Sensation Matthias Wolf – Titelverteidiger Vukicevic verpasst erhofftes Traumfinale

Der mit so großen Erwartungen und extrem siegessicher gestartete serbische Ranglisten-Zweite Vladimir Vukiceivc musste in der Nacht von Freitag auf Samstag im zweiten Semifinale der HTT-Tour-Finals 2017 eine ganz bittere Erfahrung machen, und nach souverän absolvierter Gruppenphase mit drei Vorrundensiegen seine Hoffnungen auf eine erfolgreiche Titelverteidigung überraschender Weise begraben. Der 36jährige Vorjahressieger musste sich in einem lange Zeit umkämpften und insgesamt 2:46 Stunden dauernden Fight dem 7 Jahre jüngeren Sensationsmann Matthias Wolf vom SKVS Flötzersteig mit 6:7, 6:4, 4:6 geschlagen, und damit auch das Rennen um die Nummer 1 Position am Jahresende gegen Wolfs Finalgegner Lukas Prüger verloren geben. Für den 3fachen HTT-Wimbledonsieger war es die erste Niederlage auf Masters-Ebene nach zuletzt acht Einzelsiegen en suite, während sich sein Bezwinger aus dem Schatten der Topstars heraus, zur großen Turniersensation empor spielte, und mit dem erstmaligen Einzug ins Endspiel der HTT-Tour-Finals seinen größten Karriere-Erfolg feierte. Ein Bericht von C.L

img_3825

img_3831

Matthias Wolf lässt mit seiner persönlichen Sensations-Geschichte das Traumfinale der 28. HTT-Tour-Finals platzen

Juli-HTT-500-Sieger Matthias Wolf ist seit Freitag Abend endgültig die große Sensation der 28. Auflage der HTT-Tour-Finals im UTC La Ville. Der 29jährige Wiener, von vielen HTT-Insidern und Experten als Vielspieler und Punktesammler belächelt, nach zwei Vorrundentagen sieglos vor dem Aus stehend und erst am letzten Abdruck mit einem Zweisatz-Erfolg über Alexander Schager ins Semifinale der HTT-Finals am Altmannsdorfer Ast aufgestiegen, avancierte in der halbfinalen Night Session vor voller Halle nicht nur zur ganz großen Turnier-Überraschung, sondern auch zum Spielverderber für alle jene Herrschaften, die für den abschließenden Finaltag den großen Showdown der beiden erfolgeichsten HTT-Spieler der letzten 52 Wochen präferiert hätten. Es schien angerichtet für das Traumfinale zwischen den Nummern 1 und 2, dem amtierenden HTT-French-Open-Sieger und dem seit heuer 3fachen HTT-Wimbledon-Champion, dem Saisondominator und dem Titelverteidiger zum abschließenden Duell um die Nummer 1. Im allerletzten Match einer Saison mit 122 Turnieren wäre die Entscheidung gefallen, wer das Jahr als HTT-Branchenführer beendet. Doch dann kam Matthias Wolf, und schrieb mit seinem ganz persönlichen Masters-Märchen eine völlig andere Geschichte. Und was für eine obendrein!

img_3824

Wolf nach 67 Minuten mit 7:6 in Front und seinen Gegner in Sachen Titelverteidigung massiv unter Druck gebracht

Die Uhr am Centercourt des UTC La Ville zeigte 01:31, als Matthias Wolf seinen Schläger fallen ließ, beide Fäuste zum Zeichen des Sieges ballte, und unter dem tosenden Applaus seiner Fans und dem anerkennenden Beifall des Vukicevic-Anhangs zum Shakehands am Netz schritt. Es war wieder einmal einer jener epischen Tennis-Schlachten auf Tour-Finals-Ebene, über die noch Jahre später philosophiert werden wird, und die das Publikum vor Ort fasziniert in ihren Bann zog. Keiner der Besucher verließ die Halle, obwohl es tief in den Samstag morgen hinein ging, als sich Vukicevic und Wolf in einem spielerisch durchschnittlichen, dafür umso spannenderen Match um den zweiten Platz im Finale der HTT-Tour-Finals neben Lukas Prüger duellierten. Mit dem besseren Start für Matthias Wolf, der seine Rolle als Außenseiter sofort engagiert in Angriff nahm, und seine Service-Games zwar mit Mühe aber doch durchbrachte und damit vorne weg servieren konnte. Vukicevic dagegen schien bei eigenem Aufschlag unantastbar, ehe Wolf praktisch aus dem Nichts heraus seine erste Break-Chance vorfand, und diese einzige Gelegenheit auch beim Schopf packte. Der 29jährige glänzte mit einem hammerharten Rückhand-Winner, und servierte Minuten später auf den Gewinn des ersten Satzes. Beim ersten Satzball stand dem Ranglisten-Vierten noch das Netzband im Wege, und so kassierte er postwendend das Re-Break zum 4:5. Es ging schlussendlich in einen Tie-Break, in dem Vukicevic mit einer Katastrophen-Darbietung vorstellig wurde, und erst bei 0:5 zum ersten Punktgewinn kam. Nach 67 Minuten hatte sich Wolf mit 7:6 in Führung und seinen Gegner in Sachen erfolgreicher Titelverteidigung massiv unter Druck gebracht.

img_3829

img_3827

Eine epische Halbfinal-Schlacht endet nach Punkten 104:104

Sollten Wolf im heutigen Endspiel gegen Prüger irgendwann die Kräfte verlassen, wird man in der Nachbetrachtung von einem Pyrrussieg sprechen. Und in der Tat hätte Wolf bequem um kurz nach Mitternacht die Players Lounge aufsuchen können, wenn, ja wenn er bei seiner 2:0 Führung den Breakball zum vielleicht vorentscheidenden Break auf 3:0 genützt hätte. Hat er aber nicht, und so nahm der Krimi am Centercourt des UTC La Ville seinen Lauf. Der 29jährige war mit einem Schlag nicht mehr effizient genug beim Aufschlag, und das wo ihm bei 7:6, 4:3 nur mehr zwei durchgebrachte Aufschlagspiele zum großen Wurf gefehlt hätten. Doch mit der nervlichen Anspannung kombiniert, kann sowas auch schon mal schief gehen, und Wolf gab tatsächlich beide Service-Games ab. Vukicevic hatte nach weiteren 50 Minuten mit einem 6:4 seine Final-Hoffnungen aufrecht gehalten, und schien für dritten Satz das oft zitierte Momentum auf seiner Seite zu haben. Pustekuchen: Wolf stürmte in Richtung Mastersfinale, unterstützt von einer unsäglichen Fehlerlawine die sein serbischer Widersacher vorallem mit der Rückhand in Gang gesetzt hatte. 5:1 lag Wolf in Führung, ehe Vukiceivc seine großen Kämpfer-Qualitäten präsentierte, und dem Semifinal-Hit am Centercourt endgültig das Prädikat “sehenswert” verlieh. Drei Games in Serie machte der serbische HTT-Superstar zur Freude seiner Fans noch, ehe Wolf des spannend schaurigen Schauspiels überdrüssig wurde, und mit eigenem Aufschlag den 7:6, 4:6, 6:4 Triumph fixierte. 104:104 Punkte standen am Ende nach einer epischen Partie für beide Spieler zu Buche, ausgeglichener und spannender ging es kaum.

img_3833

img_3836

Vladimir Vukicevic: “Das Feuer war nicht mehr da, ich bin sehr enttäuscht”

“Es war ein bißchen unerwartet lang, unerwartet kompliziert und unerwartet habe ich verloren. Ich war mir zu siegessicher und habe viel zu früh bereits an das Finale gedacht, obwohl ich noch gar nicht gewonnen hatte. Der Anfang war ok, aber das Match wurde aus meiner Sicht dann immer schlimmer. Ich habe bald gespürt, dass es heute ein schwerer Gang werden würde. Normal bin ich der dominante Spieler am Platz mit Selbstvertrauen, aber schon bei 3:3 im ersten Satz hatte ich meine Zweifel. Chancen waren da, aber das Match lief dann in die falsche Richtung. Ich habe bis zum Ende gekämpft, aber es war einfach ein schlechter Tag heute für mich. Schade, ich bin wirklich sehr enttäuscht”, zeigte sich der Ranglisten-Zweite in einem ersten Statement. Mit Matthias Wolf hat wohl weder er selbst noch die arrivierte Kollegenschaft gerechnet, fragte der HTT-Veranstalter: “Nein nicht wirklich. Gestern hat er gewonnen, das schien gut für mich. Vor sieben Tagen habe ich noch leicht gewonnen, heute hat er aber super gespielt. Das war ein anderer Matthias als vor einer Woche”, so der 36jähirge, der dann zum Abschluss noch seine 2017er-Saison Revue passieren ließ. “Es ist sehr enttäuschend. Ich wollte hier gewinnen, aber das ist klassisch für mich. Ich war heuer das ganz Jahr über zu unkonstant. Einen Tag spiele ich super, am nächsten Tag ganz schlecht. Das ist aktuell mein Problemchen. Am Ende war Einzel und Doppel hier zu spielen vielleicht doch zu viel. Ich war heute nicht hungrig genug. Das Feuer war nicht mehr da”, schloss Vukicevic die PK, ehe er noch auf den fehlenden DJ Seb zu sprechen kam. “Er hat mir heute sehr gefehlt. Irgendwie passt das wenn wir einlaufen und er spielt die passende Musik. Das pusht voll, und ich war von ihm in der letzten Zeit verwöhnt. Heute hat das gefehlt, er hat mir gefehlt, weil der Rene hat irgendwie überhaupt kein Gefühl gehabt. Moderation war nicht schlecht, aber DJ-mäßig war heute sehr schlecht, das muss ich noch los werden”, so der entthronte Titelverteidiger, der sein 27. Karriere-Endspiel und die große Chance vergab, als erster Spieler seit Philipp Schneider und insgesamt erst vierter Spieler der Open Ära nach Christian Kainz (1999/2000), Bernhard Nagl (2005/2006), Andreas Harbarth (2007/2008) und eben Philipp Schneider (2013/2014) die Finals zwei Mal in Serie zu gewinnen.

img_3859

img_3839

Matthias Wolf zum Finale: “Der Luki muss gewinnen, ich kann gewinnen”

“Mir geht es super, ich bin natürlich sehr zufrieden das Match gewonnen zu haben und blicke schon vorwärts auf das Finale das schon in 13 Stunden über die Bühne gehen wird. Die große Frage ist, wie ich halbwegs schnell regenerieren kann, um morgen wieder meine Leistung abrufen zu können. Ich bin zuversichtlich das zu schaffen. Im Head to Head steht es 3:0 für den Luki, aber bei den French Open habe ich ihm einen Satz zu Null abgenommen, darauf muss ich aufbauen. Und auch das Gruppenmatch war relativ knapp, da war alles möglich. Es sicher was drinnen, aber ich muss mich körperlich voll reinhängen, vielleicht ist der Luki auch ein bisserl nervös und ich werde hoffentlich wieder top performen”, so der Sensationsmann vom SKVS Flötzersteig. “Ich freue mich gegen die Nummer 1 im Finale spielen zu können, das ist natürlich eine Super-Sache. Meine Taktik gegen den Lukas hatte ich schon vor dem Turnier, ein paar Überraschungen für das Finale habe ich parat, aber die werde ich hier nicht kundtun. Der Druck ist noch immer bei ihm. Er muss das Turnier gewinnen, ich kann es gewinnen. Für mich war schon die überstandene Gruppenphase ein Erfolg, alles was ich jetzt noch mitmehme ich eine zusätzliche Belohnung”, so Wolf, der dann auch noch einmal zur Schlacht gegen Vukicevic Stellung nahm. “Ich wusste, dass ich topfit bin, einen dritten Satz problemlos bestreiten kann und meine Spielweise weiter durchziehen muss. Viel Sicherheit, seine Rückhand bearbeiten, ihm auf der Vorhand keine Winkel geben, das war mein Plan, und den habe ich nie verändert. Der Start in den dritten Satz hinein war wichtig, und heute ist sicher auch viel im Kopf entschieden worden. Glück war vielleicht auch dabei”, bleib Wolf auch im großen Triumph und nach seinem 80. HTT-Karriere-Single bescheiden.

img_3849