Vladimir Vukicevic und sein ambivalentes Verhältnis zum Masters

Um exakt 19:12 Uhr am vergangenen 3. Dezember 2016 war das ambivalente Verhältnis von Serbiens HTT-Superstar Vladimir Vukicevic mit dem glanzvollen Aushängeschild der HTT-Turnierlandschaft, den “Finals” um ein weiteres Kapitel reicher. Es war eine eher bescheidene Gefühlsregung, mit der sich Vukicevic nach dem Matchball des 117ten und letzten Saisonfinales dem zahlreich erschienenen Publikum am Centercourt des UTC La Ville präsentierte. Ein knappes und förmliches Shakehands mit seinem Finalgegner, dann nahm der frischgebackene Masterssieger die Gratulationen von Freunden und Fans entgegen, ehe ein Kuss mit Ehefrau Moni für das Ende der zumindest nach Außen recht gefühlsarm wirkenden Momente unmittelbar nach dem Matchball sorgte. Dabei hatte man im Falle eines Vukicevic-Sieges mit doch so viel mehr an Emotion gerechnet. Immerhin hatte der 35jährige an diesem stimmungsvollen Samstag-Abend im UTC La Ville eine dicke fette Rechnung mit dem HTT-Saisonfinale beglichen. Die HTT-Tour-Finals im UTC La Ville und Vladimir Vukicevic, das war bis zum vergangenen Samstag sowas wie eine Art “Hassliebe”. Drei Mal vor dem aktuellen Triumphzug wurde Serbiens Topspieler beim Masters unsanft aus den jährlichen Titelträumen gerissen, und das sowohl mit körperlichen als auch seelischen Schmerzen.2013 wurde er nach seinem Gruppensieg im Semifinale vom späteren Sieger Philipp Schneider entzaubert, ehe die “Finals” in den beiden folgenden Jahren zum großen Fiasko für den HTT-Rasenkönig avancierten.

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Die Mastersstarts 2013 und 2014 als einziges Fiasko

Unvergessen natürlich das Vorrunden-Finale 2014 im mit an Spannung kaum überbietbaren Duell gegen Harald Schachinger, das zum ganz bitteren Misserfolg wurde. Nach einem mit 6:2 gewonnenen ersten Satz, genügte Vukicevic im letzten Vorrundenspiel ein 6:4 oder 7:5 in Durchgang 2 zum Aufstieg ins Semifinale. Und als der damals gerade zur Nummer 1 gewordene Serbe bei 5:2 zwei Matchbälle am Schläger hatte, schien der Semifinal-Aufstieg beschlossen zu sein. Wie die Sache ausging, ist zwei Jahre später allseits bekannt, und längst legendärer Teil der Geschichte dieses Turniers. Vukicevic verlor Satz Nr. 2 mit 5:7 und musste trotz Sieg in drei Sätzen seine Semifinal-Hoffnungen begraben. Bittere Augenblicke hatte auch die 2015er-Ausgabe des Masters am Dr. Karl Wall Weg für “Vladi” parat. Da gab es zunächst Zoff mit dem Turnierleiter um die aus seiner Sicht zweifelhafte Ansetzung seines Matches gegen Nenad Sarcevic, ehe der serbische Bruderkampf gegen den späteren Finalisten verloren ging, und Vukicevic nach einer Armverletzung sogar seinen Rückzug aus dem Turnier bekanntgeben musste. Jede Menge bitterer Rückschläge also für einen erfolgsverwöhnten Mann, der just beim prestigeträchtigsten Event der Saison bisher kein Bein auf den Boden brachte. Und auch für seinen vierten Masters-Auftritt seit 2013 standen die Vorzeichen für einen möglichen ersten Titelgewinn alles andere als günstig. Nach der bislang schwächsten Saison seiner HTT-Karriere, galt Vukicevic nicht unbedingt als der große Favorit auf die mächtige Silbertrophäe samt dem imposanten Siegerscheck über eine Gratis-Saison auf der HTT. Doch dann steigerte sich der Ranglisten-Zweite aus Serbien von Match zu Match, und stand auf einmal nach einer souverän gewonnenen Gruppenphase und einem Dreisatzsieg im Halbfinale über Branchen-Primus Damian Roman in seinem 21. HTT-Karriere-Finale und vor der großen Chance, sich mit der “Mutter aller Turniere” zu versöhnen.

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HTT-Wimbledonsiege für Vukicevic wichtiger als der aktuelle Triumph bei den HTT-Tour-Finals, und wie er seine Chancen auf ein Comeback als Nummer 1 der HTT einschätzt

Spannung herrschte dann auch noch bei der Pressekonferenz, bei der Vukicevic dann auch noch zu einer brisanten Aussage beim unmittelbar nach Spielende geführten Centercourt-Interview angesprochen wurde. Da hatte er sich dahingehend geäußert, dass ihm seine beiden HTT-Wimbledon-Siege mehr bedeuten würden. “Ob ein Grand-Slam-Sieg oder der Erfolg bei den Tour-Finals höher einzuschätzen ist, ist für mich nicht die Frage. Mir sind meine beiden HTT-Wimbeldon-Siege lieber, weil 5 Stunden in einem Finale auf dem Platz zu stehen, das ist schon ein einzigartiges Erlebnis. Ich habe ein HTT-Wimbledonfinale in 5 Stunden verloren und eines in 5 Stunden gewonnen, das war beide Male der Wahnsinn. Aber natürlich macht mich der Sieg hier beim Masters sehr stolz. Die Top 8 waren am Start, ich habe alle meine fünf Matches gewonnen, das war nicht leicht und ist in jedem Fall natürlich qualitativer als meine beiden HTT-Wimbledon-Erfolge. Aber für mich persönlich waren die Heimsiege auf Kunstrasen bei WAT Landstrasse ganz wichtig. Aber vielleicht schaut das im Rückblick in ein paar Monaten anders aus”, so Vukicevic, der dann auch noch zum Kampf um die Nummer 1 Position befragt wurde: “Das hängt von Damian ab und ob er mitspielt oder nicht. Wenn er spielt, dann wird es ganz schwer werden die Spitzenposition zu erobern. Er ist ein ganz taffer Gegner und hat eine unglaubliche Saison gespielt. Da muss man Bravo sagen. Ich war ja schon die Nummer 1, aber heuer im Sommer war natürlich der Knackpunkt mit meinem Kollaps bei den HTT-French Open. Das hat mich voll aus der Reihe gebracht. Ich konnte dann ein Monat lang nicht spielen, und bin eigentlich nur zufällig im HTT-Wimbledonfinale gestanden. So ist das Leben, mein Körper hat damals Alarm gemacht und der Virus hat mich zur Pause gezwungen. Aber Damian hat es sowieso verdient, und er ist mit Abstand Nummer 1. Ich fühle mich als Nummer 2 sehr wohl. So bin ich nicht der Gejagte und die “Eins” ist doch ein bißchen Belastung. Als Nummer 1 ist man praktisch bei jedem Turnier permanent unter Druck”, formulierte der neue HTT-Tour-Finals-Champion sein abschließendes Statement.

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