Vladimir Vukicevic gewinnt vierstündige Tennisschlacht gegen Felix Sagasser

Als hochklassigster und bester Turniertag der langen HTT-Geschichte seit 1990 war er angekündigt, geworden ist es ein aufregender, ereignisreicher und von Überraschungen geprägter Tennistag, dieser Super-Sunday bei dem von tennislife.at unterstützten Aldiana-HTT-Mai-Grand-Slam-Turnier im UTC La Ville. Und in der Tat hatte dieser vierte Spieltag der 28. Auflage der HTT-French Open am Altmannsdorfer Ast in Wien jede Menge herausragender Resultate zu bieten. Bei erstmals in dieser Sandplatz-Saison herrschenden sommerlichen Bedingungen, strauchelten hoch gehandelte Favoriten, wandelten hochdekorierte HTT-Stars am Rande der Niederlage, und mussten HTT-Grand-Slam-Champions ihr Hoffnungen auf den wichtigsten und begehrtesten aller HTT-Sandplatztitel vorzeitig begraben. Wir haben für Euch eine Zusammenfassung der aktuellen HTT-French-Open-Geschehnisse, zusammengestellt von C.L

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Diskussionen um die Teilnahme von Robert Steinhauser

Der vorerst heißeste Tennistag des bislang wettertechnisch unterkühlten Tennis-Sommers hatte mit 13 Zweitrunden-Partien und 7 Achtelfinal-Matches unter Beteiligung von acht HTT-Stars aus den Top 10 wahrlich großes Tennis zu bieten. Welch großartiges Programm man auf den vier vordersten Plätzen des UTC La Ville zu bestaunen bekam, zeigte auch der Umstand, dass absolute HTT-Stars wie der topgesetzte HTT-Australian-Open-Gewinner Maximilian Wild oder der der an Nummer 2 gereihte HTT-French-Open-Open-Champion von 2017 Lukas Prüger am gestrigen Sonntag keinen einzigen Ball auf den beiden Show-Courts schlugen. Und wie eng es selbst in dieser frühen Phase des zweiten HTT-Saison-Majors zur Sache ging, dokumentieren die Geschehnisse von Platz 2 wohl am besten. Am “Suzanne-Lenglen” der HTT gab es statt der gepalnten sieben Matches nur drei Paarungen zu sehen, die aber hatten es gewaltig in sich. Den Auftakt am “2er” machten der 2fache HTT-Kitzbühel-Sieger Martin Zehetner und der 18jährige tschechische Titel-Aspirant Robert Steinhauser. Der Start des März-Masters-Series-1000-Gewinners ob seiner Spielstärke am Vortag von Mathias Wagner noch heftig kristisiert und vom Tour-Veranstalter vehement verteidigt, wurde zum großen Thema im Vorfeld. Nach zweieinhalb schweißtreibenden Stunden hatte sich dieses Thema allerdings erledigt, denn Routinier Martin Zehetner rückte mit einem 6:2, 5:7, 7:6 Erfolg die von vielen Kritikern angezweifelte Hirachie im HTT-Circuit wieder zurecht.

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Martin Zehetner steht nach 120. HTT-Karriere-Einzelsieg zum 6. Mal in Serie im Viertelfinale der HTT-French-Open

Und der 38jährige vom TC Deutsch Wagram hätte das noch viel eindrucksvoller als letztlich ausgefallen, erledigen können, denn bei 6:2, 5:3 und eigenem Aufschlag stand Zehetner schon kurz vor seinem 23. HTT-French-Open-Einzelerfolg. Erst eine Stunde später hatte der 10fache HTT-Titelträger nach kassiertem Satzausgleich, einem 3:5 Rückstand im Entscheidungssatz und einer im Tie-Break gipfelnden Aufholjagd mit seinem 120. HTT-Karriere-Einzelsieg das Viertelfinale erreicht. Zum sechsten Mal in Serie steht Zehetner übrigens im Viertelfinale der HTT-French-Open, wo er am Montag Abend auf den Sieger des letzten offenen Achtelfinales und den Sieger der Partie Maxi Wild und Philipp Schlaffer treffen wird. Nochmals 60 Minuten länger, nämlich dreieinhalb Stunden duellierten sich der frischgebackene “HTT-Millionär” Theo Berger und der an Nummer 4 gesetzte Andreas Szabados in ihrem Achtelfinal-Treffen um einen Platz unter den Top 8. Den besseren Start in dieses letztlich zur Schlacht ausartenden Matches hatte Berger, der sich mit zwei Breaks 4:1 absetzen konnte. Für die 1:0 Satzführung reichte das aber nicht, denn Szabados – der sich in Runde 2 nach einer starken Vorstellung überraschend deutlich mit 6:2, 6:2 über Josef Zeitlberger durchsetzte – schlug eindrucksvoll und imposant zurück und krallte sich den nicht unwichtigen ersten Durchgang mit 7:5. Ähnlich verlief dann zunächst Heat Nr. 2, in dem Berger wieder 5:2 in Front lag, Szabados abermals zu einer Aufholjagd ansetzte, die diesmals allerdings unbelohnt blieb und bei 5:5 endete. Danach gab es für einen körperlich angeschlagenen Szabados kein Game mehr, Berger düste mit 7 gewonnenen Games in Folge in sein allererstes HTT-Grand-Slam-Viertelfinale, und hofft dort gegen den HTT-French-Open-Champion von 2016 Damian Roman auf eine Fortsetzung seines aktuellen Erfolgslaufs.

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Szabados noch ohne HTT-Major-Viertelfinale und alle Facts zur achtelfinalen Sandplatz-Schlacht am imaginären “Lenglen”

Andreas Szabados wartet hingegen auch nach seinem sechsten HTT-Grand-Slam-Start weiter auf sein erstes Viertelfinale. “Es war trotzdem mein bestes Sandplatztennis das ich heuer bislang zeigen konnte”, tröstete sich der 30jährige Niederösterreicher mit seiner gelungenen Zweitrunden-Vorstellung gegen Landsmann Josef Zeitlberger. Die beiden erwähnten Matches auf Court Nr. 2 an Dauer und Dramaturgie noch zu übertreffen, schien kaum möglich, und war am Ende den Herren Vukicevic und Sagasser überlassen. Und siehe da, der 3fache HTT-Wimbledonsieger und der aufstrebende Jungstar vom TC Strebersdorf setzten dem Super-Sunday noch ein echtes Highlight oben drauf. Nahe dran an der 4 Stunden-Marke entschied knapp vor 22 Uhr und längst bei Flutlicht laufend, ein Tie-Break eine zwar nicht so hochklassige, dafür aber an Leidenschaft, Energie und Spannung kaum zu überbietende Partie. Ein Match, das aufgrund seiner Dauer und der erzeugten Dramatik richtiges Grand-Slam-Flair vermittelte, und das obwohl die Vorzeichen nicht unbedingt auf einen so intensiven Fight auf der roten La-Ville-Asche schließen ließen. Denn immerhin standen sich im abschließenden Match auf dem imaginären “Lenglen” zwei völlig unterschiedliche HTT-Major-Historien gegenüber. Auf der einen Seite der große Grand-Slam-Maestro der HTT Vladimir Vukicevic mit 5 Titeln, davon drei alleine beim HTT-Wimbledon-Turnier. Der 37jährige, der erstmals ein HTT-Major-Event als Papa in Angriff nahm, und sein insgesamt 70. HTT-Karriere-Turnier spielt, kann immerhin auf die Routinie und Erfahrung von 19 HTT-Grand-Slam-Starts mit 70 Major-Single-Auftritten zurückgreifen, während der 20jährige Felix Sagasser bei HTT-Grand-Slams bislang nur Lehrgeld zahlte und Leer-Kilometer abspulte. Bis zum Start der heurigen Grand-Slam-Saison ging der aufstrebende HTT-Jungstar vom TC Strebersdorf immer als Erstrunden-Verlierer vom Platz, ehe er heuer bei den HTT-Australian-Open mit seinem ersten Sieg immerhin die zweite Runde erreichte. Die Erfolgsbilanz verdoppelte Sagasser dann mit seinen beiden Erfolgen vor dem gestrigen Auftritt, und dort hätte er um ein Haar auch den bislang größten Erfolg seiner HTT-Grand-Slam-Karriere fixiert.

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Sagasser lässt 4:0 Führung im Entscheidungssatz ungenützt, und Vukicevic steht erstmals überhaupt im Viertelfinale der HTT-French-Open

Denn nach 1:1 in Sätzen, sah Sagasser im alles entscheidenden dritten Durchgang bei einer 4:0 Führung mit zwei gelungenen Breaks wie der sichere Sensationssieger aus. Der Underdog hatte den großen Champion mit der mächtigen Grand-Slam-Visitenkarte mehr als an den Rand einer Niederlage gedrängt, dem serbischen Superstar aber verpasst den sportlichen Todesstoß zu versetzen. Sich vielleicht schon am Ziel wähnend, den vermeintlich übermächigen Gegner mit köprerlichen Problemen vor sich sehend, ließ Sagasser für den Augenblick Konzentration und Nachhaltigkeit in seinem Spiel vermissen, und den Ranglisten-Dritten zurück ins Spiel. 5 Games in Folge holte Vukicevic zur 5:4 Führung, Sagasser rettete sich in den Tie-Break, und schrammte dort hauchdünn an einer Sensation und einem durchaus verdient gewesenen Sensationssieg vorbei. Bewundert für seinen großartigen Fight, stand Sagasser am Ende dennoch mit leeren Händen da, während sich sein Bezwinger erstmalig in seiner außergewöhnlichen Karriere ins Viertelfinale der HTT-French Open zitterte, und damit ein weiteres Kapitel seiner eher unrühmlichen HTT-French-Open-Bilanz vermeiden konnte. Die große Liebe war es bisher noch nicht zwischen dem serbischen Rasenkönig und der roten Asche beim Mai-Grand-Slam. Es dauerte überhaupt fünf Jahre, bis Vukicevic erstmals die Challenge HTT-French-Open in Angriff nahm. Nicht sehr erfolgreich bisher, wie gerade einmal drei Einzelsiege und eine Achtelfinal-Teilnahme belegen. “Der Druck war riesig, weil ich nicht in Form bin, und Sagasser voll fit auf einem aufsteigenden Ast unterwegs ist. Ich wollte eine Niederlage unter allen Umständen vermeiden, und freue mich jetzt sehr darüber, hier erstmals in meiner Karriere das Viertelfinale erreicht zu haben”, so der Ranglisten-Dritte aus Sombor nach seinem 59. Einzelsieg auf Grand-Slam-Ebene.

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