Erstmals schönes Wetter beim Hartplatz-Grand-Slam-Turnier

Sonnenschein, wenig Wind und angenehme Temperaturen knapp über 20 Grad, so präsentierte sich an den vergangenen beiden Spieltagen das Tennispoint Südstadt, wo am Donnerstag und Freitag endlich die Halbfinalisten beim 16. September-Grand-Slam-Turnier ermittelt wurden. Nachdem Michael Kunz am Mittwoch als erster Spieler die Vorschlussrunde erreichte, folgte ihm am Donnerstag Masterssieger Bernhard Nagl kampflos nach, ehe am gestrigen Freitag Abend Hans Ebner und Martin Kova das Semifinal-Quartett komplettierten. Ein Bericht von C.L

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Meinhart verliert zwei Tage dauernden Viertelfinale-Thriller gegen Kova

Es war ein gequältes Lächeln das Patrick Meinhart wenige Minuten nach Ende des über zwei Tage ausgetragenen Viertelfinal-Thrillers gegen Martin Kova ins Gesicht geschrieben stand. 5:7, 7:5, 3:6 hatte der 17jährige Jungstar soeben das viertelfinale Duell mit Kova verloren, nach einer wirklich starken Vorstellung, in der am Ende nur die mangelnde Routine zum großen Happy End fehlte. Hin- und hergerissen von einer brutalen Gefühlswelt zwischen tiefer Enttäuschung ob der knappen Niederlage und durchaus berechtigter Zufriedenheit ob des erreichten Viertelfinales, kämpfte Meinhart mit großen Emotionen und den richtigen Worten bezüglich des soeben Erlebten. Der Aufsteiger des Jahres am Jugendsektor der Tour hatte dem vermeintlich großen Favoriten Martin Kova eine heroische Tennisschlacht geliefert, 1 Stunde und 58 Minuten mehr als nur Widerstand geleistet, und die große Sensation durchaus am Schläger. “Schade, aber ich habe ohnehin gewusst, dass ich heute nicht mehr gewinnen werde. Es ärgert mich noch immer, dass wir gestern die Partie nicht zu Ende gespielt haben. So dunkel war es nämlich auch noch nicht”, war Meinharts erstes im Eindruck der Niederlage geäußertes Statement. Nun, worauf Meinhart anspielte war das am Vortag nach genau 1 Stunde und 50 Minuten beim Stand von 7:5, 5:7, 4:3 abgebrochene Viertelfinale, das aus seiner Sicht zu früh beendet wurde. “Hätten wir die Partie noch zu Ende gespielt, ich wäre sicher als Sieger vom Platz gegangen”, ärgert sich Patrick auch 24 Stunden später noch über das unspektakuläre Finish des Vortages. Doch Kontaktlinsenträger Martin Kova bestand auf Abbruch wegen Dunkelheit, vielleicht auch gepaart mit der Hoffnung, den Rhythmus des stark aufspielenden Jungstars zu brechen. Die Cleverness und Routine von 11 September-Grand-Slam-Teilnahmen in die Waagschale geworfen, und schon war die Drangperiode seines jugendlichen Gegenübers wirkungsvoll gestoppt. Zur Entlastung Kovas sei aber erwähnt, dass sich der Centercourt 10 Minuten vor 19:30 Uhr wirklich schon äußerst “dunkel” präsentierte.

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Patrick Meinhart scheint im Kreis der Tour-Stars angekommen zu sein

24 Stunden später war Meinhart dann endgültig zum tragischen Helden des Turniers gworden. Für ganze 8 Minuten reiste der 17jährige in die Südstadt, um dort von einem “alten Fuchs” regelrecht abgefrühstückt zu werden. Dennoch, Meinhart scheint nach dem September-Grand–Slam-Turnier endgültig angekommen zu sein im Kreis der Tour-Stars. Der 3fache Saisonsieger setzte mit seiner dritten Viertelfinal-Teilnahme bei Grand-Slams in diesem Jahr nicht nur eine tolle Serie fort, sondern er stand der teilweise höher eingeschätzten Konkurrenz um nichts nach. In Runde 1 den Rasen-Grand-Slam-Halbfinalisten Christian Weiss mit Hilfe des Windes entnervt, im Achtelfinale gegen Matthias Fink mit 6:3, 6:3, den 50. Einzelsieg seiner Karriere fixiert, konnte der an Nummer 4 gesetzte Ranglisten-Achte auch mit dem September-Grand-Slam-Rekordteilnehmer Martin Kova im Viertelfinale voll mithalten. Schon im ersten Durchgang ließ Meinhart ein 5:4 zum möglichen Satzgewinn ungenützt, 40 Minuten später hatte der Junior dennoch auf 1:1 in Sätzen gestellt. Das Kova einen schwachen Tag zu überstehen hatte, spielerisch kaum was nach Wunsch gelang, tat der Meinhart-Leistung keinen Abbruch. Der 17jährige spielte optisch höchst gefällig, dazu taktisch äußerst diszipliniert, und sich am Ende trotz unglücklichem Aus womöglich bereits mitten hinein ins Masters der Top 8. “Ein wenig enttäuscht bin ich schon, immerhin hätte ich mit einem Einzug ins Halbfinale wohl schon mein Masters-Ticket fix gelöst. Andererseits wäre ich vor dem Turnier mit einem Viertelfinale sehr zufrieden gewesen, und nach der Auslosung mit dem Erstrundenlos Christian Weiss ist die Runde der letzten Acht ohnehin ein toller Erfolg”, bilanzierte Meinhart.

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Martin Kova steht zum 8x in Serie im Semifinale des September-Grand-Slam-Turniers

Während Meinhart also zum tragischen Helden des letzten Grand-Slam-Turniers der Saison avancierte, prolongierte derweil Martin Kova seine unheimliche wie sensationelle September-Grand-Slam-Bilanz um ein weiteres Kapitel. Der 24jährige Sieger von 2003 steht bereits zum 8x in Folge hier im Semifinale, Zufriedenheit strahlte der ehemalige Ranglisten-Erste aber nicht aus. “Das war ein ganz schlechtes Spiel von mir. So habe ich nichts im Halbfinale verloren. Bleibt nur zu hoffen, dass meine Serie mit abwechselnd einem guten und einem schlechten Match, im Halbfinale gegen Nagl wieder ein gutes kommt. Ich spiele jetzt 10 Jahre auf der Tour, und mache mich vor einem Viertelfinale gegen Patrick Meinhart in die Hosen. Das kann ja nicht sein”, zeigte sich der 24jährige kritisch. Im insgesamt sogar neunten September-Grand-Slam-Halbfinale seiner Karriere trifft Kova nun auf Bernhard Nagl, der am Donnerstag Abend kampflos in die Vorschlussrunde einziehen konnte. Ein grippaler Infekt verhinderte den Start von Thomas Valek. “Ich glaube wir hätten uns gestern nicht so lange im Regen einspielen sollen”, spielte Valek auf das am Vortag nach dem Aufwärmen abgebrochene Duell mit dem Masterssieger an.

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Gelungene Revanche: Hans Ebner deklassiert Tashi Liu im Viertelfinale

Als letzter Spieler nach Michael Kunz, Bernhard Nagl und Martin Kova qualifizierte sich am Freitag Abend auch noch Hans Ebner für das Halbfinale beim “US Open der Hobby-Tennis-Tour”. Etwas überraschend, siegte die Nummer 3 des Turniers doch immerhin gegen den Finalisten von 2006 Tashi Liu. In einer Neuauflage des Vorjahres-Viertelfinales revanchierte sich der Korneuburger mit 6:3, 6:2 eindrucksvoll für die letztjährige Niederlage und stellte im Head to Head auf 2:1. In nur 50 Minuten hatte der an der Grundlinie gewohnt sicher agierende Ranglisten-Sechste sein asiatisches Gegenüber deklassiert, und dem spielerisch schwer enttäuschenden Liu wohl auch die letzte Masters-Chance geraubt. Noch vor dem Duell mit Ebner zeigte sich Liu optimistisch. “Ich habe mir schon alles ausgerechnet. Wenn ich hier heute gewinne, dann bin ich wieder im Rennen um die Mastersplätze”. Eine Stunde später war der Chinese nach einer Bankrott-Erklärung am Boden zerstört. “Das war eine Katastrophe. Ich habe nie zu meinem Spiel gefunden. Das Masters kann ich jetzt wohl definitiv abschreiben”. Für den 30jährigen setzte es beim sechsten September-Grand-Slam-Antreten erst zum zweiten Mal nach dem Turnier im Jahr 2004 eine Niederlage vor dem Semifinale. Anders Hans Ebner, der eigentlich im Vorfeld bei vielen Mitspielern und Konkurrenten für das dritte Duell mit Liu nur als Außenseiter gehandelt wurde. Einerseits weil das Match auf Hartplatz zur Austragung gelangte, und dem 37jährigen zuletzt auch die große Form der letzten Saison abhanden gekommen schien. Umso überraschender kam der deutliche Erfolg, den Ebner nur ganz kurz kommentierte. “Passt, ich habe mich für das Viertelfinale im Vorjahr revanchiert. Das war mein Ziel”. Im Halbfinale am Montag wartet nun die Nummer 1 des Turniers Michael Kunz.

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Claus Lippert, 14. September 2007