Auftakt zur Grand-Slam-Saison 2010 mit Wahnsinns-Quali

Mit vier Partien zur Qualifikation ist am gestrigen Donnerstag Abend das 19. Jänner-Grand-Slam-Turnier 2010 angelaufen. Ein bis auf den letzten Platz ausgebuchter 32er-Quali-Raster machte den frühen Beginn notwendig. Zwei Siege müssen die 32 Herrschaften bis zum Samstag vorweisen können, um sich über einen Platz im Hauptfeld und 15 Punkte für das Champions-Race freuen zu dürfen. Und ein Blick auf den prall gefüllten Quali-Raster – der ohne weiteres auch als stark besetztes WTB-Turnier durchgehen würde – zeigt, dass einige ganz renomierte und prominente Tour-Akteure nach den zwei Quali-Runden dem ersten Grand-Slam-Wochenende des Jahres nur mehr als Zuseher beiwohnen werden. Eine beinharte Ausscheidung steht also an! Ein Bericht von C.L

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8 Spieler aus 5 Nationen und 3 Kontinenten sorgten für internationales Major-Flair

Donnerstag Abend – 21 Uhr. Zu einer Zeit wo normaler Weise Woche für Woche die Spieler der Hobby-Tennis-Tour gespannt auf die Auslosung der Tour-Bewerbe warten, machten sich am gestrigen Donnerstag gleich acht Akteure auf, um das erste Grand-Slam-Turnier der neuen Tennissaison zu eröffnen. Einen Hauch “internationalen Flairs” verströmten die achte Herrschaften aus 5 Nationen und 3 Kontinenten, unter ihnen Asiens Nummer 1 Tashi Liu aus China und Afrikas Nummer 1 Basel Abdelmoneim aus Ägypten, die sich neben den Osteuropa-Cracks George Panc aus Rumänien und dem Slowaken Michal Chudy sowie dem rot-weiss-roten Quartett Rotter-Prinz-Rydl und Austen um den Aufstieg in die 2. Quali-Runde bemühten.

Karpaten-Schlitzohr George Panc provoziert Abgang von Tour-Promi Louie Austen

Der erste Sieger bei den diesjährigen “Australian Open” der Hobby-Tennis-Tour heißt übrigens George Panc. Allerdings profitierte der rumänische Tennis-Exzentriker von der Aufgabe seines Gegners, der trotz 5:4 Führung im zweiten Satz keine Lust verspürte sich der permanenten Clown-Show von Panc auszusetzen. Die Rede ist von Louie Austen, der 75 Minuten lang die ständigen Mätzchen seines rumänischen Kontrahten geduldig über sich ergehen ließ, ehe er das Weite suchte. “Die Mitspieler haben mich vor Spielbeginn gewarnt. Ich habe keine Lust jeden Ballwechsel zu diskutieren”, erklärte der Tour-Promi seinen frühzeitigen Abgang. Damit ist der älteste Jänner-Grand-Slam-Starter also ausgeschieden, während Panc so wie im Vorjahr sein erstes Saison-Major-Single gewonnen hat. “Ich verstehe die Aufregung nicht. Ich habe einen 1:5 Rückstand im zweiten Satz aufgeholt und dann diese Aktion”, zeigte sich das 49jährige Karpaten-Schlitzohr unschuldig.

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Marcus Rotter feiert gelungenes Comeback gegen Peter Prinz und gewinnt sein allererstes Grand-Slam-Einzelmatch

Aufmerksame Tour-Insider werden sich zu Saisonbeginn wohl schon gefragt haben: Wo ist denn der Marcus Rotter? Nun, eine schmerzhafte Rippenprellung, dazu eine Gehirnerschütterung, die Auswirkungen eines Unfalls beim Basketball verhinderten bisher im neuen Jahr ein Antreten des Marcus Rotter. Am gestrigen Donnerstag kehrte der 35jährige Ottakringer wieder genesen auf die Tour zurück. Das verunglückte “Dunking” hatte für den Ranglisten-Vierzigsten neben heftigem “Schädelbrummen” aber noch einen weiteren negativen Beigeschmack. Sein im vergangenen Frühjahr gestarteter Angriff auf den Kramer-Rekord mit mehr als 70 in Serie gespielten Turnieren, endete durch seine Verletzungspause nach 34 in ununterbrochener Reihenfolge bestrittenen Single-Events. Am Donnerstag Abend konnte sich Rotter beim persönlichen Saison-Debüt aber zumindest über ein gelungenes Comeback freuen. Der 35jährige Linkshänder zog mit einem 6:1, 7:6 Erfolg über Peter Prinz in die zweite Runde der Jänner-Grand-Slam-Qualifikation ein. Der einzige Terra-Rossa-Vertreter im Feld hatte zwar nach gut eineinhalb Stunden ergebnistechnisch das Nachsehen, allerdings durchaus auch seine Chancen auf ein Weiterkommen. Sehr gute und viele vorallem, fand der 38jährige doch im Tie-Break von Durchgang 2 nicht weniger als 6 Möglichkeiten vor, um das Match in einen Entscheidungssatz zu hieven. Doch Prinz vergeigte eine komfortable 6:1 Führung im Tie-Break, und musste sich so schweren Herzens vom dritten Saisonturnier verabschieden. “Ich fühle mich im Moment sehr müde. Und wenn man ein 6:1 im Tie-Break noch vergeigt, dann ist das ein echter Skandal”, sparte der 38jährige Terra-Rossa-Star nach seinem Grand-Slam-Debüt nicht mit Selbstkritik. Rotter hingegen freute sich über seinen 22. Karriere-Einzelsieg, seinen allerersten auf Grand-Slam-Ebene, vorallem aber über eine offensiv recht starke Vorstellung. 38 Winner zählte der im Publikum sitzende Marko Bogdanov, worauf Rotter gleich seine Ansprüche für das in einer Woche stattfindende erste Second-Series-Turnier in die Höhe schraubte : “Wenn ich dort so spiele wie heute, kann ich mir berechtigte Hoffnungen auf den Titel machen”, so der 35jährige Wiener.

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Rydl wirft Abdelmoneim aus dem Bewerb und Tashi Liu droht vorzeitiges Aus

“Das war das bisher mit Abstand schönste Match das ich auf der Hobby-Tennis-Tour hatte”. So kommentierte Lucas Rydl seinen in knapp 1:45 Stunden fixierten 6:4, 7:5 Erfolg über Ägyptens Basel Abdelmoneim. Im Vorjahr in Runde 1 von George Panc mit nur einem Gamegewinn noch geradezu vorgeführt, konnte sich Rydl bei seinem zweiten Jänner-Grand-Slam-Start mit einer soliden Leistung rehabilitieren. Der 23jährige zeigte phasenweise ganz ausgezeichnetes Tennis, und im zweiten Satz stellte der November-Second-Series-Halbfinalist bei einem 1:4 Rückstand auch noch seine Kämpfer-Qualitäten unter Beweis. “Ich bin ganz zufrieden. Bei einem schwächer besetzten Second-Series-Turnier möchte ich heuer auch meinen ersten Titel holen”, zeigte sich Rydl selbstbewusst. Für Afrikas Tour-Nummer 1 Basel Abdelmoneim endete der erste Grand-Slam-Auftritt seiner Karriere hingegen ohne Erfolgserlebnis. “Der Lucas hat verdient gewonnen”, gratulierte der 26jährige. Für ein kurioses Ende des ersten Spieltages bei der 19. Jänner-Grand-Slam-Auflage sorgte dann noch Asiens Topspieler Tashi Liu. Der 32jährige Chinese beendete die Quali-Partie mit dem Slowaken Michal Chudy ganz pünktlich um 22:55 Uhr mit dem “Läuten in der Halle”. Weil er müde und ausgelaugt spürte, dass er beim möglichen “Finalisieren” der Begegnung gnadenlos eine auf den Deckel bekommen hätte. So rettete sich Liu mit dem Einverständnis seines gutmütigen Gegners und mit einem 1:4 Rückstand in eine 37stündige Pause. Einst als voll fitter und durchtrainierter Parade-Athlet gehandelt, ist sein eigenmächtiger Spiel-Abbruch eine traurige Bestandaufnahme seiner momentanen körperlichen Verfassung. Abgesehen vom etwas unüblichen Finish bekam man in den fast zwei Stunden davor aber eine ganz interessante Quali-Begegnung geboten. Chudy zog rasch mit 4:0 davon, Liu konterte mit 5 gewonnenen Games in Folge, ehe im Tie-Break die slowakische Nummer 2 mit 9:7 das bessere Ende für sich hatte. Viele enge Games und trotzdem 6:0 an Liu gegangen, auch Durchgang 2 passte durchaus in diese teils kuriose Partie, ehe dem Asiaten wie erwähnt in der Schlussphase die Kräfte ausgingen. Jetzt droht dem 32jährigen, der sich im Vorjahr bis ins Viertelfinale spielte, bei seinem achten Jänner-Grand-Slam-Antreten zum vierten Mal das Aus in Runde 1.

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Claus Lippert, 22. Jänner 2010