Steiner im Galamodus & das Kalksburg Kuriosum

18 Siege aus den vergangenen 19 HTT-1000er-Partien. Eine bemerkswerte Bilanz, mit der Bernd Steiner im corona-gestörten Jahr 2020 entgültig zum “Mister Masters Series” aufgestiegen ist. Den vorerst letzten Coup landete der 30jährige Wiener am Dienstag dieser Woche, als er mit einem beeindruckenden 6:2, 6:0 Finalsieg über den HTT Australian Open Sieger von 2019 Maximilian Wild die 5. Ausgabe der Kalksburg Open und gleichzeitig seinen dritten HTT Masters Series 1000-Karriere-Titel eroberte. Mehr als die kurzgeschichtliche Final-Performance des Heeres TC Stars bewegte die Tennisszene der Bundeshauptstadt am letzten Wochenende aber eine gänzlich andere Causa. Die fünften Kalksburg Open wurden nämlich wetterbedingt über Nacht zum 470. Turnier im UTC La Ville. Was nicht nur auf Freude und Zustimmung traf. Ein Bericht von C.L

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Die Causa Kalksburg Open Absage

Nirgendwo in Wien kann man nach “Regen, Wind & Wetter” schneller und besser im Freien auf roter Asche Tennis spielen, als im UTC La Ville am Altmannsdorfer Ast. GF Raimund Stefanits und sein kompetentes Team haben nicht nur phantastische Outdoor-Bedingungen in die Tennis-Hochburg der Stadt gezaubert, sondern am vergangenen Juli-Weekend auch binnen Minuten in einem beispiellosen Akt an Flexibilität die an einem seidenen Faden hängenden Kalksburg Open beheimatet. So weit so gut, doch nach dem Absage-Drama am Rande des Wienerwalds gingen nicht alle Beteiligten zur Tagesordnung über. Vorallem die Lokal-Heros zeigten sich über das vom Sommerregen weggespülte Heim-Event wenig begeistert. “Land unter” hieß es am Eröffnungstag um 13:30 Uhr, und das obwohl beim Lokalaugenschein vor Ort kein noch so kleines “Lackerl” auf den Courts auszumachen war. Sofort kamen unbestätigte Gerüchte & Spekulationen auf, und auch die beiden abgesagten Wochenend-Spieltage versetzten Christoph Csar & Co in kaum bessere Stimmung. Und die erhellte sich auch nicht am Finaltag, an dem immerhin vier Kalksburger(innen) um den Doppeltitel am Centercourt des UTC La Ville kämpften. Im Single war da hingegen rasch weniger Dampf auf dem brodelnden Kalksburger Kessel, zumal sich mit Christoph Csar der einzige nennenswerte Titel-Aspirant der “Heimischen” bereits im Viertelfinale verabschiedete.

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Zauberschlag Steiners schafft es bis auf tennisnet.com

Was uns zum hochkarätig besetzten Single-Bewerb des 67. HTT Saisonturniers bringt. Wer die beste Vorhand im Circuit hat, darüber kann man diskutieren! Genauso darüber, wer das schnellste Service über das Netz bugsieren kann. Keine Frage gibt es hingegen dann, wenn man den Mann mit dem feinsten Händchen auf der Hobby-Tennis-Tour ausfindig machen möchte. Diese Frage ist längst geklärt, allerspätestens aber seit dem Abend des 21. Juli 2020, und jenem Wunderschlag, mit dem Bernd Steiner die Zuseher vor Ort und die tausenden HTT-Fans daheim am Live-Stream verzückte. Ein durch die Beine geschlagener Passierball, der “cross court” einem staunenden Maximilian Wild um die Ohren flog, schaffte es sogar in die wöchentliche Rubrik “hot shot” auf Österreichs größter Tennisplattform “tennisnet.com”. Doch auch ohne die Breitenwirkung die dieser Zauberschlag mit sich brachte, Bernd Steiner ist in der HTT-Szene ohnehin längst in höchsten Sphären angelangt. Natürlich fehlt dem 30jährigen noch der ganz große und vorallem prestigeträchtige Grand-Slam-Titel, die Performance mit der Steiner aber in den letzten 12 Monaten auf HTT Masters Series 1000 Ebene glänzte, ringt der Konkurrenz allerhöchsten Respekt ab. “Ich werde schon einen Traumtag erwischen müssen, wenn ich hier den Titel holen möchte”, war sich Finalgegner Maxi Wild schon 24 Stunden vor seinem finalen Debakel über die Schwere seiner Aufgabe bewusst. Ob der 20jährige vom TC Tulln tatsächlich mit dem Titel kokettierte, oder für sich schon vor dem finalen Showdown die Segel gestrichen hatte?

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Bernd Steiner mit HTT Karriere-High-Ranking

In jedem Fall war das ohnehin nur 55 Minuten dauernde Final-Spektakel schon nach wenigen Games und Szenen entschieden. Wild hatte in seinen ersten beiden Service-Games den Aufschlag gehalten, und seinerseits sogar die allererste Break-Chance dieses Finales vorgefunden. Das war es dann aber auch schon aus Sicht des an Nummer 6 gesetzten Niederösterreichers, der in der Folge dem stabilen und konstanten Tennis Steiners nichts entgegen zusetzen hatte. Im Gegenteil: Wilds Spiel brach förmlich auseinander. Mit einem an den Zaun geknallten Smash, kassierte der im Ranking auf Position Nr. 19 zurückgerutschte Power-Server das erste Break dieses Finales, und war fortan nur mehr in der Rolle des Statisten zugegen. Mit 10 Games am Stück und klaren Vorteilen in allen statistischen Belangen dieses Endspieles, krallte sich Steiner seinen zweiten HTT Masters-Series-1000-Erfolg in diesem Jahr, und schob sich mit seinem insgesamt dritten HTT Karriere-Titel auf Platz 7 der neuesten Ausgabe der HTT-Computer-Rangliste vor. Im Race to La Ville liegt der Routinier vom Heeres TC mit nur 100 Punkten Rückstand auf Rene Gräflinger sogar auf Position Nr. 2. Er ist also reif für seinen ersten ganz ganz großen Titel. Und drei Grand Slams stehen ja heuer noch an!

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