Grottenschlecht – das 2. Halbfinale beim April-Second-Series

TC Top-Serve-Jungstar Nihad Berzengi hat am Montag Nachmittag mit dem ersten Finaleinzug seiner Karriere das von vielen Tour-Insidern vorprogrammierte Endspiel beim April-Second-Series-Turnier gegen Rene Karlik komplettiert. Der 16jährige gewann das noch ausstehende zweite Halbfinale am Centercourt gegen Herbert Stegmüller nach 1 Stunde und 29 Minuten mühevoll mit 7:5 und 6:4. Ein Bericht von C.L

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Berzengi mit Katastrophenstart, Stegmüller mit Paranoia-Anfall

Einen hart umkämpften, unerwartet schwierigen Weg war Nihad Berzengi in diesem zweiten Semifinale des April-Second-Series-Turniers gegen Super-Oldie Herbert Stegmüller gegangen, ehe er sich über die erste Endspiel-Teilnahme seiner Laufbahn freuen konnte. Das aus dem Duell der Generationen für Berzengi ein anstrengendes, knapp eineinhalb Stunden dauerndes Gefecht statt einem lockeren Selbstgänger wurde, dafür war der Junior aber selbst verantwortlich. Mit drei Doppelfehlern in Serie eröffnete er das Match und legte damit auch gleich die Basis für einen selten gesehenen Katastrophenstart. Keine 20 Minuten waren gespielt, da stand Berzengi mit einem 0:4 Rückstand bereits mit dem Rücken zur Wand. “Gebe es eine Tennis-Polizei, wäre ich jetzt verhaftet und zu lebenslanger Haft verurteilt worden”, übte sich Nihad in endlosen Monologen. Das der 16jährige diese kritische Phase trotzdem ohne Satzverlust überstand, hatte er wenig später seinem fast 48 Jahre älteren Gegenüber zu verdanken. Der wiederum sah in einem Anfall von Paranoia die totale Turnierverschwörung gegen sich und vermutete, dass Berzengi ihn absichtlich gewinnen läßt. Die Konzentration über den Haufen geworfen und nur mehr mit Verschwörungstheorien beschäftigt, vergaß Stegmüller auf das Wesentliche, nämlich mit der bis zu diesem Zeitpunkt perfekt umgesetzten Taktik den ungeduldig attackierenden Jungstar weiter zu bekämpfen. Berzengi wusste sich bis zum 0:4 in keiner Weise zu helfen, und wäre ohne Stegmüllers Mental-Ausrutscher zumindest einmal in einen Satzverlust gelaufen. Untermauert wird die These vom restlichen Spielverlauf, wo der 16jährige zwar auf 4:4 ausgleichen konnte, wenig später nach einem weiteren Stegmüller-Break aber gegen den Satzverlust returnieren musste.

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Berzengi steht beim April-Second-Series-Turnier im zweiten Finale seiner Karriere

Mit dem neuerlichen Re-Break zum 5:5 und der Minuten später fixierten 1:0 Satzführung schien die Partie gelaufen. Erst recht als Berzengi eine komfortable 4:0 Führung inne hatte, seine Probleme mit der Beinarbeit unter Kontrolle schienen und auf der anderen Seite Stegmüller mit seinem leidigen Aufwurfproblem beim Service massiv zu kämpfen hatte. Doch selbst all diese Umstände vermochte Berzengi nicht in einen klaren zweiten Satz ummünzen zu können. Game um Game ging an den Super-Oldie, der sich plötzlich bei 4:5 sogar noch einmal Hoffnungen machen konnte, mit einem gewonnenen Aufschlagspiel zum 5:5 in ein bereits verloren geglaubtes Match zurückzufinden. Das Berzengi dann mit einem sauberen und zu Null gewonnenen Returnspiel seine Klasse ganz kurz einmal aufblitzen ließ, bedeutete zwar den 7:5, 6:4 Erfolg samt Finaleinzug, machte den insgesamt höchst durchwachsenen Eindruck seiner Halbfinal-Leistung aber nicht mehr wett. “Grottenschlecht” wollte Stegmüller das Match auf der Tour-Homepage beschrieben wissen. “Am liebsten wäre mir, wenn du über dieses Match gar nichts schreibst, so schlecht war es”, grollte der 63jährige. Dabei war dieses zweite Semifinale nicht durchgehend schlecht. Schon gar nicht aus Sicht Stegmüllers, der taktisch clever und mit einer guten Länge in seinen Grundlinienschlägen dem druckvoll vorgetragenen Tennis seines Gegners gekonnt Tempo und Gefährlichkeit nahm. “Ja ich weiß, bei 0:4 habe ich mit meiner fixen Verschwörungs-Idee das Match aus der Hand gegeben. Als ich plötzlich und unerwartet 4:0 führte war für mich klar, dass Nihad mich gewinnen läßt. Im zweiten Satz habe ich leider wieder mit meinem Aufschlag zu kämpfen gehabt. Das Match selbst war heute wiegesagt grottenschlecht, aber das Turnier insgesamt mit dem Halbfinaleinzug natürlich großartig für mich”, bilanzierte der bald 64jährige. Und für Berzengi blieb nach dem enttäuschend errungenen Sieg nur eine Gewissheit. Im Finale am Mittwoch Nachmittag muss eine gewaltige Steigerung her, wenn gegen Rene Karlik der erste Titelgewinn auf der Hobby-Tennis-Tour eingefahren werden soll. “Ich habe zu Beginn überhaupt nicht zu meinem Spiel gefunden. Es war eine schlechte Leistung heute, aber zum Glück ist es sich für das Finale ausgegangen”, meinte der 16jährige.

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Claus Lippert, 24. April 2007