Bernhard Scheidl stemmt nächsten Kraftakt auf dem Weg ins Finale

Mit einem weiteren drei Sätze andauernden Kraftakt hat sich Bernhard Scheidl am Montag Nachmittag erstmals seit Kitzbühel im vergangenen August wieder für ein Endspiel auf der Hobby-Tennis-Tour qualifiziert. Der 30jährige Burgenländer musste im Semifinale gegen den 3fachen HTT-US-Open-Champion Damian Roman wie auch schon in den beiden Runden davor über die volle Distanz von drei Sätzen gehen, ehe er sich nach 1:52 Stunden Spielzeit mit 4:6, 6:2 und 6:2 durchsetzen konnte. Im Kampf um seinen ersten Titel seit den HTT-Australian-Open 2015 bekommt es der “Serve & Volley-König vom Neusiedler See” im Endspiel mit Überflieger Florian Kopf zu tun, der sich im zweiten Semifinale des 21. März-Masters-Series-1000-Turniers mit 6:4, 6:4 über den steirischen HTT-US-Open-Finalisten von 2015 Alexander Schager hinwegsetzen konnte. Ein Bericht von C.L

img_5683

img_5651

Ein einziger Fehler Scheidls im ersten Satz wird von Damian Roman brutal bestraft

Bernhard Scheidl hat sich am Dienstag Nachmittag im Semifinal des 25. Saisonturniers abermals als Angstgegner des 3fachen HTT-US-Open-Siegers Damian Roman präsentiert. Im bereits vierten direkten Duell der beiden HTT-Top-Ten-Stars ging Scheidl nach seinem 4:6, 6:2, 6:2 Erfolg bereits zum dritten Mal als Sieger hervor, und der 30jährige beendete auf dem Weg in sein drittes HTT-Karriere-Finale zudem auch noch die imposante Siegesseries des Damian Roman, der auf den beiden Hartplätzen im Tennispoint Südstadt immerhin 17 Einzelerfolge am Stück feiern konnte. Zunächst freilich deutete allerdings noch recht wenig darauf hin, dass Damian Romans Erfolgsrun auf Hartplatz ein Ende finden würde. Der 33jährige aus Negresti Oas kontrollierte vorallem mit ganz souverän durchgebrachten Aufschlagspielen das Geschehen am Centercourt, und nützte im Stile eines großen Champions die einzige Unachtsamkeit seines Gegners im ersten Satz. 5:4 führte der rumänische Hartplatzkönig – beide Spieler hatte bis dahin ihre Aufschlagspiele gewonnen – als sich Scheidl bei eigenem Aufschlag einen folgenschweren Lapsus leistete. Der Ranglisten-Sechste vollierte einen eigentlich ins Out fliegenden Return seines Gegners ins Netz, und musste plötzlich aus dem Nichts heraus und nach 40:15 Führung einen Satzball gegen sich abwehren. Und dieses eine einzige Großchance, nützte Damian Roman mit einem aggressiv geschlagenen Rückhand-Return-Winner zum Gewinn des ersten Satzes.

img_5653

Fünftes Game im zweiten Satz bringt die Wende in diesem Match

Zu Beginn des zweiten Durchgangs gab es zunächst ein unverändertes Bild. Beide Spieler agierten richtig stark und konsequent bei ihren Aufschlagspielen, und das bis 2:2, ehe das fünfte Game in diesem zweiten Satz die Wende in diesem Spiel mit sich bringen sollte. Mit seinen ersten Break-Möglichkeiten überhaupt in diesem “Semi” kam Scheidl zum 3:2, und er überstand in der Folge auch jene Momente, in denen Roman problemlos den bis dahin noch vermeintlich kleinen Ausrutscher hätte ausbügeln können. Vier Chancen auf das Re-Break fand der große Hartplatz-Meister im folgenden Game vor, doch allesamt ließ er sie ungenützt. Scheidl war ergebnistechnisch mit 4:2, vorallem aber mental davon gezogen, während Roman den vergebenen “big points” mit einem Horror-Game nachtrauerte, und mit zwei Doppelfehlern in einem Aufschlagspiel ein zweites Mal sein Service zum 2:5 abgeben musste. Scheidl servierte kurz darauf zum Satzausgleich, und nach 71 gespielten Minuten war der Kampf um das zweite Finalticket neben Florian Kopf wieder völlig offen.

img_5661

Damian Roman muss im alles entscheidenden dritten Satz gleich drei Mal in Folge seinen Aufschlag abgeben

Allerdings nur vom Resultat her, denn spielerisch hatte Scheidl längst Oberluft in diesem zweiten März-Masters-Series-1000-Semifinale. Romans ansonsten so druckvolles und präzises Grundlinien-Tennis verbuffte in der Frühjahrssonne in Maria Enzersdorf, und dem permanent am Netz auftauchenden Gegner hatte der Ranglisten-Zweite am Return und beim Versuch den gegnerischen Volley-Künstler zu passieren, auch nichts mehr zwingendes entgegen zu setzen. Das erste Break war eine Frage der Zeit, und gelang Scheidl schon früh zum 2:1. Das Break zum 4:1 “gedoppelt” war soviel wie entscheidend, denn das Roman’sche Re-Break zum 2:4 war nicht mehr als Ergebniskosmetik. Der 3fache HTT-US-Open-Champion gab nämlich gleich darauf auch noch ein drittes Mal in Folge seinen Aufschlag ab, und nach 1:58 Stunden Spielzeit hatte Scheidl die Partie dann mit zwei Aufschlag-Winnern ausserviert.

img_5682

“Der dritte Satz war so wie letztes Jahr in Kitzbühel”

“Ich hatte eigentlich nicht wirklich damit gerechnet, hier und heute gegen den Damian eine Chance zu haben. Nachdem ich gestern fünfeinhalb Stunden spielte, wollte ich heute einfach nur das Beste versuchen. Im ersten Satz hatte ich bei meinen Aufschlagspielen mehr zu kämpfen als mein Gegner, und daher folgerichtig am Ende auch das Break kassiert. Im zweiten Satz habe ich plötzlich 5 Games in Folge gemacht, und da hat der Damian recht unkonzentriert gewirkt. Der dritte Durchgang war dann so wie letztes Jahr in Kitzbühel, da habe ich fehlerfrei gespielt. Überrascht bin ich trotzdem”, meinte der Sieger, der sich für das anstehende Endspiel einen Tage Pause gewünscht hätte, diesen Wunsch aber nicht erfüllt bekam. “Egal, es ist ohnehin nicht das erste Mal, dass ich körperlich in diesem Zustand bin. Ich bin es gewohnt, in angeschlagenem Zustand zu spielen. Die Fitness gehört genauso zum Tennis, nur ist sie bei mir leider nicht so gut und stark wie bei vielen anderen Spielern auf der Tour. Das soll keine Ausrede sein. Ich werde müde sein, ich werde Schmerzen haben, aber in einem Finale werde ich einfach allles geben und am Ende werden wir eh sehen, ob es reicht oder nicht”, so der Burgenländer der auf seinen ersten Titelgewinn seit den HTT-Australian-Open 2015 hofft.

img_5668