Serbischer Qualifikant stürmt ins Februar-HTT-150-Achtelfinale

Wie man es auch dreht und wendet, man kommt derzeit einfach nicht umhin, von Erfolgen und Triumphen der internationalen Hobby-Tennis-Tour-Asse zu lesen. Keine zwei Wochen ist es her, da feierte Hüseyin Tüfekci den 40. ausländischen Titelgewinn der Open Ära, und auch an diesem ersten HTT-150-Weekend des Jahres, geben bislang die internationalen Stars das Tempo vor. Mit Asiens Nr. 3 Bernard Cabildo von den Philippinen und dem Rumänen Rares Maftei stehen die ersten beiden Viertelfinalisten der. 5. Februar-HTT-150-Auflage im UTC La Ville fest, und dazu meldete Deutschlands Bester David Hühne am gestrigen Samstag mit seiner bislang stärksten Saisonleistung und einem knappen Dreisatzerfolg über Newcomer Denis Muratovic seine Ansprüche auf den Turniersieg an. Für die Überraschung des zweiten Spieltages aber sorgte Serbiens Slobodan Vasiljevic. Der 38jährige Vorjahresfinalist marschierte als Qualifikant kampfkräftigst durch das Februar-HTT-150-Tableau, und wurde nach sechs absolvierten Sätzen und fünf gespielten Stunden als “man of the day” mit dem Einzug ins Achtelfinale belohnt. Ein Bericht von C.L

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Alexandra Schrötter liefert “man of the day” Slobodan Vasiljeivc einen sehenswerten Schlagabtausch

Die Hobby-Tennis-Szene anno 2012, sie ist schnelllebiger geworden als jemals zuvor, Erfolge der Vergangenheit sind vergänglicher denn je, und die Entwicklung des Circuits schreitet in atemberaubender Geschwindigkeit voran. Das beste Beispiel liefert dieser Tage der in Bosnien geborene Serbe Slobodan Vasiljevic. Vor exakt einem Jahr hatte sich der nunmehr 38jährige mit drei Einzelsiegen sein erstes Karriere-Finale erspielt, zwölf Monate später reichen abermals drei Single-Erfolge gerade einmal für einen Platz im Achtelfinale des Februar-HTT-150-Turniers. Indes: Während der letztjährige Titelgewinner Gerald Marhold am Freitag Abend schon in Runde 1 am “Unternehmen Titelverteidigung” vorbeischrammte, ist Vorjahresfinalist Vasiljevic weiter in Rennen um ein neuerliches Top-Resultat beim ersten 150er-Event des Jahres. Nachdem die Nr. 68 der HTT-Computer-Rangliste am Freitag Abend das innerserbische Duell zur ersten Quali-Runde gegen Milan Stojkov mit zwei gewonnenen Tie-Breaks für sich entschieden hatte, setzte Vasiljevic im Schlagerspiel zur zweiten Quali-Runde des zwölften Saison-Turniers gegen Terra-Rossa-Lady Alexandra Schrötter nach. Der vereinslose Routinier behielt nach einer Spielzeit von 2:28 Stunden in einem hoch interessanten und beinhart umkämpften Match mit 6:4, 5:7, 6:4 die Oberhand, sicherte sich damit nach Wazil Tomaschevsky als zweiter Spieler ein Ticket für den anstehenden Hauptbewerb, und obendrein den 40. Einzelsieg seiner Karriere. Allerdings hatte “Bobby” weitaus mehr Mühe als ihm lieb war, den “battle of sexes” mit Böck-Bezwingerin Alexandra Schrötter für sich zu entscheiden. Die 42jährige fightet im Geschlechter-Duell mit ihrem 4 Jahre jüngeren Gegenüber “um ihr Leben”, lief jedem noch so aussichtslos scheinenden Ball hinterher, und begeisterte mit einer famosen Aufholjagd sowie einer kämpferischen Ausnahmeleistung der Extraklasse. Das die klasse Vorstellung der 42jährige Hernalserin am Ende unbelohnt blieb, hatte zwei Gründe. Einerseits machte sie sich das Leben mit zwei klassischen 0:3-Fehlstarts jeweils zu Beginn der Sätze 1 und 2 selbst äußerst schwer, und andererseits war sie im Finish der mentalen Anspannung nicht ganz gewachsen. Als Schrötter bei 4:4 im dritten Satz den Platz im Hauptbewerb vor Augen hatte, versagten ihr die Nerven. Mit einer “Eisenhand” wurden die bis dahin einfachsten Schläge brutal “schwer”, und das Aus in Quali-Runde 2 letztlich zur bitteren Realität. Wobei richtig enttäuscht oder gar frustriert brauchte die sympathische Terra-Rossa-Lady gar nicht zu sein. Vor der Augen ihres Papas lieferte die “Rothemdin” einen sehenswerten und packenden Auftritt ab, einer der fesselte und Hoffnung auf ein triumphales Ende bei einem der heurigen Future-Events hoffen läßt. Wie Schrötter bei 4:6, 1:4 aufopfernd zu einem schlagtechnischen und kampfkräftigen Furioso ansetzte, rang den Beobachtern und Zusehern der Partie jede Menge Respekt und Hochachtung ab. “Schade, der Slobodan wäre heute zu knacken gewesen. Ich bin aber trotzdem mit meiner Leistung sehr zufrieden. Mit dem Gedanken, ich kann dieses Spiel gewinnen, bin ich leider im Finish nervös geworden. Und mit einer Flatterhand wie der meinigen ging zum Schluss einfach nichts mehr”, betonte eine ehrlich argumentierende Verliererin.

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Christian Lackermayer und Bernard Cabildo – zwei zu beachtende Größen in Sachen Titelvergabe beim Februar-HTT-150-Tunier

Welch tollen Stellenwert die Schrötter-Leistung eigentlich hatte, wurde vier Stunden später deutlich. Da hatte Vasiljevic als siegreicher Qualifikant auch den höher eingeschätzten Michael Pichler – beim heurigen Jänner-HTT-250-Turnier sogar noch Erstrundensieger über Ex-Wimbledonchampion Michael Kunz – in drei Sätzen ausgeschaltet, und mit dem Einzug ins Achtelfinale einen aus seiner Sicht phantastischen Tennistag gekrönt. Der Serbe – den man nach der zweieinhalbstündigen Dreisatz-Schlacht gegen Schrötter kraftmäßig eigentlich am Ende erwartet hatte – steckte unglaublicher Weise einen verlorenen ersten Satz weg, und gab in der Folge gegen einen enttäuschenden und am Ende völlig von der Rolle agierenden TC-Hrubesch-Star nur mehr drei Games ab. In der Runde der letzten 16 trifft der serbische Qualifikant nun mit Christian Lackermayer auf den nächsten Terra-Rossa-Crack. Der 37jährige wusste in seinem Auftakt-Duell mit Reinhard Paizoni nicht zu glänzen, für einen 4:6, 6:0, 6:2 Erfolg über den Top-Serve-Spieler reichte es aber allemal. Die große beneidenswerte Form des Herbstes konnte der November-HTT-250-Finalist zwar nicht ausspielen, dennoch bleibt Lackermayer an diesem Wochenende eine zu beachtende Größe in Sachen Titelvergabe. Genauso wie Bernard Cabildo, der am Samstag Abend im letzten Match des zweiten Spieltages gegen Lackermayers Teamkollege David Wense ins Viertelfinale stürmte. Der 36jährige vom Archipel der Philippinen steht nach einer souveränen Vorstellung zum zweiten Mal in seiner noch jungen und kurzen HTT-Karriere unter den letzten Acht eines Turniers, und darf sich nach dem 6:1, 6:1 über Wense sogar berechtigte Hoffnungen auf mehr machen.

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19 seiner letzten 20 Singles auf HTT-150-Ebene gewonnen, Rares Maftei findet aus Formkrise und sich plötzlich direkt in der Rolle des großen Titelfavoriten

Eigentlich war es ja genauso zu erwarten! Für Statistik-Freaks und Maftei-Fans war klar, die anfängliche kleine Formkrise des rumänischen Shooting-Stars des letzten Jahres zu Beginn der heurigen Saison, wird spätestens am dritten Februar-Wochenende der Vergangenheit angehören. Weil dann eben ein HTT-150-Turnier auf dem Programm steht, und dort bei diesen 150 Punkte-Veranstaltungen war der 30jährige aus Bukarest zuletzt stets eine eigene Klasse für sich. Von den letzten vier HTT-150-Events gingen nicht weniger als drei Titel auf das Konto der rumänischen Nummer 1, die Endspielniederlage beim Oktober-HTT-150-Turnier in der Simmeringer Leberstraße war schon Mafteis schlechtestes Resultat. Beeindruckend auch seine Single-Bilanz für diesen Zeitraum, in dem der 4fache Turniersieger 19 seiner letzten 20 Einzelmatches auf HTT-150-Ebene gewinnen konnte. Grandiose Zahlen für herausragende Leistungen, die Maftei auch an diesem Wochenende zum Kreis der Favoriten zählen lassen. Bestätigt wurde diese These am Samstag Abend, wo der 30jährige gegen Martin Thier im Duell um den ersten Viertelfinalplatz eine sichere und stabile Leistung ablieferte, und damit problemlos die nächste Runde erreichte. Ganz souverän ist auch Rainer Bauer am gestrigen Samstag eine Runde weiter gekommen. Der 34jährige ließ dem 3fachen Challenger-Champion Clemens Wimmer auf dem Weg ins Achtelfinale gerade einmal zwei Games, und wartet nun auf den Sieger der Partie Alexander Würz gegen Qualifikant Rudolf Ronovsky.

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Alfred Kallab mit “mehr” als einem gewöhnlichen Zweisatzsieg im Oldie-Duell mit Georg Gallo

Womit wir zur hochinteresssanten Quali-Entscheidung des gestrigen Tages kommen, in der wie erwähnt Slobodan Vasiljevic, Rudolf Ronovsky und Philipp Chorherr dem bereits am Freitag in den Hauptbewerb gestürmten Vasil Domazetoski nachfolgten, und in der so mancher- zuletzt oftmals geprügelte – Star aus der zweiten Reihe, zu einem nicht mehr erwarteten Höhenflug ansetzte. Da wäre zum Beispiel einmal Alfred Kallab. Der Trumauer Routinier beendete mit einem 6:4, 6:1 Erfolg über Georg Gallo eine dreieinhalb Monate andauernde Negativ-Serie. Statistisch gesehen war es Kallabs erster Einzelsieg in dieser Saison und der erste Erfolg nach drei Erstrunden-Pleiten in Folge. Doch näher betrachtet war siegreiche Nachmittag des Niederösterreichers im Duell mit der slowakischen Nummer 1 doch weitaus mehr, als die nackten Zahlen aussagen. Kallab konnte nach langer Zeit endlich wieder einmal jenes Tennis abrufen, das schon ziemlich nahe dem kommt, was er Mittwochs Abend jede Woche im Training zeigt. Einem ausgeglichenen ersten Satz, den Kallab hauchdünn mit 6:4 für sich entschied, folgte ein locker und befreit gespielter zweiter Heat, in dem der Oldboy mit serienweise geschlagenen Winnern, in keiner Phase Zweifel über den Sieger aufkommen ließ. Gallo hingegen kämpfte im Finish mit den Nachwirkungen einer eben erst überstandenen Grippe-Erkrankung, und war körperlich nicht in der Lage, dem Tempo seines Gegenüber entgegenzuwirken.

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Und er kann ja doch noch “lächeln”. Rudi Ronovsky mit dem ersten zufriedenstellenden Tennistag, und Josef Diner mit dem ersten Einzelsieg seiner Karriere

Das erste breite Grinsen im Gesicht, das erste mit Spaß geführte Interview seiner Karriere, und das alles nach dem ersten HTT-Tag, an dem Rudolf Ronovsky zufrieden die Heimreise antreten konnte. Der TC Kapellerfeld-Star genoß sichtlich einen ganz besonderen Abend eines ganz speziellen Tages. Erstmals überhaupt zeigte sich Ronovsky richtig zufrieden, mit dem was er auf einem der Tenniscourts dieser Stadt ablieferte. Gegen eine technisch versierte und zuletzt äußerst ballsicher agierende Tatjana Aubram 6:3 und 6:0 zu gewinnen, war schon weit mehr, als eine Randnotiz im ansonsten wenig im Rampenlicht stehenden Quali-Geschehen der Hobby-Tennis-Tour. “Ich habe zwar heute nicht mein allerbestes Tennis gespielt, aber was erstmalig wirklich toll funktioniert hat, war die Sache mit dem Kopf. Ich habe mir im Vorfeld eingeredet, dass ich kein Turnier spiele, sondern ein ganz normales einfaches Tennis-Match. Das hat super geklappt. Dabei war ich vor dem Spiel extrem nervös. Ich hatte irrsinnigen Respekt vor meiner Gegnerin und ihren bisherigen Leistungen”, so Ronovsky. “Was jetzt noch kommt ist reine Zugabe für mich”, ergänzte der Routinier vom TC Kapellerfeld. Den untersten Ast der Februar-HTT-150-Quali dominierte schließlich noch Philipp Chorherr. Der Jungstar vom TC Terra Rossa, fertigte zunächst Dominik Heuber in zwei Sätzen ab, das Ticket für den Hauptbewerb löste Chorherr dann noch mit einem Abbruchsieg über Josef Diner. Der 46jährige “Golfer” lochte bildlich gesprochen erstmals in seiner HTT-Karriere ein, indem er Gernot Hansen in Quali-Runde 1 mit 6:2, 3:6, 6:2 besiegte, und sich damit für die Quali-Niederlage bei den heurigen “Australian Open der HTT” revanchierte. Der allerste Einzelsieg des Josef D. kam allerdings erst durch die krankheitsbedingte Absage von Miroslav Jelic zustande. Der Serbe meldet sich am Turniertag mit einer Darmgrippe ab, Diner sprang kurzfristig ein, und machte so den Premierensieg perfekt.

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Denis Muratovic feiert trotz knapper Niederlage gegen Deutschlands Nummer 1 ein gelungenes Tour-Debüt

Knapp nicht für einen Premierensieg reichte es am gestrigen Samstag hingegen für Denis Muratovic. Was freilich nichts am Eindruck eines äußerst gelungenen Tour-Debüts änderte, zumal der 24jährige Niederösterreicher bei seinem allerersten Single-Auftritt im Tour-Zirkus trotz knapper Niederlage zu überzeugen wusste. Es gefiel allgemein, was der in Bad Vöslau wohnende Newcomer über weite Strecken seines Duells mit Deutschlands Nummer 1 David Hühe zum Besten gab. Wuchtige Aufschläge, druckvolles Grundlinienspiel, Spielverständnis und Übersicht, und das alles, obwohl der gebürtige Badener seit rund sieben Monaten keinen Schläger mehr in Händen hielt, und die mentale Belastung eines Tour-Debüts nicht außer Acht zu lassen ist. Das Muratovic obendrein mit David Hühne noch einen überaus schwierigen Debüt-Gegner vor die Nase gesetzt bekam, machte die Aufgabe für den Neuling auch nicht leichter. Der “Neue” hatte famos losgelegt, den ersten Satz mit 6:3 an sich gerissen, und damit einmal mehr die Kämpferqualitäten seines Gegenüber wachgerüttelt. Der Deutsche fightete in gewohnter Manier um jeden Ball, während Muratovic mit einer Art Blackout dazu beitrug, dass Durchgang 2 ganz glatt mit 1:6 verloren ging, und dieses Eröffnungsspiel des zweiten Tages in einem dritten Heat entschieden werden musste. Bis 4:4 stand die Partie dann auf des Messers Schneide, ehe Hühne mit einem sensationell gespielten Aufschlag-Game zum 5:4 den Druck auf den niederösterreichischen Debütanten massiv und entscheidend erhöhte. Muratovic lieferte ein katastrophal gespieltes letztes Game ab, eines das mit 4:6 zudem seine Niederlage besiegelte. Am Ende konnte der 24jährige aber trotzdem eine zufriedenstellende Bilanz eines bravourös absolvierten ersten Karriere-Matches ziehen: “Es hat irrsinnig viel Spaß gemacht, vorallem weil auf der anderen Seite des Platzes ein Gegner stand, der etwas vom Tennis versteht. Im dritten Satz habe ich alles auf eine Karte gesetzt, und das Spiel stand auch lange Zeit auf der Kippe. Ich kann mit dieser Niederlage aber sehr gut leben. Vielleicht war ich am Anfang auch zu nervös, weil ich seine Ranglisten-Platzierung gesehen habe. Doch wie schon gesagt: Es hat wahsinnig viel Spaß gemacht, und ich möchte das bald wieder tun”, so Muratovic.

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