Tennis-Party der Kids

7 Stunden dauernde Tennis-Party beim Future-Tour-Masters

Eine Turnierstory con C.L

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Publikums-Ansturm beim Bambini-Turnier

Ein Tennistag mit den Kids ist etwas Besonderes, „der Tennistag beim Masters“ etwas Großartiges. Die Stimmung ist phänomenal, die Spannung zu spüren und die Atmosphäre beim Showdown der Future-Tour-Cracks sensationell. Auch wenn die Traglufthalle auf der Schmelz nicht unbedingt jenes einladende Ambiente schafft, um sich gemütlich niederzulassen, so herrscht vor allem beim Auftritt der Kleinsten am Vormittag ein wahrer Publikumsansturm. Es ist 10 Uhr an diesem verregneten Sonntag, und noch herrscht die große Ruhe vor dem Sturm. Es wird getratscht, gelacht, Wurstsemmeln werden verzehrt, der ein oder andere Trainingsball geschlagen. Wiederum andere versuchen ihre Nervosität vor dem „nahenden Auftritt“ in der Nähe und im Schutz ihrer Eltern zu suchen, ehe das hektische Treiben von den Begrüßungsworten von Turnierleiter Franz Korger unterbrochen wird. Wie immer begrüßt der Tennis-Coach die Teilnehmer mit Mut machenden Worten. Noch ein kräftigender Schluck aus der Flasche und schon geht es los mit dem 7. Bambini-Turnier der Saison.

Bozana Djordjic wird ihrer Favoritenrolle gerecht und holt Masters-Titel bei den Bambinis

Nach einer zwei Turniere dauernden Durststrecke ist Bozana Djordjic ausgerechnet beim Masters wieder auf die Siegerstraße zurückgekehrt und ihrer Favoritenrolle gerecht geworden. Die Ranglisten-Erste sicherte sich ohne Satzverlust ihren 5. Karriere-Turniersieg und zeigte sich nach ihrem fulminanten Masters-Auftritt glücklich. „Der Sieg freut mich sehr. Es war wirklich schwer, vor allem gegen Silvana im Finale. Eigentlich habe ich gegen sie mit einer Niederlage gerechnet, weil ich auch vor einer Woche gegen Silvana verloren habe. Aber Gott sei Dank hat es geklappt“. Mit Pokal und überhäuft mit tollen Preisen sowie Geschenken strahlte Bozana in die Kamera des Veranstalters. Unter dem tosenden Applaus des Publikums nahm sie die Trophäe für den Champion in Empfang und überstrahlte dabei das Leid welches sich derweil 5 Meter neben ihr abspielte.

Lang und Stamenkovic – die gescheiterten Mitfavoriten

Die beiden Mitfavoriten Silvana Stamenkovic und Michael Lang leckten getröstet von ihren Eltern die im ersten Augenblick tiefen mentalen Wunden. Silvana kämpfte mit den Tränen, und irgendwie konnte man diese auch verstehen. Wieder einmal war sie der tragische Pechvogel des Turniers. Wie vor einer Woche brillierte Silvana bis zum Finale, degradierte ihre Gegner bis zum entscheidenden Endspiel zu Statisten, ehe im finalen Showdown das löchrige Nervenkostüm zum Spielverderber avancierte. Irgendwie wirkte das heutige Szenario wie eine Kopie vom letzten Weekend. Silvana beherrscht vor dem Semifinale Spiel und Gegner nach Belieben, schaltet im Halbfinale einen Angstgegner aus, um im Finale dann mit leeren Händen dastehen zu müssen. Diesmal waren Kristina Spasevski und Andrea Stankovic in der Gruppenphase chancenlos. Im Vorschluss-Runden-Spiel revanchiert sich Silvana bei Gegner Michael Lang eindrucksvoll für die vorwöchige Final-Schlappe, doch im Finale kann die sympathische Silvana ihr Können nicht mehr abrufen. Nervös und fehlerhaft verliert sie gegen eine extrem sicher und clever agierende Bozana den ersten Satz mit 6:15. Nur einmal kommt kurz Hoffnung im vollständig vor Ort befindlichen Stamenkovic-Clan auf. Als ihr Schützling im zweiten Satz bei 6:13 Rückstand Punkt für Punkt aufholt, und die zusehends nervöser werdende Gegnerin noch einmal zittern lässt. In dieser Phase wird das Match – so komisch das auch klingen mag – von den Aufschlägen der beiden jungen Damen geprägt. Phasenweise dominieren Asse und Winner im Kleinfeld-Final-Duell das Geschehen. Am Ende mit dem glücklicheren Ausgang für Bozana, die sich damit auch erfolgreich für die vorwöchige Semifinal-Niederlage revanchierte. Silvana also im Pech, und wenige Meter weiter saß auch die Nummer 2 des Bambini-Circuits deprimiert in einer Ecke. Michi Lang, vor einer Woche noch großer und strahlender Sieger musste seine Titel-Ambitionen schon im Semifinale begraben. Der 8jährige behält aber zum Trost die Nummer 2 Position im Ranking, auch wenn diesmal die Widmung für den Onkel in Amerika (den es übrigens wirklich gibt) entfallen muss. Den B-Titel holte sich Andreas Haupt, der gegen Andrea Stankovic in zwei Sätzen siegreich blieb. Positiv auch das Abschneiden von Kristina Spasevski mit dem Erreichen des Semifinales.

Challenger-Queen Jessica Glatzl gewinnt Masters im Kampf gegen „Team Mach-Baumgartner „

Kaum war die stimmungsvolle Siegerehrung der Bambinis vorüber, machte sich die große Leere in der Halle breit. Und das komischer Weise vor dem Challenger-Bewerb, der in den letzten Wochen und Monaten stets der große Renner und das Aushängeschild der Future-Tour war. Ansprechende Teilnehmerfelder, ausgeglichene Turniere und viele verschiedene Turniersieger, die „Challengers“ als positives Vorbild für die anderen Future-Tour-Klassen, wurden an diesem verregneten Sonntag zum „Stiefmütterchen-Bewerb“ schlechthin. Der Ranglisten-Führende Marcus Lohr bei einer Feuerwehr-Veranstaltung, Diana Pavlovic am Rücken verletzt, Markus Windhager Skifahren, Vorwochen-Siegerin Sabrina Rupp auf Ski-Kurs, die Simmeringer Jakob Kerschenbauer und Bernd Saurugger nicht motiviert, und zu allem Überdruss sagten unmittelbar vor Turnierbeginn auch noch die fix Genannten Stefan Holub und Alexandra Loibner ab. So blieb statt den zwei Gruppen ein „Vierer-Feld“, das sich in direkten Duellen mit Hin- und Rückspiel um den Masters-Titel duellierte.

Jessica in allen Challenger-Statisitken voran

Am Ende gab es den erwarteten, wenngleich aber äußerst hart umkämpften Triumph der Jessica Glatzl. Die 11jährige setzte sich als einziges Mädchen im Feld der Burschen mit 5 Siegen in ihren 6 Mastersspielen durch, und feierte den 7. Turniersieg ihrer noch jungen Future-Tour-Karriere. Für die U12-Nachwuchs-Hoffnung des TC Schmelz war es aber mehr als nur ein Turniersieg, denn „Jess“ krönte sich mit dem Masters-Erfolg zur „Miss Challenger“ der Future-Tour. Die Tour-Statistiken spucken die „Challenger-Queen“ seit heute mit einer Ausnahme in allen Bilanzen an erster Stelle aus. Mit ihrer 14. Turnierteilnahme liegt sie jetzt ein Turnier vor Nihad Berzengi an der Spitze, mit den 6 Matches zum Tag rangiert sie in der Statistik der meisten Einzelspiele mit 37:31 ebenfalls vor ihrem einstigen Konkurrenten, und auch bei den meisten Einzelsiegen hat Jessica mit nunmehr 29:26 die Nase vorne. Kurzum, die flotte Blondine räumte am letzten Hallentennistag der Saison groß ab.

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Fabio Baumgartner schlägt die Masters-Siegerin in der Hinrunde

Dabei wäre ihr beinahe das perfekte „Teamwork“ von Lukas Mach und Fabio Baumgartner zum Verhängnis geworden. Das Freundes-Duo schaffte es nämlich mit geteilter Anstrengung, das Turnier bis zum allerletzten Match zwischen Glatzl und Mach offen zu halten. Und das trotz des Hinrunden-Umfallers von Lukas Mach, der gegen die spätere Championesse in ein 0:4 Debakel lief. Doch Kumpel Fabio Baumgartner hievte Lukas und kurzfristig sogar sich selbst mit einem Sensationssieg über Jessica in der Hinrunde in den Titelkampf zurück. Als einziger Spieler des Tages zeigte Fabio vor, wie man Jessica beikommen kann. Ein glatter 4:1 Triumph, der Mut für die Zukunft machte, in der Gegenwart des Masters-Spieltages neben den beiden Pflichtsiegen über Stefan Schneeberger aber die einzige Ausbeute des Neo-Schmelz-Spielers bleiben sollte. Am Ende platzierte sich Fabio wie schon bei seinen 4 Turnierstarts davor als „Pole-Man“ des B-Bewerbes.

Lukas Mach tröstet sich mit der Ranglisten-Führung im Challenger-Bewerb

Ein Kunststück wie jenes seines Freundes Fabio hätte Lukas am frühen Nachmittag zum zweiten Turniersieg seiner Karriere verholfen. Denn der 13jährige entledigte sich seiner „Pflicht“ gegen Schneeberger zwei Mal genauso souverän, wie in den zwei Derbys gegen Freund Fabio. Nur gegen die spätere Siegerin wirkte Mach gehemmt. Erst bei 0:7 (0:4 im 1. Match und 0:3 im 2. Duell) wachte der U14 Neuzugang des TC Schmelz auf. Zu spät, obwohl Lukas in dieser Schluss-Phase des Turniers sein Können zeigte und die von Minute zu Minute nervöser werdende Gegnerin ins Wanken brachte. „Leider habe ich den Start verschlafen, aber insgesamt bin ich zufrieden“ resümierte der Geschlagene, der sich aber am Montag als neue Nummer 1 des Challenger-Bewerbes mit der Ranglistenführung trösten kann. Wenig kommunikativ wie immer präsentierte sich nach der Siegerehrung auch die Gewinnerin. „Super“ war die einzige Wortspende, die der 11jährigen zu entlocken war.

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Lohr`s Solo-Show bei Abschieds-Party

Die Abschiedsparty des Matthias Lohr im Grand-Slam-Bewerb wurde wie erwartet zur großen Solo-Show des 11jährigen. Der Superstar der Future-Tour sicherte sich mit einem 6:0 Finalsieg über Comeback-Spieler Matthias Tader den Hallen-Masters-Titel 2005/06. Im allerletzten Einsatz auf der Future-Tour beeindruckte der „Kleinste im Feld“ neuerlich mit „großem Tennis“. Seine Abschiedsvostellung zelebrierte die Nummer 15 der Hobby-Tennis-Tour mit drei klaren Siegen über Nihad Berzengi, Michael Januska und im Finale wie erwähnt gegen Matthias Tader. Begleitet von Superlative sagt „die Kampfgelse“ leise servus. Lohr feierte den 17. Turniersieg seiner Karriere und blieb zuletzt in sensationellen 21 Einzelspielen in Serie ungeschlagen auf der Nachwuchs-Tour. Das Statement zum Abschied fiel dann auch relativ „bescheiden“ für den sonst recht selbstbewussten Junior aus. „Ich habe nicht mein bestes Tennis heute gespielt. Speziell beim Aufschlag habe ich ungewohnt viele Doppelfehler gemacht. Ich war aber zuletzt durch eine Virusinfektion außer Gefecht, und in Anbetracht dieses Umstandes bin ich mit meinem Sieg und mit meiner Leistung zufrieden. Der Matthias hat es mir im Finale Gott sei Dank nicht sehr schwer gemacht“, analysierte Lohr.

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Tader nach starkem Turnier im Finale desaströs

Nicht schwer gemacht, eine glatte Untertreibung, denn Tader der bis zu diesem Finale trotz längerer Tennispause ein starkes Turnier ablieferte, war im Endspiel definitiv nicht vorhanden. Und so folgte einem eigentlich großartigen Turnierverlauf mit vielen hochklassigen und spannenden Spielen ein trostloses, enttäuschendes Finale. Beide Akteure mit jeder Menge Respekt vor dem Gegner ins Match gestartet, beide nicht in Hochform, so wurde aus dem geplanten Final-Highlight ein matter „Schlagabtausch der Namensvetter“. Drei geniale Punkte im ersten Game des Finales und die damit verbundene 40:0 Führung für Tader, dann hatte der Olympiasieger im Doppel sein Pulver auch schon verschossen. Vor den Augen seiner Eltern schlitterte der Ottakringer in ein spielerisches Debakel. Ohne großartige Gegenwehr ergab sich Tader seinem Schicksal. „Ich wollte druckvoll spielen und Lohr vom Platz schießen“ rechtfertigte sich Tader.

Sladek und Stangl – Die TK Eden-Juniors überzeugen ein weiteres Mal

Doch vom finalen Trauerspiel einmal abgesehen, gewährten die besten acht Grand-Slam-Spieler einen Einblick in die Zukunft der Hobby-Tennis-Tour. Neue Namen, junge Gesichter und frische Typen sind auf dem Weg nach oben und präsentierten an diesem Nachmittag sensationelles Tennis. Lohr, Berzengi, Aubram, Stangl, Sladek & Co zeigten, dass auch die Generation nach Patrick Schwing, Christoph Wagner, Stefan Schwing und Christopher Scharrach für feines Jugendtennis in den kommenden Jahres sorgen wird. Die TC-Schmelz-Cracks räumten mit Lohr, Tader & Co groß ab, doch auch die TK-Eden-Fraktion mit Domenic Stangl und Manuel Sladek wusste zu überzeugen. Letztgenannter erreichte mit einem 6:0 Kantersieg über Renee Glatzl sogar das Halbfinale. „Das Match gegen Glatzl war ganz in Ordnung, aber gegen Tader im Semifinale hätte ich viel besser spielen können und müssen“, zeigte sich Sladek nur teilweise zufrieden. Für den Höhepunkt des Tages abseits des Lohr-Solos sorgte Domenic Stangl. Der Ranglisten-Dritte kämpfte in einem wahren Marathon-Match nicht weniger als 1 Stunde und 10 Minuten lang mit Michael Januska, ehe der bullige, großgewachsene Januska nach unzähligen „Einständen“ und einer wahren Breakorgie mit 6:4 das bessere Ende für sich hatte. Ein unglücklich geführter „Infight“ mit Januska, der Domenic viel an Kraft und Substanz für den anstehenden B-Bewerb raubte, und der ihn auch zu einem ziemlich selbstkritischen Rückblick veranlasste. „Leider habe ich das Spiel mit meinem Aufschlag verhaut. Und die vielen vergebenen Chancen bei Einstand waren auch extrem ärgerlich“.

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Berzengi enttäuscht, Aubram nach B-Titel ratlos

Ärgerlich, so fällt am Ende mit Sicherheit auch das Resümee von Nihad Berzengi aus. Der 15jährige Sieger der Masters-Generalprobe, musste im Unterschied zu Sieger Matthias Lohr einen unerfreulichen und unerfolgreichen Abschied feiern. Aus im Viertelfinale, Niederlage im B-Finale, am Ende des Tages stand Berzengi bei seiner Schluss-Vorstellung auf der Future-Tour mit leeren Händen da. „Negativ wie sein Masters-Ergebnis, so zelebrierte der 2fache Turniersieger der Grand-Slam-Klasse seinen letzten Tennistag. Mit der Horror-Auslosung gegen Lohr zum Auftakt ging es los, mit dem Turniermodus ohne Gruppenspiele ging es weiter, ehe er sich auch noch über die Austragung der Spiele über einen Satz beklagte. So passte sein Abschneiden exakt ins Bild. Im B-Finale musste er dann zur Draufgabe auch noch der einzigen Dame im Feld den Vortritt lassen. Tatjana Aubram holte sich mit einem 6:4 Sieg im Finale des B-Bewerbes ihren 6. B-Titel und feierte den 3 Sieg über Berzengi in den letzten vier direkten Duellen. Die Freude über den Erfolg und die erfolgreiche Revanche für die Finalniederlage vom letzten Sonntag hielt sich aber in Grenzen. „Warum habe ich nicht am letzten Sonntag so gespielt wie heute“, fragte der Teenager ratlos in Richtung Veranstalter. In der Tat hat die 14jährige das falsche Duell gegen Berzengi gewonnen. Mit einer ähnlichen Leistung wie heute, hätte sie am letzten Sonntag ihren ersten Turniersieg eingefahren.

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Claus Lippert, 26.März 2006