ITN – Ein System ad absurdum geführt

ITN, drei Buchstaben, die umgangssprachlich im Vokabular eines jedes Tennisspielers zwischen Neusiedler See und Bodensee vorkommen, und die für den Begriff International Tennis Number stehen. Diese Bewertungsziffer und das komplette Rating-System sind das Ergebnis einer im Jahr 2001 von der ITF in Auftrag gegebenen Studie, um weltweit Wettkampftennis auf allen Niveaustufen zu fördern.  Australia machte 2003 den Anfang, Tennis Austria zog im Mai 2009 nach, und leistete damit neben den Erfolgen von Dominic Thiem unbestritten einen wesentlichen Teil zum derzeit höchst florierenden rot-weiß-roten Tennis-Geschehen. Doch nicht alles was glänzt ist gold, und so hat das ITN-System in seiner aktuellen Form viele Schwächen, die zeitweilig sogar in kurioser Form zum Ausdruck kommen. Ein Bericht von C.L

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ITN Formel aus vergangenen Tagen antiquiert und zur Modifikation überfällig

Gleich eines vorweg! Das ITN-Rating-System ist eigentlich eine tolle Sache, das durchaus Verdienste um den Aufschwung im österreichischen Tennis Breitensport mit sich gebracht hat. Allerdings ist mehr als ein Jahrzehnt seit der ITN-Einführung in Österreich vergangen, und die Zeiten in denen sich Freizeit- und Hobbyspieler kaum über das Club-Gelände des eigenen Vereins getraut haben um Tennis zu spielen, lange vorüber. Die Formel die bei Sieg oder Niederlage über das Auf & Ab  des jeweiligen Rating-Werts sorgt, scheint aber genau aus diesen grauen Vortagen zu stammen, als die Tennisspieler dieses Landes fünf Mal im Jahr für den eigenen Verein Mannschaftsmeisterschaft spielten, zum Jahresende einen Auftritt bei der Clubmeisterschaft hatten, und während der Saison das längst verstaubte und veraltete Tannenbaum-System mit Matches gegen Clubkollegen rauf und runter spielten. Höchst antiquiert, lange nicht mehr zeitgemäß und längst zur Modifizierung anstehend ist diese Formel, die Österreichs größte Breitensport-Tennisserie die HTT Woche für Woche mehr ad absurdum führt.

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Wenn ein HTT-Spieler vor der ATP Nr. 27 im ITN-System rangiert

Höhepunkt der wahnwitzigen und kuriosen Ausuferung falscher ITN-Werte ist sicherlich der Fall Lukas Prüger, der vor wenigen Wochen die für einen Tennisspieler ohne regelmäßigem Training für undenkbare zu durchbrechende Schallmauer von ITN 2,0 geknackt hat. Mit ITN 1,8 ist Prüger nicht nur der erste Spieler der Hobby-Tennis-Tour, der in ITN-Sphären vorgestoßen ist, die besagte Formel angeblich gar nicht zulassen hätte sollen, sondern auch besser klassiert als die Nr. 27 der ATP Weltrangliste Nikoloz Basilashvili. Diese wahrlich kuriose Ausprägung des nicht mehr zeitgemäßen ITN-Systems ist aber nur die Spitze des Eisberges. Darunter spielen sich Woche für Woche wahre Dramen in Sachen ITN ab. Jugendliche die komplett falsch eingestuft sind, die in ITN-Turnieren der allgemeinen Klasse auf “leichte Beutetour” gehen, und sich auf Kosten der Erwachsenen ITN-Werte besorgen, die sie mit fachgerechter Ersteinstufung längst haben könnten. Frustrierte Spieler der allgemeinen Klasse bleiben jede Woche zurück und werden von Verbandsseite damit vertröstet, dass es ohnehin ein Streichresultat gibt. In der aktuellen Situation würden manche Spieler freilich drei bis vier “Streicher” pro Monat benötigen, um nur irgendwie ihren ITN-Standart halten zu können. Wieder andere Jugendspieler verzichten mit ihrer schlechten und falschen ITN darauf, an schwächeren ITN Turnieren teilzunehmen, und sorgen in besseren Turnieren mit ihren unkorrekten ITN-Werten erst recht für Ärger. Das aktuelle und riesige Senioren-ITN-Problem wollen wir gar nicht erst thematisieren!

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Es ist höchste Zeit für Veränderungen

Mittlerweile finden nur mehr ITN-Nostalgiker und Gremien im Verband die Situation prickelnd. ITN ist vergleichbar mit einem tollen Sportwagen, den du daheim in der Garage stehen hast. Wenn du nicht regelmäßig damit beim Service in der Werkstatt vorbeischaust, dann wirst du irgendwann einmal einen gehörigen Wertverlust und einen Haufen Schrott vor der Türe stehen haben. So ist es mit ITN auch. Das System wäre gut, freilich sind längst Adaptionen en masse fällig. Vorschläge und Lösungen wurden vorgetragen, und genauso schnell wieder niedergestimmt,. In ihrer kleinen ITN-Tenniswelt befinden Gremien, Ausschüsse, und ‘ITN-Romantiker alles für in Ordnung. Über den Tellerrand wollen oder können sie nicht hinausschauen. Ersteinstufungen von Jedermann durchgeführt, Streichresultate die nicht mehr als die Schwächen des eigenen System kompensieren sollen, Jugendliche und Senioren mit wahnwitzigen ITN-Werten, ITN Administratoren in Vereinen die ungeschult herumfuhrwerken, so hat Turniertennis im unteren Segment wenig Zukunft und in einigen Jahren massive Probleme vor sich. Und da die zuständigen Herrschaften keinerlei Interesse an Veränderung zeigen, wird sich die HTT rückwirkend mit 1. Jänner 2020 selbst helfen! Mit weiteren drei Buchstaben, die über kurz oder lang die Tenniswelt prägen werden. Mehr dazu in Kürze!