Nie mehr Hobby-Tennis-Tour – Ines Kreilinger beendet schillernde Karriere

Mit einem Paukenschlag ist der wegen Regen ins Wasser gefallene Semifinaltag bei der 25. Auflage der HTT-US-Open in der Südstadt zu Ende gegangen. Die 7fache Olympiasieger Ines Kreilinger gab am Rande des letzten Grand-Slam-Turniers des Jahres ihren sofortigen Rücktritt auf Österreichs größter Breitensport-Tennis-Serie bekannt. Mangelnde Motivation, fehlender Biss und neue Zukunftsprojekte nannte die Ausnahmekönnerin als Gründe für ihren nicht ganz unerwarteten, letztlich aber doch überraschend gefassten Entschluss. Der HTT geht damit die erfolgreichste und beste Spielerin aller Zeiten verloren. Ein Bericht von C.L

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“Mir fehlt der nötige Biss” – Hartplatz-Queen sagt für immer “bye bye”

Die Hartplatz-Queen sagt “Bye-bye”, und das ausgerechnet in den Tagen des größten HTT-Hartplatz-Events des Jahres. Wie eine Bombe hat die Meldung vom Rücktritt der 7fachen Olympiasiegerin am Montag Abend eingeschlagen. Ines Kreilinger wird nach knapp mehr als 5 Jahren Tour-Zugehörigkeit und wenige Wochen nach ihrem letzten Auftritt im Rahmen des HTT-500-Turniers in Kitzbühel auf der Hobby-Tennis-Tour nicht mehr zum Schläger greifen. Das verlautbarte die Oberösterreicherin wenige Tage vor ihrem 27. Geburtstag und nach einem sportlich betrachtet eher trüben letzten Jahr. “Ich denke jeder Tennistrainer kennt das Problem, wenn du 6 Tage die Woche auf dem Platz stehst, und dir dann einfach die nötige Motivation für das Turniertennis fehlt. Bei jedem Turnier zuletzt habe ich gemerkt, dass ich nicht mehr den notwendigen Biss habe. Gegen gute Spieler brauchst du das aber. Die ganze Energie fließt in die Arbeit. Mein Hobby ist jetzt zum Beruf geworden. Jetzt gilt es die Talentschmiede voranzutreiben, da bleibt für das eigene Tennis keine Zeit mehr”.

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Vom furiosen HTT-Debüt bis zum Sensationssieg beim März-Masters-1000-Turnier in der Südstadt

Mit dem Abgang von Ines Kreilinger verliert die Hobby-Tennis-Tour ihre mit Abstand beste und erfolgreichste Spielerin der Geschichte. Die gebürtige Oberösterreicherin eröffnete mit ihrem Tour-Debüt im Juni 2011 eine völlig neue Dimension im Damentennis der HTT, und sorgte bereits beim zweiten Turnierstart für Furore. Als erste Dame der Open Era holte Kreilinger beim Juli-HTT-250-Turnier einen Titel außerhalb der Challenger-Tour und jagte im Endspiel einen völlig überforderten Martin Mayerhofer mit einer Doppel-Null vom Centercourt der altehrwürdigen Tennisanlage in der Leberstraße. 2 Wochen später bestätigte die damals 22jährige ihren Premieren-Titel mit dem Sieg beim Juli-HTT-150-Turnier, ehe sie im August die ersten beiden ihrer insgesamt 7 Olympia-Goldmedaillen eroberte, bei den HTT-US-Open als erste Dame der Geschichte in ein Major-Viertelfinale vorstoßen konnte, und mit der ersten und bislang einzigen weiblichen Finalteilnahme beim Doppel-Masters für Schlagzeilen sorgte. Im Sommer 2012 gelang Kreilinger mit dem erstmaligen Einzug einer Frau in die hochgelobten und von Männern dominierten Top Ten der HTT-Entry-List ein weiterer Mega-Coup ihrer einzigartigen HTT-Karriere. Für die Krönung ihrer Laufbahn sorgte die Hartplatz-Queen aber am 1. April 2014, als sie im Endspiel des März-Masters-Series-1000-Turniers gegen den aktuell im HTT-US-Open-Semifinale stehenden Stefan Grubmüller einen 0:6, 1:4 Rückstand aufholte, und in einen glorreichen und bis heute unerreichten Triumph verwandelte. Am 7. Mai des gleiches Jahres durfte sie sich dann mit Platz 9 auch über ihr absolutes HTT-Karriere-High-Ranking freuen.

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Nach letztem Auftritt in Kitzbühel widmet sich Ines Kreilinger nun mit ganzer Energie ihrer “Talentschmiede”

Insgesamt absolvierte Kreilinger 62 HTT-Single-Turniere, bestritt dabei 130 Matches und feierte 75 Siege. Aktuell ist die 27jährige auf Position Nr. 644 abgerutscht, und beim HTT-500-Turnier in Kitzbühel versuchte die Power-Lady letztmalig ihr Glück auf der HTT. Allerdings war im Achtelfinale gegen Mario Kiss Endstation. Dem Tennis wird Kreilinger aber auch nach ihrem HTT-Rücktritt erhalten bleiben. “Tennis ist noch immer mein Leben, aber nicht mehr als aktive Spielerin. Tennis ist jetzt mein Beruf, und der nimmt sehr viel Zeit in Anspruch”, so Kreilinger. Der Lohn dafür ist ein sich aktuell höchst erfolgreich entwickelndes Projekt namens Talentschmiede. “Mein eigenes Tennis lebt jetzt weiter, vorallem in meinem auf Leistungstennis orientierten Schützling”, so Kreilinger, die nach einem erfolgreichen Start ihres Projektes “Talentschmiede” bereits in die Zukunft blickt. “Für die Zukunft interessiert mich sehr der Leistungsbereich im Tennis. Mit Kindern und Jugendlichen in Richtung Weltspitze zu arbeiten, dort würde ich mich sehr gerne sehen. Die Talentschmiede auf stabile Beine zu stellen ist das Nahziel, und irgendwann möchte ich auch einmal andere Tennistrainer beschäftigen”, so die Tennis-Enthusiastin, die abschließend auch noch einen Rückblick auf ihrer HTT-Zeit machte.

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“Die HTT hat mir in schweren Zeiten die Freude am Tennis zurückgegeben”

“Eigentlich hatte ich mit 19 Jahren mit dem Leistungstennis aufgehört, hatte den Schläger in die Ecke gestellt und gesagt nie mehr wieder. Mehr oder weniger wurde ich dann 2011 von einem Bekannten dazu überredet auf der Hobby-Tennis-Tour mitzuspielen. Und dann ist es auf Anhieb gut gelaufen. Ich erinnere mich an mein erstes HTT-Match gegen den Michael Pichler. Da ist es gleich super gelaufen. Und dieses Erlebnis hat mir sehr viel gegeben, weil nach dem Ende des Leistungssports war gefühlmäßig auch igrendwie mein Leben vorbei. Ich hatte ja mein ganzes Leben nichts anderes gemacht als Tennis zu spielen. Und ich hatte in dieser Zeit einfach keinen Weg mehr zum Tennis abseits des Leistungssports gefundenden. Die HTT hat mir quasi den Weg zurück zum Tennis geebnet. Ich hatte nach meiner Verletzung wieder Spaß am Tennis und auch die Atmosphäre auf der Hobby-Tennis-Tour war für mich eine neue und vorallem positive Erfahrung. Ich war ganze andere Sachen von ÖTV-Turnieren und internationalen Turnieren gewohnt. Und nachdem mir die HTT die Freude am Tennis wieder zurückgegeben hatte, entwickelte sich irgendwie auch mein Job daraus. Leute habe mich plötzlich wieder wegen Trainerstunden angesprochen. Eine tolle Erfahrung war natürlich auch das ständige Spielen gegen die Herren. Da habe ich ganz sicher eine Menge dazugelernt. Und mein größter Erfolg war natürlich der Sieg beim März-Masters-Series-1000-Turnier in der Südstadt. Noch heute werde ich von Leuten auf diesen Erfolg angesprochen. Das war sicher der einprägendste Moment meiner HTT-Karriere”.

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