August-Second-Series – kein guter Boden für Favoriten

Nihad Berzengi vor Markus Posteiner. Das ist nicht etwa das Ergebnis des August-Second-Series-Turniers, sondern der Stand im Second-Series-Cup nach 6 von 10 Bewerben. Denn mit dem Ausgang der siebenten Second-Series-Veranstaltung der Saison hatten die beiden bisher in diesem Jahr dominierenden Second-Series-Spieler nichts zu tun. Dennoch hatte das Turnier am ersten August-Wochenende auch ohne die beinahe schon gewohnten Top-Resultate der beiden Topfavoriten viele interessante Highlights zu bieten. Wie beispielsweise den phantastischen Halbfinaleinzug von Manuela Heuberger, die als erste Dame überhaupt einen Titel auf der Hobby-Tennis-Tour davontragen könnte, oder den Höhenflug des polnischen Überraschungsmannes Roman Klos, der zwar “medienwirksam” wie eine alte Gieskanne weder Interviews noch brauchbare Schnappschüsse von sich hergab, mit dem ersten Semifinaleinzug seiner Karriere aber das Vorschluss-Runden-Duell gegen die ebenfalls erstmals unter den Top 4 stehende Heuberger-Mama komplettierte. Dazu feiert Markus Sellmeister erstmals nach 10 Jahren Pause wieder ein Comeback in einem Halbfinale, wo er auf die umstrittene Nummer 1 des Turniers Patrick Meinhart treffen wird, der im Falle weiterer Siege dem Veranstalter noch einige Probleme bereiten könnte. Ein Bericht von C.L

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Berzengi und Posteiner führen im Second-Series-Cup nach 6 von 10 Bewerben

Die letzten drei Second-Series-Turnier hatten sie sich untereinander ausgemacht. Berzengi siegte im April, Posteiner bei der Mai-Ausgabe, ehe im Juni Berzengi ein weiteres Mal zuschlagen konnte. Dazu eroberten die beiden Second-Series-Asse fünf der sechs Finalplätze, was addiert zu den Resultaten der drei Indoor-Second-Series-Events die Ränge 1 und 2 im Second-Series-Cup bedeutet. Doch die August-Ausgabe der beliebten Turnier-Serie abseits der Topstars war für die Herren Berzengi & Posteiner kein guter Boden. Wie überhaupt das 26. Saison-Turnier für Favoriten und ehemalige Tourgrößen zum Fiasko wurde.

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Posteiner und Berzengi rätseln über die Gründe ihrer momentanen Tennis-Krise

Bleiben wir aber zunächst einmal bei den bislang überragenden Second-Series-Spielern der Saison Nihad Berzengi und Markus Posteiner. Letzterer prolongierte mit der fünften Erstrunden-Niederlage in Folge seine momentane Formkrise. Noch im Mai sorgte Posteiner mit sensationellen Leistungen und grandiosen Ergebnissen für Furore, erkämpfte sich so einen Platz unter den 20 besten Tennisspielern der Hobby-Tennis-Tour, ehe im Juni plötzlich der Faden riss. “Ich habe keine Ahnung was los ist. Ich habe im Frühjahr so gut gespielt und jetzt ist alles weg”, kommentierte der 20jährige sein Erstrunden-Aus gegen Mario Eberhard. Während der Mai-Second-Series-Champ also die Gründe für seine derzeitige Krise bei sich selbst sucht, war der zweifache Saison-Second-Series-Sieger Nihad Berzengi nach seinem vorzeiigen Aus mehr damit beschäftigt die Ursachen für das unerwartet frühe Aus bei Gegner Alexander Sterzl zu suchen. “Da ging alles so langsam, einfach unglaublich. Da macht Tennis keinen Spass”, fluchte der noch lange nach dem Scheitern verärgerte und aufgewühlte 17jährige. “Ich hoffe du berichtest über dieses Spiel genauso wenig wie über meinen “guten” Auftritt gegen Norbert Heuberger beim letzten Turnier, forderte Nihad den Veranstalter auf. Wieder ein Beweis dafür, dass sich der Jungstar viel zu sehr mit Nebensächlichkeiten beschäftigt. Sterzl hin, Medien her, die Tenniskrise des Nihad B. hat ganz andere Gründe. Die wollen wir hier auf Rücksicht und auf Wunsch Berzengis nicht beleuchten, nur so viel sei gesagt. Nach der bereits vierten Erstrundenniederlage in Serie heißt es aufwachen für den 17jährigen, der auch laut Coach Harald Selak nicht den gewünschten und erwarteten Sprung nach oben gemacht hat.

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Einstige Tour-Größen gehen schon in Runde 1 des August-Second-Series unter

Bitter und brutal endete auch das Second-Series-Debüt zweier ehemaliger Tour-Größen. Für Adrian Tismanariu und Andreas Hruby kam das Aus beim August-Second-Series-Turnier bereits in Runde 1, was eine kollektive Ernüchterung zur Folge hatte. Das sich das Niveau auf der Hobby-Tennis-Tour im letzten Jahrzehnt verbessert hat steht außer Diskussion. Das Spieler wie Tismanariu und Hruby aber auf Second-Series-Ebene ein Turnier nach der ersten Runde verlassen müssen, ist dann doch mehr als überraschend. Ok, es war mit Sicherheit das bisher stärkste Turnier dieser Serie, wo man dem ein oder anderen Spieler auch Without-Top-Ten-Niveau zubilligen muss, wie beispielsweise auch dem Deutschen David Hühne, der letztlich die rumänische Aufschlag-Rakete Adrian Tismanariu entschärfte. “Ich weiß die Second-Series-Serie ist das unterste Niveau der Tour. Hier zu verlieren ist schon sehr hart. Tennis ist ein verdammter Sport, nie wieder, nie wieder werde ich hier spielen”, äußerte sich der 26jährige enttäuscht. Vor 9 Jahren sorgte “Tis” mit seinem gewaltigen Aufschlag und seinem permanent vorgetragenen Power-Tennis für Angst und Schrecken unter den Top-Stars der Tour. Ein 17jähriger machte sich auf, die Tour-Welt zu erobern. Mit einem gigantischen Service und druckvollen Grundschlägen wie sie die Szene bis dahin nicht kannte, katapultierte er sich in kürzester Zeit in die Elite der Topstars. Das Tismanariu mit dem Hallen-Super-4-Titel 1998 nur einen großen Sieg davontrug, lag an seinen mentalen Möglichkeiten, die mit seinen spielerischen Fähigkeiten nicht Schritt halten konnten. Und der nunmehr 26jährige trauert auch der Vergangenheit ein wenig nach. “Ich würde schon noch gerne einmal so gut spielen wie früher. Den Harbarth zum Beispiel habe ich unlängst einmal bei einem Turnier gesehen. Der spielt gar nicht so übermäsig gut und spektakulär. Das wäre sicher sehr interessant, wenn ich noch so spielen würde wie früher”, meinte der Aufschlag-Gigant, der auch beim heurigen Mai-Grand-Slam mit 172km/h das schnellste Service übers Netz jagte. Noch krasser als beim November-Super-4-Sieger von 98 ist die Situation bei Andreas Hruby. Die 5:7, 4:6 Niederlage gegen Markus Schiller war zwar höchst frustrierend für den ehemaligen Masters-Teilnehmer, schlimmer empfand Hruby aber die Aussagen seines Gegners nach dem Eröffnungsspiel des vergangenen Samstags. Mit Kopfschütteln nahm der 26jährige das Statement seines Bezwingers zur Kenntnis, in dem Schiller von einem ebenbürtigen Gegner sprach, der in den entscheidenden Phasen des Spieles nicht so nervenstark war wie er. “Das kann ich fast nicht glauben. Unglaublich so etwas hören zu müssen. Da reden Leute von Tennis die nicht sehr viel davon verstehen. Ich möchte niemanden zu nahe treten, aber mein heutiger Gegner hat ungefähr das Niveau wie zu meiner Zeit früher der Thomas Windisch. Das ich im Moment aufgrund der langen Pause nicht die Leistung bringen kann, die ich wirklich drauf habe, berechtigt niemanden zu solchen Aussagen”, reagierte Hruby wie vor den Kopf gestoßen. Schützenhilfe kam von Tismanariu, der über die Schiller-Aussagen ebenfalls nur Verwunderung übrig hatte. “Das hat nichts mit dem Ergebnis heute zu tun, aber Leute die vom Tennis eine Ahnung haben, hätten sowas nicht gesagt. Es ist ein Unterschied ob jemand nicht Tennis spielen kann, oder ob er seine Leistung nicht abrufen kann”, meinte Adrian.

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Manuela Heuberger bei Tour-Debüt im Semifinale und vielleicht die erste weibliche Turniersiegerin der Tour-Geschichte

Neben den vielen August-Second-Series-Verlierern, hatte das übrigens 135. Sandplatz-Turnier der Tour-Geschichte bisher aber auch einige Sieger und sogar eine Siegerin zu bieten. Heuberger, ein Name der für Qualität bürgt und die Ergebnislisten der Tour-Bewerbe in den letzten Wochen beherrscht. Inklusive Doppel und Future-Tour holte sich der Heuberger-Tennis-Clan fünf der letzten acht Tennis-Veranstaltungen auf der Hobby-Tennis-Tour. Papa Norbert gewann den Doppel-Titel beim Juni-Grand-Slam dazu beim Juli-Without-Top-Ten-Doppelsieg auch seinen ersten Einzel-Titel und Sohn Robert staubte die letzten beiden Challenger-Siege auf der Future-Tour ab. Am ersten August-Wochenende stellte nun auch noch Mama Heuberger die Qualitäten der Tennis-Familie unter Beweis. Ohne Satzverlust spielte sich Manuela Heuberger unauffällig und unspektakulär bei ihrem Tour-Debüt ins Semifinale. In Runde 1 verdarb sie ihrem indischen Gegner Jaswinder Saroy die Jubiläumsfeier zum 100. Karriere-Match mit einem glatten 6:4 und 6:2 Erfolg. Im Achtelfinale fixierte Heuberger mit gewonnenem Tie-Break im zweiten Satz gegen Thomas Gamharter den überraschenden Viertelfinal-Aufstieg, um am Ende eines anstrengenden Super-Sonntags mit einem 6:3, 6:4 Triumph über Mario Eberhard den sensationellen Semifinaleinzug zu realisieren. “Das Match gegen Eberhard war das schwierigste im bisherigen Turnierverlauf für mich. Er hat speziell auf der Vorhand sehr druckvoll agiert und auch ein tolles Winkelspiel aufgezogen. Ich bin am Ende schon ein wenig müde geworden, hatte leichte Krämpfe, aber ich habe einfach sehr sicher gespielt, was schließlich auch zum Sieg gereicht hat”, analysierte die Heuberger-Mama. Im Kampf um einen Platz im Endspiel trifft die einzige im Feld verbliebene Dame nun auf Roman Klos. Der polnische Routinier präsentierte sich während des Turniers extrem “medienunwirksam”, geizte mit Kommentaren und versuchte geschossene Fotos betreffend seines August-Second-Series-Auftritts zu verhindern. Dabei feierte der “Oldie im Semifinale” mit dem Erreichen der Vorschlussrunde seinen bislang größten Karriere-Erfolg, dem er aber keine große Bedeutung beimessen wollte. “Die Gegner waren alle in meinem Bereich, meine Leistung ist daher nicht sehr hoch einzustufen. Speziell der Krammer Hans hat gegen mich ganz schlecht gespielt”, erklärte der Pole.

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Markus Sellmeister auf dem Weg zurück in die Top 20 und in seine zweite Karriere

Mehr als 10 Jahre ist es her, das Markus Sellmeister bei den “French Open der Hobby-Tennis-Tour” im Jahre 1997 letztmals in einem Semifinale stand. Ein Jahrzehnt danach ist der mittlerweile 26 Jahre alte Linkshänder “back”, wenn auch auf einem vorerst noch “anderen Niveau”. Die Halbfinal-Quali beim August-Second-Series ist für den einstigen Shooting-Star nur der Auftakt zu seiner “zweiten Karriere”. Das Kapitel “Comeback”, leitete Sellmeister mit seinem Start beim Juni-Without-Top-Ten-Turnier ein, und soll den Wiener Neudorfer zurück in Spitze der Szene führen. Der sportliche Erfolg ist für den Niederösterreicher aber freilich nur Mittel zum Zweck, hat die unerwartete Sellmeister-Rückkehr noch einen anderen höchst interessanten Aspekt. Der 26jährige plant im Tour-Management einzusteigen. Sellmeister hat Ideen, Visionen und konkrete Pläne, das Produkt Hobby-Tennis-Tour noch besser in Szene zu setzen. Erste Gespräche mit dem Veranstalter gab es bereits, weitere werden folgen. “Ich muss mich jetzt zuerst aber einmal auf sportlicher Ebene zurückkämpfen. Ich weiß genau, dass man nur dann in einer führenden Position auf der Tour anerkannt und respektiert wird, wenn man mit entsprechenden Erfolgen auf dem Tennisplatz das bestätigen kann oder konnte wovon man spricht. Darum bemühe ich mich sehr, wieder anständiges Tennis mit entsprechenden Resultaten abliefern zu können”, verlautbarte der Mai-Junior-Turnier-Sieger von 1997. Mit nur vier abgegebenen Games gegen Alexander Szele im Viertelfinale ist Sellmeister zumindest einmal auf einem guten Weg. Dennoch gefiel sich der 26jährige an diesem Wochenende auch in einer anderen Rolle, nämlich jener eines scharfen Kritikers. Ausschlaggebend dafür war seine Niederlage im Doppel an der Seite von Thomas Gamharter gegen die Future-Tour-Challenger-Nummer 1 Bozana Djordjic und den amtierenden Olympiasieger Franz Korger. “Zu stark für diese Veranstaltung. Da brauche ich ja nicht Second-Series zu spielen. Wir hatten nicht den Funken einer Chance”, war Markus verärgert. Doch gerade als sich die Sellmeister-Kritik zu einer ausgedehnten Diskussion hätte entwickeln können, musste sich das als zu stark befundene Wild-Card-Doppel im Endspiel in zwei Sätzen geschlagen geben.

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Berzengi-Meinhart holen Doppel-Titel beim August-Second-Series-Turnier

Mit 4:6, 6:7 mussten sich Korger-Djordjic im Finale gegen Nihad Berzengi und Patrick Meinhart geschlagen geben. “Die Bozana hat ihre beste Leistung in diesem Turnier abgeliefert, aber die Gegner waren heute zu gut. Sie waren vorallem ausgeglichen, was die anderen Teams nicht waren”, urteilte Korger. Ein Denkanstoss für Sellmeister also, der am Tag zuvor noch von einer eklatanten Chancenlosigkeit sprach. Auf dem Weg in sein mögliches zweites Karriere-Finale trifft Sellmeister übrigens im Halbfinale auf Patrick Meinhart, der wie erwartet seiner Favoritenrolle voll gerecht wird. Noch ist der Second-Series-Start des Top-Ten-Spielers ohne große Diskussion und Proteste über die Bühne gegangen, aber wehe der 17jährige stemmt am Donnerstag Abend den Pokal für den August-Second-Series-Titel in die Höhe. Dann könnte aus der bis dato ruhig verlaufenden Meinhart-Second-Series-Rückkehr sehr schnell ein Sturm der Entrüstung werden. Warten wir einmal ab, denn der Sellmeister Markus will ja zwecks Karriere-Vorantreibung ohnhin zurück in die Top Ten, und da wäre ein Erfolg über Meinhart ein erster Beweis, dass seine Vision keine Utopie ist.

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Claus Lippert, 8. August 2007