Raffael Hoffmann mit Challenger-Hattrick beim HTT-Sandplatz-Opening 2019

Raffael Hoffmann hat am Mittwoch Abend seinen fragwürdigen und zweifelhaften Ruf als Schupferkönig der HTT-Challenger-Szene erneut unter Beweis gestellt. Der 20jährige machte im Endspiel der 13. Ausgabe des HTT-April-Challengers mit einer unattraktiven aber höchst effizienten Bringer-Vorstellung seiner Finalgegnerin Mariam Karadzhaeva aus Russland das Leben schwer, und verbuchte nach nur 76 Minuten Spielzeit des finalen Geschlechter-Duells einen letztzlich klaren 6:3, 6:3 Erfolg. Für Hoffmann war es der insgesamt vierte Turniersieg seiner HTT-Karriere, und der dritte Titel auf HTT-Challenger-Ebene. Damit stieß Hoffmann in der ewigen Bestenliste aller HTT-Challenger-Champions unter die Top 10 vor, und hält wie 12 weitere Spieler bei wie erwähnt drei Turniersiegen auf Challenger-Niveau. Bitter endete der Abend des 17. April 2019 hingegen für Russlands neueste weibliche Tennishoffnung Mariam Karadzhaeva, die sich ihr HTT-Final-Debüt wohl ganz anders vorgestellt hatte. Aus dem UTC La Ville berichtet für hobbytennistour.at C.L

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Wenn 42 präzise und druckvoll geschlagene Winner nicht reichen

Man stelle sich folgendes Szenario vor: Ein hochmotivierter und technisch begabter Finalteilnehmer hämmert seinem spielerisch limitierten Gegenüber nicht weniger als 42 präszise und druckvoll geschlagene Winner übers Netz, und das reicht trotzdem bei weitem nicht für einen eigentlich zu erwartenden Sieg. Unfassbar und doch geschehen am vergangenen Mittwoch im Endspiel des April-Challenger-Turniers 2019 im UTC La Ville. Passiert ist dieses kaum zu glaubende “Kunststück” einem russischen Teenager, der in den vergangenen Wochen ganz große Form und vorallem aufsteigende Tendenz in Sachen spielerischer Entwicklung erkennen ließ. Die Rede ist von Mariam Karadzhaeva vom Alt Erlaaer TC, die am frühen Mittwoch Abend nach Nathalie Gratzl, Laura Radakovic, Kristina Glöckler, Annika Glaser und Liel Rothensteiner bereits für die sechste weibliche Finalteilnahme 2019 sorgte, am Ende aber für ein tolles Turnier mit vier Siegen und einer seriösen Finalleistung unbelohnt blieb. Für den vierten Damentitel der Saison nach Gratzl, Glöckler und Rothensteiner reichte es nicht, auch weil die 16jährige Russin in den 76 finalen Minuten zu ungedudlig agierte.

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Heiße Diskussionen zum Spielstil des Raffael Hoffmann

51 unforced errors resultierten schließlich aus Karadzhaevas Ungeduld, die angesichts der Spielweise ihres Gegners aber auch nicht überraschend kam. Mit 42 Winnern und 51 Fehlern bestimmte die Final-Debütantin praktisch im Alleingang das Spielgeschehen am Court Lance Lumsden im UTC La Ville. Hoffmann beschränkte sich auf ein wenig sehenswertes Ball im Spiel halten, und hatte damit wie immer auf Challenger-Ebene seinen gewünschten Erfolg. Hoffmanns Titel löste schon während des Matches vor Ort heftige Diskussionen aus. Gleich eines vorweg: Hoffmanns Art und Weise Tennis zu spielen, ist nichts für Ästheten und Liebhaber technich feinen Tennissports. Er wird mit dem bis zum Exzess getriebenen Schupfertennis auch langfristig gesehen auf höheren Turnierebenen keinen Erfolg haben, doch gegenwärtig auf Challenger-Ebene reichen seine Auftritte allemal. Und sie sind legitim, was die Sache für seine immer wieder frustrierten Gegner noch bitterer macht. Wie schwierig Hoffmann zu bespielen ist, machte das Finale beim 13. April-Challenger-Turnier um die Nachfolge von Vorjahressieger Philipp Fedorcuzk deutlich. Technisch versierter als Karadzhaeva war keiner der insgesamt 53 Challenger-Starter beim Sandplatz-Opening im UTC La Ville, und doch waren sie allesamt ohne Chance.

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Mariams gelegentliche Genieblitze reichen nicht aus – Hoffmann holt nach 31 Minuten den ersten Satz mit 6:3

Mariams Titelchancen im Endspiel währten gerade einmal 12 Minuten, dann hatte sich der russische Teenie-Star das erste Break zum 1:3 eingehandelt. Hoffmanns Bringer-Tennis musste Karadzhaeva mit Fortdauer des Matches mit mehr und mehr Risiko beantworten, und dieser Umstand hatte natürlich jede Menge Fehler der 16jährigen zur Folge. Bitter waren diese “unforced errors” vorallem im fünften Game des ersten Satzes, als Karadzhaeva drei Break-Chancen hatte, schließlich aber Hoffmanns 4:1 Zwischenführung zu akzeptieren hatte. Was der in der Südstadt trainierende Jungstar spielerisch drauf hat, bekamen die Zuseher in den beiden Folge-Games zu sehen, wo sie ihrem überforderten Gegenüber bei eigenem Aufschlag gleich vier unnehmbare Winner um die Ohren knallte, und sich zudem im Spiel darauf als Rückschlägerin mit vier weiteren sensationellen Gewinnschlägen zu Null das Re-Break zum 3:4 sicherte. Doch auf der anderen Seite des Netzes blieb Hoffmann unbeeindruckt, schlug mit seinem zweiten Break zum 5:3 zurück, und machte gegen eine in der Schlussphase des ersten Durchgangs extrem fehlerhafte Gegnerin den Sack nach einer guten halben Stunde zu.

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Hoffmann sorgt für 13. HTT-Challenger-Titel des TC Strebersdorf und Mariam Karadzhaeva nach dem HTT-French-Open-Junioren-Finale 2016 mit bitterer Rückkehr auf den Centercourt des UTC La Ville

Und auch zum Start des zweiten Satzes spielte Karadzhaeva mit ihrem ungeduldigen Powertennis dem späteren Sieger in die Karten. Zwei Doppelfehler obendrein kosteten der Russin gleich im ersten Game ein Break, mit dem sie sich frühzeitig in ernste Bedrängnis brachte. Mit einem zweiten Aufschlagverlust zum 1:4 war die Partie gelaufen, ehe sich Hoffmann bei 5:1 eine Verschnaufpause leistete, und Karadzhaeva mit ihrem gefälligen Angriffstennis zwei Games lang die Zuseher am Centercourt begeisterte. Der letzte Punkt freilich ging an Hoffmann, der vom 51igsten unerzwungenen Fehler seiner Gegnerin profitierte, und sich am Ende mit Minimalisten-Tennis von nur 10 Eigenfehlern bei 9 Winnern zum April-Challenger-Champion krönte. Der 20jährige baute seine HTT-Finalbilanz damit auf 4:0 Siege aus, und er holte als sechster Spieler des TC Strebersdorf einen Titel auf HTT-Challenger-Ebene. Nach Felix Sasgasser und Klaus Klune ist Hoffmann obendrein der dritte Strebersdorfer mit drei HTT-Challenger-Erfolgen. Zudem war es für die von Damian Roman trainierten “Blau-Jacken” bereits der 13. HTT-Challenger-Titel insgesamt. Apropos Damian Roman: Der 19fache HTT-Titelträger hatte im Mai 2016 einer gewissen Mariam Karadzhaeva nach dem Endspiel des HTT-French-Open-Junioren-Finales die Trophäe für den zweiten Platz überreicht. Die Rückkehr der Mariam K. auf den mittlerweile Court Lance Lumsden getauften Centercourt hätte also im Falle eines Sieges beim April-Challenger 2019 die ganz große Story werden können, wenn ja wenn da nicht ein gewisser Raffael Hoffmann, seines Zeichens Schupferkönig der HTT gewesen wäre.

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