Matthias Wolf löst letztes Semifinal-Ticket bei den HTT-Tour-Finals 2017

Erst im allerletzten Satz der heurigen Vorrundenphase ist die Entscheidung über den letzten zu vergebenden Halbfinalplatz bei den bis Samstag stattfindenden HTT-Tour-Finals im UTC La Ville gefallen. Juli-HTT-500-Sieger Matthias Wolf hat am Donnerstag spät Abends mit einem überraschend deutlichen 6:3, 6:3 Erfolg über Vorjahresfinalist Alexander Schager das Vorschluss-Runden-Quartett mit dem Ranglisten-Ersten Lukas Prüger, dem serbischen Titelverteidiger Vladimir Vukiceivc und November-Masters-Series-1000-Champion Kevin Köck komplettiert, und damit als zweiter Masters-Debütant nach Kevin Köck den Einzug ins Semifinale geschafft. Dabei war der 29jährige nach zwei Vorrunden-Niederlagen sieglos in den abschließenden sechsten Spieltag der Gruppenphase gegangen, und durfte sich vor Beginn der Night Session mit Schager nur “bedingt” Chancen auf einen Aufstieg unter die Top 4 ausrechnen. Dank Lukas Prüger und einer soliden Vorstellung hat es aber gereicht, während der heuer nicht in Hochform befindliche steirische Vorjahresfinalist Alexander Schager seine Träume vom neuerlichen Auftritt in der k.o.-Phase des HTT-Saison-Finales am Altmannsdorfer Ast nach exakt 70 gespielten Minuten ad acta legen musste. Ein Bericht von C.L

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Schager nicht in der 2016er-Form und in der Vorrunde der “Finals” 2017 ausgeschieden

Am Ende hat rein rechnerisch ein Satz gefehlt, doch bei der abschließenden Pressekonferenz und einem gemeinsamen Rückblick auf seinen zweiten Auftritt im Rahmen der HTT-Tour-Finals nach 2016 wurde deutlich: Heuer hat weit mehr gefehlt, als der eine in der Abschuss-Tabelle der Gruppe A fehlende Satz. Alexander Schager ist schlichtweg nicht in jener Form, in der er im letzten Jahr als Tour-Finals-Neuling für Furore sorgte, und im Semifinale mit einer selten gesehenen Gala-Vorstellung HTT-US-Open-Champion Gabriel Jovanovic entzauberte. Auch wenn nach der zu Ende gegangenen Saison 2017 der längst überfällige erste HTT-Karriere-Titel steht, die Schager-Performance von 2016 gab es heuer selten bis nie zu sehen. Auch nicht am gestrigen Abend in der alles entscheidenden Night Session gegen den Ranglisten-Vierten Matthias Wolf, die für Schager richtig enttäuschend endete. Dementsprechend bitter wird die Heimfahrt über den Wechsel gewesen sein.

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Und sie waren doch nervös – Wolf & Schager taumeln im ersten Satz in eine unansehnliche Fehlerorgie

Die Ausgangslage vor dem vierten direkten Duell der beiden HTT-Top-Ten-Stars war klar definiert. Nach Prügers Zweisatzsieg über Beutler, musste Wolf in zwei Sätzen gewinnen, während Schager ein gewonnener Satz bereits zum Aufstieg ins Semifinale gereicht hätte. Die Statistik sprach für der Obersteirer, der die bisherigen drei Duelle gegeneinander allesamt für sich entschied, und beim letzten Aufeinandertreffen vor einem Monat im Finale des Oktober-HTT-500-Turniers noch den Premieren-Titel davontrug. Doch all die Zahlen und Statistiken waren Schall & Rauch, als das Duo vier Minuten nach 23 Uhr trotz fortgeschrittenen Abends vor noch immer zahlreich “gebliebenem” Publikum unter den Klängen der Masters-Hymne “whatever it takes” von HTT-Star-Moderator Mathias Wagner auf den Centercourt gerufen wurden. Auch wenn sie nachher in der Pressekonferenz dementierten: Sie waren doch nervös, das war den Zuschauern am Rande des Platzes nicht entgangen, und das bekam man dann bis weit hinein in den ersten Satz auch auf dem Court demonstriert. Die Halbfinal-Kämpfer taumelten in eine brutale Fehlerorgie, von der selbst gelegentlich toll gespielte Ballwechsel nicht ablenken konnten. Wolf wurde seine Nervosität auch nicht los, als er gleich zu Beginn ein souveränes und zu Null gewonnnes Aufschlagspiel auf den Centercourt zauberte, und auch Schager hätte bei einer Break beinhaltenden 3:1 Führung allen Grund gehabt, ruhiger und stabiler den “battle of semi” zu gestalten. Doch stattdessen ließ der 22jährige Leobener einen Spielball zum 4:2 mit einer ins Netz geprügelten Vorhand aus, und kassierte prompt das erste Break zum 3:3. Der Anfang vom Ende, denn Schager machte kein Game mehr im ersten Satz, produzierte aber stattdessen 23 unerzwungene Fehler.

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“Augenschmaus war es keiner, aber spannend allemal”

Der Spannung in der Halle tat der mit 6:3 an Wolf gegangene erste Satz natürlich gut, denn nun hatte die Gruppenphase ein echtes Endspiel. Wer den anstehenden zweiten Satz für sich entscheiden würde, der sollte dann am Freitag Abend auch im Semifinale noch einmal auf den Centercourt dürfen. An der Charakteristik des Matches endete sich indes wenig. Die beiden Protagonisten des Abends machten weiter Fehler am laufenden Band, was letztlich aber herzlich egal war. Denn diese Partie lebte ohnehin von der längst spürbaren Spannung,  und weniger von spielerischen Highlights. Augenschmaus war es keiner, dramatisch aber allemal. Schager vergeigte gleich im ersten Game als Rückschläger die Chance auf ein Break, die 2:0 Führung und vorallem den Druck auf den unter Siegzwang stehenden Wolf zu erhöhen. Im Gegenteil: Schager tat alles um Wolf aus kritischen Situationen heraus zu halten. Bei 2:2 und einer 40:15 Führung vollbringt der Steirer das Kunststück, seinen Gegner mit zwei Doppelfehlern zum Break zu hieven. Der wiederum kann dieses Geschenk nicht nützen und “patzt” sich mit einem postwendend kassierten Re-Break an. Der Höhepunkt an Unpäslichekeiten und die Entscheidung gab es dann im ominösen siebenten Game zu sehen, als Schager gleich zu Null am Vorhaben scheiterte seinen Aufschlag zum 4:3 durchzubringen. Wolf hatte erneut ein Break Vorsprung, und 10 Minuten später auch allen Grund die Faust zum Zeichen des Sieges zu ballen, und sich über den Einzug ins Semifinale zu freuen. 6:3, 6:3 nach matten 70 Minuten mit 71 zusammen produzierten Fehlern. Wer an diesem Abend eine gute Partie in der Halle gesehen haben will, muss Fan der beiden sein oder dringend einen Optiker aufsuchen!

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Alex Schager: “Womöglich habe ich mein Tennis heuer zu viel “zerdenkt”

“Ich muss sagen, dass ich heute nie wirklich zu meinem Spiel gefunden habe. Ich hatte den Ball wie es so schön heißt nie wirklich am Schläger. Ich habe mich auch nie zu 100 Prozent wohl gefühlt, und dann zögert man halt wenn es wichtig ist. An dem ist es letztlich gescheitert. Der Matthias hat heute auch viele Fehler gemacht, aber wenn es wichtig war, dann hat er mir nichts geschenkt. Dann musste ich die Punkte machen, und die Sicherheit um die Bälle wegzuspielen fehlt mir wie schon erwähnt derzeit einfach. Er war in den wichtigen Situationen der bessere Spieler, und er ist definitiv der verdiente Spieler im Semifinale, er hat alle Partien in diesem Turnier besser gespielt als ich”, analysierte Schager, der auch eine 3:1 Führung im ersten Satz nicht nützen konnte. “Ich weiß, dass ich besser spielen kann, vielleicht hätte ich auch auf den ein oder anderen Fehler warten sollen, aber der Matthias hat dann auch besser in die Partie gefunden”, so Schager, der dann noch einen Vergleich zum erfolgreichen Vorjahr zog. “Es waren auch die Umstände und wie das Jahr generell gelaufen ist. Ich hatte heuer ein durchwachsenes Jahr mit vielen Auf und Abs. Zum Schluss habe ich die letzten Turniere solidet, aber eben nie überragend gespielt. Letztes Jahr habe ich kompromissloser gespielt, vielleicht war auch die Erwartungshaltung 2016 eine andere. Womöglich habe ich heuer mein Tennis zu viel “zerdenkt”, und zu viel nachgedacht, anstatt drauf los zu spielen. Auch die Bedingungen am Platz waren heuer sicher anders”, bilanzierte der 22jährige aus Leoben.

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Matthias Wolf: “Ich erwarte im Semifinale ein Match auf Augenhöhe”

Wie waren denn die ersten Emotionen nach verwandeltem Matchball, wollte Moderator Mathias Wagner bei der abschließenden Pressekonferenz von Sieger Matthias Wolf wissen. “Ich habe mich riesig gefreut, und ein riesiger Stein ist mir von Herzen gefallen. Eine riesengroße Erleichterung, weil ich endlich auch einmal eine Schnitt-Partie gewonnen habe. Mein Ziel war es, die Gruppenphase zu überstehen. Von der Papierform her war ich die Nummer 2 in der Gruppe, natürlich mit Schager und Beutler auf 3 und 4 in der Gruppe ist das eine riesige Herausforderung. Ich bin richtig happy über den Sieg”, strahlte der 29jährige. “Für mich war ganz wichtig nicht das 1:4 zu kassieren, das war ein richtiges Schnitt-Game im ersten Satz. Davor habe ich zuviel riskiert und zu viele Eigenfehler gemacht. Danach habe ich meine Strategie geändert, bin mehr auf Percentage gegangen, habe weniger Winkel und weniger Risiko gespielt, auch weil mir zu Beginn der Touch noch fehlte. Mit der Zeit ging es aber, ich fand zu meiner Sicherheit, und dann konnte ich mich in die Partie reinfighten”, so Wolf, der es nun im Semifinale mit Titelverteidiger Vladimir Vukicevic zu tun bekommt. “Ich erwarte mir schon ein Match auf Augenhöhe. Beim letzten Finale hatte ich einen Superstart und war 4:0 vorne, bevor mir das Match abgerissen ist. Ich bin schon sehr zuversichtlich, auch weil mir der Belag hier sicher sehr entgegen kommt. Wir starten bei 0:0 und ich freue mich schon riesig auf morgen. Ganz ehrlich. Ich habe nicht wirklich mit dem Halbfinale gerechnet, und habe daher auch nichts mehr zu verlieren. Jetzt will ich aber natürlich ins Finale kommen”.

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