Aigner und Rübenbauer gewinnen Feb.-GP-Doppel-Auftakt

Eine Woche nach dem Einzelbewerb, geht an diesem Wochenende das Doppel beim Februar-Grand-Prix-Turnier 2007 über die Bühne. Nach dem Jänner-Grand-Slam-Turnier und vor dem noch folgenden März-Super-4 soll das zweite Indoor-Doppel der Saison ab heuer zur fixen Einrichtung im Doppel-Kalender und eines von insgesamt 28 Turnieren im Double-Champions-Race werden. Das bevorstehende Event wird freilich für das aktuelle Champions-Race nur von geringer Bedeutung sein. Und das nicht nur aufgrund der Tatsache, dass sich das Sieger-Duo nur über 50 Punkte freuen kann, sondern weil auch ein Großteil der beim Hallen-Grand-Slam in der Spitze etablierten Paare diesmal durch Abwesenheit glänzt. Das auch der gewohnte “16 Teams-Minimum-Raster” erstmals nach langer Zeit verfehlt wurde, erhöht nicht unbedingt die Attraktivität des zweiten Saison-Doppel-Turniers. Der Auftakt am Freitag fiel dann auch mit nur einem Match recht dürftig aus. Grund genug für uns aber, das Eröffnungsspiel zwischen dem Nachwuchs-Duo Berzengi-Meinhart und Team Aigner-Rübenbauer näher unter die Lupe zu nehmen. Ein Bericht von C.L

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Erster Satz des Eröffnungsspieles geht nach 20 Minuten mit 6:1 an Raimund & Matthias

Eines vorweg: Raimund Aigner und Matthias Rübenbauer haben sich mit einem 6:1, 6:3 Erfolg über das Jugend-Tandem Berzengi-Meinhart ihren Platz im Viertelfinale gesichert. Und es war nicht nur das idente Outfit, durch das sich das siegreiche Gespann als “besseres” Team auszeichnete an diesem gestrigen Freitag Abend. Aigner-Rübenbauer wirkten homogener, eingespielter und motivierter als die unterlegenen Schützlinge von Tour-Coach Harald Selak. Schon der Auftakt ging aus Sicht der Jungstars völlig daneben. Dem souveränen Aufschlagspiel von Raimund Aigner zur 1:0 Führung folgte ein katastrophales erstes Service-Game von Nihad Berzengi. Ohne ersten Aufschlag und mit drei Doppelfehlern brachte er sein Team rasch in Rückstand und in eine noch größere Druck-Situation in dieser Phase. Auch das Re-Break gegen Matthias Rübenbauer änderte nichts am Spielverlauf, weil auch Patrick Meinhart in seinem ersten Aufschlagspiel gewaltig patzte. Und so wurde dieses Doppel-Achtelfinal-Match zu Beginn von den Rückschlägern geprägt. Die vier Protagonisten des Eröffnungsspieles produzierten in den ersten vier Games mehr direkte Punkte beim Return als sie erste Aufschläge ins Feld des Gegners brachten. Der aktiveste Spieler des Quartetts, Raimund Aigner war es dann auch, der mit seinem zweiten ohne Probleme durchgebrachten Service-Game zum 4:1 für klare Verhältnisse im ersten Satz sorgte. Die erste Entscheidung rund um die neue Einstand-Regel brachte den späteren Siegern dann sogar das 5:1. Berzengi hatte bei seinem Aufschlag eine 40:15 Führung ausgelassen, den “Alles oder Nichts Punkt” bei Einstand vergab sein Partner mit einem kapitalen Volley-Fehler am Netz. Das den Jungstars in der Schlussphase des ersten Satzes zudem das Glück nicht unbedingt zur Seite stand, bewies auch das letzte Game, wo Aigner & Rübenbauer mit zwei Bällen an die Linie den 6:1 Satzgewinn nach exakt 20 Minuten fixierten.

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Pushender Berzengi für das unterlegene Jugend-Doppel zu wenig

Während sich Raimund und Matthias vorallem als Team recht konstant in ihren Leistungen durch den ersten Durchgang spielten, fiel beim Jugend-Duo Nihad Berzengi extrem stark ab. Ein direkter Punkt beim Return war die ganze, recht magere Ausbeute eines jungen Mannes, dem im technischen Bereich von seinem Coach eigentlich eine große Zukunft vorausgesagt wird. Umso überraschender kam es dann im zweiten Satz, dass ausgerechnet “Totalversager” Nihad Berzengi das Kommando und den Part des Motivators übernahm. Letztlich aber ohne Erfolg, weil sein Partner Patrick Meinhart längst seine Spielfreude und Motivation über Bord geworfen hatte. Eher gelangweilt und desinteressiert spazierte der 16jährige auf die Niederlage wartend über den Court. Und so kassierten Nihad & Patrick gleich zu Beginn wieder ein unnötiges und schon vorentscheidendes Break, das Aigner kurz darauf mit seinem dritten erfolgreich durchgebrachten Aufschlagspiel zum 2:0 bestätigt. Erstmals musste aber auch der “Hewitt-Doppelgänger” zittern, entschied doch zum 2x in diesem Eröffnungsmatch die neue Einstandregel über den Game-Gewinn. Berzengi beförderte den Ball nach einem intensiv geführten Grundlinienduell ins Out. Dafür machte der 16jährige im Gegenzug seinen Fehler mit einem lupenrein zu Nul durchgebrachten Service-Game wieder gut. Und Nihad pushte sich und seinen Partner weiter, war plötzlich der aktive Posten im Jugend-Team mit einem allerdings beinahe im Halbschlaf agierenden Meinhart. Die Chance zum 2:2 Ausgleich und zur möglichen Trendwende in diesem Match fanden die Juniors trotzdem vor, weil der Viertelfinalist des Einzelbewerbes Matthias Rübenbauer beim Aufschlag u.a mit einem Doppelfehler schwächelte, und zum dritten Mal in diesem Achtelfinale die Einstand-Regel zur Anwendung kam. Allerdings konnten die beiden 16jährigen auch aus der dritten Chance nach Einstand kein Kapital schlagen, weil Aigner einen gewaltigen Berzengi-Return mit viel Gefühl und einem sensationellen Volley zum Punktgewinn und zur zwischenzeitlichen 3:1 Führung verwerten kann. Dann rafft sich auch Patrick Meinhart noch einmal auf, kann zum ersten und einzigen Mal in diesem Spiel sein Sevice halten und die Jugend auf 2:3 heranbringen. Es war zudem im vierten und letzten Einstand-Duell der beiden Teams auch das erste Erfolgserlebnis von Berzengi & Co. Aigner setzte eine Rückhand gut einen Meter ins Out, was an diesem Tag aber nicht ins Gewicht fiel. Zu stark servierte Aigner auch in seinem letzten Aufschlag-Game zum 4:2. Ein weiteres Break gegen Berzengi hätte eigentlich schon die endgültige Entscheidung bringen müssen, doch Matthias Rübenbauer war beim Ausservieren des Spiels ein wenig überfordert, setzte gleich zwei Doppelfehler in die Landschaft und nochmals ein kleinen Hoffnungsfunken bei den jugendlichen Gegnern. Pech nur, dass in dieser Phase sich ein demoralisierter und völlig von der Rolle agierender Patrick Meinhart zum Aufschlag bereit machte. Kein erstes Service kein einziger Punkt und praktisch symptomatisch für die gesamte Partie ein Doppelfehler zum Abschluss und zur 1:6, 3:6 Auftakt-Pleite des Zukunfts-Doppels der Hobby-Tennis-Tour.

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“Da war keine Harmonie und keine Abstimmung zu erkennen”

“Wir haben heute sehr gut gespielt, das war wieder eines unserer besseren Matches”, freute sich Matthias Rübenbauer, der mit diesem Erfolg auch die Niederlage im Einzel-Viertelfinale für vergessen betrachtet. “Das war nicht zu vergleichen mit meinem Auftritt gegen Pokitsch. Leider sind meine Leistungen noch nicht konstant genug”. Und während sich die Sieger bereits Gedanken über ihre Viertelfinalgegner Michael Kunz und Thomas Seemann machen können, setzte bei den unterlegenen Jungstars gemeinsam mit ihrem Coach Harald Selak die große Analyse ein. “Da war keine Harmonie, keine Abstimmung zu erkennen”, kritisierte Selak. “Beim Volley steht der Patrick da als ob es ihn nichts angehen würde. Er steht auf der Ferse und wundert sich wenn kein Schlag funktioniert. Da wartet noch viel Arbeit auf uns”. Der angesprochene Meinhart, zuletzt mit Topleistungen im Einzel in aller Munde und höchste Tour-Sphären aufgestiegen, saß derweil wie ein Häufchen Elend an der Bar und schlürfte ein tiefrotes “alkoholfreies” Getränk. “Ich habe keine Ahnung, aber im Doppel geht bei mir im Moment gar nichts. Ich habe keine Erklärung dafür”, zeigte sich Patrick tief enttäuscht. Und auch Nihad Berzengi fand kaum einen Grund, dem Februar-GP-Auftakt-Doppel etwas positives abgewinnen zu können. “Ich weiß, dass ich am Anfang nicht gut gespielt habe, aber ich habe im zweiten Satz zumindest versucht, uns ein wenig zu pushen. Das ist leider auch nicht gelungen”.

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Die Match-Statisitik Aigner Rübenbauer Meinhart Berzengi
Fehler an der Grundlinie 8 8 9 6
Fehler am Netz 4 3 3 8
Doppelfehler 0 3 1 4
Asse 1 2 0 0
Service-Winner 1 2 1 0
Return 1 1 2 1
Vorhand-Winner 3 1 0 0
Rückhand-Winner 0 0 0 0
Volley 2 2 2 0
Smash 4 2 2 0
Lob 0 0 0 0
Stopp 0 0 0 0
Passierball Vorhand 0 0 0 0
Passierball Rückhand 0 0 0 0
1. Aufschlag in Prozent 33,3 % 40,9 % 38,1 % 31,8 %
2. Aufschlag in Prozent 100,0 % 76,9 % 92,3 % 73,3 %
Pkte nach dem 1. Service 62,5 % 77,8 % 25,0 % 42,7 %

Claus Lippert, 3. März 2007