Daniel Elender avanciert beim März-Challenger zum ersten 2fach-Sieger der Saison

Der Oberösterreicher Daniel Elender hat am Dienstag Abend zum zweiten Mal in seiner Karriere ein Turnier der Challenger-Tour gewonnen, und sich den Titel der März-Ausgabe im Tennispoint Südstadt gesichert. Der 24jährige Mühlheimer deklassierte im Finale des ersten Freiluft-Turniers des Jahres, Clemens Wimmer in nur 51 Minuten mit 6:1, 6:2, und erhöhte im Head to Head mit dem 30jährigen Wiener auf 2:1. Elender ist damit heuer der erste Spieler des gesamten Tour-Zirkus, der sich ein zweites Mal in die hochkarätig besetzte Hall of Fame der Hobby-Tennis-Tour 2012 eintragen konnte. Für Clemens Wimmer hingegen setzte es im insgesamt fünften Endspiel seiner Laufbahn die erste finale Niederlage auf Challenger-Ebene, womit er auch den Sprung auf Platz 2 in der Ewigenbestenliste der erfolgreichsten Challenger-Sieger hinter Friedrich Pliemitscher verpasste. Kleines Trostpflaster für den Blondschopf, ist die Rückkehr unter die Top 20 der HTT-Entry-List, wo er sich seit heute mit Rang 20 über das zweitbeste Ranking seiner Karriere freuen darf. Ein Bericht von C.L

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Daniel Elender beendet eine beeindruckende HTT-Serie von 21 Turnieren in Folge mit 21 verschiedenen Siegern

Mit Elenders Triumph am südlichen Stadtrand von Wien ist am gestrigen Tag um exakt 18:11 Uhr also eine sensationelle und höchst beeindruckende HTT-Serie zu Ende gegangen. Nach 16 Turnieren mit 16 verschiedenen Siegern in der seit 7. Jänner laufenden neuen Tennissaison, ist der 24jährige Innviertler im 17.  Saison-Event zum ersten 2fach-Sieger des Jahres avanciert. Noch nie in der Open Ära seit 1990 hat es vom Saisonbeginn weg so lange gedauert, bis sich ein und dieselbe Person über einen zweiten Titelgewinn freuen konnte. Die bisherige Bestmarke stammte aus dem Jahr 2008, wo es vom Start weg 9 verschiedene Champions in ebenso vielen Turnieren zu bejubeln gab, ehe sich Februar-GP-Sieger Andreas Harbarth im zehnten Bewerb beim März-Grand-Prix-Turnier zum ersten 2fach-Sieger der Saison 2008 kürte. Im Vorjahr gab es übrigens die drittlängste dieser speziellen Serien, die 7 Turniere andauerte, bevor sich Markus Kurzemann mit einer zweiten Trophäe aus dem Staub machte. Die aktuelle Ausgeglichenheit im Tour-Circuit dokumentiert auch noch eine weitere Serie, die mit Elenders März-Challenger-Erfolg ein Ende fand. Saisonübergreifend gab es nämlich sogar in den vergangenen 21 HTT-Turnieren lauter verschiedene Gewinner. Elender ist da am Dienstag Abend also schon ein kleines Kunststück gelungen, das den 24jährigen selbst allerdings wenig beeindruckte. Das ich der erste zweifache Sieger im Jahr 2012 bin, ist mir völlig egal.

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Hobby-Tennis-Tour-Saison

Anzahl der Turniere mit verschiedenen Siegern vom Saison-Start weg

2012 16
2011 7
2010 2
2009 6
2008 9
2007 4
2006 6
2005 1
2004 3
2003 3
2002 3
2001 1
2000 3
1999 1
1998 1
1997 2
1996 5
1995 3
1994 1
1993 2
1992 2
1991 1
1990 1

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Neuer März-Challenger-Sieger wird seiner Favoritenrolle voll auf gerecht

Wie überhaupt der neue Challenger-Held der Hobby-Tennis-Tour nicht so gerne im Mittelpunkt zu stehen scheint. Das Rampenlicht versucht der 24jährige wenn irgendwie möglich zu meiden. Die mediale Präsenz behagt dem jungen Oberösterreicher weniger, große Reden sind nicht so sein Ding. Selbst die ihm auferlegte Favoritenrolle, die er durch hobbytennistour.at dieser Tage auszufüllen hatte, schien den Innviertler zu beschäftigen. “Ich weiß nicht warum ich der Favorit gewesen sein sollte. Da gab es an diesem Wochenende noch viele andere sehr gute Spieler. Ich kann das nicht nachvollziehen”, rätselte Elender auch noch mit dem Siegerpokal in Händen. Beinahe hatte man beim Lauschen des Siegerinterviews das Gefühl, dem neuen März-Challenger-Triumphator wäre sein aktueller Erfolg unangenehm. Womöglich weil er sich doch im Jänner nach seinem Sieg beim ersten Saison-Challenger zu der Aussage hinreißen ließ, dass er zukünftig keines dieser zweitklassigen Turniere mehr spielen werde. Zwei Monate später war er nun doch wieder da, und auch prompt wieder erfolgreich.

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Clemens Wimmer mit der desolatesten Leistung seiner Karriere und der ersten Final-Niederlage auf Challenger-Ebene

Wenngleich der gestrige Titelgewinn und da vorallem das überdeutliche Resultat des abschließenden Endspieles doch in Relation zu setzen sind. Der finale Showdown am Centercourt des Tennispoint Südstadt war von äußerst widrigen Verhältnissen und einer desolaten Vorstellung von Clemens Wimmer geprägt. Elender hatte während der eher trostlosen und höhepunktarmen 51 Finalminuten nicht mehr zu tun, als den Ball im Spiel, und die Eigenfehlerquote so niedrig wie möglich zu halten. Den Rest besorgten ein stürmisch und nicht ausrechenbarer Nordwestwind, und ein völlig indisponierter Clemens Wimmer, der mit der absolut schlechtesten Leistung seiner fast einjährigen HTT-Karriere seine erste Finalniederlage auf Challenger-Ebene kassierte. Naja, eigentlich war es mehr als nur eine dieser “gewöhnlichen Niederlagen”, die man im Laufe eines Tennisjahres eben kassiert. Nüchtern betrachtet war es ein echte Pleite, ein aus Sicht Wimmers nie und nimmer zu erwartendes Debakel, mit dem er einen durchaus möglichen vierten Challenger-Karriere-Titel leichtfertig verspielte. Würde Wimmer mit Tennis sein Geld verdienen, man hätte an diesem gestrigen Nachmittag wohl von klassischer Arbeitsverweigerung gesprochen. Ausgerechnet seine größten Stärken ließ der 30jährige Wiener in diesem 17. Saisonfinale völlig vermissen. Kampfgeist und die totale Bereitschaft um jeden Ball zu fighten, suchte man beim ansonsten so laufstarken Blondschopf vergeblich. Wimmers Vorstellung hatte phasenweise den Charakter einer unwichtigen Sparring-Partie, und diese Bankrotterklärung in Sachen “Grundeigenschaften eines siegeshungrigen Tennisspielers” wurde von Elender in knapp einer Stunde Spielzeit auch prompt bestraft.

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Viele Fehler und falsche Taktik – nach nur 20 Minuten ist der erste Akt des Wimmer-Debakels zu Ende

Besonders auffallend – weil extrem desaströs – war die Aufschlagleistung des unterlegenen Wieners, die nicht einmal für einen Erstrundensieg auf Future-Ebene gereicht hätte. In 8 Service-Games gelangen Wimmer gerade einmal 16 Punkte, kassierte er unakzeptable 7 Breaks, produzierte er 7 durchaus vermeidbare Doppelfehler, und fanden nur erschütternde 47,8 Prozent seiner ersten Aufschläge auch das Ziel im Feld des Gegners. Das er auch nur in 50 Prozent der Fälle nach gelungenem ersten Service zum Punktgewinn kam, und er im zweiten Satz nicht ein einziges seiner Aufschlagspiele gewinnen konnte, rundet diese mehr als desolate Bilanz im negativen Sinn noch ab. Damit ist eigentlich auch recht schnell der letztlich glasklare 6:1, 6:2 Erfolg von Daniel Elender erklärt, der sich auf die turbulenten Windverhältnisse am Centercourt von Beginn weg viel besser einstellte, und mit einem überfallsartigen Start in sein viertes Karriere-Finale, frühzeitig die Weichen Richtung Titel stellte. Wimmer versuchte in der Anfangsphase seinen oberösterreichischen Kontrahenten mit einer Blitz-Offensive am Netz zu überraschen. Doch statt der erhofften Volley-Punkte, schraubte Wimmer in den ersten Games seine Fehler-Statistik am Netz in astronomische Bereiche. Nach nur 6 Minuten hatte Elender seinem schwächelnden Gegner schon zwei Mal den Aufschlag abgenommen, und u.a. mit einer Serie von 9 Punkten in Folge eine 3:0 Führung herausgespielt. Hatten Experten und Insider im Vorfeld dieser “Windlotterie” eher damit gerechnet, dass der “Bringer” Clemens Wimmer Vorteile genießen würde, war man überrascht zu sehen, dass sich der 30jährige bei diesen unwirtlichen Bedingungen mit permanent verschlagenen Angriffsbällen in der Taktik verzettelte. Wimmer wollte Druck ausüben, und produzierte Fehler am Fließband, während sich Elender mit nobler Zurückhaltung für Gamegewinn um Gamegewinn bedankte. Nach exakt 20 Minuten hatte der 24jährige Mühlheimer seinem Widersacher drei Mal den Aufschlag abgenommen, und den ersten Satz mühelos mit 6:1 nach Hause gespielt.

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Daniel Elender behält auch in der Break-Orgie des zweiten Satzes am Ende die Oberhand

Nach acht gespielten Minuten des zweiten Satzes schien die Vorentscheidung gefallen. Elender führte mit einem Break im Rücken 2:0, und machte sich auf, mit eigenem – und bis dahin äußerst souverän vorgetragenen – Aufschlag, das Kapitel “sportliche Hinrichtung” fortzuführen. Doch statt dem erwarteten 3:0 offerierte Elender seinem bedauernswerten Gegenüber die Möglichkeit, zurück in dieses 66. Hartplatz-Endspiel der Geschichte zu kommen. Wimmer fand seine ersten drei Breakchancen in diesem Finale vor, und nachdem Elender die ersten beiden Möglichkeiten mit einem Service-Winner und einem brillant gesetzten Volley vereitelt hatte, kam er dem Wiener mit einer verschlagenen Vorhand ins Netz entgegen. Wimmer sah an diesem dunkelsten Tennis-Nachmittag seiner Laufbahn “mit einem Schlag” wieder sowas wie Licht am Ende des Tunnels. Doch der 30jährige war in diesem 5. März-Challenger-Finale nicht fähig, die Offerte Elenders anzunehmen. Der 24jährige patzte nämlich bei 3:1 Führung noch ein zweites Mal beim Service, doch auch die nochmals unerwartet erhaltene Chance zum 3:3 auszugleichen, ließ Wimmer mit einem katastrophal bestrittenen Aufschlagspiel samt zwei ärgerlichen Doppelfehlern ungenützt. Eine Break-Orgie mit 5 abgegebenen Service-Games war stattdessen die Folge, ehe Elender nach Abwehr eines weiteren Breakballes seinen Aufschlag zum 5:2 halten konnte. Damit war das Ding gegessen, auch weil Wimmer im letzten Game noch einmal seine an diesem Tag besonders eklatante Aufschlagschwäche mit zwei Doppelfehlern unter Beweis stellte. Mit einem Vorhand-Winner verwandelte Daniel Elender schließlich gleich seinen ersten Matchball zum 6:1, 6:2 Erfolg, der ihn bis auf 49 Ranglistenpunkte an die magische Top 20-Grenze der Hobby-Tennis-Tour brachte.

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Clemens Wimmer: “Ich hätte heute sicher gegen jeden Spieler der Hobby-Tennis-Tour verloren”

Elender, der nun zum Kreis der 12 oberösterreichischen Turniersieger in der HTT-Geschichte gehört, zeigte sich nach seinem Triumph nur wenig euphorisch. Ins Bild passte auch, dass an diesem wenig aufregenden Final-Nachmittag sogar die traditionelle “Sekt-Spritzerei” gründlich daneben ging. Den ein oder anderen Titelgewinn könnte Elender also noch gebrauchen, um eine ansehnliche Champagner-Dusche für die HTT-Presse entsprechend mediengerecht ins Bild zu bekommen. “Ich freue mich natürlich über diesen Turniersieg, vorallem weil ich gegen den Amiri im Viertelfinale zurückkommen konnte. Das heutige Match war aber nicht besonders. Ich musste den Ball nur reinspielen, das war alles. Eigentlich hatte ich mir das ganz anders vorgestellt. Vor dem Match dachte ich mir, dass der starke Wind eher ein Vorteil für den Clemens sein wird. Wenn er mir hohe Bälle reinschupft und viel mit Slice spielt, wird das für mich extrem hart”, resümierte der Sieger, während sich der Unterlegene seiner beschämenden Final-Vorstellung durchaus bewusst war, und keinerlei Ausreden und Entschuldigungen suchte. “Ich habe sehr schlecht gespielt, und ich hätte heute wohl gegen jeden Spieler auf dieser Tour verloren. Ich konnte mich auch überhaupt nicht auf den Wind einstellen, und mehr kann ich zu diesem Spiel eigentlich nicht sagen”.

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Das März-Challenger-Finale in der totalen Statistik

März-Challenger-Final-Statistik

Daniel ELENDER

Clemens WIMMER

Fehler an der Grundlinie 16 31
Fehler am Netz 3 8
Doppelfehler 0 7
Asse 1 0
Service-Winner 4 7
Return 0 1
Vorhand-Winner 2 1
Rückhand-Winner 0 0
Volley 1 4
Smash 2 4
Lob 2 1
Stopp 0 0
Passierball Vorhand 2 0
Passierball Rückhand 0 1
Punkte durch gegnerische Fehler 46 19
Punkte selbst erzielt 14 19
Punkte insgesamt 60 38
1. Aufschlag in Prozent 51,9 % 47,8 %
2. Aufschlag in Prozent 100,0 % 70,8 %
Punkte nach dem 1. Aufschlag in Prozent 59,2 % 50,0 %
Break-Chancen 12 7
Breaks 7 2

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