Super-Wetter und Super-Leistungen beim Juni-Second-Series

Neuerlich prächtiges Wetter am zweiten Spieltag beim Juni-Second-Series-Turnier 2007. Und besser als die äußeren Bedingungen waren an diesem “heißen Juni-Samstag” nur mehr die Leistungen der Second-Series-Stars, die abgesehen von körperlichen Höchstleistungen auch spielerisch die Besucher der Round-Robin-Matches mit sehenswerten Darbietungen belohnten. Im Blickpunkt diesmal der “debütierende Nachwuchs” der Future-Tour, der Erfolgsrun von Markus Posteiner und ein echtes Husarenstück von Nihad Berzengi. Ein Bericht vom 2. Spieltag von C.L

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Robert Heuberger gewinnt bei Tour-Debüt das “Sauna-Derby” am Centercourt

Über Sieg oder Niederlage bzw. Aufstieg ins Viertelfinale oder Vorrunden-K.o entschied an diesem zweiten Spieltag beim Juni-Second-Series-Turnier aber nicht nur die einzelne Performance der Hobby-Tennis-Stars, sondern auch ein wenig Glück bei der Ansetzung des Spielplanes. Das Hannes Gellner und Andreas Krendl am Ende eines abermals hochsommerlichen Tennistages mit leeren Händen und verbitterter Miene da standen, war ob ihrer “Doppelbelastung” riesiges Pech, das so manch anderem Akteur Gott Lob erspart blieb. Es war nämlich echt ein heißer Tag dieser 9. Juni des Jahres 2007. Schon früh morgens um 10 Uhr als die Herren Krendl und Heuberger den Centercourt zum Eröffnungsspiel des Tages betraten, heizte die Sonne den “Backofen Leberstraße” so richtig auf. Hitzeresistent präsentierten sich derweil aber die beiden Protagonisten des ersten Spiels zum Tag, die der “Centercourt-Sauna” zum Trotz einen sehenswerten Schlagabtausch hinlegten. Krendl mit der Hoffnung auf den ersten Einzelsieg seiner Karriere bemüht und sehr engagiert, hielt zunächst die Partie gegen Tour-Neuling Robert Heuberger offen. Der 12jährige Debütant und Sohn von Mai-Grand-Slam-Doppel-Finalist Norbert Heuberger, sorgte perfekt “gecoacht” von Mama Heuberger für eine gelungene Tour-Premiere und für frohe Gesichter im Heuberger-Tennis-Clan. “Für den Robert ist wichtig das er Spass an der Sache hat, und das er Spielpraxis sammeln kann”, meinte der stolze Papa nach dem 7:5, 6:3 Erfolg des Juniors. Und Spass hatte Robert in jedem Fall, wie er nach seinem ersten Spiel auf der Tour bestätigte. Weniger spassig fand derweil wohl Andreas Krendl, was sich rund um seinen zweiten Second-Series-Start abgespielt hat. Denn während sein Bezwinger Robert Heuberger unter einem der schattenspendenden Sonnenschirme am Centercourt Zuflucht suchte, musste er zu seinem zweiten Auftritt in Pool F ran. Das der mit 1:6, 0:6 gegen das “schweizer Future-Tour-Talent” Horst Gfeller höchst brutal ausfiel, führte Krendl ausschließlich auf das “zweite Match in Folge” bei der brutalen Mittagshitze zurück. “Ich hatte im zweiten Satz Krämpfe und konnte absolut nichts gegen die Niederlage machen. Schade, denn gegen den Horst hätte ich mir bei Chancengleichheit doch einiges ausgerechnet. Ich glaube dass Gfeller doch um einiges schwächer als der Heuberger ist, und damit die Entscheidung in unserer Gruppe zugunsten Roberts fallen wird”, nahm Andreas die ärgerliche Niederlage gegen Gfeller betont “gentleman-like” zur Kenntnis.

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Starke Future-Tour-Kids – Gfeller sorgt für ersten Einzelsieg der Schweiz seit Juli 2004

Der Auftritt von Horst Gfeller war indes auch abseits der Diskussion um etwaige Fairness ein ganz bemerkenswerter. Denn der 14jährige sorgte nicht nur für ein sensationelles und erfolgreiches Debüt bei den Erwachsenen, sondern er steuerte auch den ersten schweizer Einzelsieg auf der Hobby-Tennis-Tour seit Juli 2004 bei. Damals feierte Daniel Hengartner beim Juli-GP-Turnier 04 auf der Schmelz einen mühevollen Dreisatz-Erfolg in Runde 1 über Hannes Gellner, knapp drei Jahre später besserte Gfeller die “Matchbilanz der Eidgenossen” mit einem souveränen 6:1, 6:0 Sieg über Krendl auf. Der eigentlich in Österreich geborene Future-Tour-Spieler besitzt ausschließlich die schweizer Staatsbürgerschaft, und seinen Nationalstolz trug der 14jährige an seinem Premieren-Tag auf der Tour mit dem Schweizerkreuz am Schweißband zur Schau. Eine Schau war freilich auch die Art und Weise, wie Gfeller unerschrocken und scheinbar ohne Nervosität die sich ihm bietende Chance einen müden Gegner aus dem Aufstiegsrennen um einen Viertelfinalplatz in Pool F zu nehmen nützte. “Ich habe gut gespielt und ich freue mich über diesen ersten Sieg”, verkündete der Mini-Federer, während am Nebencourt noch sein Freund und Trainingspartner Marcel Pliemitscher ein schweißtreibendes Tour-Debüt hinter sich zu bringen versuchte. Und viel fehlte am Ende nicht, und die beiden Future-Tour-Neulinge hätten einen erfolgreichen Doppelpack-Einstand hingelegt. 6:4 und 5:4 führte der 14jährige in seinem Auftaktspiel gegen Hannes Gellner, spekulierte dabei bei Aufschlag seines Gegners und 0:40 wohl schon mit der großen Sensation, ehe er in der Hitze des Gefechts alle drei Matchbälle ungenützt ließ und in der Folge aufgrund seiner Jugend Opfer mangelnder Routine wurde. Da spielte Gellner plötzlich clever und routiniert Bälle ins Feld, wie er sie davor fast zwei Sätze lang vergeblich zu spielen versuchte, und er riss das scheinbar verloren geglaubte Auftakt-Match von Pool C noch herum. “Großes Lob an Marcel. Er hat fast zwei Sätze lang ganz toll gespielt. Ich habe wie immer einiges an Anlaufzeit benötigt”, war Gellner über den knappen Sieg hoch erfreut, während Pliemitscher seiner ersten Enttäuschung mit einem “Karriere-Ende beim Karriere-Debüt” Ausdruck verleihen wollte. “Das macht ja überhaupt keinen Sinn. Ich gehe wieder auf die Future-Tour zurück und werde kein Second-Series-Turnier mehr spielen”, sinnierte der Junior.

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Future-Tour-Queen Bozana Djordjic feiert im Doppel gelungene Tour-Premiere

Marcels Tour-Debüt fällt trotzdem in die Kategorie gelungen, weil allein die Art und Weise wie er sich beim ersten Antreten im Kreis der Erwachsenen präsentierte für die Zukunft einiges erwarten läßt. Ähnlich ist die Situation bei Bozana Djordjic, die als erste Future-Tour-Spielerin die beim letzten Nachwuchs-Turnier gewonnene Wild-Card für den Juni-Second-Series-Doppelbewerb nützte, und dort gleich mit einem Erfolg aufhochen ließ. Die 11jährige Challenger-Queen, heuer schon 5fache Saisonsiegerin auf der Future-Tour, gewann an der Seite des Doppel-Champions-Race-Siegers von 2006 Franz Korger das Achtelfinal-Duell mit Patrick Meinhart und Matthias Burianek 6:3, 7:5. Überraschender als der Sieg gegen das von Top-Ten-Star Patrick Meinhart geführte gegnerische Doppel war aber die Darbietung, die das 11jährige Mädel zur Freude ihrer Eltern am Samstag Nachmittag bot. Da spielte das Future-Tour-Super-Girl frech und frei drauf los, retournierte die wuchtigen Angriffe von Meinhart & Co ohne nennenswerte Probleme und feierte so unter der bewährten Führung ihres Coaches einen durchaus verdienten Sieg beim Tour-Debüt. “Ich bin sehr stolz auf Bozanas Leistung”, strahlte auch Franz Korger. Weniger Grund zur Freude hatten am zweiten Spieltag beim Juni-Second-Series-Turnier die anderen Jugendspieler im Bewerb. Für “Jana” Aubram folgte nur 24 Stunden nach ihrem imposanten Zweisatz-Erfolg über Peter Golzar die Ernüchterung in Form eines krassen 2:6, 1:6 Debakels gegen den Mai-Second-Series-Champion Markus Posteiner und das Aus in Gruppe G. Und auch für Jakob Kerschenbauer war einen Tag nach dem glorreichen Triumph im Tie-Break-Krimi gegen Markus Schiller im zweiten Vorrunden-Match der Spass vorbei. Gegen einen abermals stark verbesserten Christoph Eigenseder war insgesamt kein Kraut gewachsen, auch nicht im zweiten Satz, wo der Kerschenbauer-Junior dem späteren Sieger zumindest ergebnistechnisch etwas zusetzen konnte.

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Posteiner und Karlik ziehen mit “Doppelpack” ins Viertelfinale ein

Auf einer ganz anderen Welle schwimmt hingegen derzeit Markus Posteiner. Der 20jährige setzte am Samstag seinen gigantischen Erfolgs-Run auf Second-Series-Ebene fort, und feierte mit dem “Gruppe G-Doppelpack” gegen Tatjana Aubram und Peter Golzar nicht nur den souveränen Aufstieg ins Juni-Second-Series-Viertelfinale, sondern auch bereits die Second-Series-Einzelsiege Nr. 5 und 6 in Folge. Der Mai-Champion spielte auch während der beiden Gruppenmatches in großer Form, und fühlt sich gerüstet für den weiteren Verlauf des Turniers. “Der Sieg hier führt ganz klar über mich”, gibt sich der 20jährige betont optimistisch. Ähnlich souverän und im Doppelpack sicherte sich auch Posteiners Doppelpartner Rene Karlik den Aufstieg ins Juni-Second-Series-Viertelfinale. Der 23jährige beraubte zunächst den mazedonischen Gruppenfavoriten Vladimir Popovski um dessen Aufstiegshoffnungen und den zweiten Einzelerfolg beim Comeback innerhalb von 24 Stunden. Und wenig später demolierte Karlik mit einem zweiten klaren Erfolg auch die Mini-Chancen von Matthias Burianek, der als Turnierfavorit gehandelt, sieglos die Heimreise antreten musste.

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“Held” Berzengi gewinnt Horror-Gruppe gegen starke internationale Konkurrenz

Während die Gruppen F und G also relativ spannungslos über die Bühne gingen, hatte der zweite topbesetzte Pool beim Juni-Second-Series-Turnier ein Szenario der sensationellen Art zu bieten. Mit dem April-Second-Series-Sieger Nihad Berzengi, dem deutschen Tour-Newcomer Helge Leis und dem russischen März-Second-Series-Champion Robert Macheev war für tolle Matches und Spannung ohne Ende in Pool E schon im Vorfeld unter Garantie gesorgt. Und so kam es dann auch, erlebten die Spieler der ersten Begegnungen der Horror-Gruppe Dramatik pur. Zum Hauptdarsteller im Aufstiegs-Krimi der Gruppe E avancierte schließlich Nihad Berzengi. Der in der Vergangenheit eigentlich stets als labil und mental schwach gehandelte 16jährige, wurde ausgerechnet im “nervenaufreibenden Matchball-Spektakel” der Horror-Gruppe E zum großen Helden. Teil 1 eines unglaublichen Husarenstücks lieferte Berzengi im Duell mit Robert Macheev. Nachdem der TC Top Serve-Nachwuchsstar vier Matchbälle abgewehrt hatte, fixierte er im zweiten Duell mit seinem russischen Gegner den zweiten Sieg. Davor erlebten Nihad & Robert wohl eine seltene Hochschaubahnfahrt der Gefühle. Knapp vorm Triumph, und dann doch wieder in der Hölle, das Auf und Ab der Gefühle fand auch in einem ständigen Up and down in den Leistungen der beiden Spieler am Centercourt seinen Niederschlag. Macheev holte Satz 1 mit 6:3 und schien nachdem er einen 0:4 Rückstand im zweiten Heat aufgeholt hatte, der sichere Sieger zu sein. Erst recht, als der 26jährige Russe bei 5:4 zwei Matchbälle vorfindet. Doch statt den Weg zum Shakehands an Netz anzutreten, führte ihn seine mangelnde Kaltschnäuzigkeit in den entscheidenden Phasen des Matches geradeaus in den Tie-Break, der in Puncto Spannung und Dramatik noch einiges mehr zu bieten hatte. Berzengi “schlug” sich eine komfortable 6:1 Führung und 5 Satzbälle heraus, ehe sich Macheev aus dieser schier ausweglosen Situation befreien konnte. Macheev machte nicht nur 5 Punkte in Folge, sondern er besorgte sich in diesem Tie-Break auch die Matchbälle Nr. 3 und 4. Freilich ohne einen dieser “big points” entsprechend nützen zu können, und so ging am Ende nicht nur dieser Tie-Break mit 8:10 verloren, sondern auch die Partie im dritten Durchgang mit 1:6.

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Helge Leis läßt gegen Berzengi 5:2 Führung samt Matchbällen im 3. Satz ungenützt

Minuten später hatte Berzengi aus dem “mentalen Meisterstück” gegen Macheev einen Triumph der besonderen Art gemacht. Denn der 16jährige fixierte mit einem 6:2, 4:6, 7:5 Erfolg über Helge Leis nicht nur den Gruppensieg samt Aufstieg ins Juni-Second-Series-Viertelfinale, sondern er wiederholte gegen den deutschen Aufschlagriesen das Kunststück abgewehrter Matchbälle. Das am Vortag wegen Dunkelheit abgebrochene Duell lief zunächst ganz klar in Richtung Sieg des Deutschen, doch Helge Leis verjuxte leichtsinnig eine 5:2 Führung samt “doppeltem Matchball” und verhinderte so eine spannende und offene Entscheidung in Gruppe E bis zum letzten Spiel. “Wenn eine 5:2 Führung nicht zum Sieg reicht und man so spielt wie ich heute, dann hat man nichts auf einem Tennisplatz zu suchen”, schimpfte der symphatische Deutsche. Ganz ohne Beigeschmack konnte Berzengi seinen großen Triumph freilich nicht genießen. Das Verhalten am Platz während seiner beiden Vorrundensiege stieß nicht nur Russlands Robert Macheev sauer auf, sondern sorgte auch beim deutschen Tour-Neuling Helge Leis für kritische Töne. Immerhin spielte sich Berzengi an diesem Samstag Nachmittag als “Tennisrüpel” auf. Der 16jährige entgleiste mehrmals mit verbalen Ausrastern und übertriebenen “Push-Versuchen”, die in ihrer Art an den Martin Kova vergangener Zeiten erinnerte und nicht nur bei der deutsch-russischen Gegnerschaft für Kopfschütteln sorgte.

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Super-Oldies Krammer und Stegmüller vor Aufstieg ins Viertelfinale

Der Samstag beim Juni-Second-Series-Turnier wurde aber auch zum Tag der Tour-Oldies. Johann Krammer holte sich im Kampf mit Jürgen Thomann und gegen die brütende Juni-Hitze mit einem 1:6, 6:0, 7:5 Erfolg sein Viertelfinal-Ticket und zeigte sich nach dem zweiten Marathonsieg binnen 24 Stunden sehr zufrieden. “Ich bin mit dem heutigen Tag sehr glücklich. Endlich wieder einmal zwei Spiele in Serie gewonnen zu haben, egal wer der Gegner war, das ist für mich sehr wichtig”, jubelte Krammer. Und auch Herbert Stegmüller hat am Samstag Nachmittag einen ersten Schritt in Richtung Viertelfinale gesetzt. Der 64jährige stellte mit einem 6:3, 6:3 Erfolg über Hannes Gellner im Head to Head auf 2:2, übernahm damit die Tabellenführung in Gruppe C und schickte Pliemitscher-Bezwinger Hannes Gellner vorzeitig nach Hause.

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Claus Lippert, 9. Juni 2007