Zukunftshoffnung triumphiert im Mai-Challenger-Rookie-Finale

Er ist die Entdeckung des vergangenen Wochenendes, Sieger der Mai-Ausgabe auf der Challenger-Tour und eine der ganz großen Zukunftshoffnungen im Circuit. Die Rede ist vom erst 15jährigen Patrick Eckart, der sich am Dienstag Nachmittag mit einer atemberaubenden Vorstellung in gerade einmal 52 Minuten zu seinem ersten Turniersieg auf der Hobby-Tennis-Tour katapultierte. Der Junior-Star vom Alt Erlaaer TC deklassierte im Endspiel des 2. Mai-Challenger-Turniers beim UTC La Ville, Pratsch-Bezwinger Peter Baumann mit 6:0, 6:2, und avancierte im 595. Single-Turnier der Geschichte zum 154. Titelträger der Open Ära. Nach dem ebenso beeindruckenden Premieren-Triumph des damals 13jährigen Stefan Kraberger beim letztjährigen Mai-Challenger-Turnier, bleibt die 100-Punkte Veranstaltung am Altmannsdorfer Ast damit weiterin fest in jugendlicher Hand. Ein Bericht von C.L

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Der neue Teenie-Star legt beim Mai-Challenger-Turnier eine sehenswerte Talentprobe ab

Er ist smart, zumindest bislang äußerst introvertiert und sehr talentiert. Ruft man Patricks Facebook-Seite im Internet auf, dann lacht dem Betrachter eine echt “coole Socke” entgegen. Sein Profil-Foto hat was von einem Pop-Star, doch laut und exzessiv gibt sich der neue Teenie-Star ganz und gar nicht. Abseits der Courts weiß der 15jährige Liesinger mit gebührlichem Benehmen aufzufallen, respektlos – aus sportlicher Sicht – verfährt Eckart nur mit seinen großteils älteren und arrivierteren Gegnern. So zum Beispiel am vergangenen Wochenende, wo der Shooting-Star die staunende Konkurrenz ziemlich alt aussehen ließ. Waren die klaren Z’weisatz-Erfolge über Florian Artacker und Walter Kreilinger noch erwartbar, stellten sowohl der viertelfinale Sieg über den spielerisch von vielen Insidern höher eingeschätzten steirischen TC Hrubesch-Star Michael Pichler, als auch der mühsam errungene Dreisatz-Triumph über Russlands lebende Ballmaschine Stanislav Perepelkin eine Art “Gesellenprüfung” dar. 24 Stunden später machte sich der 15jährige aber auch gleich auf, um im großen Finale des Mai-Challenger-Turniers gegen Pratsch-Bezwinger Peter Baumann die Meister-Prüfung erfolgreich abzulegen.

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Patrick Eckart gewinnt mit beeindruckender Leistung ein total einseitiges Challenger-Finale

Eckart hatte also in den drei Turniertagen vor dem finalen Showdown seine vier Gegner der oberen Raster-Hälfte überrascht, ehe er im Endspiel auch seinen routinierten Herausforderer Peter Baumann förmlich überrollte. Um noch einmal auf Patricks Facebook-Profil mit dem Pop-Star-Foto zurückzukommen, irgendwie hatte das Challenger-Final-Debüt des 15jährigen gegen Oldboy Peter Baumann an diesem “Super-Tuesday” im La Ville  den Flair eines Vorgruppen-Auftritts bei einem Mega-Konzert. Vor der mit großer Spannung erwarteten Night-Session mit dem Haupt-Act der Mayrhubers im “battle of number 1”, bekam man auf Challenger-Ebene die Kostprobe des Könnens eines möglichen Masters-Series-Champions der Zukunft geboten. Der junge Mann hat alles, was man für eine erfolgreiche Karriere braucht, zumindest aber hatte er an diesem sonnigen Dienstag Nachmittag das Zeug, um aus dem Rookie-Finale zwischen der Nummer 156 und der Nummer 170 der HTT-Computer-Rangliste, das bislang einseitigste Endspiel der Saison zu machen. Es musste einem ganz einfach “angst und bange” werden, wie Eckart mit seinem Final-Kontrahenten verfuhr. Gleich die erste Break-Chance im Auftakt-Game genützt, dazu selbst ein glasklares und zu Null gewonnenes erstes Aufschlagspiel in den Altmannsdorfer Sand gesetzt, hatte sich Patrick Eckart bei seiner Final-Premiere einen Traumstart verschafft, und damit auch seine Anfangs-Nervosität bravourös abgeschüttelt. Was folgte war ein wie im Rausch agierender Jungstar, der einen völlig indisponierten Gegner in Grund und Boden spielte. In nur 20 Minuten hatte der smarte Teenager vom Alt Erlaaer TC seinen dritten zu Null gewonnenen Satz im Verlauf dieses Turniers unter Dach und Fach gebracht, und auch in der Folge mit großartigem Sandplatztennis nie Zweifel über den Ausgang dieses 27. Saisonfinales aufkommen lassen. Der 15jährige diktierte das Geschehen, holte sich trotz eines etwas schwächeren Finish auch den zweiten Durchgang höchst verdient mit 6:2, und durfte am Ende über den ersten Titel seiner HTT-Karriere jubeln.

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Peter Baumann muss Anstrengungen des Wochenendes Tribut zollen

Mitten hinein in die kollektive Euphorie um den neuen Jungstar der Hobby-Tennis-Tour muss man aber auch erwähnen, dass Finalgegner Peter Baumann im Titel-Duell des Mai-Challengers körperlich nicht mehr in der Lage war, seinem Bezwinger entsprechend Paroli bieten zu können. 33 Jahre mehr auf dem Buckel, musste Baumann in seinem ersten Finale den körperlichen Anstrengungen des vergangenen Wochenendes Tribut zollen. Immerhin hatte der 48jährige mit seinem Ausflug zum Mai-Masters-Series-1000-Turnier am Ende kräfteraubende sechs Single-Matches in den Knochen, eindeutig zuviel, um den spritzigen Jüngling aus Liesing am Sieg zu hindern, und damit den zweiten Mai-Challenger-Teenie-Titel in Folge zu verhindern. Tennis ist seine große Leidenschaft, und das sich derzeit beinahe alles rund um den kleinen Filzball dreht, bekam Tour-Veranstalter Claus Lippert bei der stattfindenden Pressekonferenz zu sehen. Fünf Minuten habe man Zeit, dann müsse der Junior schon wieder weg zum Training! Also bemühte man sich im Blitztempo, so viel wie möglich über die heiße Zukunfts-Aktie der HTT zu erfahren. Seit dreieinhalb Jahren spielt Eckart Tennis, inspiriert durch eine Tennisklasse in der Hermann Broch Sporthauptschule. Auf die Hobby-Tennis-Tour brachte ihn Vereinskollege Filip Markovic, der heuer im Jänner beim Saisonauftakt mit einem HTT-500er-Semifinale glänzen konnte.

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Eigentlich sollte Peter Baumann laut ärztlicher Meinung keinen Sport mehr treiben

“Ich freue mich sehr über diesen Turniersieg, und ich bin zufrieden mit meiner Leistung. Es hat mir Spaß gemacht, und trotz meiner dreiwöchigen Tennispause habe ich eigentlich ganz gut gespielt. Das Semifinale war die schwierigste Partie für mich, weil der Stanislav alle Bälle extrem hoch über das Netz gespielt hat. In Zukunft werde ich aber keine Challengers mehr spielen. Die höheren Turniere taugen mir ohnehin mehr”, urteilte der Newcomer, ehe Opa Helmut als Chauffeur schon wieder den nächsten Wiener Tennisclub ansteuerte. Derweil stand der unterlegene Peter Baumann im Interview noch Rede und Antwort. “Der Patrick hat sehr gut gespielt, dazu kann man ihm nur gratulieren. Er wird in ein paar Jahren einen ganz großen Sprung nach vorne machen, dessen bin ich mir sicher. Er hat heute perfektes Tennis gespielt und unglaublich viele Winner geschlagen. Wenn ich besser drauf gewesen wäre, dann hätten vielleicht ein paar Punkte mehr herausgeschaut”, tiefstapelte ein bescheidener Verlierer. Tatsächlich sieht die Sache freilich ganz anders aus. Ein Mann der auf dem Weg in sein erstes Karriere-Endspiel namhafte Challenger-Asse wie den topgesetzten Thomas Pratsch oder auch Marcel Pliemitscher ausschalten kann, der wäre sehr gut auch in der Lage, einem wie Patrick Eckart mehr als nur einen überforderten Sparring-Partner abzugeben. Der 48jährige, der auch Obmann des mit drei wunderschönen Tennisplätzen bestückten TCU Moosbrunn ist, hatte sein Pulver ganz einfach in den intensiv zu spielenden Runden vor dem Endspiel verschossen. Nicht vergessen darf man bei der Einschätzung des Final-Resultats auch den Umstand, dass Baumann in seiner sportlichen Karriere mit Tischtennis, Kampfsport und Fußball schon fünf schwere Verletzungen erlitten hatte. Knorpelschäden im Knie, und einige Schulterverletzungen zwangen Baumann zum Ende seiner Fußballer-Laufbahn. Eigentlich hatte ihm der behandelnde Arzt das Ende seiner sportlichen Karriere nahe gelegt, doch mit eisernem Willen kam der Routinier immer wieder zurück. “Und darauf bin ich auch stolz”, so der Mai-Challenger-Finalist 2012.

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Das Mai-Challenger-Finale in der totalen Statistik

Mai-Challenger-Final-Statistik

Patrick ECKART

Peter BAUMANN

Fehler an der Grundlinie 18 24
Fehler am Netz 0 1
Doppelfehler 4 4
Asse 1 0
Service-Winner 1 1
Return 5 0
Vorhand-Winner 6 1
Rückhand-Winner 6 0
Volley 2 3
Smash 3 0
Lob 1 4
Stopp 1 0
Passierball-Vorhand 1 0
Passierball-Rückhand 1 0
Punkte durch gegnerische Fehler 29 22
Punkte selbst erzielt 28 9
Punkte insgesamt 57 31
1. Aufschlag in Prozent 57,4 % 42,8 %
2. Aufschlag in Prozent 80,0 % 83,3 %
Punkte nach dem 1. Aufschlag in Prozent 59,2 % 38,8 %
Break-Chancen 12 6
Breaks 7 2

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