Samstag seinen 27. Geburtstag und beschenkte sich selbst und die Tourfamilie mit einer phantastischen Vorstellung. Die Arbeit in seinem AZ-Tennisclub und diverse Verletzungen machten es “Alex” in der Vergangenheit enorm schwer, Turniertennis zu spielen. Umso bemerkswerter ist seine Darbietung vom Sonntag-Nachmittag, mit der er sich bei vielen Mitspielern und Tour-Insidern in die Rolle des Titelfavoriten spielte. Einst in der Jugend Wiens Nummer 1, fehlen dem 27jährigen nach seinem sonntägigen Doppelpack nur mehr zwei Siege um auch die Nummer 1 des Jänner-Grand-Slam-Turniers zu sein. Ein Gedanke, der nach vier Spieltagen beim ersten Major-Event des Jahres gar nicht mehr so abwegig zu sein scheint. Vorallem nach seinem famosen Viertelfinal-Auftritt im Schlagerspiel des Tages gegen den amtierenden “French Open-Sieger der HTT” Alexander Geisler, scheint Zetner mehr als befähigt, den slowakischen Jungstar Branislav Grznar als Jänner-Grand-Slam-Sieger zu beerben. Wie der 27jährige im Top-Duell des Sonntag-Nachmittags einen der ganz heißen Titelanwärter aus dem Bewerb nahm, wie er Kampfgeist und Spielerisches zu einem tollen Ganzen vereinte, und wie er Geisler im dritten Satz eine Null anhängte, zeugten schon von großer Klasse. Für Zetner war es ein besonderer Sieg, “mir fehlen die Worte”, und für Geisler eine besondere Niederlage. Für den 29jährigen aus dem Zillertal war nach über zweieinhalb Stunden nicht nur der Traum von “der perfekten Saison ohne Niederlage” ausgeträumt, sondern mit einem Schlag auch seine makellose Grand-Slam-Bilanz dahin. Nach acht Einzelsiegen in Folge setzte es für den 3fachen Turniersieger erstmals auf Grand-Slam-Ebene eine Niederlage. “Es war eine ausgeglichene Partie. Die Sätze 1 und 2 waren komplett offen. Im dritten Durchgang war Zetner besser und daher hat er auch verdient gewonnen. Schade ist es um die zwei Satzbälle, die ich im Tie-Break des ersten Satzes ausgelassen habe. Natürlich ist das Viertelfinale nicht ganz das was ich mir vorgenommen habe, aber man muss immer schauen, gegen wen man am Ende verloren hat. Ich habe mir nichts vorzuwerfen”, analysierte der unterlegene Geisler. “Geislers Pech war, dass der Mario Kiss im Vorfeld meinte, ich verliere gegen den Alex, und der Harbarth den Geisler als Turnierfavorit bezeichnete. Das hat mich heute ungemein motivert. Es hat mir großen Spaß gemacht, nach langer Zeit wieder eine Partie auf diesem Niveau zu spielen. Bis 0:4 habe ich vesucht, von der Grundlinie zu spielen, für den Rest des Satzes bin ich nur mehr an Netz marschiert. Der Tie-Break war dann der Knackpunkt, und im dritten Satz ist mir einfach alles aufgegangen”, freute sich Zetner.

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Wie sich “Super-Mario” Kiss aus der angedichteten Mini-Krise befreite

Traditionell beim Jänner-Grand-Slam-Turnier spielt auch ein Mann stets ganz groß auf, dem viele selbst ernannte Experten zuletzt eine handfeste Krise andichten wollten. Die Rede ist von Mario Kiss, dem Jänner-Grand-Slam-Champion von 2008. Nun gut: Natürlich trägt der Vorjahresfinalist das eine oder andere Kilogramm zuviel auf den Rippen umher, und natürlich war sein viertelfinaler Auftritt beim Jänner-Grand-Prix-Turnier vor zwei Wochen gegen Andreas Harbarth eine herbe Enttäuschung. Doch ist man deswegen gleich in einer Mega-Krise? Kiss steht zum dritten Mal in Serie im Semifinale des Hallen-Grand-Slam-Turniers, und wenn so eine handfeste Krise aussieht, dann wünschen sich wohl 95 Prozent der Hobby-Tennis-Tour-Spieler eine solche herbei. Wurde der Erstrunden-Auftritt von “Super-Mario” mit dem 6:0, 6:0 gegen Markus Hobiger noch als belanglos kategorisiert, hievte sich der Power-Server spätestens am gestrigen Super-Sonntag mit den Erfolgen über Kramer-Bezwinger Udo Philipp und über Masterssieger Franz Mayrhuber aus dem kurzfristigen Tief. Der 200-Punkte-Klassiker im Tennispoint jeweils zu Jahresbeginn, scheint dem 31jährigen zu liegen. Und der 3fache Grand-Slam-Sieger zeigt sich dieser Tage spielfreudig und motiviert wie selten zuvor. Er hat richtig viel Spaß daran, “am besten Hobby-Tennis-Turnier das er jemals gespielt hat” mitzuwirken. Die vielen starken Konkurrenten beflügeln ihn, treiben den Super-Aufschläger zu neuen Höchstleistungen. Seinen bislang letzten Coup landete Kiss am gestrigen Nachmittag. Zunächst knockte er Kramer-Bezwinger Udo Philipp aus dem Turnier. Einem äußerst engen, hart umkämpften und – im Tie-Break nach 1:4 Rückstand – sogar glücklich gewonnenen ersten Satz, folgte ein glasklarer zweiter Heat. “Den Tie-Break habe ich einfach sensationell vergeigt”, schmunzelte Philipp, der den vergebenen Chancen im Elfmeterschießen des Tennissports nachtrauerte. Eher in Trauerstimmung war drei Stunden später auch Marios nächster Gegner. Was für viele der zuletzt zum Thema Kiss Stellung beziehenden selbsternannten Experten eine große Überraschung war, handelte es sich doch um keinen geringeren als den amtierenden Masterssieger Franz Mayrhuber. Das der Routinier im Duell mit dem Vorjahresfinalisten als Zweisatzverlierer vom Platz gehen musste, war für viele Mitspieler so nicht zu erwarten. Doch Kiss, der sich vor mehr als zwei Monaten im Semifinale des November-Super-4-Turniers gegen den Olympiasieger eine böse Schlappe eingehandelt hatte, revanchierte sich mit einem taktisch brillanten Auftreten für die damalige Pleite. Die Mischung aus gedrosseltem Tempo und gefühlvollem Touch, so lautete die Zauberformel zum 6:4, 6:4 Erfolg des Vorjahresfinalisten. “Ich habe versucht, Mayrhuber keinen Rhythmus zu geben. Meine Taktik die ich mir vorgenommen hatte war, wenig Tempo zu machen, viel ans Netz aufzurücken und noch mehr Stoppbälle zu spielen. Ich bin sehr zufrieden, dass ich diese Taktik durchspielen konnte, und gegen einen sehr starken Returnierer nur ein Break kassiert habe. Damit kann ich sehr gut leben. Jetzt schauen wir was morgen gegen den Harbarth geht. Das Viertelfinale war vor Turnierbeginn mein Ziel, weil ich wusste, dass gegen den Franz Mayrhuber auch sehr leicht Schluss sein kann. Jetzt stehe ich im Semifinale, und jetzt kann alles passieren.

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Martin Kova: Statt heiß ersehntem Titel setzte es die dritte Grand-Slam-Erstrunden-Niederlage in Serie

Keine 24 Stunden nachdem Fabian Mayrhuber im Achtelfinale das Aus beim Jänner-Grand-Slam-Turnier ereilte, erwischte es jetzt also auch Masterssieger Franz Mayrhuber. “Ich habe schlecht gespielt und verloren. Ich war nicht von Marios Taktik überrascht, sondern eher davon wie schlecht ich heute gespielt habe. Es lief einfach nichts zusammen, und ich bin im gesamten Match nicht mehr aus diesem System herausgekommen. Ich konnte mich auch nicht mehr zurückkämpfen. Solche Tage gibt es eben, das muss man akzeptieren. Es war trotzdem wieder ein Super-Turnier”, verabschiedete sich die Nummer 4 der Hobby-Tennis-Tour. Verabschieden ist auch das Stichwort für jene Herrschaften, die keine allzu guten Erinnerungen an das erste Grand-Slam-Turnier des Jahres haben werden, und die wir als die Verlierer des Wochenendes ein wenig unter die Lupe nehmen möchten. Da wäre einmal das Trio der Jänner-Grand-Slam-Rekordteilnehmer mit Martin Kova, Christoph Kramer und Tashi Liu. Je acht Mal waren sie bisher beim Indoor-Slam im Einsatz. Macht zusammen 24 Turnierstarts, die allesamt noch nie hier für einen Titelgewinn reichten. Besonders bitter war der Jänner-Grand-Slam-Start 2010 wohl für Martin Kova. Ein offenes Geheimnis auf der Tour ist, dass dem 26jährigen in seiner außergewöhnlichen Erfolgssammlung nur mehr dieser Titel fehlt und vermutlich auf alle Zeiten verwehrt bleiben wird. 2010 war jener Mann, der unter den noch aktiven Spielern mit 29 Turniersiegen der erfolgreichste Akteur ist, niemals in der Lage, den heiß ersehnten Jänner-Grand-Slam-Erfolg einzufahren. In der Nacht vor seinem Erstrunden-Auftritt gegen Alexander Geisler bekam der 4fache “French Open-Champion der HTT” einen Krampf im rechten Unterschenkel, der ihn wenige Stunden später am 10er-Court des TPV bei 0:5 zur Aufgabe zwang. Damit prolongierte Kova seinen Negativlauf auf Grand-Slam-Ebene, kassierte er doch bereits die dritte Major-Erstrunden-Niederlage in Serie.

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Hühnes vergebene Jahrhundert-Chance und Riegers ganz große Zukunftspläne

Zu den großen Verlierern des ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres zählte auch David Hühne, was angesichts seiner starken Leistung in Runde 1 gegen Thomas Müller eigentlich kurios klingt. Doch für den 29jährigen vom Bodensee war das 6:3, 4:6, 4:6, keine gewöhnliche Niederlage. 48 Stunden nach dem unnötigen Auftakt-Aus wurde der Deutschen Nummer 2 wohl erst so richtig bewusst, was er da in Runde 1 gegen die Nummer 2 “verbrochen” hatte. Ohne Übertreibung, aber ein Grand-Slam-Semifinale war für den Jänner-WTB-Halbfinalisten mehr als nur ein unrealistischer Traum. Müller fast geschlagen, Nagl ohne Spielpraxis und nicht in der Form einstiger Glanzzeiten, dazu Grznars krankheitsbedingte Absage und einen Landsmann namens Max Morwind im Viertelfinale, also jenen Mann den er Ende letzten Jahres schon einmal besiegt hat, da wunderte es Beobachter der Szene nicht, dass Hühne am Sonntag Abend mit sehnsüchtigem und traurigem Blick zugleich das gar nicht so hochklassige Viertelfinale zwischen Müller und Morwind verfolgte. Verlierer gab es aber auch eine Klasse darunter, nämlich in der am Samstag Abend abgeschlossenen Jänner-Grand-Slam-Quali. Zum Beispiel Werner Kovarik, der sich bei seinem 100. Turnierstart mit dem Einzug in den Hauptbewerb selbst ein perfektes Jubiläumsgeschenk hätte machen können, oder eigenlich machen müssen. Der 35jährige führte gegen George Panc im entscheidenden dritten Satz mit 4:0, ehe er mit 4:6 den Platz als Verlierer räumen musste. Eine deftige Auftakt-Pleite setzte es auch für Stefan Rieger. Der Doppel-Masterssieger kam gegen die schupfende deutsche Gummiwand Max Morwind mit 2:6, 3:6 unter die Räder. Glanz versprühte in diesem Duell nur Riegers neue Lacoste-Kleidung. Um in dem trendigen Outfit auch spielerisch gute Figur zu machen, hat der Harbarth-Freund gemeinsam mit seinem Trainer einen Zweijahresplan ausgearbeitet. Mit ganz intensivem Training geht es schon diese Woche los. Am Ende einer schweißtreibenden Zeit sollen große Rieger-Erfolge stehen. “Heuer haben wir zwei First-Series-Titel und einen WTB-Sieg zum Ziel gemacht. Im Jahr 2011 muss es dann ein Grand-Prix und ein Grand-Slam-Sieg sein. Wenn ich mich an das vorgegebene Programm halte, dann kann ich das schaffen”, geht Rieger voller Zuversicht in seine Tennis-Zukunft.

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Claus Lippert, 25. Jänner 2010