Dzafic nach 68 Monaten in den Siegerlisten zurück

Ermin Dzafic holt 3. Turniersieg seiner Karriere

Ermin Dzafic hat am Donnerstag Abend das Juni-Without-Top-Ten-Turnier für sich entschieden. Der 23jährige besiegte in einem enttäuschenden und lediglich 43 Minuten dauernden Endspiel Christian Schindler mit 6:2, 6:2. Damit holte sich Dzafic seinen insgesamt 3. Karriere-Titel auf der Hobby-Tennis-Tour und den ersten Turniersieg seit Oktober 2000. Ein Bericht von C.L

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Schwaches Spiel langweilte die Zuseher

Es war eine der unzähligen Enttäuschungen, die man auf der Hobby-Tennis-Tour heuer schon so oft in entscheidenden Finalspielen zusehen bekam, und die Ermin Dzafic und Christian Schindler auch am Donnerstag Abend auf dem eigentlich gut besuchten Centercourt ablieferten. Ein schwaches, trostloses um nicht zusagen niveauloses Geschupfe langweilte die Besucher, an derem Ende der größte Karriere-Erfolg des Ermin Dzafic stand. “Das ist mit Sicherheit der wertvollste meiner 3 Titel”, meinte der Sieger.

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Schindler macht Nacht vor dem Finale zum Tag und bekommt Rechnung dafür präsentiert

Vorausgegangen war dem Dzafic-Sager aber wie gesagt eine triste dreiviertel Stunde mit dem gescheiterten Versuch von zwei zumindest an diesem Tag indisponierten Akteuren, ein ansehnliches Tennisspiel abzuliefern. Schindler vergeigte seine große Chance auf den ersten Turniersieg seiner Laufbahn schon am Vorabend des finalen Showdowns. Eine durchzechte Nacht, die erst um 11 Uhr am Spieltag endete, raubte dem 23jährigen schon vor dem ersten Aufschlag in seinem ersten Finale seit November 2002 alle Möglichkeiten auf den erhofften Triumph. “Ich bin selbst schuld. Mir wurde heute die Strafe für mein gestriges Fehlverhalten präsentiert”, kaute Schindler an der unnötigen Finalpleite. Auf der anderen Seite konnte Dzafic den “Schindler-Hänger” am Ende zwar zu seinen Gunsten nützen, glänzen konnte aber auch er nicht.

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Dzafic holt Titel ohne Aufschlagverlust im Finale

Mit zwei schnellen Breaks zu Beginn des Spieles schuf sich Dzafic den Grundstein zum deutlichen Gewinn des ersten Satzes. Höhepunkte waren Mangelware in diesen ersten 23 Minuten des Eröffnungssatzes, den der Champions-Race-Zwölfte zum 6:2 ausservierte. Wie überhaupt sich Dzafic an diesem sommerlichen Abend bei Sonnenschein und hohen Temperaturen “aufschlagstark” zeigte. Oder war Schindler an diesem Tag einfach zu “rückschlagschach”? Wie dem auch sei, der frischgebackene Juni-Without-Top-Ten-Champ gab nach seinem ersten Aufschlagspiel bei eigenem Service nur acht Punkte ab. Schindler blieb am Ende ohne Break und auch im dritten Versuch ein Finale auf der Tour zu gewinnen erfolglos. Nach exakt 43 Minuten besiegelte Schindler mit einem verunglückten Returnversuch sein Scheitern im 10. Saison-Endspiel und den nunmehrigen 0:2 Rückstand im Head to Head mit Dzafic.

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“Ich habe nicht gut gespielt, und trotzdem hat es zum Sieg gereicht”

“Das war das schlechteste Finale der Tourgeschichte”, grantelte der Sieger in einer ersten Reaktion unmittelbar nach Spielende in Richtung Zuseher. Einige Minuten später und nach der ersten Verarbeitung der “finalen Eindrücke” ließ Dzafic seinen Juni-Without-Top-Ten-Auftritt Revue passieren. “Ich habe heute nicht gut gespielt, trotzdem hat es zum Sieg gereicht. Restlos unzufrieden bin ich aber nicht, weil einige Schläge im Finale doch ganz gut geklappt haben. Obwohl der heutige Titel sicher der wertvollste meiner bislang drei gewonnenen Turniere ist, muss man ihn in Relation setzen. Das Turnier an diesem Wochenende war sicher nicht sehr stark besetzt. Aber man muss auch einen leichten Raster erst einmal zum Sieg nützen können. Das ist mir zumindest gelungen. Ich hatte sicherlich auch Glück, dass Spieler wie Berger oder Udovc ihre Nennung vor dem Turnier zurückgezogen haben. Dadurch wurde sie Sache leichter, auch wenn ich immerhin Hos, Trifunovic und Steven Raith besiegt habe”, meinte Dzafic. Neben den 40 Punkten für das Champions-Race und einem herrlichen Pokal, konnte sich der 23jährige aber auch noch über ein kleines Jubiläum freuen. Seit dem Viertelfinalerfolg über Reinhard Hos, gehört Ermin als 26. Spieler der Tour-Geschichte dem 100er-Club jener Akteure an, die 100 oder mehr Matches im Circuit bestritten haben.

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“Ich bin selber schuld”

“Ich war nicht locker, habe mich echt unwohl gefühlt und gezittert”, beschrieb der Finalverlierer seine ersten Eindrücke vom Geschehen am Centercourt. Ich hatte Kopfschmerzen, weil ich kaum geschlafen habe. Dazu fehlte mir der Mut, gegen Dzafic voll durchzuziehen. Ich bin selber schuld, dass ich diese große Chance auf meinen ersten Turniersieg nicht genützt habe. Die Rechnung für mein gestriges Fehlverhalten wurde mir beinhart präsentiert. Gott sei Dank habe ich mit dieser Leistung nicht gewonnen. Sonst hätte ich daraus wieder nichts gelernt. Es tut mir leid für die Zuseher und meine Freunde, die extra für dieses Finale gekommen sind. Zu allem Überdruss schmerzt mich jetzt auch noch der Arm. Am besten ich vergesse das Spiel und schaue nach vorne”, sprach der 23jährige recht offen über das verpatzte Finale.

Claus Lippert, 16. Juni 2006