Nico Mucic holt nach “Match des Jahres” HTT Next Gen Finals Titel

Die eigentlich enttäuschend verlaufende, und erst mit der K.o.-Phase in Schwung gekommene 3. Auflage der HTT Next Gen Finals, gipfelte am gestrigen Schlusstag in einem wunderbaren und an Dramatik kaum überbietbaren “finale furioso”. Im allerletzten Match der 125 Turniere umfassenden Saison 2019, brillierten die Jungstars Nico Mucic und Paul Werren in einem finalen Showdown, der mit großer Sicherheit zum besten Spiel des Jahres avancierte, und auch in den Top 5 der HTT-Geschichte Aufnahme finden wird. Sportlich betrachtet hat Nico Mucic am Dienstag Abend in begeisternden 3:16 Stunden Spielzeit den Teenie-Schlager gegen Paul Werren mit 6:4, 6:7, 7:6 für sich entschieden, und damit den größten Titel seiner noch jungen Karriere gefeiert. Aus dem UTC La Ville berichtet von den HTT Next Gen Finals für hobbytennistour.at C.L

img_3277

Endspiel der HTT Next Gen Finals als absolut bestes Match der HTT-Saison 2019

Die glorreiche und mittlerweile bereits drei Jahrzehnte umspannende HTT-Vergangenheit hat viele außergewöhnliche, großartige und in Erinnerung bleibende Tennis-Matches zu bieten. Das hochklassige und über fünf Sätze gehende HTT Wimbledonfinale 2012 zwischen Vladimir Vukicevic und Ari Davis war zum Beispiel so eines. In vielen Jahren wird man aber auch vom Abend des 10. Dezember 2019 und von einem Spiel schwärmen, das an Intensität, Klasse & Dramatik keine Wünsche offen ließ. Viele Matches heuer waren hochklassig, andere wiederum spannend, doch das Endspiel der 3. HTT Next Gen-Finals-Ausgabe vereinte all diese Komponenten, und das durchgehend über drei Stunden lang. Ein offenes letztes Saisonmatch zweier talentierter Teenager durfte man erwarten, einen hochklassigen Tennisabend erhoffen, jene atemberaubende Performance die “Nico & Paul” in der gestrigen Night Session aber an den Tag legten, wäre nie und nimmer selbst den größten Optimisten in den Sinn gekommen.

img_3229

Mucic nach 23 Minuten dauernder Gala mit 4:0 im zweiten Satz

Am Ende waren 196 spannungsgeladene Minuten gespielt, Zuschauer vor Ort und Fans am Live-Ticker daheim gefesselt, als Nico Mucic mit einem abschließenden Volley einen sehenswerten Schlusspunkt hinter eine emotionale und spielerische Achterbahnfahrt gesetzt hatte, und sich rücklings zu Boden fallen ließ. In diesen Augenblicken war die ganze Anspannung eines drei Sätze dauernden Final-Krimis vom 16jährigen abgefallen. Ein Krimi, der “moderat” startete, und in dem Mucic zunächst mit fünf vergebenen Break-Chancen in den ersten drei Aufschlagspielen seines Gegners auffälig wurde. Dem ersten Break zum 4:3 sollten noch zwei weitere auf beiden Seiten folgen, damit hatte Mucic nach 46 Minuten und einem abschließenden Service-Winner den ersten Satz mit 6:4 in trockenen Tüchern. Es folgten 23 Minuten die zu einer besonders faszinierend anzusehenden Mucic-Gala avancierten. Dem 16jährigen Teufelskerl ging alles locker und ästhetisch von der Hand. Der AZ-Junior zauberte am Netz mit viel Feingefühl und Volleys der Extraklasse aus dem Handgelenk, und setzte sich mit einem “Doppel-Break” scheinbar vorentscheidend 4:0 ab. Niemand in der Halle und daheim am Live-Ticker setzte in dieser Phase noch einen Pfifferling auf den eigentlich leicht favorisiert ins Finale gestarteten Paul Werren.

img_3210

img_8138

Werren gewinnt zweiten Satz im Tie-Break und liegt im dritten Satz wieder 0:3 und 2:5 zurück

Und genau aus dieser Situation heraus, nahm das am Ende historisch anmutende Schauspiel am Centercourt seinen Lauf. Werren fightete sich in eine Partie zurück, in der sein Gegner vom Start weg ein unheimlich hohes Niveau angechlagen hatte. Dementsprechend musste sich der 15jährige steigern, und das tat er in eindrucksvoller Manier. Drei Games en suite holte Werren zum 3:4, und er blieb bei 3:5 und 0:30 auch cool, als seinem Gegner nur mehr zwei Punkte zum Titelgewinn fehlten. Belohnt wurde er mit dem Erreichen des Tie-Breaks, wo er schließlich nach 77 Minuten mit seinem dritten Ass den längst superspannenden finalen Showdown in einen dritten Satz hievte. Und dort spielten sich dann Szenen ab, wie man sie in 30 Jahren Hobby-Tennis-Tour noch nie gesehen hat. Zunächst einmal brillierte Nico Mucic, der Ende des zweiten Satzes so knapp vor dem Sieg stehend im Tie-Break eine mentale Ohrfeige kasssierte, und diese sensationell reif wegsteckte. 3:0 war der 16jährige seinem psychologisch eigentlich im Vorteil befindlichen Gegenüber rasch wieder enteilt, ehe die Zuschauer vor Ort eine Wiederholung der Dramatik aus Satz 2 geboten bekamen. Eine Breakchance zum wohl entscheidenden 0:4 abgewehrt, hielt sich der 15jährige vorerst mit eigenem Aufschlag im Spiel. Trotzdem führte Mucic 5:2, als Werren erneut eine bewegende und furiose Aufholjagd startete.

img_3260

Entscheidung im dritten Satz wird eine “EPISCHE” – Mucic wehrt 5 Matchbälle Werrens ab, und verwandelt nach 3:16 Stunden im Tie-Break seinen dritten Matchball

Und hier die Dramaturgie im Detail: Werren sah sich nach seinem dritten Doppelfehler bei 2:5 und 15:40 mit zwei Matchbällen seines Gegners konfrontiert. Eine mehr als heikle Situation, die der 15jährige mit einem Vorhand-Winner und exzellent vorgetragenem Serve & Volley bereingte. Beflügelt von zwei abgewehrten Matchbällen, hatte Werren in der folgenden Viertelstunde seine beste Phase an diesem Abend. Mit vier Games in Folge und zwei zu Null gelungenen Breaks hatte der von Stefan Grubmüller trainierte Jungstar dem Spiel scheinbar die nicht mehr zu erwartende Wende gegeben, und das zum bereits zweiten Mal in diesem Finale. An eine weitere Steigerung angesichts der bis hierher schon unfassbaren Dramaturgie wagte niemand in der Halle zu denken. Und doch gab es noch eine weitere Steigerung, nämlich jene ins Epische! Beide Spieler hatte jeweils 125 Punkte gewonnen, als sich Werren bei 6:5 im dritten Satz aufmachte, seine grenzgenialen Aufholjagden mit dem Titelgewinn zu krönen. 5 Mal sollte der 15jährige alleine in diesem 13 Minuten dauernden zwölften Game des Entscheidungssatzes die Chance dazu bekommen. Und es war nicht etwa ein mentales Versagen oder ein Zögern Werrens, warum der 15jährige keinen dieser fünf big points verwerten konnte. Nein, es war ein entfesselt spielender, kaltschnäuzig agierender und absolut cool reagierender Nico Mucic, der mit Mut zum Risiko drei dieser Matchbälle mit Vor- und Rückhand-Winnern souveränst abwehrte.

img_3239

img_3296

Matchball Nr. 4 ist in seiner Dramaturgie gar nicht richtig zu beschreiben. Man musste schon in der Halle vor Ort gewesen sein, um zu ermessen, was da am Centercourt abging. Werren drückte mächtig aufs Tempo, Mucic fand sich vom Aufschlag seines Gegners weg in der Defensive, rutschte, grätschte und verteidigte die unglaublichsten Werren-Geschosse, um am Ende mit einem Passierbal auch Matchball Nr. 4 abgewehrt zu haben. Einzig beim fünften Matchball benötigte Mucic “Beistand von ganz Oben”. Werren hatte eine Service-Granate abgefeuert, Mucic kam gerade noch mit einem Not-Return an den Ball, und dieser wird von der Netzkante für seinen Gegner so unglücklich abgefälscht, dass dieser in aussichtsreicher Position verschlug. Als absoluten Höhepunkt gab es also noch einen Zuschlag in Form eines zweiten Tie-Breaks, der bis 5:5 eine knisternde Spannung zum Zerreißen erzeugte. Mit einem Vorhand-Winner besorgte sich Mucic dann seinen dritten Matchball, und die restliche Geschichte ist mittlerweile allseits bekannt. Nach 141:138 Punkten lagen sich die beiden HTT-Jungstars am Netz in den Armen, ja diese Highlight-Partie – überdies total fair von beiden Seiten geführt – hatte keinen Verlierer verdient. Mucic hatte seinem Gegner unglaubliche 93 Winner vor den Latz geknallt, grandiose 28 Punkte am Netz bei 37 Versuchen gemacht, um am Ende den gtößten Erfolg seiner Karriere zu bejubeln. Werren wiederum war mit 65 Winnern und 21 Fehlern weniger als sein Gegner erfolgreich, und an diesem Abend ganz sicher zweiter Sieger.

img_3282