August-GP-Turnier endet mit Schimpf & Schande im Skandal

Eine Woche nach dem großen Sportfest unter den fünf olympischen Ringen sollte beim August-Grand-Pix-Turnier wieder der Tour-Alltag einkehren. Sollte, denn was sich beim 28. Saison-Bewerb nebst “Serve & Volley” abspielte, war in der 18jährigen Tour-Geschichte wohl einmalig. Aggressionsbereite Akteure, Nase an Nase-Duelle, Schimpforgien, Streitgespräche, die Szenerie beim letzten Turnier vor den “US Open der Hobby-Tennis-Tour” hatte mehr etwas von “Heumarkt und seinen Catch-Veranstaltungen” als vom einst noblen und elitären weißen Sport. Gleich sechs Paarungen des 60-Punkte-Klassikers liefen aus dem Ruder, endeten mit “Schimpf & Schande” und machten aus dem 16. August-Grand-Prix-Turnier 2007 einen echten Skandal-Event. Ein Bericht von C.L

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Vollmond als Ursache für die vielen aggressionsbelegten August-GP-Matches?

Der Begriff “Vollmond” in die Internet-Suchmaschine “google” eingegeben, fördert folgende höchst interessante Informationen zu Tage. Rund 6 Mio Deutsche leiden unter Vollmond, was sich in Form von erhöhter Gereiztheit, Aggressivität und Schlafstörungen bei den Betroffenen bemerkbar macht. Neben den 6 Mio Deutschen dürften wohl auch ein paar Österreicher unter dem Phänomen Vollmund zu leiden haben, anders sind die Vorkommnisse am letzten August-Wochenende des Jahres 2007 nämlich nicht erklärbar. Der Mondkalender bestätigte, am Finaltag des August-GP-Turniers, Dienstag dem 28. August war es wieder einmal so weit. Schon im Vorfeld dürfte der hell und rund am Himmel prangende Trabant aber so manchen der Hauptdarsteller des unrühmlichen Dutzends an August-GP-Partien in seinen Bann gezogen haben.

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Eklat Nummer 1: David Hühne gegen Alexander Scheller

Begonnen hatte alles am Freitag Nachmittag, wo sich Deutschlands Bronzemedaillen-Gewinner im olympischen Herren-Doppel-Turnier David Hühne und Februar-Second-Series-Sieger Alexander Scheller gegenüberstanden. Ein Erstrundenspiel ohne großes Aggressionspotential sollte man meinen. Nun, im Verhältnis zu dem was Tage später noch auf uns zukommen sollte, war der Auftakt der “sechs Skandal-Matches” wirklich ein Kindergeburtstag. Zwei strittige Bälle lösten eine heftige Diskussion und den Austausch eines unschönen Dialogs zwischen den beiden Tourstars aus. Scheller forderte schließlich sein Gegenüber auf, das Spiel fortzusetzen, weil man sich danach ohne nicht mehr sehen müsste. “Das hoffe ich doch, dass wir uns nach diesem Spiel nicht mehr sehen werden”, entgegnete der wortgewaltige Deutsche. Am Ende siegte Scheller 6:3, 6:4, beendete in seinem 20. Karriere-Turnier seine offentsichtliche Sandplatz-Krise und feierte nach vier Erstrundenniederlagen in Folge den ersten Einzelsieg auf dem roten rutschigen Untergrund der Tennisanlage in Simmering.

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Eklat Nummer 2: Gerald Scheller & Adrian Tismanariu im ersten Nase an Nase-Duell

Tags darauf hatte der zweite Scheller beim August-GP seinen Auftritt und das Turnier sein erstes “Nase an Nase-Duell”. Die eigentlich eindeutig verlaufende Erstrunden-Partie gegen Adrian Tismanariu alleine hätte kein Aggressions-Potential in sich gehabt, doch Gerald Scheller reagiert auf eines ganz besonders sensibel. Auf scharf über den Platz geschossene Tennisbälle, abgefeuert zwischen den Ballwechseln von zornigen und enttäuschten Kontrahenten. Kein Wunder, immerhin erwischte einer dieser rasant daherfliegenden kleinen gelben Filzkugeln den 36jährigen vor fast zwei Jahren am Auge. Im Halbfinale des September-Grand-Prix-Turniers 2005 war es, als Scheller`s Freund Thomas Valek im ersten Satz beim Stand von 3:1 zwischen einem Ballwechsel einen Ball in Richtung Gegner drischt, und dabei Gery so unglücklich am Auge trifft, das dieser mit einer schmerzhaften und langwierigen Augapfelprellung ausfällt. Seitdem ist Scheller sensibilisiert für diese unnotwendigen Pauseneinlagen und logischer Weise am Samstag vor zwei Wochen sofort “auf Tausend” gewesen, als der nichtsahnende Adrian Tismanariu einen der Tennisbälle in Richtung Scheller abfeuert. “Ich habe ihn gar nicht getroffen, weiß nicht warum diese Aufregung entstand”, zeigte sich der einstige rumänische Top-Ten-Star vom verbalen Schlagabtausch am Netz mit seinem Bezwinger verwundert. Gerald Scheller hatte am Ende sein 70. Karriere-Single mit 6:2, 6:0 klar gewonnen, und Adrian Tismanariu haderte nach seinem 50. Turnierstart weiter mit seiner hartnäckigen Unform. “Könnte ich mein bestes Tennis spielen, ich würde dieses Turnier locker gewinnen und alle hier schlagen”, meinte der Aufschlagspezialist.

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Eklat Nummer 3: Kunz und Seitner verzichten nach Skandal-Partie auf Shakehands

Den großen Skandal zum Tag hatte die Hobby-Tennis-Tour aber noch vor sich. Markus Seitner, Shooting-Star des Jahres aus Salzburg und die Nummer 1 des August-Grand-Prix-Turniers Michael Kunz standen sich im Achtelfinal-Schlagerspiel am Centercourt gegenüber, in einer Partie die den nächsten Skandal herauf beschwören sollte. War es der bevorstehende Vollmond, die Hitze oder die Tatsache, dass zur gleichen Zeit Deutschlands Tour-Newcomerin Victoria Otto mit ihrem Debüt das ganze Interesse der Tourfamilie für eine knappe Stunde auf sich zog? Wollten Seitner & Kunz mit ihrem Achtelfinal-Eklat die Aufmerksamkeit wieder in Richtung Centercourt lenken?. Wie auch immer, die anspruchsvoll und spannend verlaufende Begegnung der beiden Turnierfavoriten verlief zunächst trotz brisantem Spielverlauf ruhig und fair zugleich, ehe am Ende des zweiten Satzes die Wogen hoch gingen und das Match eine nachhaltige Verschlechtung der Beziehung zwischen Seitner und Kunz zur Folge hatte. Nun was war passiert: Seitner hatte den ersten Durchgang mit 7:5 gewonnen, und im zweiten Heat nach klarem Rückstand eine erfolgreiche Aufholjagd gestartet. Bis auf 4:5 war der Salzburger Tour-Neuling in diesem zweiten Satz herangekommen, als Kunz die Wechselpause laut Seitner ein wenig über die gewohnten Maße ausdehnte, sich ca. 7 Minuten auf der Bank sitzend unterhielt und sich plötzlich auch noch zum Wasser holen aufmachte. Seitner fühlte sich in seiner Aufholjagd gestört, sah seinen Spielfluss unterbrochen, witterte Absicht im Verhalten seines Gegners und rastete plötzlich völlig aus. Zunächst schrie er sich den Frust von der Seele, nach verlorenem zweiten Satz schleuderte er sein Racket in Richtung Publikum, wo Zuseher und Mitspieler Hans Ebner Opfer des Racketwurfs wurde, und am Ende der Partie die Seitner schließlich 7:5, 4:6, 6:4 für sich entschied, verweigerte der 27jährige seinem 10 Jahre älteren Gegenüber das Shakehands. “Ihm gebe ich keine Hand, das war höchst unsportlich von Kunz. Sollte ich nochmals gegen ihn ausgelost werden, dann gebe ich vorher w.o.”. Seitner verweigerte auch die Teilnahme am Gruppenbild, das im Rahmen des anschließenden Doppel-Viertelfinales geschossen wurde. Michael Kunz schien zunächst eigentlich gefasst, so richtig emotional reagierte der Deutsch Wagramer eigentlich erst am Tag danach beim Apres-Tennis im Gespräch mit Gerald Scheller. “Für mich ist die Sache erledigt. Der Seitner ist bei mir unten durch. Ich habe mir ja nicht absichtlich Wasser geholt um ihn zu stören, sondern weil es ein echt heißer Tag war und ich Durst hatte. Das Shakehands daraufhin zu verweigern ist unglaublich”, kritisierte der Ranglisten-Dritte, der mit seiner verfrühten Niederlage die große Chance ausließ, im Entry-Ranking vorbei an Christoph Wagner auf Rang 2 und damit auf die beste Position seiner Karriere vorzustoßen.

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Eklat Nr. 4 und Eklat Nr. 5: Franz Harbarth tritt nach erstem Satz verärgert ab

Beinahe lammfromm präsentierten sich die Stars der Hobby-Tennis-Szene dann am Sonntag. Lag es an der Tatsache das der Sonntag der Tag der Kirche ist, oder gab der angesetzte Spielplan so wenig her für agrressionsgeladene Auseinandersetzungen. Das verbale Geplänkel zwischen Patrick Meinhart und Markus Sellmeister “Was stelle ich mich eigentlich mit diesem pubertierenden Arschloch hin” und der Abgang von Franz Harbarth (eine Fehlentscheidung hat den Ausschlag zu meiner Aufgabe in einem Match gegeben, für das ich ohnehin nicht motiviert war) im abendlichen und letzten ausstehenden Viertelfinal-Duell gegen Alexander Scheller nahmen sich in der Tat höchst harmlos aus. Dennoch braute sich in den Abendstunden des Sonntags schon jener Konfliktstoff zusammen, der 24 Stunden später dann zum größten Austausch von Aggressionen im Verlauf des Turniers führen sollte. Alexander Scheller, neben seinem Einsatz beim August-GP-Turnier auch noch beim Firmen-Turnier der PVA am Start, bat um den Montag als Spieltermin für sein Halbfinale gegen Markus Seitner. Ein Umstand der seinen 27jährigen Gegner ärgerlich stimmte, und vielleicht am folgenden Tag Auslöser des sechsten und letzten Skandals im Rahmen des August-GP-Turniers 2007 wurde.

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Eklat Nummer 5: Seitner und Scheller am Rande eines Raufhandels

Ein Eklat, der in Wahrheit wohl in die Rubrik “Kuriositäten” einzureihen ist, immerhin beflegelten sich Markus Seitner und Alexander Scheller in einer Phase des zweiten Halbfinales, in der das Match mit 6:0, 4:0 zumindest vorentschieden schien. Ein, zwei strittige Bälle waren mit Sicherheit auch dabei, doch den Auslöser zum brisanten Nase an Nase-Duell war eine heftig geführte Diskussion über den Spielstand. 3:0 oder 4:0, es war letztlich aber nicht die ungeklärte Frage nach dem aktuellen Resultat, sondern längst die spürbare Antipathie, die Seitner und Scheller füreinander hegten, und die zur Eskalation führte. Die Stimmung auf Court Nr. 3 war höchst explosiv, als sich die beiden aggressionsbereiten Kontrahenten am Netz gegenüberstanden, und den Atem des Gegners spürten. Es hätte wohl nur eines falschen Wortes, einer falschen Gestik bedurft, und aus der Nase an Nase-Rangelei wäre eine handfeste Schlägerei entstanden. Mama Scheller hatte schon im Vorfeld von der Gefährlichkeit dieser Partie gewarnt, und sie sollte Recht behalten. Mit Glück blieb ein Raufhandel aus, ging die Partie ohne weitere Ausschreitungen zu Ende, ehe sich Alex und Markus noch einige Nettigkeiten mitzuteilen hatten.

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Veranstalter reagiert mit Presse-Boykott

Als Fazit des skandalträchtigen August-Grand-Prix-Turniers 2007 bleibt die Hoffnung, dass ähnliche Szenen wie am letzten August-Wochenende der Vergangenheit angehören, und die Tour hinkünftig wieder gewaltlos und friedlich wie in den vergangenen 18 Saisonen über die Bühne geht. Veranstalter Claus Lippert drückte sein Mißfallen über die skandalösen Vorfälle mit einem einwöchigen Presse-Boykott aus, zeigte damit auf seine Art und Weise, was er vom 16. August-GP-Turnier hielt. Und er gab den Spielern noch eine kleine Geschichte mit auf den Weg. “Einst war ich im Fußbal ähnlich exzessiv engagiert wie jetzt im Tennis. Mit der Zeit ist die Gewaltbereitschaft beim Fußball immer höher geworden, benötigte ich fast jedes Wochenende die Poilzei. Darum habe ich mit Fußball aufgehört und mit Tennis begonnen”, so der 40jährige. Wenn das so weiter geht, könnte die Tour bald ihrem Ende entgegensteuern, könnte eine Hobby-Golf-Tour das nächste Aufgabengebiet des Veranstalters werden.

Claus Lippert, 4. September 2007