Es schellert wieder auf der Tour

Alexander Scheller feiert in souveräner Manier seinen ersten Karriere-Titel

Ausgerechnet beim 10. Turnierstart auf der Hobby-Tennis-Tour hat es mit dem ersten Titelgewinn der Karriere geklappt. Alexander Scheller hat sich am Montag Abend mit einem überlegenen 6:2, 6:0 Erfolg über Alexander Szele im Finale des Februar-Second-Series-Turniers als 62. Spieler der Geschichte in die Siegerliste der Tour eingetragen. Der 19jährige dominierte das Duell der beiden Final-Debütanten nach Belieben, und stand nach nur 45 Minuten Spielzeit nach Thomas Seemann als zweiter Premieren-Turniersieger im Jahr 2007 fest. Schellers Lohn für die Second-Series-Mühen in den vergangenen Tagen wird neben dem Titelgewinn auch der erstmalige Einzug unter die Top 50 der Tour sein. Der Finalbericht von C.L

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Momente die Alexander nie vergessen wird

Es gibt wohl Momente im Leben eines jeden Menschen, die nicht mit viel Geld aufwiegbar sind. Einen solchen erlebte am Abend des 19. Februar wohl Alexander Scheller. Das sich der 19jährige Wiener über den ersten Turniersieg seiner Laufbahn freuen konnte, raubte ihm beinahe den Atem. Die Trophäe in Form eines vergoldeten Tennisspielers zauberte ein glücklich strahlendes Lächeln in sein Gesicht, das er all diese Momente aber im Kreis seiner Familie genießen durfte, machte den Montag Abend wohl unvergesslich für den Junior.

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Gut besuchte Halle beim großen Finale der Underdogs

Es ist knapp vor 21 Uhr, der Centercourt im Tennispoint Vienna füllt sich beinahe wie beim Grand-Slam-Finale vor knapp zwei Wochen. Dabei stehen nicht die Topstars der Szene auf dem Platz, sondern zwei junge Spieler, die erstmals zu Finalehren kommen und mehr als überraschend in dieses Endspiel eingezogen waren. Wer hätte sich noch vor wenigen Wochen ein Tourfinale zwischen Scheller und Szele voraussagen getraut. Niemand, maximal ein Phantast wäre auf solch eine Idee gekommen. Schellers Leistungen glichen in seinen Auftritten vor dem Februar-Second-Series-Turnier eher einer Hochschaubahnfahrt. Nichts konstantes, nichts außergewöhnliches hatte der für TK Eden Meisterschaft spielende Junge zu bieten. Und Szele kam bei 50 Turnierstarts zwei Mal ins Semifinale und nie über die Vorschluss-Runde hinaus. Doch irgendwann ist eben immer das erste Mal, und so hatte das zweite Second-Series-Event der Saison eben auf einmal sein großes Finale der Underdogs. Der gut besuchte Centercourt schien freilich die beiden Final-Protagonisten vorerst eher zu hemmen statt zu beflügeln.

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Duell der Final-Debütanten ist von großer Anfangs-Nervosität geprägt

Die Nervosität ist spürbar als “Alex & Alex” sich aufwärmen, und sie ist auch noch richtig greifbar, als es mit den ersten Ballwechseln so richtig zur Sache geht. Die Atmosphäre im Endspiel ist eine andere, die Erwartungshaltung der Spieler eine große. Und so ist auch die matte Startphase dieses sechsten Saisonfinales zu erklären. Der nervöse Beginn von beiden Seiten endet zunächst einmal mit drei Breaks in Folge und gespenstischer Stille auf den Zuseherrängen, ehe das vierte Game nicht nur zum längsten des gesamten Endspiels avanciert, sondern wahrscheinlich auch schon zum entscheidenden. Drei Chancen zum Re-Break und zum 2:2 Ausgleich läßt Szele ungenützt, dabei kam ihm sein Gegner auf der anderen Seite des Netzes mit einer besorgniserregenden Serie an Doppelfehlern sogar noch entgegen. “In dieser Phase dachte ich, dass ich ob der vielen Fehler Schellers das Match vielleicht sogar gewinnen könnte”, erinnerte sich Szele an diese Minuten des Spieles. Ein verunglückter Return Szeles besiegelte aber das 3:1 für Scheller und in Wahrheit bereits sein weiteres Final-Schicksal. Ab diesem Zeitpunkt ging beim 24jährigen nämlich gar nichts mehr. Ein weiteres, letztlich sogar einziges Game im ersten Satz war die magere Ausbeute der durchaus bemühten aber untauglichen Versuche Szeles, dem Match eine Wende zu geben. So wurde der finale Showdown recht rasch zu einer einseitigen Angelegenheit. Richtig zu glänzen verstand allerdings auch Scheller in diesem ersten Satz noch nicht, immerhin hatte er mit massiven Problemen beim Service zu kämpfen. Nicht weniger als 9 Doppelfehler im Startsatz sprechen dazu eine deutliche Sprache. Ein ständiges Wechselspiel zwischen Licht und Schatten hatte der spätere Sieger dem Publikum zu bieten. Phasenweise rief er mit sensationellen Punktschlägen sein Wahnsinn-Potential ab, dann wieder schockierte er mit seiner erwähnten Doppelfehler-Orgie. Kurios, dass Alex dann ausgerechnet mit einem “zweiten Aufschlag” und einem Service-Winner den ersten Durchgang nach exakt 29 Minuten beendet.

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Alex Scheller demonstriert im zweiten Satz eindrucksvoll sein großartiges Können

Den souverän verwandelten Satzball hatte freilich die Scheller-Oma nicht mehr live miterlebt. Nach 20 Minuten hatte sie den Platz verlassen, war ihr die Aufregung zu groß geworden. “Ich muss raus, ich bin zu nervös, da bekomme ich ja einen Herzinfarkt”, entzog sie sich dem nervenaufreibenden Spektakel am Centercourt. Dabei wäre die Scheller-Oma im zweiten Durchgang in den Genuss einer entspannten Viertelstunde und einer großartigen Tennis-Demonstration ihres Enkels gekommen. Nach 7 Minuten führt Scheller bereits mit 3:0, weitere sechs Minuten später freundet er sich bei einem 5:0 Vorsprung endgültig mit dem Gedanken an seinen ersten Karriere-Titel an. Und in diesen genau 16 Minuten des zweiten Heats spielt der 19jährige erstmals seit seiner Tour-Zugehörigkeit und abseits von mentalen Hürden sein ganzes Racket-Repertoire aus. Er genießt förmlich jede Minute des Finales, und punktet ein ums andere Mal auf spektakuläre Weise. Ob mit Risiko geschlagene Returns, oder Milimeter genau getimte Rück- und Vorhand-Winner, plötzlich geht beim Scheller-Junior alles. Das so nebenbei sein Gegenüber einen rabenschwarzen Tag erwischt, erklärt am Ende das Ergebnis des zweiten Satzes. Mit 8 Games in Serie legt Scheller auf dem Weg zum Premieren-Titel auf der Tour ein Super-Finish hin, das er um 22:01 Uhr und nach exakt 45 Minuten Spielzeit mit einem seiner insgesamt 12 Servie-Winner abschließen kann.

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Dann ist es soweit, kann Alex die verdienten Gratulationen entgegennehmen. Der Scheller-Clan liegt sich in den Armen, als der Junior zur Pokalübergabe schreitet. Unter dem Applaus des Publikums nimmt Alex dann aus den Händen des 53fachen Turniersiegers Claus Lippert die Trophäe für einen wirklich verdienten Titelgewinn entgegen. Er hat in diesem Finale nicht nur besser und vorallem aktiver gespielt als sein Gegner, sondern auch abseits von mentalen Zwängen der Tour-Szene gezeigt, wozu er wirklich fähig ist. Szele hingegen war bei seinem Final-Debüt zu sehr auf Sicherheit bedacht und letzlich beim Aufschlag zu harmlos. Die ohnehin nicht druckvoll genug ins Spiel gebrachten Bälle waren zudem auch nicht platziert und daher immer wieder ein echter Anreiz für Scheller beim Return sofort auf den Punktgewinn zu gehen. Freundin Sabrina konnte derweil draußen auf der Bank auch nicht helfen. Außer auf Hündchen “Mary” aufzupassen und ihrem Alex den Tipp mit auf den Weg zu geben, mit dem vielen unnötigen Nachdenken aufzuhören. “Ja das war wirklich mein Problem. Ich war während dem gesamten Match ständig damit beschäftigt über Fehler nachzugrübeln. Ich habe an alles gedacht was nicht funktioniert, statt mich mit positiven Gedanken zu umgeben”, meinte Szele. Um im 51. Karriere-Turnier erstmals als Sieger vom Platz zu gehen, hätte es an diesem Abend aber wohl einer anderen “Sabrina” auf der Spielerbank bedurft. Zum Finalsieg hätte nämlich höchstens eine “Sabrina total verhext” mit einigen Zaubertricks verhelfen können. Nein Spass beiseite, Alex Szele war nach seinem doch recht desaströsen ersten Final-Auftritt ziemlich enttäuscht. “Natürlich war mir schon vor dem Spiel klar, dass es sehr schwer für mich werden wird. Das es letztlich aber so klar für Scheller ausgeht, damit hätte ich nicht gerechnet. Ich hatte mir das schon viel enger vorgestellt. Aber es hat heute einfach überhaupt kein Schlag funktioniert. Der Aufschlag sowieso nicht, und auch die Vorhand klappte kaum. Dabei hat Scheller enorm viele Fehler gemacht. Er wäre zu schlagen gewesen. Besonders arg waren seine vielen Doppelfehler im ersten Satz. Da habe ich wie schon gesagt kurzfristig sogar damit spekuliert, dass ich dieses Match gewinnen könnte. Aber es werden auch wieder bessere Zeiten kommen, und insgesamt muss ich mit dem Erreichten hier zufrieden sein. Immerhin bin ich mit einem Finaleinzug in die Saison gestartet, wann ist mir das schon jemals gelungen”, tröstete sich der 24jährige.

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“Im zweiten Satz ist mir fast alles gelungen, und das war kein Zufall”

Während Szele also in Begleitung seiner Freundin die Halle enttäuscht recht rasch verließ, saß der Scheller-Clan schon bei einer ersten schnell improvisierten Siegesfeier. Gute Laune, das ein oder andere Gläschen Wein und ein “kühles blondes” für den Sieger, und mittendrin die erste Trophäe für den neuen Jungstar. “Ich habe so eine Freude mit dem Titel, aber speziell mit dem Pokal. So einen wollte ich schon immer. Als ich den vergoldeten Spieler vor dem Match gesehen habe, war ich gleich noch mehr motiviert”, frohlockte der neue Champion. Und während sich Oma-Scheller mit einer süssen Gaumenfreude ob des Triumphs ihren Enkelsohnes belohnte, begann Alexander seinen bislang größten Karriere-Erfolg zu analysieren. “Ich war zu Beginn echt nervös. Weniger ob der Tatsache, dass es ein Finalspiel war, sondern eher deswegen, weil am Schiedsrichterstuhl jemand gesessen ist. Ich habe gewußt, dass der Claus eine Match-Statistik macht, und durch meine vielen Doppelfehler bin ich da ziemlich nervös geworden. Da musste ich immer an diese Statistik denken. Nachdem ich mein Problem mit dem Aufschlag in den Griff bekam, habe ich meines Erachtens aber eine großartige Partie gespielt. Ich habe mich auch am Netz beim Volley verbessert und oft gepunktet. Im zweiten Satz ist mir überhaupt fast alles gelungen. Die Bälle sind genau dorthin gekommen, wo ich sie hin haben wollte. Das war kein Zufall, sondern der Lohn für meine vielen Trainingsstunden. Danke daher auch an meine Großeltern, die mir das Tennistraining sponsern”.

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“Vom Scharfschützenverein zum scharfen Schützen am Tenniscourt”

Und die Sponsoren zeigten sich mit den Darbietungen ihres Schützlings hoch zufrieden. “Da sieht man wo unser Geld bleibt. Nein, wir sind wirklich glücklich mit der Vorstellung von Alex. Jetzt hat er auch seinen ersten Tennispokal. Er war ja bei uns in Neunkirchen im Schützenverein schon bester Jugendlicher”, zeigte sich Opa Scheller stolz. Scharfschütze Alex hatte also auch bei seinem ersten Tennis-Finale das Visier mit vielen “granatartigen Aufschlägen” perfekt eingestellt. Apropos Scharfschütze: Im kommenden Oktober droht dem 19jährigen die Einberufung zum Scharfschützenverein in Form des österreichischen Bundesheeres. Bis dahin widme ich mich aber noch voll der Tour, und Oma Scheller sagte prompt ihre Unterstützung zu. “Mit seiner Leistung und seinem Sieg haben wir eine große Freude. Wenn es ihm Spass macht, dann unterstützen wir ihn finanziell beim Tennis. Wir geben sehr gerne, und Sport ist eine gute Sache. Das muss einfach unterstützt werden, bevor er irgendwo wie viele andere Jugendliche herumlungert”.

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Schellers perfektes Umfeld als Geheimnis seines Erfolges

Schellers Erfolg basiert aber nicht nur auf einem konsequent durchgeführten Training im TK Eden, sondern auch auf einem perfekt funktionierenden Umfeld. Da wäre einmal seine Mutter, die für perfekte Rahmenbedingungen sorgt. Sie besucht und beobachtet die Spiele ihres Sohnes. Sie findet auch die Zeit, die Tour-Auftritte ihres Sprösslings gemeinsam mit ihm zu analysieren, und sie hilft in den Bereichen, wo eben nur eine Mutter helfen kann. Und dann ist da auch noch der Ober-Fan des Scheller-Tennis-Clans namens Doris. Sie ist Freundin und Arbeitskollegin der Scheller-Mama, und sie versäumt kaum ein Match von Alex. Beim Februar-Second-Series war sie überhaupt bei allen vier Auftritten des Juniors vor Ort. “Ich bin so eigentlich wenig sportinteressiert. Ok, ich gehe schwimmen und Radfahren, aber das war es dann auch schon. Beim Tennis hat mich früher der Thomas Muster sehr fasziniert. Als Mensch und als Spieler sowieso. Und jetzt bin ich halt bei allen Spielen des Alex hier auf der Tour”.

“Man muss zunächst einmal die kleinen Turniere gewinnen, ehe man an große Titel denken kann “

Knapp eine Stunde dauerte das erste “Anstoßen auf den Alex-Triumph”, 60 Minuten die seit dem verwandelten Matchball vergangen waren, und die der neue Sieger im Kreis seiner engsten Vertrauen verbracht hatte. Zeit genug aber auch, um sich nach den ersten Emotionen des Erfolges über den Wert dieses Titelgewinns bewusst zu werden. “Ich bin echt froh über diesen Turniersieg. Auch wenn es nur ein Second-Series-Turnier war, bin ich stolz hier gewonnen zu haben. Man muss zunächst einmal die kleinen Turniere gewinnen, ehe man sich über große Titel Gedanken machen kann. Ich vergleiche das wie mit der Schule. Wenn ich die erste Klasse nicht schaffe, habe ich in der zweiten Klasse nichts verloren. Es gibt ja auch eine Werbung die da lautet. Was wären die großen Erfolge ohne die kleinen. Nein echt, auch ein Second-Series-Turnier muss man erst einmal gewinnen. Und hier habe ich echt schwere Gegner gehabt. Der Karlik war unheimlich stark, und der Krammer sowieso. Auf der Second-Series-Ebene muss man auch ganz hart kämpfen, weil die Spieler dort noch viel motivierter an die Sache herangehen. Außerdem ist es vorallem für mich oft viel schwieriger, mit den leichten Bällen etwas anzufangen”, philosophierte der 19jährige.

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Alex Scheller auf den Spuren von Gerald Scheller und Patrick Meinhart

Es war insgesamt der 4. Scheller-Turniersieg auf der Hobby-Tennis-Tour. Zwar zeichnet für drei Erfolge Alexanders Namensvetter Gerald Scheller verantwortlich, doch wer sagt, dass Alex nicht in die Fußstapfen des “großen Schellers” treten kann. Denn was so ein Turniersieg – auch wenn er nur auf Second-Series-Ebene zustande kam – auslösen kann, bekam die Tourfamilie ja anhand des Beispieles von Patrick Meinhart recht eindrucksvoll demonstriert. Mit dem Sieg beim Jänner-Second-Series-Turnier machte sich der 16jährige vollgepumpt mit Selbstvertrauen auf, um die Hobby-Tennis-Tour-Welt aus den Angeln zu heben. Mittlerweile ist Patrick schon die Nummer 7 der Tour, und nach seinem Februar-Without-Top-Ten-Titel laut Coach Harald Selak auf dem besten Weg, in die Fußstapfen eines gewissen Chistoph Wagner zu treten. Wohin der Weg des Alex Scheller in der weiteren Zukunft führen wird, werden wir aufmerksamst beobachten. Wohin sein Weg in die unmittelbare Zukunft führt war hingegen klar. “Jetzt geht es schnell nach Hause. Dort haben wir eine Flasche Champagner eingekühlt, und die werden wir heute noch schlürfen”, meinte Alex. Na dann Prost!

Claus Lippert, 20. Februar 2007