Future-Tour startet mit Saison-Event Nr. 19 in den Herbst

Pünktlich zu Herbstbeginn haben am letzten Sonntag mit ihrem 19. Saison-Event auch die “kleinen Stars” der Future-Tour den Freiluft-Saison-Ausklang eingeläutet. Mit 16 Teilnehmern stark besetzt, gaben die Kids am ersten Herbsttag einmal mehr einen erfreulichen Ausblick auf die Tenniszukunft der Tour frei. In drei Kategorien ging es wieder einmal um Pokale und Urkunden, wobei sich abermals das Challenger-Turnier als der spannendste, interessanteste und attraktivste Bewerb präsentierte. Marcel Pliemitscher erhöhte dabei im Duell der Challenger-Stars mit Bozana Djordjic auf 6:5 in Saisonsiegen, und Bernd Saurugger bestätigte mit seinem zweiten Titel in der Future-Tour-Grand-Slam-Klasse seine in den letzten Wochen doch recht beachtlichen Fortschritte in Sachen Tennis. Doch all das ging wieder einmal im Schatten von Bambini-Super-Star Radina Rakic unter. Kein Wunder, knackte der Super-Zwerg doch mit ihrem 10. Saisontitel wieder einmal ein paar Future-Tour-Rekorde. Ein Bericht von C.L

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Wunderkind Radina zerlegt mit 10. Saisontitel jetzt auch die Future-Tour-Allzeitrekorde

Schön langsam wird es unheimlich. Imposant, gigantisch, sensationell, die bisherigen Rakic-Rekorde im Bambini-Bereich auf der Future-Tour sind mit vielen tollen Attributen belegbar. Doch seit letzten Sonntag macht die 8jährige Kleinfeld-Queen auch vor den Allzeit-Rekorden der Future-Tour nicht mehr halt. In unheimlich anmutender Manier zerlegt der Super-Floh mit dem außerodentlichen Tenniskönnen die Konkurrenz und sämtliche Rekordmarken der Nachwuchs-Szene auf der Hobby-Tennis-Tour. Am vergangenen Sonntag Nachmittag gewann Rakic bereits ihren 10. Bambini-Saison-u. Karriere-Titel, womit “Klein-Radina” zwei Allzeit-Bestmarken auf der Future-Tour demolierte. 10 Turniersiege in einer Saison hat bislang noch kein Nachwuchsspieler der Future-Tour zu Stande gebracht. Damit knachte der Bambini-Super-Star des Jahres die bisherige Rekordmarke von Matthias Lohr, der im Jahr 2005 auf Grand-Slam-Ebene 9 Saisonsiege feiern konnte. Und so im vorübergehen nahm die Miss Methodikball mit ihrem 10. Titel dem einstigen Future-Tour-Superstar Matthias Lohr gleich noch einen weiteren Rekord ab. Radina feierte am letzten Sonntag bereits den 7. Turniersieg in Serie, womit sie wie gesagt den bisherigen Spitzenreiter (Matthias Lohr 6 Future-Tour-Grand-Slam-Titel in Folge) ablöste. Dazu übernahm Radina Rakic auch in der Bambini-Ewigen-Bestenliste an Einzelsiegen die führende Position von ihrer Freundin Bozana Djordjic. Im Viertelfinale gegen Alex Stamenkovic stellte Radina mit ihrem 31. Bambini-Karriere-Einzelsieg die bisherigen Rekordmarke von Djordjic ein, im Semifinale gegen Tour-Neuling Benedikt Grünanger übernahm sie mit Erfolg Nr. 32 die alleinige Führung, die sie mit ihrem Finalerfolg auf “33” schraubte. Das die Kleinfeld-Königin so nebenbei bereits seit 26 Spielen in Serie ungeschlagen ist, liest sich bei der außerirdischen Rekordjagd quasi wie eine Randnotiz.

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Sinisa Djordjic, Stefan Sestic und Benedikt Grünanger – drei Debütanten mit Zukunft

Bei der unglaublichen Rekordflut des Bambini-Superstars rücken demnach auch das sportliche Geschehen und die Leistungen der anderen Bambini-Teilnehmer in den Hintergrund. Dabei war der erste Kleinfeld-Bewerb seit Ende Juni hoch interessant besetzt. Die zumindest laut Rangliste als erste Herausforderer gesetzten Jakob Krgovic und Michi Lang scheinen von der Rakic-Dominanz erdrückt und entmutigt worden zu sein, was zwar nicht unbedingt von Charakter und Mut zeugt, letztlich aber zu akzeptieren ist. Und am Sonntag Nachmittag machten zudem ohnehin neue, zum Teil bekannte Namen das Fehlen der einstigen Radina-Verfolger vergessen. So stand die souveräne Bambini-Championesse nach ihrem drei Spiele dauernden Sonntags-Nachmittags-Spaziergang durch den Kleinfeld-Raster im Finale plötzlich einem Djordjic gegenüber. Der kleine Bruder der Challenger-Ranglisten-Ersten Bozana Djordjic nützte die vom Veranstalter aufgelegte Wildcard und das große Auslosungsglück zu einer Finalteilnahme beim Future-Tour-Debüt. Dort war Sinisa gegen die Seriensiegerin zwar ohne Chance, mit seiner unverhofften Tour-Premiere aber hoch zufrieden. Im Halbfinale war der Djordjic-Spross über Freund Stefan Sestic in einem wahren Krimi hinweg gekommen. Mit 17:15 im zweiten Satz spielten die beiden Freunde in ihrem ersten Duell soviele Punkte aus wie in keinem anderen Match in diesem Turnier. Erstmals auf der Tour war am vergangenen Sonntag auch Benedikt Grünanger zu bestaunen. Das sein Debüt mit zwei Niederlagen unglücklich verlief, war ganz eindeutig dem fehlenden Losglück zuzuschreiben. Was nützt einem denn ein Freilos, wenn in der Runde darauf die “Miss Unschlagbar” wartet. Radina Superstar beförderte den Newcomer mit einem glatten Zweisatzsieg in den B-Bwerb, und auch dort wartete zum Auftakt mit Alex Stamenkovic eine etablierte Bambini-Größe. Dennoch konnte Benedikt eine tadellose Premieren-Bilanz ziehen. Immerhin knöpfte er mit couragiertem Spiel der Ranglisten-Ersten 10 Punkte ab, eine Ausbeute von der so manch arrivierter Bambini-Spieler in den Duellen mit Radina oft nur träumen kann.

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Marcel Pliemitscher macht mit Saisontitel Nr. 6 das Ranglisten-Duell weiter spannend

Apropos träumen! Der vor viereinhalb Monaten bekundete und in die Öffentlichkeit hinausposaunte Tagtraum des Marcel Pliemitscher scheint immer mehr Realität zu werden. “Ich will von Bozana die Nummer 1-Position übernehmen, und ich werde das schon sehr bald schaffen”. Diese freche, höchst gewagte Kampfansage des 14jährigen Shootingstars auf Challenger-Ebene in Richtung Nummer 1 Bozana Djordjic ist mittlerweile nicht nur schon fast legendär auf der Future-Tour, sondern womöglich in Kürze Realität. Denn Pliemitscher stellte am letzten Sonntag Nachmittag mit einem überlegenen Turniersieg beim 19. Saison-Event seine momentane Ausnahmestellung im Challenger-Bewerb der Future-Tour abermals eindrucksvoll unter Beweis. Der 14jährige ist bestens auf dem Weg, in einem superspannenden Finish quasi in letzter Minute die zu Saisonbeginn fast schon als Champions-Race-Siegerin gehandelte Bozana Djordjic noch abzufangen und als Nummer 1 zu beerben. Marcel feierte am vergangenen Wochenende bereits seinen sechsten Challenger-Saisontitel, womit er an Turniersiegen im Jahr 2007 gegenüber seiner weiblichen Hauptkonkurrentin auf 6:5 stellte. Und derzeit scheint den Pliemitscher-Junior niemand auf dem Weg zum Challenger-Tennis-Thron aufhalten zu können. Bei nur mehr 24 Punkten Rückstand auf die Nummer-1-Position kann der 14jährige bei noch drei ausständigen Bewerben mit drei Erfolgen seinen im Mai gehegten Traum doch noch realisieren und die momentan sieglose Nummer 1 weiter unter Druck setzen. Zur Zeit spricht wirlich sehr viel für eine Nummer 1 am Saisonende die doch noch Marcel Pliemitscher heißt. Das ist allerdings in Anbetracht der letzten Resultate keine Überraschung mehr. Denn während Marcel mit seinem 14. Challenger-Einzelsieg in Serie sein sechstes Turnier hintereinander (bei dem er am Start war) gewinnen konnte, wartet Bozana seit 13. Mai dieses Jahres auf einen vollen Erfolg. Kein Wunder daher, dass die Dominatorin der Challenger-Hallenturniere mit jedem Bewerb sichtlich nervöser wird. Die Lockerheit mit der Bozana noch im Winter die Konkurrenz beherrschte ist der 11jährigen abhanden gekommen.

Bozana Djordjic verliert mit Halbfinal-Aus weitere wichtige Ranglistenpunkte

Diesmal musste sich die Winter-Masterssiegerin mit Halbfinalpunkten für das Challenger-Ranking zufrieden geben, und damit womöglich sogar noch glücklich sein. Denn im Viertelfinale hatte Djordjic einen harten schwer umkämpften Tie-Break-Krimi durchzustehen, ehe der Trumauer Stephan Kallab mit 7:6 geschlagen war. Im Halbfinale bekam Bozanas Widersacher Marcel Pliemitscher dann auch noch Schützenhilfe von seinem Schweizer Freund und Trainingspartner Horst Gfeller. Der junge Eidgenosse fightete in der Vorschlussrunde die bosnische Ranglisten-Erste mit 7:5 nieder und erreichte so sein zweites Finale in Folge, insgesamt sogar das dritte Endspiel seiner Karriere. Zum ersten Titel reichte es für Gfeller dann aber wieder nicht, setzte es doch wie schon vor knapp einem Monat beim letzten Challenger-Event eine Finalniederlage gegen Pliemitscher. Schützenhilfe wie Marcel sie von seinem Freund erfahren hatte, hätte sich wohl auch Bozana im zweiten Semifinale des 19. Challenger-Saison-Turniers gewünscht. Die personifizierte Hoffnung hieß Robert Heuberger, doch der 2fache Saisonsieger war auch im zweiten Duell mit Pliemitscher wie schon beim ersten Aufeinandertreffen nur “zweiter Sieger”. Dabei war der 12jährige Sohn des zweifachen Saison-Without-Top-Ten-Siegers Norbert Heuberger im Viertelfinale noch über den deutschen Future-Tour-Star Marvin Süssle hinweggebraust. Enttäuschend auch die Auftritte von Silvana Stamenkovic und Clemens Kerschenbauer, die mit ihren im Debakel endenden Erstrundenniederlagen kaum Boden im Kampf um die Mastersstartplätze gutmachen konnten.

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Bernd Saurugger ist der neue erste Herausforderer von Tatjana Aubram

Neben dem spannenden Duell um die Challenger-Krone zwischen Djordjic und Pliemitscher spitzt sich mittlerweile auch der Kampf um die Grand-Slam-Leader-Position weiter zu. Vorjahressiegerin Tatjana Aubram scheiterte am letzten Sonntag beim 19. Saisonturnier bereits im Semifinale, während TC Top Serve-Spieler Bernd Saurugger mit seinem zweiten Saison- und Karriere-Titel den Rückstand in der Rangliste auf 12 Punkte verkürzen und sich selbst zum neuen ersten Herausforderer der Grand-Slam-Ranglisten-Ersten aus Hernals machen konnte. Saurugger war auf dem Weg zu seinem zweiten Titelgewinn in Folge ungefährdet, ließ selbst im Finale seinem Freund und Trainingspartner Jakob Kerschenbauer keine Chance und scheint im Augenblick der stärkste Jugendliche im Grand-Slam-Bewerb zu sein. Der 16jährige hat in den letzten Wochen und Monaten einen beachtlichen Fortschritt in Sachen Tennis gemacht. Neben seiner vorbildlichen Ruhe und seiner mentalen Stärke um die er von vielen Jugendlichen auf der Tour beneidet wird, hat der älteste Spross des Saurugger-Tennisclans mittlerweile auch im technischen Bereich und auf spielerischer Ebene kräftig zugelegt. Früher wurden die “Bernd-Schläge” nur als unorthodox und glücklich abqualifiziert, mittlerweile muss die Konkurrenz dem neuen Future-Tour-Grand-Slam-Hero famose Leistungen zugestehen. Auch Tatjana Aubram weiß längst um die Gefährlichkeit die von ihrem männlichen Mannschaftskollegen beim TC Top Serve ausgeht. Um zum zweiten Mal in Serie das Ranking als Nummer 1 abschließen zu können, sollte die 15jährige bald einmal ihre Hallen-Performance abrufen. Die reichte immerhin zu zwei Saisonsiegen, die mittlerweile auch schon Saurugger auf seinem Erfolgskonto zu Buche stehen hat. Der nächste Akt im Duell um die Leaderposition steigt schon am kommenden Wochenende beim 20. Saisonturnier.

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Claus Lippert, 26. September 2007