Second-Series-Stars beschließen die Single-Saison 2009

Für den sportlichen Höhepunkt im Finish der Hobby-Tennis-Tour-Saison 2009 haben am vergangenen Wochenende ohne Zweifel die acht Topspieler beim Masters gesorgt. Für den Abschluss des Tennisjahres zeichnen aber schon traditionell die Second-Series-Stars verantwortlich. Bereits zum vierten Mal seit 2006 beschließen Szele & Co mit dem November-Second-Series-Turnier die Single-Saison, ehe an den beiden verbleibenden Weekends vor Weihnachten noch einmal “gedoppelt” wird. Davor aber gibts eben noch das letzte Einzel-Turnier des Jahres, das mit nur 22 Teilnehmern überaus mäßig besetzt ist. Nicht einmal zwei Dutzend Spieler am Start, damit verzeichnet die 4. Auflage des November-Second-Series-Turniers das zweitschlechteste Nennergebnis ihrer allerdings noch recht kurzen Geschichte. Dementsprechend ruhig und beinahe gemütlich ging am gestrigen Freitag der erste Spieltag über die Bühne. Ein Bericht von C.L

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Nur 22 Spieler sorgen beim November-Second-Series-Turnier für besinnliche Vorweihnachtsstimmung

Besinnliche Atmosphäre am Eröffnungstag des 4. November-Second-Series-Turniers 2009. Knapp vor 21 Uhr standen sie vor der Umkleidekabine des Tennispoint Vienna parat, jene sechs Herren die für den kleinen aber feinen Auftakt beim Saison-Abschluss-Turnier sorgen sollten. Rotter, Panc, Prinz, Leitner, Szele und Abdelmoneim spielten die Hauptrollen in den drei angesetzten Partien des Abends. Stress kam daher an diesem Freitag Abend keiner auf, worüber der Veranstalter nach der zurückliegenden Masters-Woche gar nicht böse war. Das Minifeld mit nur 22 Spielern garantiert einen hoffentlich stressfreien Saisonabschluss. Und wenn es in der Tonart vom gestrigen Abend weitergeht, dann sollte das mit dem “gemütlichen und besinnlichen Tennis-Wochenende” auch tatsächlich klappen. Denn die Akteure des Eröffnungstages sorgten in ihren Matches nicht nur für gutes Stimmung und ein diskussionsloses Miteinander, sondern auch für rechtzeitig zu Ende gebrachte Auftaktspiele. Das am 8er-Court Rumäniens Tour-Clown George Panc sich im Duell mit der Nummer 1 des Turniers Marcus Rotter immer wieder Ball-Abdrücke zeigen ließ, ist ja bei Panc-Matches nichts wirklich Außergewöhnliches.

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Marcus Rotter zieht als Nummer 1 des Turniers mit zwei gewonnenen Tie-Breaks gegen George Panc ins Viertelfinale ein

Womit wir schon beim ersten von zwei Duellen des Abend zwischen einem der vielen rot-weiss-roten Tennis-Cracks und den internationalen Herausforderern wären. Macus Rotter gegen Rumäniens Nummer 1 George Panc, das war mit Sicherheit der Schlager des ersten Tages und für viele sogar das vorweggenommene Finale. Beide Akteure hatten sich für den Auftakt-Hit einiges vorgenommen, zumal beide Seiten auch viel gutzumachen hatten. Der topgereihte Marcus Rotter wollte seinen blamablen Achtelfinal-Auftritt vom Oktober-Second-Series-Nachtrags-Event vergessen machen. Damals vor fast zwei Wochen flog der 35jährige mit einem “leicht erhöhten Alkohol-Spiegel” unnötiger Weise aus dem Bewerb. Und sein Gegenüber aus Osteuropa hatte mit dem November-Second-Series-Turnier an sich eine alte und offene Rechnung zu begleichen, kam der 49jährige doch hier noch nie über die erste Runde hinaus. Nach fast zwei Stunden Spielzeit und zwei verlorenen Tie-Breaks konnte Panc diesen Negativlauf allerdings auch beim dritten Antreten nicht stoppen. Der Rumäne hatte in einer insgesamt höchst ausgeglichenen Begegnung zunächst zwar den besseren Start zu verzeichnen, über das komplette Match betrachtet aber nicht die Konstanz um den doch weitaus sichereren Gegner aus dem Turnier zu werfen. Ein sichtlich bemühter Marcus Rotter in neuem “Nadal-Outfit” egalisierte einen raschen 1:3 Rückstand und sicherte sich mit einem Doppel-Break die zwischenzeitliche 5:3 Führung im ersten Satz. Durchgang 1 wurde nach einer sehenswerten Aufholjagd von Panc aber erst im Tie-Break entschieden. Rotter behielt dort mit 12:10 die Oberhand und legte so die Basis für seinen Aufstieg ins Viertelfinale. Mit dem Satzgewinn im Rücken, entgleitete dem 35jährigen die Partie auch nicht, als er zu Beginn von Heat 2 neuerlich mit 1:3 in Rückstand geriet. Wieder kam der Ottakringer zurück, führte 4:3 und 5:4, ehe er beim Versuch mit eigenem Aufschlag auf 6:5 zu stellen, ein Break kassierte. Panc servierte in der Folge auf den Satzausgleich, ließ bei 40:15 aber zwei Satzbälle u.a mit einem Doppelfehler aus, womit Rotters-Re-Break eine abermalige Tie-Break-Entscheidung notwendig machte. Und weil die rumänische Nummer 1 dort bei 6:4 die Satzbälle Nr. 3 und 4 ausließ, gab es statt einem entscheidenden dritten Durchgang im 50. Karriere-Match des Routiniers, die dritte November-Second-Series-Erstrunden-Niederlage in Serie. “Der Glücklichere hat gewonnen”, verabschiedete sich Panc kurz angebunden, während Marcus Rotter nach seinem 21. Einzelerfolg auf der Hobby-Tennis-Tour zufrieden resümierte. “Ich muss ganz ehrlich sagen, ich war ziemlich nervös heute. Zum ersten Mal seit ich auf der Tour spiele, bin ich die Nummer 1 eines Turniers. Das war für mich am Anfang sehr schwer, weil ich doch unbedingt das letzte Turnier gewinnen möchte”, so der 35jährige.

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0:6, 0:3, und hyper-nervös – dennoch gewinnt Günther Leitner sein Tour-Debüt mit einem 0:6, 6:4, 6:4 Erfolg über Terra-Rossa-Star Peter Prinz

Noch viel schlimmer in Sachen Nervosität erwischte es am Freitag Abend aber Günther Leitner. Der Neuling gab sein Tour-Debüt mit dem Erstrunden-Duell gegen Peter Prinz und war in der Anfangsphase eindeutig nicht Herr über den eigenen Geist und Körper. So war der 27jährige bei seinem Premieren-Match im ersten Satz nur damit beschäftigt, Herzrasen und Nervenflattern in den Griff zu bekommen. Spielerisch ging in diesem ersten Durchgang seines Karriere-Starts auf der Hobby-Tennis-Tour logischer Weise überhaupt nichts. Erst als Leitner scheinbar aussichtlos mit 0:6 und 0:3 zurücklag, hatte das große Zittern ein Ende. Plötzlich zeigte der Newcomer Tennis, das man bis dahin beim 27jährigen nur vermuten konnte. Alles was an Schlägen zu Beginn im Netz landete, fand auf einmal den Weg ins Feld seines Gegners. Und der war sichtlich überrascht und auf die neue Situation vielleicht nicht eingestellt. Dazu kam, dass Prinz an diesem gestrigen Abend mit Sicherheit nicht sein bestes Tennis spielte. Insgesamt war diese Auftakt-Partie für den Vorjahres-Viertelfinalisten aber auch ganz schwierig zu bestreiten. Eineinhalb Sätze musste der Second-Series-Star von Terra Rossa nicht viel mehr tun, als auf die todsicheren Fehler seines Gegners zu warten. Nach 1:29 Stunden verabschiedete sich der 38jährige aber trotz 6:0, 3:0 Führung als Erstrunden-Verlierer von Platz Nr. 9 und ohne große Lust auf einen abschließenden Kommentar aus der Halle. Weitaus gesprächiger zeigte sich hingegen Neuling Günther Leitner. “Ich war extrem nervös am Anfang. Erst bei 0:6, 0:3 ging es plötzlich so wie im Training. Ich weiß auch nicht warum, aber Gott sei Dank habe ich wenn auch sehr spät noch ins Spiel gefunden. Weil bei einem 0:6, 0:6 hätte ich darauf gepfiffen und wäre sicher nie wieder gekommen”, analysierte der Debütant aus Wien. Stattdessen darf Leitner schon am Samstag wieder kommen, und im Achtelfinale Teil 2 seines Tour-Debüts gegen Christoph Eigenseder bestreiten.

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November-Second-Series-Rekord-Spieler Alex Szele muss sich in Runde 1 seines 95.Turnierstarts knapp in drei Sätzen gegen Basel Abdelmoneim geschlagen geben

Der einzige Spieler der Hobby-Tennis-Tour, der bei allen vier bisherigen November-Second-Series-Veranstaltungen mit von der Partie war, ist Alexander Szele. Bäume konnte der 27jährige allerdings beim jeweils letzten 35-Punkte-Event des Jahres noch nie ausreißen. Ein einziger Matcherfolg war der routinierten Nummer 91 im Entry-Ranking bislang hier bei diesem Turnier beschieden, und im vergangenen Jahr in Runde 1 gegen Christian Tauschmann gelungen. Und den bislang wenig berauschenden Resultaten fügte der November-Second-Series-Rekordspieler bei seinem Comeback-Auftritt noch ein weiteres Negativ-Ergebnis hinzu. Mehr als zwei Monate nach seinem letzten Start auf der Hobby-Tennis-Tour beim September-First-Series-Turnier in Simmering, verkaufte sich Szele bei seinem ersten Hallenturnier in dieser Indoor-Saison spielerisch zwar ganz ordentlich, den Sieg im Erstrunden-Duell mit Ägyptens Basel Abdelmoneim verfehlte “Alex” schließlich aber knapp. Mit 6:4, 1:6, 4:6 nach einer Spielzeit von 1:16 Stunden ging das Auftakt-Match seines 95. Karriere-Turnier-Starts verloren, nicht aber seine Motivation für die nächsten Monate der bis März dauernden Hallensaison. “Ich wollte ein Ergebnis erzielen und eine Leistung bringen, um nicht gleich wieder eine längere Pause einzulegen und motiviert für weitere Turniere zu sein. Und das ist mir gelungen. Ich hatte nach über zwei Monaten ohne Tennis kein allzu große Erwartung in dieses Erstrundenmatch. Ich bin mit meinem Spiel zwar nicht zufrieden, mit dem Ergebnis aber schon. Es lief weitaus besser als erwartet. Ich habe ganz gut mitgehalten. Leider hatte ich im dritten Satz bei 3:4 plötzlich eine Blase an der Handfläche meines Schlagarms, das hat mich behindert und ganz sicher mindestens ein Game gekostet”, bilanzierte Szele nach seinem 141. Karriere-Single. Noch nicht ganz so routiniert auf der Tour ist Szeles Bezwinger Basel Abdelmoneim. Doch immerhin landete der Ägypter bei seinem 9. Turnierstart seit seinem Debüt im September seinen 5. Karriere-Einzelsieg, und schrieb diesen Umstand seiner Rückhand zu. “Meine Rückhand heute war Spitze. Es war gar nicht so leicht. Szele hat sehr sehr gute Slice-Bälle gespielt und er hat enorm viel Ballgefühl. Ich denke er hat lange nicht gespielt und war daher etwas geschwächt. Der erste Satz war sehr ausgeglichen. Einige Fehler meinerseits haben zum Satzverlust geführt. Im zweiten Durchgang ging es sehr schnell, der dritte Satz hat sich wieder in die Länge gezogen. Ich muss noch schneller und sicherer werden, aber ich habe einfach noch immer zu viele Konzentrationslücken in meinem Spiel”, resümierte der 26jährige.

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Claus Lippert, 5. Dezember 2009