Harbarth holt erstes Super-4-Turnier der neuen Saison

Harbarth deklassiert Kahler und feiert seinen dritten Saisontitel

Der Auftakt zur Freiluftsaison 2007 ist erwartungsgemäß an Andreas Harbarth gegangen . Der 23jährige deklassierte am Donnerstag Abend im Endspiel des 12. März-Super-4-Turniers Heinz Kahler mit 6:0, 6:0 und sicherte sich dabei neben weiteren 100 Punkten für das Champions-Race auch seinen dritten Saison-Titel. Ein Bericht vom Finale von C.L

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März-Super-4-Finale hat zwei große Gewinner

Es war der Auftakt zur Freiluft-Saison, der Start zur Super-4-Serie 2007, das 50. Hartplatz-Turnier der Geschichte, und damit eigentlich ein Event mit genug Superlative. Doch das Finish des elften Saisonturniers wurde zu einer echten Farce, weil beide Halbfinalspiele entfielen und im Endspiel der Klasseunterschied zwischen dem Ranglisten-Ersten Andreas Harbarth und dem Sensationsmann Heinz Kahler einfach zu groß war. Dennoch gab es auch im “ungleichen finalen Turnierabschluss” so manch interessante Geschichte und in Wahrheit sogar zwei große Gewinner. Den eigentlichen März-Super-4-Champion 2007, der sich mit dem zweiten Super-4-Titel seiner Karriere als absolute Nummer 1 der Hobby-Tennis-Tour bestätigte, und den Sensations-Finalisten Heinz Kahler, der sich über ein nie und nimmer erwartetes Ergebnis samt sensationellen Auswirkungen freuen konnte.

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Absageflut im Halbfinale – Turnier-Finish wird zur echten Farce

Am Tagesprogramm des Grün-Donnerstags standen eigentlich die beiden Halbfinali zwischen Harbarth-Pokitsch und Kahler-Seemann. Doch nachdem Helmut Pokitsch vollgepumpt mit schmerzstillenden Tabletten ob seiner Armbeschwerden schon am Vorabend des Semifinaltages das Duell mit seinem “goldenen Olympia-Doppelpartner von 2006” absagen musste, gab auch Jänner-GP-Sieger Thomas Seemann seinen Vorschluss-Runden-Auftritt gegen Heinz Kahler wenige Stunden davor kampflos auf. Der arbeitsbedingt verhinderde Kunz-Bezwinger verschenkte damit weitere sichere 25 Champions-Race-Punkte und somit den zweiten Zwischenrang im “Rennen um die acht begehrten Masters-Startplätze”. Stattdessen feierte Schiller-Freund Heinz Kahler beim zweiten Antreten auf der Tour seine erste Finalteilnahme und freute sich trotz erlittenem Debakel über einen aus seiner Sicht höchst genialen Turnierabschluss.

Harbath macht aus März-Super-4-Finale eine lockere Trainingsheit

Für das 12. März-Super-4-Turnier war der unerwartete Rückzug von Seemann im Semifinale freilich kein Glück, weil das 45. Super-4-Endspiel der Tour-Geschichte zu einem unspektakulären, ungleichen und letztlich sogar nicht beurteilbaren Finish avancierte. Ob Harbarth bei seinem siebenten Finalsieg im achten Endspiel seiner Laufbahn eine großartige Leistung bot war genauso wenig klärbar, wie die Frage ob Kahler bei seiner Final-Premiere enttäuschte oder nicht. Zu groß war der Unterschied in allen Belangen, zu rasch die “Final-Farce” vorbei und Andreas Harbarth der große Sieger des Freiluft-Auftakts 2007. Harbarth war so überlegen, dass er sich schon zu Beginn des Spieles mit “Off-Court-Geschehnissen” beschäftigen konnte. Da war Zeit für einen Blick auf ein romantisches Pärchen am nahe gelegenen Hügel des benachbarten Fußballplatzes, und philosophierte der Topstar der Szene über das angenehme ruhige Ambiente in der Südstadt. Und angenehm ruhig wurde dann auch der Final-Auftritt des zweifachen Grand-Slam-Siegers, der den frühlingshaften Grün-Donnerstag-Abend zur einer Trainingseinheit nützte.

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Kahler als Nr. 124 ins Turnier gestartet vor Sprung unter die Top 40

Nach nur 14 Minuten hatte Harbarth den kurzerhand zum Volley-Training umfunktionierten ersten Satz des März-Super-4-Finales für sich entschieden. Nur fünf Punkte waren dem tapfer kämpfenden Underdog im Duell mit dem Topspieler der Tour gegönnt, was als logische Konsequenz ein 0:6 nach sich zog. Doch damit war Kahler bei seinem Final-Debüt gar nicht so schlecht bedient, ruft man sich einmal die Harbarth-Resultate im Verlauf des Turniers in Erinnerung. Mit 0:6 ging im Achtelfinale auch Matthias Rübenbauer in die Satzpause, und selbst der amtierende Masterssieger Bernhard Nagl hatte im Startsatz des Viertelfinales die Null vor seinem Namen stehen. Doch während den anderen Harbarth-Opfern im zweiten Satz zumindest eine geringfügige Ergebnis-Kosmetik vergönnt war, endete in 14 weiteren Minuten das Final-Debüt des Heinz K. ohne Game-Gewinn. Mit leeren Händen ganz ohne Erfolg musste der Ex-Footballer der Vienna Vikings aber nicht die Heimreise aus der Südstadt antreten. Als Nummer 124 der Tour schaffte der 37jährige das Kunststück, als Spieler mit dem zweithöchsten Ranking in ein Tour-Finale einzuziehen. Nur Gerald Scheller war als Nr. 158 beim heurigen März-Without-Top-Ten als Finalist noch schlechter im Entry-Ranking platziert. Neben dem Eintrag in die Rekordbücher konnte sich Kahler aber natürlich über die sensationelle Punkte-Ausbeute freuen, die ihm der unerwartete und sensationelle März-Super-4-Finaleinzug bescherte. 70 Punkte im Champions-Race hieven den Tour-Newcomer in die Top Ten, genau genommen sogar auf Platz 9. Und auch in der neuen Entry-List scheint ein Kahler-Sprung unter die Top 40 wahrscheinlich. “Natürlich bin ich mit dem Turnier insgesamt zufrieden. Wie sollte es auch anders sein, wenn man bei einem Super-4 ins Finale einzieht. Bei mir kommt ja noch dazu, dass ich eigentlich im Achtelfinale gegen Matthias Fink schon ausgeschieden war. Ich hätte im Vorfeld nie und nimmer mit einem Finale hier spekuliert. Das Match heute ist schwer zu beschreiben für mich. Zwischen Harbarth und mir liegen mindestens 5, 6 Klassen. Der Unterschied war zu groß, aber ich habe mein Bestes versucht. Das ich im Finale keine Chance haben werde war klar, aber ich habe auch in diesem Match einiges gelernt”, resümierte Kahler nicht unzufrieden.

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Harbarth in 28 Minuten zum Rekord für das kürzeste Finale der Geschichte

Auch wenn der Donnerstag Abend den bislang unspektakulärsten Harbarth-Triumph brachte, so hatte auch das finale März-Super-4-Solo des Ranglisten-Ersten wieder so manch “tour-geschichtliche Anekdote” zu bieten. Auf der Jagd nach den vielen Hobby-Tennis-Tour-Rekorden muss sich der 23jährige in “Sachen Turniersiege” zwar noch gedulden, einen Rekord brachte er aber am gestrigen Abend dennoch bereits in seinen Besitz. Nämlich jenen für das kürzeste Endspiel der Tour-Geschichte, war Andreas doch im Duell mit Kahler exakt drei Minuten schneller als der bisherige Rekordhalter Patrick Meinhart. Der 16jährige blieb beim Jänner-Second-Series-Turnier vor knapp mehr als zwei Monaten gegen Michael Januska in 31 Minuten siegreich, ehe Harbarth in lediglich 28 Minuten das erste Super-4-Turnier des Jahres für sich entschied. Der 23jährige ist der erste dreifache Saisonsieger, und insgeamt bereits seit 13 Spielen ungeschlagen. Auch auf Super-4-Ebene ist Harbarth schon 11 Matches unbesiegt, und mit Karriere-Titel Nr. 7, hievte sich der Topstar auch in der Ewigenbestenliste der Spieler mit den meisten Turniersiegen erstmals in die Top Ten. Mit dem erwähnten 7. Titel seiner Laufbahn hat Harbarth zu den auf Rang 10 platzierten Franz Kastler und Thomas Valek aufgeschlossen. Weit bemerkenswerter ist da aber ein weiteres Highlight, das dem 23jährigen am Donnerstag Abend gelungen ist. Harbarth ist mit seinem Hartplatz-Triumph in der Südstadt erst der achte Spieler der 17jährigen Tour-Geschichte der es geschafft hat, auf allen vier Bodenbelägen zumindest ein Turnier zu gewinnen.

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“Harbarth will Radischen pflanzen und den Grand-Slam gewinnen”

Mit nur drei abgegebenen Games im Verlauf des Turniers, mit lediglich acht Punkten die er seinem überforderten Gegner im Finale ließ, avancierte Harbarth zum souveränen unantastbar wirkenden Triumphator, der sich nach getaner Arbeit diesmal recht schlicht und unkritisch zu seinem dritten Saisonerfolg äußerte. “Ich habe mein Ziel für dieses Wochenende erreicht. Mit dem Titelgewinn hier habe ich mir jetzt einen großen Vorsprung im Champions-Race erarbeitet. Damit kann ich jetzt so manches Grand-Prix-Turnier im Verlauf der weiteren Saison auslassen und habe mehr Zeit für meine Freundin. Rekorde wie z.B jenen nach den meisten Turniersiegen in einer Saison sind daher von mir nicht zu erwarten. Das ist ab sofort kein Ziel mehr von mir, weil ich nun nicht mehr so viele Turniere bestreiten werde”, meinte der frischgebackene Super-4-Champion. Eine Ansage, die bei der Konkurrenz wieder so etwas wie Hoffnung aufkommen läßt. Der heuer noch ungeschlagene Topstar will sich mit dem beruhigenden Vorsprung im Race “ruhigeren Zielen und Aufgaben” widmen. “Ich werde meine Senioren-Tätigkeiten forcieren. Fischen gehen, Radischen und Sonnenblumen pflanzen”, gibt sich der Tour-Star relaxt, ohne aber seine großes Saisonziel aus den Augen zu verlieren und aufs Neue zu definieren. “Den Grand-Slam will ich aber auf jeden Fall gewinnen, dieses Hauptziel verfolge ich weiter auch wenn es gegen Spieler wie Robin Douglas sehr schwer werden wird”, erklärte Andreas.

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Claus Lippert, 5. April 2007