“Berserker” Florian Kopf wütet durch das März-1000er-Tableau

Der Ranglisten-Zweite Damian Roman aus Rumänien und der weiter in Hochform spielende Florian Kopf haben am Sonntag Nachmittag jeweils mit souveränen Leistungen und ohne Satzverlust das Semifinale der 21. Auflage des März-Masters-Series-1000-Turniers in der Südstadt erreicht. Während HTT-US-Open-Sieger Damian Roman auf seinem “Haus & Hof-Belag” gegen den Südtiroler Dorian Falk und Markovic-Bezwinger Andreas Tolunay in sein 16. HTT-Karriere-Semifinale spazierte, und damit als einziger der vier Halbfinalisten die Chance hat, als erster Spieler 2016 einen zweiten HTT-Titel für sich zu entscheiden, demonstrierte Florian Kopf mit zwei eindrucksvollen Vorstellungen nachhaltig seine Anwartschaft auf den ersten Masters-1000-Turniersieg seiner Karriere. Der 23jährige Power-Server vom Schwechater TC fegte im Achtelfinale über Rumäniens Wunderkind Eric Adochitei mit 6:0, 6:1 hinweg, und er beendete im Viertelfinale auch die Hoffnungen von Vorjahressieger Philipp Schneider auf eine erfolgreiche Titelverteidigung. Ein Bericht von C.L

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Dritte Saisonniederlage kostet Philipp Schneider 820 Ranglisten-Punkte und den Anschluss an die Top 3 des HTT-Computer-Rankings

Der 2fache Masterssieger und Titelverteidiger Philipp Schneider vom UTC Waidhofen/Thaya hat nach 8 Siegen en suite erstmals überhaupt ein Match im Rahmen des März-Masters-Series-1000-Turniers verloren. Der 35jährige Horner musste sich im Viertelfinale des 25. Saisonturniers dem in überragender Form agierenden Florian Kopf mit 4:6, 5:7 beugen, und verpasste damit die erste erfolgreiche Titelverteidigung beim März-Masters-1000-Turnier seit Andreas Harbarth in den Jahren 2007 und 2008. Schneider verliert mit seiner dritten Saison-Niederlage zudem am kommenden Dienstag 820 Ranglistenpunkte und damit auch den Anschluss an die Top 3 des HTT-Computer-Rankings. Dabei startete Schneider “aus seiner Sicht” unerwartet stark in die Outdoor-Saison 2016. Der 14fache Turniersieger, der übrigens drei der letzten fünf Masters-Series-1000-Turniere für sich entschied, zeigte sich verwundert über seinen verhältnismäßig starken ersten Auftritt unter freiem Himmel, und feierte beim 6:2, 6:2 über BMTC-Jungstar Nikolaus Szava den 115. Einzelsieg seiner Karriere. Den wahren Gradmesser bei seinem 40. HTT-Turnierstart bekam Schneider freilich erst im Viertelfinale vorgesetzt. Denn dort wartete mit Florian Kopf der Spieler der Stunde im derzeit so starken Circuit.

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Kopf deklassiert chancenlose Konkurrenz, und Rumäniens Wunderkind muss vom Coach in Schutz genommen werden

Unfassbar mit welcher Dynamik und Wucht der September-HTT-500-Champion vor dem Viertelfinal-Kracher gegen Schneider durch das Tableau wütete. Gigantisch mit welcher Präzision der 23jährige Power-Server zu Werke ging, und die Kombination daraus führte dazu, das Kopf mit einer beinahe erdrückenden Darbietung nicht nur den März-Masters-Series-1000-Semifinalisten von 2014 Hans Kunst, sondern auch das neue rumänische Wunderkind Eric Adochitei regelrecht deklassierte. Die völlig chancenlosen Gegner konnten einem beinahe schon leid tun. Kopf wütete wie ein Berserker, und drückte die überforderte Konkurrenz mit jeweils nur einem Game aus dem Bewerb. Vorallem der Achtelfinal-Auftritt Kopfs war schon eine “richtige Ansage”, zumal Eric Adochitei zuletzt immer wieder sein großartiges Können unter Beweis stellte, und beim März-HTT-500-Turnier sogar mit Matchbällen gegen seinen berühmten Landsmann Damian Roman aufwarten konnte. Doch gegen Kopf gab es nichts zu bestellen, wurde der hoch gehandelte Jungstar vor den Augen seines Trainers auf den Boden der beinharten Realität zurückgeholt. “Er ist noch ein Kind”, wurde der 15jährige von seinem Coach nach dem achtelfinalen Debakel in Schutz genommen.

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Kopf gewinnt erstes direktes Duell gegen Schneider

Im Viertelfinale kam es derweil zum großen Kracher und ersten direkten Aufeinandertreffen zwischen Titelverteidiger Philipp Schneider und Power-Server Florian Kopf. Ein Duell das mit großer Spannung erwartet wurde, und das über weite Strecken durchaus diese Erwartungen auch erfüllte. Kopf verzeichnete den besseren Start, führte rasch mit zwei Breaks 4:1, ehe er sich mit 6:4 die 1:0 Satzführung sichern konnte. Im zweiten Satz – Schneider hatte längst seinen Rhythmus gefunden – war es dann mit der erdrückenden Kopf-Dominanz vorbei. Schneider gab einen mehr als ebenbürtigen Gegner ab, und holte sich früh ein Break zum 2:0. Nach gelungenem Re-Break kämpfte sich Kopf aber zurück in diesen zweiten Satz, den er am Ende hauchdünn mit 7:5 ins Trockene brachte.

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HTT-US-Open-Sieger Damian Roman spaziert ins Semifinale und ist auf den Hartplätzen in der Südstadt mittlerweile bereits seit 17 Spielen ungeschlagen

Wie stark ist eigentlich der beste und erfolgreichste HTT-Hartplatzspieler der vergangenen Jahre in Form? Statistisch betrachtet bärenstark, immerhin ist der 33jährige auf den Hartplätzen in der Südstadt schon seit 17 Spielen ungeschlagen. Und spielerisch? Nun eine Antwort darauf wird frühestens der montägige Semifinal-Auftritt gegen Bernhard Scheidl liefern, denn auf dem Weg in die Vorschluss-Runde des 21. März-Masters-Series-1000-Turniers war der 3fache HTT-US-Open-Champion aus Rumänien nicht wirklich gefordert. Im Achtelfinale “wärmte” sich der Ranglisten-Zweite aus Negresti Oas mit einem 6:0, 6:0 Kantersieg über den Südtiroler Doran Falk auf, und auch im Achtelfinale gegen Terra-Rossa-Aufschlagwunder Andreas Tolunay hatte man nie den Eindruck, dass der Roman-Express auf dem Weg in sein 16. HTT-Karriere-Semifinale entgleisen könnte. Der 10fache Titelträger lieferte keine Glanzleistung ab, blieb aber dennoch stets souverän, und zwang Tolunay am Ende locker mit 6:3, 6:2 in die Knie. Höhepunkt einer eigentlich an Höhepunkten ganz armen Partie war ein Aufschlagspiel Tolunays im ersten Durchgang, in dem der 23jährige sechs Doppelfehler servierte, und Damian Roman daraus dennoch kein Kapital in Form eines Breaks schlagen konnte.

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Markovic und Tolunay gehen “baden”

Roman war es egal, und Tolunay eigentlich auch, denn der kampfkräftige Terra-Rossa-Star hatte sein Highlight schon eine Stunde davor im Achtelfinale gegen Filip Markovic gelandet. Tolunay gelang nämlich ein von Insidern nicht erwarteter 6:3, 2:6, 6:1 Erfolg über jenen Markovic, der in Abwesenheit von Vladimir Vukicevic, Nenad Sarcevic und Nemanja Dejanovic die serbischen Fahnen hochhalten sollte. Doch der heuer bislang so stark spielenden Markovic enttäuschte auf allen Linien, und agierte völlig rat- und planlos gegen einen gezielt und bewusst “drucklos” agierenden Tolunay. Der hatte am Ende mit seinem 152. Karriere-Einzelsieg zum zweiten Mal nach 2011 das Viertelfinale des März-Masters-Series-1000-Turniers erreicht, und im Head to Head mit dem ersten Sieg im vierten Duell gegen Markovic auf 1:3 verkürzt. “Ich wollte diesen Sieg unbedingt. Ich glaube das hat man gesehen. Dieser Erfolg war für mich persönlich auch sehr wichtig, immerhin hatte ich ja bislang schon drei Mal gegen Markovic verloren”, so Tolunay, der sich nach seinem Centercourt-Auftritt mit einem erfrischenden Bad im kühlen See vor Ort belohnte.

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