Im Prater blühen nicht mehr nur die Bäume

Das haben selbst die Gründerväter des Prater Cups in den Urzeiten des einst so traditionsreichen Tennisturniers wohl  nicht erlebt. “Rekordfeld beim Prater Cup 2020 mit 193 Nennungen” titelte die Facebook-Seite des gastgebenden Vereins SV Schwarz Blau, und bejubelte damit die Wiedergeburt einer Tennisveranstaltung, die einst zu den prestigeträchtigsten der Bundeshauptstadt zählte, und die im neuen Jahrtausend in eine Art Dornröschenschlaf gefallen war. Vor vier Jahren waren Nikolaus Ganahl, Christian Trubrig und der umtriebige Vorstand des 1896 gegründeten Clubs daher angetreten, um dem einst so beliebten Prater Cup neues Leben einzuhauchen. Die Hobby-Tennis-Tour deshalb umsichtiger Weise ins Boot geholt, ist der Prater Cup anno 2020 nicht nur endgültig wiederbelebt, sondern bereits bei der 4. Neuauflage weit an die – oder über die – Grenzen der machbaren Kapazitäten gestoßen. Der große Gewinner neben dem Turnier an sich war Fabio Münzker, der sich mit sechs Siegen zum neuen Prater Cup Champion kürte, und sich zurück in die Top 100 der HTT-Computer-Rangliste katapultierte. Aus der Rustenschacherallee berichtet für hobbytennistour.at C.L

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Turnier im Prater-Cottage stößt an seine Grenzen

Die wievielte Ausgabe des Prater Cups wir am vergangenen Wochenende tatsächlich gesehen haben, können leider nicht einmal Tennis-Historiker beantworten. Alte Geschichten und unzählige Anekdoten ranken sich um ein einst von großer Bedeutung für die Tennis-Szene stattfindendes Turnier im Prater-Cottage, das im Laufe der Jahre aber seinen Glanz scheinbar verloren hatte. Die neue Zeitrechnung des Prater Cups in der Rustenschacherallee hat 2017 begonnen, den Deal mit der HTT haben die findigen Prater-Capos aber bereits im Herbst 2016 abgeschlossen. Ein goldener Coup, denn mittlerweile “blühen im Prater nicht mehr nur die Bäume”, sondern eben auch das Traditionsturnier des zweiten Wiener Gemeindebezirks. Mit an Bord ist längst auch der “große Bruder” des SV Schwarz Blau, der WAC, der mit seinen 19 Sandplätzen einen elementaren Beitrag zum Gelingen einer solch großen Veranstaltung leistet. Und: Erstmals in der langen Geschichte dieses Turniers, wurden alle Centercourt-Matches Live im Stream übertragen, wozu einmal mehr Dank & Kompliment an die Herren Didi Rehberger und Rene Liball geht.

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Jugend dominiert die 4. Auflage des Prater Cups

Sportlich stand der 4. Prater Cup 2020 als 102. Saisonturnier der HTT ganz im Zeichen der aufstrebenden Jugend. Im Semifinale des 250er-Bewerbs war der spätere Sieger mit seinen 19 Jahren schon der Senior unter den Top 4, mit Frankreichs aufstrebendem Kinderstar Lenny Petit, spielte gar ein 12jähriger im Live übertragenen Konzert der Besten mit. Nochmals einen extra Schritt ins Rampenlicht machte am finalen Mittwoch Nachmittag aber Fabio Münzker, der ein hervorragendes Turnier mit einem exzellent performten Finale spielte, und für den das Turnier im Wiener Prater nicht nur zur ergebnistechnischen Bestätigung seiner großartigen Entwicklung der letzten Monate wurde. Münzker hat sich nicht nur technisch nochmals deutlich gesteigert, sondern er ist vorallem reifer, ruhiger, und mit seinen 19 Jahren auf dem Platz erwachsener geworden. Das mit großer Spannung erwartete Endspiel hatte freilich nicht die großen Szenen und Momente zu bieten, die man sich für ein abschließendes Match eines Rekordrasters mit 80 Spielern und der Klasse der beiden Protagonisten erwartet und erhofft hätte. Das lag aber keineswegs am späteren Sieger, sondern am unterlegenen Finalisten, der weit unter Normalform sein HTT-Finaldebüt bestritt, und in keiner Phase des nur 69 Minuten dauernden Endspiels dem siegreichen Gegenüber auf der anderen Seite des Platzes Paroli bieten konnte.

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Müller-Niklas bei seinem HTT-Finaldebüt chancenlos

Das Match am Centercourt des SV Schwarz Blau endete schließlich bei unwirtlichen stürmischen Bedingungen unspektakulär und nach zwei klaren Sätzen zugunsten Fabio Münzkers. Das 6:1, 6:2 spiegelte exakt das Live-Geschehen des HTT-Streams wider, und wurde auch durch einen Blick auf die Match-Statistik für Marc Müller Niklas nicht rosiger. Im Gegenteil: Insgesamt machte der 16jährige 20 Punkte weniger als sein Bezwinger, produzierte sagenhafte 41 unerzwungene Fehler, und blieb vorallem bei den Erfolgsquoten nach erstem und zweitem Aufschlag vieles schuldig. Dabei hatte auch er ein tolles Turnier mit fünf Siegen gespielt, starke Leute wie Bernhard Mild, Domenic Stangl und Samuel Boruta in die Knie gezwungen, und im Achtelfinale sogar die Nummer 1 des Turniers Martin Vesely in drei Sätzen ausgeschaltet. Müller-Niklas ist stabiler geworden in seinem Auftreten auf dem Platz, kann nun über längere Zeiträume sein nie in Zweifel gestandenes hohes Niveau abrufen, und damit auch die entsprechend positiven Resultate erzielen. Das er ausgerechnet im Finale in alte Muster zurückfiel, kann man auf den Faktor “Debüt” schieben. Mit 278 gut gemachten Plätzen in nur einer Woche ist Müller Niklas trotzdem zurück in den Top 200 der HTT Entry List, in der Fabio Münzker mit Position Nr. 70 sogar sein Karriere-High-Ranking aufstellte.

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