Die Favoriten beim Mai-Grand-Slam-Turnier 2007

Ein Dreikampf wird allgemein erwartet, wenn es ab morgen Donnerstag bis einschließlich Sonntag um den begehrtesten Sandplatz-Titel der Saison geht. Die “French Open der Hobby-Tennis-Tour” stehen zum 16 Mal auf dem Programm und ziehen einmal mehr die Stars der Hobby-Tennis-Szene in ihren Bann. Mit Ausnahme des weiterhin an der Schulter verletzten Tashi Liu ist die gesamte Top-Ten-Elite auf der Jagd nach dem zweiten Saison-Grand-Slam-Titel, der neben 200 Punkten für das Champions-Race auch jede Menge Reputation mit sich bringt. Wer am Sonntag Nachmittag aus den Händen des Veranstalters den Siegerpokal entgegennehmen kann und mit einer Sektdusche a la Formel 1 am Centercourt feiern wird, analysieren wir im folgenden Bericht.

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Andreas Harbarth will zweiten Schritt auf dem Weg zum “Grand-Slam” machen

Noch vor wenigen Wochen war er der ganz große Favorit auf den Mai-Grand-Slam-Titel 2007. Andreas Harbarth, 3facher Saisonsieger und überlegener Ranglisten-Leader galt als unantastbar, als unschlagbar für die Konkurrenz. Doch in den letzten beiden Wochen vor dem großen Sandplatz-Showdown der besten Tourspieler hat der 23jährige einiges von seiner Überlegenheit und vom Mythos der Unbesiegbarkeit eingebüßt. Im Viertelfinale des Mai-Super-4-Turniers gegen Christoph Wagner endete nach 15 Siegen nicht nur Harbarths Siegesserie, sondern auch sein Nimbus vom Super-Hero der sich mit der Konkurrenz nur spielt. So nebenbei wird ihm in den letzten Tagen auch eine gewisse Formlosigkeit nachgesagt. Dennoch zählt der 23jährige zum engsten Favoritenkreis. Kein Wunder, plant der Champions-Race-Führende doch den nächsten Schritt in Richtung großes Saisonziel zu setzen, und das lautet ja immerhin den Grand Slam zu gewinnen. Alle 4 Grand-Slam-Turniere innerhalb eines Jahres für sich zu entscheiden, dieses Kunststück ist bis dato noch keinem Spieler in der Tour-Geschichte gelungen. Zuversicht schöpft Harbarth mit Sicherheit auch nach einem Blick auf die Statistik, die ihm mit 10:0 Siegen eine lupenreine Grand-Slam-Bilanz ausweist.

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Christoph Wagner in bestechender Form und Topfavorit Nummer 1

Der große Harbarth-Herausforderer und für viele Tour-Insider sogar bereits Titelanwärter Nr. 1 ist Christoph Wagner. Der 16jährige präsentierte sich zuletzt egal ob bei den Turnieren, auf Meisterschafts-Ebene oder im Training in bestechender Form und strebt am Wochenende nach seinem ersten Mai-Grand-Slam-Titel. Der Ranglisten-Dritte könnte dabei ein Kunststück schaffen, das in 16 Jahren Hobby-Tennis-Tour noch keinem Spieler geglückt ist, nämlich den Titel-Hattrick bei den drei größten Sandplatz-Turnieren der Hobby-Tennis-Tour in einer Saison. April-Grand-Prix, Mai-Super-4 und Mai-Grand-Slam, die drei Sand-Klassiker innerhalb eines Monats zu gewinnen, ist nicht einmal den Sandplatz-Königen Klaus Hofer und Martin Kova gelungen. Die Favoritenstellung Wagners wird auch durch die imposanten wie aktuellen Super-Serien des Jungstars untermauert. Wagner, der bei seinen letzten drei Sandplatz-Starts immer den Sieg davontrug, ist zudem auf Sand seit 15 Matches ungeschlagen und im Freien sogar 19 Spiele ohne Niederlage.

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Titelverteidiger Bernhard Nagl will “Mai-Grand-Slam-Hattrick”

Während der zweifache Mai-Super-4-Sieger Christoph Wagner also den Saison-Titel-Hattrick anpeilt, startet Titelverteidiger Bernhard Nagl dieser Tage sogar das Unternehmen “Mai-Grand-Slam-Hattrick”. Am 10. Juni 2004 setzte es im Semifinale gegen Patrick Schwing die letzte Niederlage beim “French Open der Hobby-Tennis-Tour”, seither ist der 29jährige Masterssieger beim Mai-Grand-Slam ungeschlagen. Mit 10 Einzelsiegen in Serie eroberte “Bernie” zuletzt gleich zweimal den wichtigsten Sandplatz-Titel der Tour. Doch heuer scheint der Vorjahressieger bislang noch nicht in Form gekommen zu sein. Ihn deshalb aber vorzeitig abzuschreiben und aus dem Titelrennen zu nehmen, wäre ein grober Fehler. Immerhin kam Nagl auch im Vorjahr ohne “Form” und mit einer schlimmen Mai-Super-4-Niederlage gegen Christoph Wagner zum Mai-Grand-Slam, ehe er den 4. Major-Titel seiner Laufbahn eroberte.

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Holt Robin Douglas den ersten deutschen Grand-Slam-Titel auf der Tour

Am ehesten sich in den Giganten-Dreikampf um den Mai-Grand-Slam-Titel einzumischen wird laut Tour-Experten wohl dem Mai-Grand-Prix-Sieger Robin Douglas zugetraut. Der an Nummer 6 gesetzte Deutsche hat spielerisch absolut das Potential das favorisierte Trio zu fordern, einzig im mentalen Bereich dürften dem 30jährigen Grenzen gesetzt sein. “Robin könnte den Titel holen, doch er hat es mental nicht drauf. Er glaubt nicht an sich und den möglichen Erfolg”, weiß sein Coach Harald Selak. Vielleicht kommt das Mai-Grand-Slam-Turnier für den charismatischen Deutschen um ein Monat zu früh. Immerhin trainierte Douglas in den letzten Wochen höchst intensiv, eine Arbeit die sich zumindest statistikmäßig bezahlt zu machen scheint. Douglas ist seit 14 Spielen ungeschlagen und müsste nur 48 Stunden nach seinem dritten Saisonerfolg mit Selbstvertrauen vollgepumpt sein.

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Kunz-Ebner-Seemann, ein hochkarätiges Außenseiter-Trio

Ein hochkarätiges Trio mit den Herren Michael Kunz, Hans Ebner und Thomas Seemann bildet die Riege der gefährlichen Außenseiter. Ein Mai-Grand-Slam-Sieger aus diesem Trio wäre eine Überraschung, obgleich die drei Top-Ten-Stars an jedem Tag in jedem Match zu jeder Zeit einen der absoluten Top-Favoriten aus dem Turnier zu nehmen im Stande sind. Für den großen Wurf, sprich Titelgewinn scheinen aber alle drei nicht in Frage zu kommen. Kunz hat bislang in dieser Saison auf Sand nicht überzeugen können, wartet seit 9 Turnieren auf einen Titelgewinn und zählt auch bei der unmittelbaren Konkurrenz auf Sand nicht zum Favoritenkreis. Für Hans Ebner setzte es zuletzt im Semifinale des Mai-Super-4-Turniers einen Dämpfer, war er doch dort gegen Martin Kova beim 1:6 1:6 ziemlich chancenlos. Doch für den Saisonhöhepunkt ist der Korneuburger wieder voll motiviert. Als Nummer 5 will der Vorjahres-Finalist neuerlich für Furore sorgen. Die große Galavorstellung auf Sand ist bislang auch Thomas Seemann in dieser Saison schuldig geblieben. Im Jänner mit dem GP-Titel als erster Champion des Jahres toll gestartet, wartet der 30jährige seither auf Sand auf einen vollen Erfolg. Pech kam zudem am Mittwoch Nachmittag durch das Hinausrutschen aus der Gesetztenliste hinzu. Seemann musste durch sein Fehlen beim Mai-Grand-Prix-Turnier ausgerechnet seinen Intim-Feind Martin Kova um lächerliche 29 Punkte vorbeiziehen lassen.

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Martin Kova – der sentimentale Favorit auf den Mai-Grand-Slam-Sieg

Erwähnter Martin Kova hat mit seinem ersten Finaleinzug seit April 2006 nicht nur den letzten Platz in der Setzliste erobert, sondern mit seiner Vorstellung bis zum Finale ein deutliches Lebenszeichen von sich gegeben. Unmittelbar vor “seinem Turnier” ist der ehemalige Ranglisten-Erste also wieder in Form gekommen. Und mittlerweile ist Kova vom einstigen “bösen Buben” zum sentimentalen Turnierfavoriten avanciert. So wie einst Pete Sampras bei den Profis, der von Sieg zu Sieg eilte, ehe er im Herbst seiner Karriere Niederlage um Niederlage einzustecken hatte. Bei den US Open 2002 schlug der sentimentale Favorit dann noch einmal zu. Ein Erfolg den sich auch Kova wünschen würde. Wie es geht beim größten und wichtigsten Turnier des Jahres zu gewinnen weiß wohl keiner besser als der 24jährige. Insgesamt 4 Mal triumphierte der Ranglisten-Neunte bei den “French Open der Hobby-Tennis-Tour”, womit er gemeinsam mit Klaus Hofer Rekord-Champion dieser Veranstaltung ist. Ein fünfter Titel wäre die Mega-Story des Jahres, und zugleich auch Kovas 30. Turniersieg seiner Laufbahn. Einher würde damit auch sein 16. Sandplatz-Titel gehen, der ihn zum Rekord-Sandplatz-Sieger der Tour-Geschichte machen würde.

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Viele starke “ungesetzte” Spieler auf der Jagd nach den Top-Ten-Stars

Das der zweite Grand-Slam des Jahres nicht erst ab dem Viertelfinale spannend wird, könnte Aufgabe der vielen ungesetzten Topsieler werden. Gerald Scheller feiert sein Mai-Grand-Slam-Debüt und ist unter den Gesetzten genauso gefürchtet wie Christian Weiss, der vor seinem Heim-Turnier bei WAT Landstrasse auf Kunstrasen auch auf Sand die Asse ärgern möchte. Gespannt kann man auch auf Norbert Heuberger sein, der beim Mai-Super-4-Turnier immerhin Hans Ebner ausschalten konnte. Die bulgarischen Farben vertritt Mai-Super-4-Halbfinalist Emil Badinski, Stanislav Perepelkin ist wohl die größste russische Mai-Grand-Slam-Hoffnung und mit Helge Leis debütiert schließlich noch ein weiterer deutscher Tourspieler.

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Claus Lippert, 30. Mai 2007