Dramatischer Quali-Auftakt beim 26. Villacher-Jänner-Grand-Slam-Turnier

Für die Superstars der Hobby-Tennis-Tour geht es an diesem dritten Jänner-Wochenende erstmals in der neuen Saison um “big points” für die Rangliste und um einen von jenen prestigeträchtigen Titeln, mit dem man sich in die Geschichtsbücher der HTT spielen und sich Respekt und Anerkennung bei der Konkurrenz erarbeiten kann. Die neue Woche – und damit das Viertelfinale – zu erreichen, ist für Damian Roman & Co das Minimalziel, wenn am Ende des ersten Grand-Slam-Turniers des Jahres ein positives Resümee stehen soll. Ganz andere Ziele verfolgen da die “Stars aus der zweiten Reihe”. Jene Damen und Herren, die Woche für Woche auf der Challenger- und Future-Tour ihre Punkte & Erfahrungen sammeln, und sich im Schatten der großen Asse etablieren müssen. Für sie gilt es die ersten beiden Turniertage zu überstehen, denn dann hat man die Qualifikation mit Erfolg gemeistert, womit ein Startplatz im Hauptbewerb des ersten Major-Events des Jahres als Belohnung winkt. Und diese Quali mit immerhin 32 Spielern aus 9 verschiedenen Nationen ist am Donnerstag Abend mit einigen dramatischen und hochinteressanten Begegnungen angelaufen. Ein Bericht von C.L

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Future-Tour-Finals-Champion Alexander Rieger ringt in einem hochklassigen und dramatischen 3-Stunden-Match den serbischen Routinier Trivun Djumic mit 6:7, 7:5 und 7:6 nieder

Im 10 Matches umfassenden Ergebnisreigen des ersten Spieltages bei der 26. Auflage des Villacher-Jänner-Grand-Slam-Turniers im UTC La Ville ragen in der Nachbetrachtung neben vielen deutlichen Matches zwei Resultate extrem heraus. Jeweils in drei Sätzen und drei Stunden kämpften sich Alexander Rieger und Friederike Fiala ins Quali-Finale der HTT-Australian-Open, und haben damit die große Chance auf ihre jeweils erste Teilnahme in einem HTT-Grand-Slam-Hauptfeld gewahrt. Den ersten Marathon des Abends absolvierten Serbiens Routinier Trivun Djumic, aktuell die Nr. 287 im HTT-Computer, und der amtierende HTT-Future-Tour-Finals-Champion Alexander Rieger, die sich auf Court Nr. 7 einen spielerisch hochwertigen Fight auf “Biegen & Brechen” lieferten. Daneben sorgten die beiden Challenger-Stars in einem unglaublich abwechslungsreichen Finish für ein an Dramatik und Spannung kaum mehr überbietbares Szenario. Rieger hatte bei seinem ersten HTT-Antreten nach seinem fulminanten Future-Tour-Final-Erfolg im vergangenen November den ersten im Tie-Break verlorenen Satz mit einem 7:5 in Durchgang 2 ausgeglichen, und das Topduell der ersten Quali-Runde in diesen am Ende so spektakulär verlaufenden Entscheidungssatz gehievt. Dort hatte der 15jährige, derzeit als Nr. 210 der HTT-Entry-List gereiht den besseren Start, führte 5:2, als Djumic das Generationenduell mit einer famosen Aufholjagd an die 3-Stunden-Grenze heranführte. Ja mehr noch, hatte der serbische Routinier nach vier in Folge gewonnenen Games doch sogar die Möglichkeit, das Spiel mit eigenem Aufschlag auszuservieren. Am Ende hatte Rieger nach 2:58 Stunden Spielzeit mit 6:7, 7:5, 7:6 doch die Oberhand behalten. Und während Djumic nach verpatztem Saisonstart und seiner Niederlage beim Jänner-Challenger-Turnier vor einer Woche weiter auf seinen ersten Einzelsieg im neuen Jahr warten muss, darf sich Alexander Rieger beim zweiten HTT-Grand-Slam-Start seiner Karriere berechtigte Hoffnungen auf einen erstmaligen Platz im Hauptfeld machen. Bei den HTT-French-Open letzten Jahres scheiterte Rieger am Dom.Rep.-Jungstar Noah Castillo, diesmal bekommt es “Alex” mit Vahe Malkyan zu tun, der sich überraschender Weise gegen den höher eingeschätzten Martin Salcher 6:3, 6:1 durchsetzen konnte.

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Sensationelle Friederike Fiala steht nach Abwehr von zwei Matchbällen und einem 4:6, 7:6, 7:5 Erfolg über Blagoje Dogandzic im Quali-Finale der HTT-Australian-Open

Kaum minder spannend verlief dann zu später Stunde der Donnerstag-Nacht das Geschlechter-Duell der ersten Quali-Runde zwischen dem serbischen Routinier Blagoje Dogandzic und der drei Jahre jüngeren Friederike Fiala vom TC Wunderlich, das beide Akteure mit höchst unterschiedlichen Voraussetzungen in Angriff nahmen. Auf der einen Seite Friederike Fiala, die Tennis-Enthusiastin, gepusht und angespornt von ihren Kids und seit einem Jahr hoch motiviert im Circuit unterwegs. Und auf der anderen Seite Blagoje Dogandzic, ausgestattet mit der Routine von 152 gespielten HTT-Turnieren, der sich in seiner Blütezeit über Position Nr. 43 als HTT-Karriere-High-Ranking freuen durfte. Aktuell ist der Mann aus Serbien aber nur mehr auf Rang Nr. 701 zu finden, und dementsprechend wenig hat jener Mann zuletzt gespielt, der vor Jahren noch bis zu 40 Turniere pro Saison absolvierte. Diesen Umstand machte sich Fiala zunutze, und rang ihr Gegenüber nach einer engagierten und starken Vorstellung mit 4:6, 7:6, 7:5 nieder. Dabei hatte Dogandzic bei seinem 15. HTT-Grand-Slam-Start die ganz große Chance, sich für die zweite Runde zu qualifizieren, fand er doch bei 6:4, 6:5, 40:15 und eigenem Aufschlag zwei Matchbälle vor. Doch Fiala behielt die Nerven, wehrte beide “big points” ihres Gegners ab, und belohnte sich am Ende bei ihrem HTT-Grand-Slam-Debüt mit ihrem bereits zweiten Saison-Einzelsieg. “Ich habe mich in den letzten Wochen und Monaten richtig stark gesteigert, und ich bin mit meiner Entwicklung sehr zufrieden”, strahlte die 44jährige Niederösterreicherin, die nun im Quali-Finale am Samstag nach ihrem ersten Hauptbewerbsplatz bei einem HTT-Grand-Slam-Turnier strebt. “Ich werde alles dafür geben”, so die Dogandzic-Bezwingerin. Der unterlegene Serbe muss hingegen weiter auf seinen ersten Einsatz bei einem Grand-Slam-Turnier im Hauptfeld seit HTT-Wimbledon 2013 warten. Und noch eine Serie prolongierte der 47jährige am Donnerstag Abend. Wann immer Dogandzic bisher in seiner Laufbahn in die Quali eines HTT-Majors musste, blieb ihm der Aufstieg in den Hauptbewerb verwehrt.

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Der erste HTT-Australian-Open-Spieltag zusammengefasst

Was tat sich sonst noch am ersten Spieltag der Villacher-Grand-Slam-Qualifikation? Termin Islamovic genügten zwei gewonnene Tie-Breaks, um sich gegen Rene Karlik für die zweite Runde zu qualifizieren. Dort stehen auch die Rattasits-Brüder, die jeweils in zwei Sätzen gegen Pia Pustelnik und Comebacker  Rene Milich keinen Zweifel am Aufstieg aufkommen ließen. Ebenfalls nur mehr einen Schritt vom Hauptbewerb des ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres ist auch Rudolf Pinggera entfernt. Der Routinier   aus der Talentschmiede von Ines Kreilinger fightete Markus Posteiner nieder, und profitierte zudem von der verletzungsbedingten Aufgabe seines Gegners zu Beginn des dritten Satzes. Von einem solchen waren Sebastian Novotny und Werner Kuschei meilenweit entfernt. Novotny hatte gegen Leo Degenfeld beim 3:6, 0:6 einen total rabenschwarzen Tag zu beklagen, und Kuschei entging im Duell mit dem erst 13jährigen Noah Castillo beim 0:6, 1:6 nur haarscharf der Höchststrafe. Ein Kuriosum gab es dann noch im Treffen zwischen Juan Sebastian Gomez aus Kolumbien und Simon Knoll. Die beiden meldeten am Ende ein 6:2, 6:2, 6:2, also ein echtes Best of Five-Grand-Slam-Resultat.