Nathalie Gratzl gewinnt epische Tennisschlacht

Teenie-Star Nathalie Gratzl ist auf HTT-Challenger-Ebene weiter nicht zu stoppen und drauf & dran, nach ihrem Sieg beim Mai-Challenger im UTC La Ville ihren nächsten Challenger-Titel auf Österreichs größter Breitensport Tennisserie einzufahren. Die 13jährige vom TK Big Point Muckendorf gewann am Dienstag Nachmittag im ersten Semifinale des OTC Open Challengers ein episches Generationen-Duell gegen den 31 Jahre älteren Tour-Newcomer Waldemar Jud nach 3:04 Stunden Spielzeit mit 2:6, 7:6, 7:6, und feierte damit bereits ihren neunten HTT-Challenger-Einzelsieg in Serie. Im Kampf um ihren zweiten HTT-Challenger-Karriere-Titel bekommt es der erfolgsverwöhnte Teenager im Endspiel mit Tour-Debütant Raphael Hagenhofer zu tun, der im Schatten Gratzls mit seinem vierten Kantersieg in Folge in sein Premieren-Finale stürmte. Vom Ober St. Veiter Tennisclub berichtet für hobbytennistour.at C.L

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Gratzl und Jud lieferen sich 184 Minuten lang einen epochalen Fight um den Einzug ins OTC-Open-Challenger-Finale

Was war das für ein episches Match, was war das für eine geniale Show, die uns Teenie-Star Nathalie Gratzl und OTC-Lokalmatador Waldemar Jud im Semifinale des OTC Challengers am Centercourt des Ober St. Veiter Tennisclubs geboten haben! So lautete der Aufmacher auf den diversen Social Media Kanälen der Hobby-Tennis-Tour, der den Lesern kurz und knapp vermittelte, was an diesem Nachmittag des 14. August 2018 am “Court Central” des Jennerplatzes hoch über Wien abging. Es war ein epochales Treffen zweier völlig unterschiedlicher Spielertypen. Alter, Geschlecht, Spielstil, konträrer gings nicht, und doch – oder gerade deshalb – entwickelte sich das ultimative Tennismatch und mit Sicherheit das Spiel des Turniers. Es waren weniger die 3:04 Stunden Spielzeit, sondern vielmehr das, was Nathalie & Waldemar in den 184 Minuten am Centercourt anzubieten hatten. Ein Duell das alles bot, was Tennis ausmacht, ein Treffen zweier Kampfmaschinen, die alles was sie hatten in diesen knapp drei Stunden auf dem Platz ließen. Körperlich sowieso, aber auch mental agierten Gratzl und Jud phasenweise über ihren Grenzen, und machten so aus einem gewöhnlichen Challenger-Semifinale einen epochalen unvergesslichen und letztlich phantastischen Tennisnachmittag.

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Gratzl & Jud bringen Kritiker an der Centercourt-Ansetzung zum Verstummen

Als Gratzl knapp nach 18 Uhr mit gewonnenem Tiebreak den Satzausgleich fixiert hatte, gab es draußen im zahlreich erschienenen Publikum großes “Murren & Raunzen” ob der Spielansetzung des Veranstalters am Centercourt des OTC. Es wäre ein Fehler gewesen, ein Challenger-Spiel vor dem Match des Tages beim Masters-1000-Turnier zwischen dem 2fachen OTC-Champion Florian Brunner und Prüger-Bezwinger Florian Kopf anzusetzen. PUSTEKUCHEN – Es war die goldrichtige Entscheidung, denn im dritten Satz wurde die Challenger-Schlacht richtig “spacig”. Während sich Gratzl und Jud im Entscheidungssatz den ultimativen Tennisfight am Centercourt lieferten, hatte Florian Brunner mit 6:1 schon den ersten Satz gegen Florian Kopf eingetütet. Man hatte also nichts versäumt, und das Challenger-Duo den Topstars des OTC Open Masters 1000-Turniers längst die Show an diesem Nachmittag gestohlen.

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Jud im dritten Satz bei 0:3 wie ein angeschlagener Boxer, ehe er zum großen Comeback ansetzte

Hatte Jud im ersten Satz mit typischem Seniors-Tennis, mit viel “Ball solide reinspielen” der 13jährigen Gegnerin die Schneid abgekauft und mit 6:2 die 1:0 Satzführung hergestellt, wurde Gratzl im zweiten Durchgang ihren Kämpferqualitäten gerecht, und katapultierte sich mit gewonnenem Tie-Break in den alles entscheidenden dritten Satz. Und dort wurden die Zuschauer dann Zeugen eines unfassbaren Tennismatches. Jud schienen die Kräfte längst verlassen zu haben, als er bei 0:3 zum Seitenwechsel schlich, und dort wie das gesamte Match über seinen Tennisarm mit Eiswürfeln kühlte. Niemand im Publikum hätte in diesem Moment auch nur einen einzigen Cent auf den 44jährigen Lokalhero gesetzt, nicht einmal seine Buddies vom OTC. Wie denn auch, schlapfte Jud bis hierher wie ein angeschlagener Boxer über den Centercourt. Der 44jährige konnte keine aktiven Akzente mehr setzen, nur mehr auf Gratzls Angriffsschläge reagieren und versuchen, das bitterste aller Endszenarien mit einem 0:6 zu vermeiden. Das Game zum 1:3 schien die erhoffte Ergebniskosmetik gewesen zu sein, ehe Gratzl wieder den 3 Games Vorsprung herstellte.

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Hitchcock-Spannung im finale furioso

4:1 Gratzl im dritten Satz, allseits freundete man sich schon mit dem nahen Ende des Matches an, als die wundersame Auferstehung Juds diesem Semifinal-Duell die Note “unfassbar” verlieh. Jud warf körperlich und kämpferisch die letzten Körner in die Schlacht, stemmte sich durchgenässt und mit Schmerzen im Arm gegen die jugendliche Power auf der anderen Seite des Netzes und die drohende Niederlage, während bei Nathie plötzlich der Kopf die entscheidende Rolle übernahm. Klar, wenn du 3:0 und 4:1 gegen einen Gegner führst, der jeden Moment zusammenzubrechen droht. Dann verlierst du irgendwann den Fokus, nimmst das Spiel im Unterbewusstssein vielleicht nicht mehr zu 100 Prozent ernst, und bumm ….. schon ist es passiert. 4:4 – Jud war zurück und Gratzl wähnte sich wohl im falschen Film. Ein Film der im Finish zum Krimi wurde, der alle Facetten einer spannungsgeladen Hitchcock-Verfilmung zu bieten hatte. Gratzl führte in der Folge 5:4 und 6:5, Jud behielt beide Male bei eigenem Aufschlag die Nerven und konterte zum Ausgleich, ehe er im Tie-Break die Sensation geschafft zu haben schien. 4:0 führte er dort gegen eine sichtlich frustrierte Teenagerin, die aber eines nie tut, nämlich aufgeben. Die 13jährige entwickelt auf dem Platz in jeder Sekunde und jeder Situation einen gewissen Esprit, und mit dem dokumentiert sie zu jeder Zeit ihre Präsenz auf dem Court. Das bekam auch Jud zu spüren, und durch diesen Esprit bekamen auch die Zuschauer ein “finale furioso geboten”. Nichts für schwache Nerven war es, als Gratzl bei 6:5 einen Matchball vergab, Jud bei 7:6 mit Matchball dicht vor dem Triumph stand, ehe sich die 13jährige mit ihrem dritten Matchball 10:8 durchgesetzt hatte. WAS FÜR EIN SPIEL – DANKE AN NATHALIE UND WALDEMAR

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