Hüseyin Tüfekci holt ersten Tour-Titel für die Nation vom Bosporus

Nach Deutschland, Russland, Serbien, Finnland, Argentinien, Rumänien, China, Bulgarien, Polen, Mazedonien, Afghanistan, dem Iran und der Slowakei, ziert nun auch die Türkei als 14. Land die Liste all jener internationaler Staaten, aus denen seit 1990 ausländische Tennis-Cracks mit einem Hobby-Tennis-Tour-Titel kommen. Hüseyin Tüfekci, Tour-Star vom WAT Meidling gewann am Mittwoch Abend die 6. Auflage des Februar-HTT-250-Turniers im UTC La Ville, und sorgte damit einerseits für den ersten und bisher einzigen Erfolg der Nation vom Bosporus, und den insgesamt 40. internationalen Turniersieg der Open Ära. Der 34jährige Linkshänder aus Izmir besiegte im Finale Heeres-TC-Jungstar Patrick Bayr nach einer Stunde und vierundzwanzig Minuten mit 7:6, 6:2, und feierte damit bei seinem 10. Turnierstart den lange ersehnten ersten Karriere-Erfolg. Ein Bericht von C.L

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Februar-HTT-250-Finale drohte ein unrühmliches Ende

Es waren gerade einmal 45 Minuten des neunten Saisonfinales am Centercourt des UTC La Ville gespielt, als Jungstar Patrick Bayr nach einem seiner Meinung nach ungerechtfertigt “Out” gegebenen Ball seines Gegners, abtreten und seine Endspiel-Premiere aufgeben wollte. Der 17jährige bekundete lautstark sein Desinteresse an einer Fortsetzung, packte seine Sachen zusammen und verabschiedete sich per Shakehands vom verblüfften Veranstalter. Ein paar Minuten später, eine eifrige Diskussion mit Tüfekci war vorausgegangen, nahm der junge Arbesthaler aber den Kampf um seinen ersten Tour-Titel wieder auf. Und das war gut so, denn dadurch blieb einem eigentlich ganz guten und richtig interessanten Finale ein klangloses Finish erspart. Obendrein hätte ein skandalträchtiger Abbruch auch für ein unrühmliches Ende jener Erfolgsstory gesorgt, die Patrick Bayr an diesem Wochenende geschrieben hat. Endlich einmal hatte der 17jährige sein bestes Tennis abrufen können, den ihn verfolgenden “La-Ville-Fluch” besiegt, und den scheinbaren Hobby-Tennis-Tour-Komplex abgelegt. Bayr war mit vier Siegen und teils imposanten Leistungen endlich im Tour-Zirkus angekommen. “Endlich” wird sich auch die Entourage des jungen Niederösterreichers gedacht haben, waren doch die ersten drei Auftritte des Juniors alles andere als erbaulich.

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Stationen eines stotternd anlaufenden Tour-Debüts

Schon das Bayr-Debüt im Juli vergangenen Jahres stand unter keinem guten Stern. Der 17jährige hatte sich zwar auf dem Weg ins Viertelfinale des Juli-HTT-250-Turniers beim TC Top Serve mit Lokalmatador Bernd Saurugger und TK Eden-Star Domenic Stangl seiner Premieren-Gegner äußerst locker entledigt, doch das Geschlechter-Duell um einen Platz im Semifinale gegen die spätere Siegerin Ines Kreilinger wurde für den Neuling zum wahren Alptraum. Die 22jährige Oberösterreicherin demontierte den Debütanten aus Arbesthal mit 6:2, 6:1, und sorgte so für ein Bayr’sches Schockerlebnis der besonderen Art. Eines, das er erst nach vier Monaten Verarbeitungszeit verdaut hatte, ehe er sich ein zweites Mal an die Hobby-Tennis-Tour heran wagte. Und wieder war dem 17jährigen das Glück  nicht hold. Der Bayr-Clan haderte mit der Auslosung, die mit Rainer Stolz ein Horror-Los zum Auftakt parat hatte. Das aus seiner Sicht vorweggenommene Finale ging im dritten Satz unglücklich mit 5:7 verloren, die nächste zweieinhalb Monate andauernde Auszeit war damit perfekt. Beim heurigen Jänner-HTT-250-Turnier sollte Patrick Bayr seinen nächsten Versuch unternehmen. Diesmal freute er sich über eine leichte Auslosung und den klaren Auftaktsieg über Reinhard Paizoni, doch das schlechte Karma war der Junior abermals nicht los geworden. Im Achtelfinale ging Bayr – von einem entfesselt aufspielenden Wolfgang Tschanett besiegt – schwer k.o! “Der Patrick hat dann gut und gerne zwei Wochen mit einer Verkühlung herumgetan, ohne das diese richtig ausgebrochen wäre”, erzählte Mama Bayr am vergangenen Freitag. Genau an jenem Tag, an dem man als neutraler Beobachter das Gefühl hatte, die Vita des 17jährigen auf der Hobby-Tennis-Tour taugt wieder nicht zu einer Erfolgsstory. Patrick hatte seinen Februar-HTT-250-Erstrundengegner Friedrich Böck zwar mit dessen 12. Auftaktpleite in Serie auf den Heimweg geschickt, doch die eigene Leistung fand der Heeres-TCler wenig prickelnd. Mit hängenden Schultern und einem ungläubigen Kopfschütteln war Bayr nach einer aus seiner Sicht unbefriedigenden Vorstellung vom Court geschlichen.

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Bayr’scher Erfolgsstory fehlte nur das Happy End

Doch dann legte der Überraschungsfinalist plötzlich seine Hemmungen ab, und einen phantastischen Erfolgslauf durch den Februar-HTT-250-Raster hin. Der Niederösterreicher kegelte im Achtelfinale mit Landsmann Markus Hobiger die Nummer 1 des Turniers aus dem Bewerb, eine Runde später reüssierte er in beinahe heroischer Art und Weise gegen Titel-Favorit Alexander Udovc mit 6:4 im dritten Satz, und seinen Mistelbacher Halbfinalgegner Albert Wanka schoss Bayr gar mit 6:1, 6:3 vom Platz. Dem märchenhaften Auftritt des Juniors fehlte letztlich nur ein Happy End. Das blieb dem Final-Debütanten im insgesamt 577. Endspiel der Geschichte aber verwehrt. Weil der Druck im finalen Showdown vielleicht doch um einiges schwerer wog, und der 17jährige in der entscheidenden Phase entgegen seiner 48 Stunden zuvor getätigten Selbsteinschätzung doch nicht so locker war, wie geglaubt. “Mit dem Ausservieren eines Satzes oder eines Matches hatte ich noch nie Probleme”, outete sich Bayr selbstbewusst. Wenn dem nur an diesem Abend des 15. Februar 2012 auch so gewesen wäre, dann ja dann…………..! Doch “hätte, wäre, wenn”, Bayr versagten gleich zwei Mal die Nerven, beim Versuch eine sensationelle Aufholdjagd gegen Tüfekci mit dem Gewinn des ersten Satzes zu krönen. Denn immerhin hatte der Arbesthaler gegen einen bis dahin unglaublich servierenden Gegner ein frühes 1:4 aufgeholt, und sich mit einem Break zum 5:4, selbst in die glänzende und aussichtsreiche Position gebracht, den ersten Heat mit eigenem Aufschlag für sich zu entscheiden. Bei 30:15 fehlten Patrick nur zwei Punkte zur 1:0 Satzführung, doch was folgte war ein katastrophal zu Ende gespieltes zehntes Game in dieser Entscheidung des ersten Durchgangs. Mit drei Doppelfehlern ließ er sein türkisches Gegenüber noch einmal zurück in diesen ersten Satz, kein Beinbruch dachte wohl auch Papa-Bayr, immerhin bekam der Sohnemann Minuten später ja noch einmal die Gelegenheit, via Serivce den ersten Heat klar zumachen. Was abermals nicht geschah, wie wir ja wissen, folgten doch die unrühmlichen Momente dieses Endspieles mit strittigen Out-Entscheidungen und dem Beinahe-Abbruch.

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Bayr demotiviert, Tüfekci entspannt, der zweite Satz des Februar-HTT-250-Finales damit eine klare Angelegenheit

Der nach 57 Minuten verloren gegangene Tie-Break war aus Sicht Bayrs der Anfang vom Ende. Die Moral schien “futsch”, das erste – und letztlich schon vorentscheidende – Break zum 2:0 zu rasch gefallen, damit war Patricks Motivation gebrochen, und der Halbmond-Server vom TC Meidling mit Selbstvertrauen quasi gedopt. Der 34jährige aus Izmir ließ in der Folge nichts mehr anbrennen, servierte sich mehr als solide durch den gerade einmal 27 Minuten dauernden zweiten Satz, und ersparte sich mit einem “zu Null” gewonnenen Break zum 5:2 auch eine mögliche Zitterpartie im Finish. So konnte der türkische Linkshänder recht entspannt und mit eigenem Aufschlag zur Tat schreiten, den ersten Titel für sich und die Nation vom Bosporus zu fixieren. Einen Breakball noch abgewehrt, war Hüseyins Traum um exakt 22:49 perfekt geworden.

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Patrick Bayr, Anführer des Underdog-Aufstandes will in die Top 100 der Hobby-Tennis-Tour vorstoßen

Ein Türke als Turniersieger, das hatte es bislang noch nie gegeben! Doch das sich ausgerechnet der glatzköpfige Halbmond-Bomber aus Izmir zum großen Triumphator aufschwang, passte zu diesem 6. Februar-HTT-250-Turnier und seinem unglaublichen “Underdog-Aufstand”. Gleich drei Protagonisten der beiden Halbfinal-Matches standen im aktuellen Ranking weit jenseits der Top 100, Finalist Patrick Bayr sogar auf der “185”. “Mein Ziel für die Zukunft ist ein Platz unter den ersten Hundert der HTT”, lachte Bayr später bei der Pressekonferenz, ohne zu wissen, dass ihn die neueste Ausgabe des Computer-Rankings nur eine Stunde später schon als aktuelle Nr. 102 ausspucken würde. Immerhin war dem 17jährigen aber nach verlorenem Final-Debüt wieder zum lächeln zumute. “Ich bin mit dem Abschneiden bei diesem Turnier sehr zufrieden. Endlich konnte ich einmal meine beste Leistung auf der HTT abrufen, und das macht mich glücklich. Ich habe auch im Finale nicht so schlecht gespielt. Es war zwar nicht jene Leistung wie in den Tagen zuvor, aber sie war doch in Ordnung. Zu Beginn hat der Hüseyin unheimlich gut serviert, als er danach aber ein wenig nachließ, bin ich sofort besser ins Spiel gekommen. Die Situation gegen Ende des ersten Satzes ist zwar für mich bereits vergessen, aber sie hat mir ganz sicher einiges an Motivation im zweiten Satz gekostet”, resümierte Patrick Bayr.

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Türke mit Masters-Ambitionen – “Es fühlt sich verdammt gut an, ein Turnier der Hobby-Tennis-Tour gewonnen zu haben”

Er ist nicht nur der erste türkische Turniersieger der Geschichte seit 1990 und das insgesamt 147. Siegergesicht der Open Ära, nein Hüseyin Tüfekci sorgte am Mittwoch Abend mit seinem historisch angehauchten Zweisatzerfolg noch für zwei weitere Jubiläen. Der 34jährige gewann das 25. La-Ville-Hallenturnier seit der Tour-Übersiedlung an den Altmannsdorfer Ast im Jänner 2011, und der von der türkischen Ägäisküste stammende Wahl-Wiener sicherte sich auf den Titel beim insgesamt 100. Wiener HTT-250-Turnier. “Natürlich freue ich mich sehr. Es fühlt sich verdammt gut an, ein Turnier auf der Hobby-Tennis-Tour gewonnen zu haben. Das Finale heute war extrem schwer, weil Patrick ein hervorragender Spieler ist. Im Verlauf des Matches hat er dann meinen Aufschlag besser gelesen, und bis zu den strittigen Punkten toll gespielt. Im zweiten Satz war er aber komplett weg, und ich bin mit dem gewonnenen ersten Satz richtig locker geworden”, so der 34jährige, der mit den 250 gewonnenen Siegpunkten nun sein ganz großes Saisonziel angehen möchte. “Mein Ziel ist das Masters, dort möchte ich unbedingt hin”, so Tüfekci, der sich in der aktuellen Entry-List von Rang 56 auf Position Nr. 37 verbessern konnte.

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Das Februar-HTT-250-Endspiel in der totalen Statistik

Februar-HTT-250-Final-Statistik

Hüseyin TÜFEKCI

Patrick BAYR

Fehler an der Grundlinie

31

29

Fehler am Netz

0

2

Doppelfehler

4

5

Asse

6

0

Service-Winner

15

5

Return

1

0

Vorhand-Winner

10

9

Rückhand-Winner

0

4

Volley

1

1

Smash

0

1

Lob

0

0

Stopp

2

0

Passierball – Vorhand

0

2

Passierball – Rückhand

1

2

Punkte durch gegnerische Fehler

36

35

Punkte selbst erzielt

36

24

Punkte insgesamt

72

59

1. Aufschlag in Prozent

63,1 %

65,2 %

2. Aufschlag in Prozent

83,3 %

78,2 %

Punkte nach dem 1. Aufschlag in Prozent

65,8 %

53,4 %

Breakchancen

11

4

Breaks

5

3