Kova erstmals seit September 98 nicht mehr in den Top 10

Mit dem Erscheinen der aktuellen Entry-List ist am vergangenen Freitag eine große Ära auf der Hobby-Tennis-Tour zu Ende gegangen. Das neueste Computer-Ranking nach dem ersten Super-4-Turnier des Jahres in der Südstadt “spuckte” den ehemaligen Ranglisten-Ersten und 29fachen Turniersieger der Hobby-Tennis-Tour Martin Kova nicht mehr in den Top Ten aus. Damit gehört der bald 24jährige erstmals seit September 1998 nicht mehr zu den zehn besten Spielern der Tour. Ein Bericht von C.L

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Nach 3.122 Tagen in den Top Ten endet ein große Tour-Ära

Was Mitspieler und Tour-Insider schon lange hinter vorgehaltener Hand munkeln, ist seit Freitag Mittag auch laut offiziellem Tour-Ranking amtlich. Die Zeit des 4fachen “French Open-Siegers der Hobby-Tennis-Tour” Martin Kova scheint vorbei. Zumindest wenn man dem Blick auf die aktuelle Entry-List traut, wo der ehemalige Sandplatz-König mit Rang 11 die schlechteste Position seit achteinhalb Jahren einnimmt. 3.122 Tage oder 102 Monate lang war der im Juni 1997 auf der Tour debütierende Kova fixer Bestandteil der Top-Ten und Elitespieler mit unzähligen Erfolgen. Nun scheint eine große Ära also vorbei zu sein, sowohl was das Ranking als auch Kovas weitere Karriere betrifft. Dabei galt der in wenigen Tagen 24 Jahre alt werdende Tour-Star Jahre lang als die Symbolfigur der Szene.

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Martin Kova – wie einst im Juni 1997 alles begann

Begonnen hat alles im Juni 1997 also vor fast 10 Jahren, als ein 14jähriges Bürscherl auf den Kunstrasenplätzen der Schmelz beim Juni-Super-4-Turnier trotz 2:6, 0:6 Debakel gegen Martin Müllner ein viel beachtetes Debüt ablieferte. Schon damals an diesem 12. Juni 1997 machte der Nobody auf sich aufmerksam. Das an diesem Donnerstag nicht irgendeine Hobby-Tennis-Tour-Karriere ihren Anfang nahm, fiel auch Kovas Bezwinger Martin Müllner auf. “Der Junge spielt ein tolles Tennis und wird es hier auf der Tour einmal sehr weit bringen”. Wie recht Müllner schon damals hatte, wurde aber erst Jahre später klar. Eine der schillerndsten und erfolgreichsten Karrieren war angelaufen. Kova bis heute dritterfolgreichster Spieler der Tour-Geschichte und unter den noch Aktiven sogar der Leader, hamsterte in knapp einem Jahrzehnt 29 Turniersiege, darunter 6 Grand-Slam-Titel, zwei Masters-Triumphe sowie zwei Erfolge im Hobby-Daviscup. Und Kova war über achteinhalb Jahre ohne Unterbrechung in den Top Ten der Hobby-Tennis-Tour.

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Vom Kronprinzen zum König der Hobby-Tennis-Tour

Dabei lief die sensationelle Laufbahn des Martin Kova zunächst eher schleppend an. Denn während beispielsweise sein damaliger Gegenspieler auf Jugendebene Adrian Tismanariu schon nach einem dreiviertel Jahr erstmals Top-Ten-Luft schnuppern konnte, hielt sich Kova zu Beginn seiner ersten vollen Saison im Jahr 1998 noch dezent im Hintergrund. Die “US Open der Hobby-Tennis-Tour” im September 98 sollten dann der späteren Kova-Karriere und dem rasanten Aufstieg des Jungstars in der Rangliste die nötige Initialzündung verleihen. Kova erreichte als Nummer 16 das Endspiel und damit erstmals die Top Ten. Am 14. September 1998 “spuckte” der Computer den damals 15jährigen als Nummer 8 aus, und sämtliche Ranking-Ausgaben danach bis zum vergangenen Freitag führten den Namen Martin Kova auf den ersten zehn Plätzen. Wobei der absolute Höhenflug Kovas in “Sachen Rangliste” erst Jahre später erfolgte. Sein Weg führte fortan aber stetig und steil nach oben, und schon im Mai 1999 etablierte er sich hinter den beiden überlegen führenden Tour-Superstars Lippert und Hofer, die zu dieser Zeit die Szene berherrschten auf Rang 3. Mit dem Finaleinzug beim Jänner-Grand-Slam-Turnier im Jahr 2000 rückte Kova seinem Traumziel Nummer 1 zu werden den nächsten entscheidenden und großen Schritt näher. Er überholte im Entry-Ranking Superstar Klaus Hofer und übernahm für fast zweieinhalb Jahre die Rolle des “Kronprinzen” auf der Hobby-Tennis-Tour. Hinter Seriensieger Claus Lippert wuchs Kova aber im Schatten der Langzeit-Nummer 1 zum kommenden Champion heran. Hartnäckig, zielstrebig und geduldig, teilweise mit mehr als 6.700 Punkten Rückstand auf den Tennisthron wartete der längst zum jungen Mann und Schrecken aller Gegner herangewachsene Kova auf den großen Tag. Er ließ sich nie beirren, auch nicht durch einen Rückschlag knapp vor seinem großen Ziel. Beim März-Super-4-Turnier 2002 hatte Kova die Chance mit einem Sieg im Erstundenduell zwischen den Nummern 1 und 2 gegen Lippert die Wachablöse zu vollziehen. Doch Kova musste sich dem Titelverteidiger – der Gefahr lief seine Siegerpunkte aus dem Vorjahr zu verlieren – 2:6, 2:6 geschlagen. Doch der Wechsel an der Spitze war nur aufgeschoben, und am 4. August 2002 hatte Kova mit einem Halbfinaleinzug beim Juni-Grand-Slam-Turnier die prestigeträchtigste Position der Hobby-Tennis-Tour endlich inne.

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Wie geht es weiter? Droht Karriere-Ende oder ein Comeback für letzte Zielsetzungen

87 Wochen dominierte er dann als Nummer 1 das Geschehen, feierte viele große Titel und musste erst im April 2004 die geliebte Nummer 1 an den aufstrebenden Patrick Schwing abgeben. Für weitere 4 Wochen kehrte der 23jährige im späteren Verlauf seiner Karriere nochmals an die Ranglisten-Spitze zurück, womit er mit insgesamt 91 Wochen als Nummer 1 die drittlängste Serie der Geschichte aufstellen konnte. Aus den Top Ten fiel Kova freilich nie, egal welche neuen Herausforderungen anstanden und welche Herausforderer sich anschickten, dem nicht immer beliebten Topstar der Tour das Leben schwer zu machen. So mancher Clinch mit der Schwing-Familie, selbst seine Sperre im Sommer 2004 konnten den Namen Kova nicht aus den Top-Ten drängen. Und auch aktuell wäre der 23jährige weiter fixer Bestandteil der Tour-Elite, glaubt sein einstiger Dauer-Rivale und Tourveranstalter Claus Lippert. “Martin ist nicht mehr motivert, was nach fast 10 Jahren Tour nicht verwunderlich ist. Seine Stärken waren aber sein unglaublicher Kampfgeist und die Gabe sich wie kein Zweiter pushen zu können. Attribute, die er aufgrund mangelnder Zielsetzung nicht mehr ausspielt. Doch selbst ohne den einst berüchtigten Kampfgeist würde Kova im kommenden Juni sein 10jähriges Tour-Jubiläum noch in den Top-Ten feiern. Die entfallenende Feierlichkeit hängt nämlich auch mit dem derzeit mangelnden Kova-Engagement zusammen. Mit Ausnahme seines Masters-Auftritts im letzten November, war der 23jährige zuletzt beim September-Grand-Slam-Turnier des Vorjahres im Einsatz. Im neuen Jahr hat Kova überhaupt noch kein Match auf der Tour absolviert, womit man auch seinen Namen vergeblich im Champions-Race sucht. Ob das so bleiben wird, oder ob sich die einstige Nummer 1 nochmals entschließt den Kampf mit der neuen Generation aufzunehmen, wird wohl in den kommenden Wochen fallen. Zur Zeit befindet sich Kova auf Skiurlaub, womit der weitere Weg ungewiss bleibt. “Es ist alles offen und möglich. Von einer Rückkehr, von gelegentlichen Auftritten wann immer ich Lust habe, bis hin zu einer Spezialisierung auf die Doppel-Szene”, vertraute Kova dem Veranstalter vor einigen Wochen an. Veranstalter Claus Lippert glaubt hingegen den 6fachen Grand-Slam-Sieger noch mit dem ein oder anderen Ziel zurück auf die Tour locken zu können. “Harbarth, Douglas, Kunz und wie sie alle heißen sind keine Ziele mehr für Kova. Aber es gibt schon noch drei Dinge, die ihn reizen”, weiß der 39jährige. Da wäre einmal der Gewinn des Jänner-Grand-Slam-Turniers. Dieser Titel fehlt ihm noch, um als vierter Spieler neben Lippert, Hofer und Kainz jedes der vier Grand-Slam-Turniere zumindest einmal gewonnen zu haben. Dann wäre da noch das Mai-Grand-Slam-Turnier, wo Martin mit einem weiteren, seinem fünften Titel alleiniger Rekordsieger der “French Open der Hobby-Tennis-Tour” wäre. Und ein letztes Ziel wäre für ihn auch noch ein weiterer Sandplatz-Turniersieg, mit dem er sich dann zum erfolgreichsten und alleinigen Rekordsieger auf der roten Aschen machen könnte. Und ein 16. Sandplatz-Turniersieg würde mit einem Schlag auch Karriere-Titel Nr. 30 bedeuten. Also durchaus noch Ziele, für die sich ein Comeback lohnen würde. Ob Kova selbst das auch so sieht, wird er im ausführlichen Hobby-Tennis-Tour-Interview erzählen, das anlässlich seines Vorjahreserfolges beim April-GP (übrigens sein letzter Turniersieg) erscheinen wird.

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Claus Lippert, 7. April 2007